Petersburg erinnert an Beginn der Stadtblockade durch die faschistische deutsche Wehrmacht vor 80 Jahren

Blockadesnanews.de: Die deutsche Wehrmacht hatte vor 80 Jahren die Stadt Sankt Petersburg, damals Leningrad, von allen Nachschubwegen abgeriegelt. Es folgte eine 900 Tage andauernde Blockade. Die Stadt und ihre Menschen erinnern heute an die Hunderttausenden Opfer dieses mit System betriebenen Verbrechens. Es sei ein schmerzlicher Tag, erklärte der Petersburger Gouverneur Alexander Beglow auf der Website der Stadtverwaltung: „Vor 80 Jahren begann die Leningrader Blockade. Es waren lange 900 Tage voller Kälte, Hunger, Beschuss und erbitterter Kämpfe.“

Bereits im Juli 1941 flog die deutsche Luftwaffe Angriffe gegen das damalige Leningrad. Am 4. September erfolgte der erste Artilleriebeschuss durch die Wehrmacht, vier Tage darauf war die Stadt an der Ostsee vom Rest des Landes abgeschnitten. Ziel der deutschen Faschisten war es, die zweitgrößte Stadt der Sowjetunion systematisch auszuhungern.

„Selbst unter den unvorstellbaren Bedingungen lebte die Stadt weiter und arbeitete für den Sieg über den Feind“, heißt es in der Erklärung des Gouverneurs. Hunger leidend seien Abertausende Stadtbewohner ihrer schweren Arbeit weiter nachgegangen, um Rüstungsgüter für die Front und Anlagen für die Industrie herzustellen. Auch das Kulturleben sei nicht zum Erliegen gekommen. Im ersten Blockadewinter seien noch 39 Schulen in Betrieb gewesen.

Am heutigen Mittwoch wurde in Sankt Petersburg über Lautsprecher eine stadtweite Schweigeminute angekündigt. An mehreren Orten legten Menschen Kränze an Denkmälern nieder. Es gelte, die Erinnerung an die Blockade wachzuhalten, erklärte Gouverneur Beglow. Dafür sei man gemeinsam verantwortlich. Eine eigens gegründete wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung der Blockade habe dieser Tage ihre Arbeit aufgenommen. „Auf öffentliche Initiative werden heute an 115 Orten der Stadt die Namen derer vorgetragen, die die Blockade nicht überlebt haben“, teilt der Gouverneur mit.

Die Blockade endete am 27. Januar 1944. Historikern zufolge starben in der Zeit mehr als eine Million Menschen. Im Frühjahr dieses Jahres zählten die Sankt Petersburger Behörden noch mehr als 63.000 „Blokadniki“, wie die Überlebenden des Verbrechens genannt werden.

Quelle: Presseschau vom 08.09.2021


Während der Blockade…

Leningrad8 Probenraum

Das Sinfonieorchester des Leningrader Radiokomitees wurde in der schwierigsten Blockadezeit — im Winter 1942-gegründet. 80 Musiker mußten für das Orchester gefunden werden. Überall wurde gesucht: an den Fronten, in den Krankenhäusern, in der Stadt. Der Dirigent Carl Eliasberg, der das Orchester leitete, konnte zu diesem Zeitpunkt vor Erschöpfung nicht mehr gehen. Am 9. Februar 1942 wurde er in einem Kinderschlitten mit der Diagnose „alimentäre Dystrophie 2. Grades“ in ein Krankenhaus gebracht. Und am 9. April 1942 hatte er seine erste Probe mit dem gemeinsamen Orchester. Die Streichergruppe wurde aufgenommen, aber es gab Probleme mit den Bläsern, da die Musiker physisch nicht mehr in der Lage waren ihre Instrumente zu spielen. Einige von ihnen wurden während der Proben ohnmächtig.

Die Partitur von Schostakowitschs siebter Symphonie war mit dem Flugzeug geliefert wirden: die Leningrader Sinfonie, die D. Schostakowitsch, der Komponist während der Evakuierung vollendet hatte. Die Proben hatten begonnen.

TagesrationAuf einer der Proben stellte Karl Eliasberg plötzlich fest, daß Jawdat Ajdarov, unser Landsmann, nicht mehr da war. Auf die Frage von Eliasberg: „Wo ist der Schlagzeuger?“, wurde ihm gesagt: „Er ist tot, er liegt im Leichenschauhaus!“ Eliasberg wollte es nicht glauben und beschloß, selber nachzusehen. Als er Ajdarow fand, stellte sich heraus, daß er noch atmete. Die zusätzliche Scheibe Brot gab die schwindenden Lebenskräfte zurück. Das war später eine der lebendigsten Erinnerungen seines Lebens.

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Siehe auch:
Die Blockade von Leningrad – eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht

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7 Antworten zu Petersburg erinnert an Beginn der Stadtblockade durch die faschistische deutsche Wehrmacht vor 80 Jahren

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Mit welchen Worten kann man seine Scham und die Trauer ausdrücken angesichts dieses Verbrechens des deutschen Faschismus? Es fehlen die Worte. Als Kind habe ich die Nachkriegszeit erlebt und kann mich erinnern, dass ich sehr oft Hunger hatte, aber das war nicht vergleichbar mit dem Hunger der Leningrader. Doch diese Menschen, die sowjetischen Soldaten, brachten die Größe auf, in Berlin Brot an die hungernde deutsche Bevölkerung zu geben. Auch daran kann ich mich erinnern. Heute wird mit dem Gedanken geplant, mit Hunger den Widerstand gegen die tödliche Spritze zu brechen, kaltschnäuzig, denn zum Hungern wird es bei vielen Menschen kommen, die die Tests im Herbst für die Kaufhallen nicht bezahlen können. Hunger als Waffe. Faschismus, mehr bleibt nicht zu sagen. Wir sollten von den Franzosen lernen.

    • sascha313 schreibt:

      …ja, das Dumme ist nur, daß die deutsche Geschichte nicht als Beispiel für eine erfolgreiche Revolution dienen kann: die vermasselte Novemberrevolution, wo „vergessen“ wurde, die Konzernherren zu enteignen, und die gescheiterte Wahl 1933.

      Während in Frankreich in 350 Städten gleichzeitig protestiert wird und die Polizisten sich auf die Seite der Demonstranten stellen, gibt es in der BRD vereinzelte Proteste (mit Anmeldung). Und an Brennpunkten werden dann die Schlägertrupps eingesetzt, so daß viele nur noch Angst haben, beim nächsten Mal dabei zu sein.

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Die deutsche Misere. Schon monströs, wenn eine Protestdemonstration gegen Maßnahmen der Regierung bei der Polizei im Namen der Regierung angemeldet werden muss, die dann natürlich verboten wird. Aber wir haben ja gesehen, sehr viele haben sich an die Verbote nicht gehalten und kamen trotzdem nach Berlin. Aber der richtige Protest ist es noch nicht, noch haben die Obrigkeiten keine Angst vor dem Protest und werden immer übermütiger. Zu hoffen ist nur, dass immer mehr Leute mitkriegen, worum es bei der ganzen Corona-Chose eigentlich geht. Es fehlt und fehlt ein Zentrum.

  3. Weber Johann schreibt:

    Entnommen aus dem Büchlein „Über ,Die Russen‘ und über uns“. Diskussion über ein brennendes Thema. Herausgeber: Verlag Kultur und Fortschritt im Auftrage der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion Groß-Berlin
    November 1948 in Ostberlin:

    Prof. Steiniger: Meine Damen und Herren! Ich darf Ihnen als nächsten Redner einen Repräsentanten der großen Nation ankündigen, in deren Hause wir hier zu Gast sind. Herr Hauptmann Tregubow wird zu uns sprechen; er liegt Wert auf die Feststellung, daß er als Mensch, als Angehöriger des sowjetischen Volkes, aber nicht in einer amtlichen Funktion und nicht in irgendwelchem Auftrag oder mit irgendwelcher Weisung das zu gedenkt. (Beifall)

    Hauptmann Tregubow: Meine Damen und Herren! Zu der heutigen Diskussion über die „Russen und wir“ möchte ich von meinem Standpunkt aus Stellung nehmen. Ich möchte heute zu Ihnen als einer derjenigen Nation sprechen, die heute auf der Tagesordnung zur Diskussion steht. Aber ich möchte das Thema von einer anderen Perspektive aus behandeln, und zwar möchte ich es so formulieren: Über die Deutschen und uns. (Heiterkeit, Beifall). Ich hoffe, daß Sie mir das gestatten. … Aber jeder von uns glaubte, daß die Arbeiter und Bauern Deutschlands doch nicht gegen die Macht der Arbeiter und Bauern Sowjetunion kämpfen werden. (sehr gut)

    Mich, den einfachen Soldaten der Roten Armee von 1941, haben die deutschen Arbeiter und Bauern sehr enttäuscht. Nehmen Sie mir das nicht übel! Sie haben mich gezwungen, vier Jahre hindurch ununterbrochen die Waffe nicht aus der Hand zu legen. Vier Jahr lang und noch dauerte der grausame Krieg, der durch den deutschen Hitlerismus entfesselt war. Vier Jahre lang floß das Blut von Millionen sowjetischer Menschen. Vier Jahre lang und noch heute weinten und beklagten Millionen russischer Frauen ihre Männer, Brüder und Kinder. Kein Land, welche von den Hitlerhorden überfallen wurde, hat so große Verluste gehabt wie meine Heimat und mein Volk…..

    Fast 7 Millionen sowjetische Menschen verlor mein Land in diesem blutigen Kampf. Die Faschistenbanditen zerstörten 1710 sowjetische Städte, über 70.000 Kleinstädte und Dörfer. Sie zerstörten über 6 Millionen Häuser und machten damit 25 Millionen sowjetische Bürger obdachlos. Der Schaden, der der Volkswirtschaft und den Bürger der Sowjetunion zugefügt wurde, überstieg die Summe von 128 Milliarden Dollar. Aber kann man überhaupt den Wert des Lebens der Gefallenen, der Wunden und des Blutes der Verstümmelten und der Tränen und des Leides der Frauen und Kinder, der Hinterbliebenen, ermessen?

    Diese große Opfer waren der Preis für den Sieg über den Faschismus, der Preis für die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker der Welt. Das sowjetische Volk rettete vor dem sicheren Untergang nicht allein die Sowjetunion und die Völker der Sowjetunion, sondern auch andere Länder und Völker, darunter auch das deutsche Volk. Wäre die Sowjetarmee 1945 nicht nach Deutschland gekommen, so hätten sehr viele der hier Anwesenden den Tod in den Konzentrationslagern gefunden. (Lebhafter Beifall) …..

    Was war das für ein Soldat, der im Mai 1945 nach Berlin kam? War das ein Intourist, oder kam er etwa auf Einladung der Deutschen nach hier? – Nein, das war ein Soldat, der 3000 km verbrannter sowjetischer Erde hinter sich gelassen hatte. Er zog vielleicht an seiner eigenen Heimatstadt vorbei, wo er sein Haus und seine Angehörigen nicht mehr fand. Seine verschleppte Braut fand er vielleicht hier in Berlin als Sklavenarbeiterin. Dieser Soldat befreite hier in Berlin nicht seine Braut, sondern auch einen Teil der Deutschen, die 12 Jahre lang Sklaven waren. (Lebhafter Beifall) ……

    Kann man diese große historische, menschliche und edle Tat der sowjetischen Armee mit einer weggenommen Uhr oder einem weggenommenen Fahrrad vergleichen? (Zurufe: Nein!) Eine weggenommene Uhr ist nichts im Vergleich zu der gebrachten Freiheit. Ich glaube, daß Zehntausende Berliner mit Freude den Amerikanern ihre Uhren und Fahrräder abgegeben hätten, damit sie ihnen nicht mehr ihre Häuser barbarisch zerbombten. (Stürmischer Beifall)
    Das russische Volk hat dem deutschen Volk die Freiheit gebracht. …..“

    Nikitin: Im schönsten Wiesengrunde (1948) Berlin:
    Kommentar:
    „Über wieviel ritterliches Ehrgefühl muß man verfügen um die Volkslieder eines besiegten grausamen Gegners in dessen Hauptstadt – bereits drei Jahre nach dem Krieg (auf dem Gendarmenmarkt) – zu singen. Wieviel Trauer singt auch mit, daß ausgerechnet die so sehr verehrten Deutschen dieser grausame Gegner waren; fast schon als würde der Sänger um Liebe flehen. Kein vergleichbares Geschehen ist der Geschichte bekannt.“

    Und welcher Hass treibt die Antikommunisten heute gegen die Sowjetunion. Dutzende Millionen Euro an Steuergelder werden für diesen Hass verpulvert.

    „Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Diktatur in Deutschland
    Am 13.12.2019 beschloss der Deutsche Bundestag die Errichtung eines zentralen Mahnmals für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland.
    Die Bundesrepublik Deutschland errichtet ein Denkmal für die Opfer von kommunistischer Gewaltherrschaft. Mit diesem Gedenkort soll
    • der Opfer von kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland in angemessener Form ehrend gedacht werden,
    • die Erinnerung an das von der kommunistischen Diktatur begangene Unrecht wachgehalten werden,
    • auf die vielen, pluralen Orte des Gedenkens und der Aufarbeitung in Deutschland verwiesen werden,
    • zukünftigen Generationen die Gefahren und Folgen totalitärer und diktatorischer Systeme bewusstgemacht werden, um die Wertschätzung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit weiter zu schärfen, diese Werte ins Bewusstsein zu rücken und den antitotalitären Konsens zu stärken.
    https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/erinnern/Denkmal-zur-Mahnung-und-Erinnerung-an-die-Opfer-der-kommunistischen-Diktatur-in-Deutschland

    Dem sich nun konstituierenden Beirat gehören Zeitzeugen sowie Vertreter von Wissenschaft und Politik an.

    Mitglieder des Beirates sind:
    • Marianne Birthler, ehem. Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staats­sicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU)
    • Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, Professor für Europäischen Diktaturenvergleich an der Universität Jena und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg
    • Prof. Dr. Ines Geipel, ehem. Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins, Schriftstellerin, Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin
    • Stephan Hilsberg, Gründungsmitglied der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP), ehem. Parl. StS. BMBau
    • Christine Lieberknecht, ehem. Ministerpräsidentin Thüringen
    • Gesine Oltmanns, Bürgerrechtlerin, Aktivistin bei den Montagdemonstrationen in Leipzig
    • Prof. Dr. Leo Schmidt, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, Lehrstuhl Denkmalpflege
    • Prof. Dr. Claudia Weber, Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O.
    • Dr. Olaf Weißbach, Geschäftsführer der Robert-Havemann- Gesellschaft, Berlin

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Ich war auf der Veranstaltung in Berlin dabei, als sich die Sowjetische Armee, die sich nun nicht mehr so nannte, von Deutschland verabschiedete. Wieder eine große kulturelle Veranstaltung, an Reden kann ich mich gar nicht erinnern, aber an das Lied „Der Heilige Krieg“. Da standen zehn Soldaten auf der Bühne und begannen zu singen. Und während sie sangen, spürte ich, dass da kein Hass war, dass wir Deutsche aber aufgerufen wurden, niemals zu vergessen, wer sie vom Faschismus befreit hatte. Dass dieses Lied gesungen wurde, war vielleicht eine Mahnung an uns. Ob alle Zuschauer das so empfunden haben, weiß ich nicht, aber ich dachte daran, dass nun eine Zeit kommen würde, in der ein solches Lied wohl nicht mehr zu hören sein wird.

    Nun hatte ich mir in der DDR mehrere Platten im Natascha-Laden (war der in der Hans-Beimler-Straße? Sie heißt heute nicht mehr so). Darunter war eine Platte des Alexandrow-Ensembles und auch „Der Heilige Krieg“ und auch die Originalaufnahme von der Veranstaltung 1948 von „Im schönsten Wiesengrunde“ befanden sich darauf. Und jetzt kommt es: Ich hatte auch eine CD mit dem Alexandrow-Ensemble, habe sie aufgelegt, um die Platte zu schonen, und sie mir mehrmals angehört. Dies gefiel meiner Nachbarin, einer Russin oder Russland-Deutschen, nicht. Sie denunzierte mich beim Ordnungsamt und bei der Wohnungsverwaltung. Die Wohnungsverwaltung erteilte mir eine Abmahnung, und das Ordnungsamt stellte mir 78,– Euro in Rechnung. Man beschuldigte mich, ich hätte „Lärm“ gemacht. Vielleicht war es wirklich zu laut, mir fehlt ein Trommelfell und höre ein bisschen schlecht, aber ging es wirklich darum? Zweifel sind angebracht.

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