Johann Warkentin: „Unsterblichkeit“ (Памятник Ленину)

Novocherkassk_1990Die sowjetische Literatur ist voller Überraschungen und reich an Vielfalt und Gedankentiefe. Zu Unrecht fast vergessen ist das Schicksal der Sowjetdeutschen, einer kleinen ethnischen Minderheit, die nicht weniger am Aufbau des Sozialismus in der UdSSR beteiligt war, als andere Sowjet-Völker auch.  1967 erschien im Verlag Progreß ein kleiner Band mit Gedichten und Erzählungen, in dem sich lebhaft das eigenartige Wesen der deutschen Siedler widerspiegelte, die zuerst in der Gegend von Odessa und Charkow, und später an der Wolga heimisch wurden. Sie waren in grauer Vorzeit dem Ruf des Fürsten Potjomkin gefolgt, die östlichen Steppengebiete urbar zu machen, und sie blieben, umso mehr als Sibirien gegen Ende des 18.Jahrhunderts immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung gewann. Johann Warketin (1920-2012) hatte zunächst Anglistik studiert, war während des Großen Vaterländischen Krieges Militärdolmetscher und kam dann zur „Trudarmija“, um im Hinterland den Kampf gegen die deutsch-faschistischen Okkupanten zu unterstützen. Nach 1945 arbeitete er als Lehrer und Redakteur in Sibirien und von 1969 bis 1980 als Redakteur der deutschsprachigen Wochenschrift „Neues Leben“ in Moskau. 1981 siedelte er in die DDR über. Er starb am 9. April 2012 in Berlin. (Foto: Lenin-Denkmal in Nowotscherkassk).

Johann Warkentin

UNSTERBLICHKEIT

Rosen winken ihm zu Füßen,
und behutsam webt die Luft
in das scheue Blumengrüßen
zarter Jugend Frühlingsduft.

Leichten Schrittes, wenn es dunkelt,
wandelt eine frohe Schar
ihre Wege, doch versunken
steht vor ihm manch junges Paar.

Kinderlippen lesen leise
seinen Namenszug am Stein;
sinnend messen strenge Greise
an Erlebten unser Sein.

Rings um ihn hält grünes Rauschen
andachtsvoll den Atem an.
gleichsam ehrerbietig lauschend ihm,
dem schlichten, großen Mann,

dessen ausgestreckte Rechte
über dichtem Baumgezweig
durch die Tage, durch die Nächte
in die weite Ferne zeigt.

Trotzig einig stehn wie Recken,
Fels an Fels und Höh an Höh,
mag auch noch so furchterweckend
heulen wutentbrannter Föhn;

mag die schwarze Wut der Wolken
blindlings drohn im Tobsuchtsdrang
einem zielgeeinten Volke
wird so bald nicht angst und bang.

Weil uns Lenins wunderbarer
ewig lebensjunger Geist
durch die Monden,
durch die Jahre
eine lichte Zukunft weist.

Quelle: „Immer in der Furche“. Sowjetdeutsche Erzählungen und Gedichte.Verlag Progreß, Moskau 1967, S-206f. (russ.. Всегда в борозде, Рассказы и стихотворения советско-немецких писателей.)
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18 Antworten zu Johann Warkentin: „Unsterblichkeit“ (Памятник Ленину)

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Ein sehr schönes Gedicht auf Lenin, es „klirrt“ nicht, sondern lächelt selbstbewusst. So ein Gedicht kann man nur schreiben, wenn man sich zu Hause fühlt in seinem Land. Bei mir wohnt ja auch eine Russlanddeutsche, aber sie spricht Deutsch als Fremdsprache. Sie war wohl schon so sehr assimiliert, dass sie sich in Russland als Russin ausgeben konnte, und als sie in die BRD kam, war sie wieder eine „Deutsche“, deren Vorfahren vor 300 Jahren nach Russland gegangen sind, und nun beanspruchte sie die deutsche Staatsbürgerschaft aufgrund ihres „deutschen Blutes“ – neben einer großzügigen finanziellen Unterstützung auf Kosten des deutschen Steuerzahlers.

    Ich weiß, das hatte mit der Nationalitätenpolitik Stalins zu tun, dass sie hier als „Deutsche“ einreisen und so beweisen konnte, dass sie alles tun würde für ihr Deutschsein. Und sie tut tatsächlich alles, was sich der deutsche Staat so vorstellt. Stalin hatte sich das sicher so nicht vorgestellt von seiner Fünften Kolonne, die er vorsorglich nach Sibirien verfrachtet hatte. Nun weiß ich natürlich, dass es so’ne und solche Russlanddeutsche gibt. Ich kenne zum Beispiel einen sehr netten jungen Mann, der gar nicht auf sein Deutschsein bestanden hat, sondern immer sagte, er sei Russe und habe gern in der Sowjetunion gelebt, konnte auch wunderbar berlinern. Leider ist er mir seit einigen Jahren nicht mehr begegnet. Ein großartiger Witze-Erzähler.

    • sascha313 schreibt:

      Nicht wenige dieser „Sowjetdeutschen“ waren Kolchosvorsitzende, Komsomolzen, Bestarbeiter, und wurden sogar Kommunisten. Die in die BRD kamen – das waren wohl gerade die anderen…

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Richtig, Sascha.

      • Harry56 schreibt:

        Ein sehr schwieriges Thema, rein ideologische Brillen nicht nützlich, fehl am Platz!

        Soz. Gruß, Harry!

      • sascha313 schreibt:

        Nunja, was heißt „ideologische Brille“? Zunächst wäre da ja wohl zu klären; was bedeutet es, ein Kommunist zu sein. Die eigentlich einfache Frage wird verkompliziert, indem man sie vermischt mit zahlreichen persönlichen und Schicksalsfragen, die darin nicht zu suchen haben. Entfernt man jedoch das Gestrüpp, diesen Wirrwar der Gedanken, wird deutlich, daß es um einige wenige marxistische Prinzipien geht, worin sich der Opportunismus und Revisionismus vom Kommunismus unterscheiden.

        Kürzlich fand in Wien eine „Zukunftskonferenz“ statt. Hört man sich die Vielzahl der Diskussionen an, so sind Dutzende nebensächliche Dinge (die Frage des Geldes, der künftigen Rolle der Massenmedien, die Frage Grundeinkomens – ja oder nein usw. usw.) plötzlich wichtiger als die Grundfrage, wie man den Kapitalismus überwinden kann. Es ist absurd und geradezu lächerlich, wie weit sich hier die „Linken“ schon von Marx, von Lenin und von Stalin und überhaupt vom Kommunismus entfernt haben. Da wird diskutiert und diskutiert… und was kommt raus? Nix!

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Harry, die Russlanddeutschen, die nach 1991 in die BRD kamen, wurden mit offenen Armen empfangen, und du wirst es vielleicht nicht glauben wollen – auch und besonders aus ideologischen Gründen. Mitleid ist da überhaupt nicht angebracht. Dass diese Russen überhaupt als Deutsche angesehen wurden, hängt mit der vorsintflutlichen Politik der BRD zusammen, die da was von „deutschem Blut“ quasselte, und dabei berief sie sich auf ihre eigene Auslandsdeutschenpolitik, die noch immer was – und nicht nur was – von Hitlers „Heim ins Reich“ hat. Genauso die Siebenburger Sachsen, obwohl auch sie seit Jahrhunderten in Rumänien lebten, gelten sie nach bundesdeutschem Recht als Deutsche – wegen des „deutschen Blutes“, denn darauf bezieht sich die bundesdeutsche Politik. Eine dieser kuriosen Deutschen hat uns Rumänien mit der antikommunistischen Schriftstellerin Hertha Müller beschert, die zwar nicht schreiben kann, dafür aber sehr den Kommunismus hasst. Ich habe mir mal ein Buch von der Dame geleistet und es nach den ersten paar Seiten in den Container geschmissen. Inzwischen hat man die Auslandsdeutschen eingesammelt, und jetzt sammelt man die ganze Welt ein. Und das wiederum hängt zu einem großen Teil mit der UNO-Agenda 2030 zusammen. Dem Kapital ist es egal, welch einen Gott einer anbetet, Hauptsache, er ist ausbeutbar. Und jetzt kommt Gates mit seiner
    Bevölkerungsausrottungspolitik, und die BRD wird eine Menge neue Friedhöfe benötigen.

  3. Harry56 schreibt:

    Hallo , liebe Genossin Hanna, sehr gut auf den Punkt gebracht, so viele wichtige Dinge. Ich fürchte nur, selbst hier in diesem Blog wird du bald- verdächtigt werden, AfD(NPD?) – Propaganda zu betreiben.

    Beste soz. Grüße an dich, deinen noch immer so hellen klarsichtigen Geist! 🙂

    • sascha313 schreibt:

      Harry, wie wir immer wieder feststellen müssen, sagen viele Politiker der AfD (wie auch der FPÖ) die Wahrheit über die verbrecherischen Maßnahmen ihrer Regierungen. Warum? Sicher nicht nur aus Eigennutz – um Wählerstimmen zu fangen. Andererseits gibt es Dutzende und Hunderte ernstzunehmender Wissenschaftler, Ärzte, Virologen, Anwälte, Lehrer usw. die unabhängig von parteipolitischen Erwägungen die Wahrheit sagen.. Fragt sich nur, warum lügt die Regierung? Die Antwort ist einfach: Merkel und Co. sind Teil der mafiösen Agenda! Bei den Parteien am rechten Rand kann man nur vermuten, welche Rolle sie künftig spielen werden. Vergleiche mit 1930-32 !

      • Thomas Artesa schreibt:

        Die AfD ist ja auch nur eine andere Partei im Dienst des Kapitals – wie gesagt!
        Selber haben sie auch nichts gegen die NATO-Zugehörigkeit. Alter Wein eben in neuen Schläuchen…bla, bla, bla!

      • sascha313 schreibt:

        Ja, natürlich – die AfD handelt vordergründig auch weitaus klüger als es bspw. 1932 den Nazidemagogen gelang, die Arbeiterklasse zu übertölpeln. Und die Nazis waren schon damals sehr gerissene Demagogen…

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Lieber Harry, das hat natürlich gar nichts mit AfD oder NPD zu tun, und was dann einige Schwachköpfe so ausspucken, was meinst du, was mich das stören würde. Dummerchen hat es schon immer gegeben, sie wollen auch leben.

    Sascha, ich habe gestern gelesen, dass Gates, den Johnson zu einer Konferenz nach London eingeladen hatte, weiß der Himmel, was da wieder bekakelt werden sollte, vermutlich wollte Johnson dem Dreckskerl wieder den roten Teppich ausbreiten, dass da von den Demonstranten gefordert wurde, Gates zu verhaften für seine Verbrechen! Ich nehme sehr stark an, dass die sogenannten Globalisten mit ihrem teuflischen Plan nicht durchkommen werden. Es sind zu viele gegenseitige Interessen in der westlichen Welt vorhanden. Was aber nicht heißt, dass die Völker nicht sehr aufmerksam ihre Interessen verteidigen müssen. Und natürlich ist Merkel Teil der Mafia aus Davos und Silicon Valley, alle Regierungen, die mitgespielt haben. Alles, was im Zusammenhang mit Corona geschah und immer noch geschieht, und nicht nur dies, geschah nach deren Plan. Auch wenn es so aussah, als wenn die „arme Merkel“ nicht mehr weiterweiß – das war alles deren Berechnung. Das ist auf dem Event 201 genau so besprochen worden. Auch dass Spahn jetzt verkündet, die tragische Lage der Nation aufheben zu wollen, aber alle Maßnahmen beibehalten zu wollen, gehört zum Plan. Und der Abnickverein im Bundestag wird begeistert sein.

  5. Thomas Artesa schreibt:

    Was mir hierbei persönlich sehr am Herzen liegt – ohne abwertende oder „pädagogische“ Schönfärberei! Also – ohne näher auf dieses interessante Thema der Deutschen in der Sowjetunion eingehen zu wollen oder gar eine Stellungnahme abgeben zu dürfen oder noch zu können:
    Gerade die Volksgruppe der Wolhyniendeutschen seit 1820 hatte auch ihren staatstragenden Beitrag zum Aufbau des Landes (Russland) geleistet – endete dann aber wegen des II. Weltkrieges als große vertriebene Mehrheit im polnischen Wartegau oder in Sibirien! Heute schon vergessen oder von den dünkelhaften US-Revanchisten der Adenauer-Ära und den anderen nachfolgenden Diversanten zu Propagandazwecken missbraucht – Leider!

    Wie gesagt – geblieben sind eben westdeutsche, schnöde Heimatverbände und deren Hypokriten der Stunde des kalten Krieges im Dienste des bekannten masonischen Finanzkapitals oder der sektiererisch-melancholischen Folkloreakolythen, die nur lutheranisch-adventistische Kirchenbücher vor dem schnöden Armageddon retten wollten und noch immer vor dem „Pseudokommunismus“ retten wollen!

    In einem Wort – das reaktionäre Kapitalisten-Geschmeiss hat immer schon verstanden, die Bedürfnisse des einfachen Menschen für sich zu monopolisieren. Wer eben seine eigene Geschichte vergisst, verleugnet, nicht kennt oder nicht einmal kennen will wegen der beliebten und schon genetisch adaptierten McDonald-Einheitssülze, der braucht auch nicht auf bessere Tage zu hoffen in Zeiten der manipulierten Corona-Pandemie!

    Wolhyniendeutsche waren auch einmal richtig gute Bürger der Sowjetunion! Heute wollen aber deutsche US-Vasallen die Geschichte wieder neu erfinden. Cui bono – wer ist hier am Ende der elende „Schwarze Peter“ im verrußten und altbackenen Schornstein der verlausten Gefühle – ha, ha, ha!

    • sascha313 schreibt:

      Ja, klar – die meisten der Sowjetbürger (oder sagen wir: fast alle!) waren trotz des schleichenden, konterrevolutionären „Umbaus“ der Sowjetunion aufrichtige und „treue“ Anhänger der marxistischen Weltanschauung.

      Dieses wunderbare Land, mit einer solch außergewöhnlichen und heroischen Geschichte, hätte vielleicht (denkt man sich diese Irrungen und Wirrungen der 60er-80er Jahre einmal beiseite) noch zehn oder zwanzig Jahre gebraucht, um seinen Sieg über die weltweite Macht des Kapitals unauslöschbar zu machen…

    • Erfurt schreibt:

      @Thomas, seine Geschichte kennen und seine Geschichte verstehen sind zwei unterschiedliche Dinge 😉

      Beispielsweise war ich schon immer darauf stolz französische Vorfahren zu haben aber das Verstehen warum das so ist, ist ein Lernprozess der andauert. Auf jeden Fall ist es wider der menschlichen Natur, wegen einer Arbeit seine Heimat verlassen zu müssen. Sicher wollte ich mit 18 auch weg von zuhause, aber den Anblick der Rentnerbank an der Brücke hatte ich immer im Hinterkopf: Da saßen sie ganz friedlich auf ihre Stöcke gestützt, Paul, Fritz, Otto, Artur, Rudolf, Herbert und Franz. Mögen sie Nazis gewesen sein oder Umsiedler, egal. Aber wo findet man heute solch einen Anblick?

      Es ist der Kapitalismus der Familien auseinanderreißt. Meine Verwandtschaft ist in der ganzen BRD verstreut bis in die Ukraine. Meinen Enkel sehe ich zweimal im Jahr. Wo sind die Kinder wenn die Alten ihre Hilfe brauchen? Allein mit Geld kann man das nicht regeln, selbst wenn man es hätte. Erschwert wird das Ganze noch durch die ganze Coronascheiße. Das ist einfach nur menschenverachtend, daß man seine Angehörigen nicht einmal mehr besuchen darf wenn sie im Sterben liegen.

      Schönes Wochenende, Grüße an Alle.

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