Ernst Busch – Das Lied vom Klassenfeind

Einer der größten und bedeutendsten Kämpfer für die Arbeiterklasse war der Sänger und Schauspieler Ernst Busch. Am 22.Januar 1900 wurde Ernst Busch geboren. Er arbeitete mit vielen revolutionären Künstlern (E.Piscator, H. Eisler, B. Brecht) zusammen. 1933 mußte er, wie viele andere deutsche Künstler und Wissenschaftler auch, aus Deutschland emigrieren und nahm als Antifaschist am spanischen Freiheitskampf teil. Nach sener Rückkehr 1945 spielte Ernst Busch am Berliner Ensemble (u.a. Galilei) und am Deutschen Theater (u.a. Mephisto) und wurde als Schöpfer und Interpret von Arbeiter-, Kampf- und Volksliedern berühmt. Ernst Busch war Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Er starb am 8. Juni 1980.

Irene und Ernst BuschLang ist’s her! Am 20. August 1977 waren wir noch zu Besuch bei Irene und Ernst Busch in Vitte, In den Dünen, auf Hiddensee, saßen im Garten und tranken rote Limonade… Wieder zu Hause, hörten wir uns die Schallplatten an. Nie werden wir Dich vergessen, Ernst!

Das Lied vom Klassenfeind

1. Als ich klein war, ging ich zur Schule und ich lernte, was mein und was dein. Und als da alles gelernt war, schien es mir nicht alles zu sein. Und ich hatte kein Frühstück zu essen, und andre, die hatten eins: Und so lernte ich doch noch alles vom Wesen des Klassenfeinds. Und ich lernte, wieso und weswegen da ein Riß ist duch die Welt? Und der bleibt zwischen uns, weil der Regen von oben nach unten fällt.

2. Und sie sagten mir: Wenn ich brav bin, dann werd ich dasselbe wie sie. Doch ich dachte: Wenn ich ihr Schaf bin, dann werd ich ein Metzger nie. Und manchen von uns sah ich, der ging ihnen auf den Strich. Und geschah ihm, was dir und was mir geschah, dann wunderte er sich. Mich aber, mich nahm es nicht wunder, ich kam ihnen frühzeitig drauf: Der Regen fließt eben herunter und fließt eben nicht hinauf.

3. Da hört ich die Trommel rühren, und alle sprachen davon: Wir müßten jetzt Kriege führen um ein Plätzlein an der Sonn. Und heisere Stimmen versprachen uns das Blaue vom Himmel herab. Und herausgefressene Bonzen schrien: Macht jetzt nicht schlapp! Und wir glaubten: Jetzt sind’s nur mehr Stunden, dann haben wir dies und das. Doch der Regen floß wieder nach unten, und wir fraßen vier Jahre lang Gras.

4. Und einmal, da hieß es auf einmal: Jetzt machen wir Republik! Und der eine Mensch ist da dem ändern gleich, ob er mager ist oder dick. Und was vom Hungern matt war, war so voll Hoffnung nie. Doch was vom Essen satt war, war hoffnungsvoll wie sie. Und ich sagte: Da kann was nicht stimmen und war trüber Zweifel voll: Das stimmt doch nicht, wenn der Regen nach aufwärts fließen soll.

5. Sie gaben uns Zettel zum Wählen, wir gaben die Waffen her. Sie gaben uns ein Versprechen, und wir gaben unser Gewehr. Und wir hörten: Die es verstehen, die würden uns helfen nun. Wir sollten an die Arbeit gehen, würden das übrige tun. Da ließ ich mich wieder bewegen und hielt, wie’s verlangt wurd, still und dachte: Das ist schön von dem Regen, daß er aufwärts fließen will.

6. Und bald darauf hörte ich sagen, jetzt sei alles schon eingerenkt. Wenn wir das kleinere übel tragen, dann würd‘ uns das größere geschenkt. Und wir schluckten den Pfaffen Brüning, damit’s nicht der Papen sei. Und wir schluckten den Junker Papen, denn sonst war am Schleicher die Reih. Und der Pfaffe gab es dem Junker, der Junker gab’s dem General. Und der Regen floß nach unten, und er floß ganz kolossal.

7. Während wir mit Stimmzetteln liefen, sperrten sie die Fabriken zu. Wenn wir vor Stempelstellen schliefen, hatten sie vor uns Ruh. Wir hörten Sprüche wie diese: Immer ruhig! Wartet doch nur! Nach einer größeren Krise kommt eine größere Konjunktur! Und ich sagte meinen Kollegen: So spricht der Klassenfeind! Wenn der von guter Zeit spricht, ist seine Zeit gemeint. Der Regen kann nicht nach aufwärts, weil er’s plötzlich gut mit uns meint. Was er kann, das ist: er kann aufhör´n, nämlich dann, wenn die Sonne scheint.

8. Eines Tags sah ich sie marschieren hinter neuen Fahnen her. Und viele der Unsrigen sagten: Es gibt keinen Klassenfeind mehr. Da sah ich an ihrer Spitze Fressen, die kannte ich schon, und ich hörte Stimmen brüllen in dem alten Feldwebelton. Und still durch die Fahnen und Feste floß der Regen Nacht und Tag. Und jeder konnte ihn spüren, der auf der Straße lag.

9. Sie übten sich fleißig im Schießen und sprachen laut vom Feind und zeigten wild über die Grenze. Und ans haben sie gemeint. Denn wir und sie, wir sind Feinde in einem Krieg, den nur einer gewinnt. Denn sie leben von uns und verrecken, wenn wir nicht mehr die Kulis sind. Und das ist es auch, weswegen ihr euch nicht wundern dürft, wenn sie sich werfen auf uns, wie der Regen sich auf den Boden wirft.

10. Und wer von uns verhungert ist, der fiel in einer Schlacht. Und wer von uns gestorben ist, der wurde umgebracht. Den sie holten mit ihren Soldaten, dem hat Hungern nicht behagt. Dem sie den Kiefer eintraten, der hatte nach Brot gefragt. Dem sie das Brot versprochen, auf den machen sie jetzt Jagd. Und den sie im Zinksarg bringen, der hat die Wahrheit gesagt. Und wer ihnen da geglaubt hat, daß sie seine Freunde sind, der hat eben dann erwartet, daß der Regen nach oben rinnt.

11. Denn wir sind Klassenfeinde, was man uns auch immer sagt: Wer von uns nicht zu kämpfen wagte, der hat zu verhungern gewagt. Wir sind Klassenfeinde, Trommler! Das deckt dein Getrommel nicht zu! Fabrikant, General und Junker – unser Feind, das bist du! Davon wird nichts verschoben, da wird nichts eingerenkt! Der Regen fließt nicht nach oben, und das sei ihm auch geschenkt!

12. Da mag dein Anstreicher streichen, den Riß streicht er uns nicht zu! Einer bleibt und einer muß weichen, entweder ich oder du. Und was immer ich auch noch lerne, das bleibt das Einmaleins: Nichts habe ich jemals gemeinsam der Sache des Klassenfeinds. Das Wort wird nicht gefunden, das uns beide jemals vereint! Der Regen fließt von oben nach unten. Und du bist mein Klassenfeind.

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Faschismus, Geschichte, Kommunisten, Marxismus-Leninismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Ernst Busch – Das Lied vom Klassenfeind

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Ernst Busch war auch ein großartiger Schauspieler. Er hat in der Regie von Brecht/Erich Engel den Galilei in „Leben des Galilei“ gespielt, so großartig, dass ich mir viele Proben angesehen habe und dann abends noch in die Vorstellung ging. Einfach umwerfend.

    Zu seiner Biographie wäre noch zu erwähnen, dass er nach dem Spanienkrieg von den französischen Faschisten an Deutschland ausgeliefert wurde und inhaftiert wurde. 1944 gab es einen schweren Bombenangriff auf das Berliner Gefängnis am Alexanderplatz, und Ernst Busch wurde schwer verletzt, eine Gesichtshälfte blieb gelähmt. Trotzdem hat er mit wahrlich eiserner Disziplin weitergearbeitet. In der DDR hatte er mit der Kulturbürokratie Schwierigkeiten wegen seines privaten Plattenverlags, er wurde enteignet, weil er als Genosse doch nicht Kapitalist sein kann. Das sollte man auch erwähnen. Trotzdem blieb er „der Sache“ treu. Diesem Verlag verdanken wir die wundervollen berühmten Platten. Ich habe eine ganze kleine Sammlung davon. Sie sind übrigens 1990 in Dresden im Müllcontainer gelandet. .

  2. eger schreibt:

    da in der DDR auch genossen, die sich mit anderen genossen gestritten haben, deswegen noch nicht öffentlich denunziert wurden, insbesondere wenn die streit-genossen sich nicht beim klassenfeind ausheulten, ist Dein wissen über den kapitalistischen genossen busch und die firmen enteignung höchstwahrscheinlich nicht ganz den tatsachen entsprechend.

    der genosse busch war ein wunderbarer schauspieler und sänger, klar, aber wohl ein lausiger kapitalist/geschäftsführer. und er neigte wohl zeitweise auch zu einem unbescheidenen, aufwendigen lebenswandel…

    letztlich wurde das programm seiner firma weitergeführt, und busch war mit und ohne parteibuch künstlerisch für den sozialismus und in diesem tätig. DAS ist das wichtige. und DAS erzählen diejenigen, die uns seit 1990 die story von der enteignung hecheln, eher nicht. das ist ihnen unwichtig, eher sogar widerlich. es geht ihnen immer wieder darum, uns ihren stachel des antikommunistischen zanks zu impfen. wofür ihnen jede menschliche schwäche, die auch kommunisten/sozialisten haben, recht(s genug) ist. und wenn sowas gerade nicht parat ist, erfinden und überhöhen sie eben…

    • sascha313 schreibt:

      Ws meinst Du? Da gab es mal die Story mit dem Verlag „Lied der Zeit“ (Im Zusammenhang mit der politischen und kulturpolitischen „Stalinisierung“ in der jungen DDR gerät Busch in Konflikt mit der Staatspartei SED. „Lied der Zeit“ wird in Volkseigentum überführt. so schreibt die offenbar auch stalinfeindliche E.-B.-Gesellschaft) – ist es das? Wobei ich sehr gut verstehe, wenn auch Busch nach der Ermordung Stalins mit den Stalinfeinden in der DDR in Konflikt kam. Brecht war ja auch ohne Parteibuch. Im Gegensatz zu Busch hat Brecht, nach der Verleihung des Stalinpreises 1955, sein Fähnchen nach dem chruschtschowistischen Wind gehängt.

      Und dieses Widerliche, was da westliche „Historiker“ über aufrichtige DDR-Künstler angeblich herausgefunden haben wollen und genüßlich weiterverbreiteten, war von Anfang bis Ende gelogen: bei Strittmatter, bei Brecht sowieso, bei Bruno Apitz und nun also auch bei Ernst Busch… Nur bei Karl-Eduard von Schnitzler haben sich diese Schweinebanditen die Zähne ausgebissen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s