Sowjetdiplomatie gegen faschistische Bedrohung (1939-1941)

Sewostjanow - BuchIm Jahre 1981 erschien in der Sowjetunion das Buch des bedeutenden sowjetischen Diplomaten und Historikers, Prof. Dr. Pawel Petrowitsch Sewostjanow „Vor der großen Bewährungsprobe. Die Außenpolitik der UdSSR am Vorabend des Großen Vaterländischen Krieges von September 1939 bis Juni 1941“. In diesem Buch setzte sich der Autor mit den Geschichtsfälschungen der westlichen Historiker auseinander, in denen nach Goebbelscher Manier der Sowjetunion die Schuld am Ausbruch des 2. Weltkriegs in die Schuhe geschoben werden sollte.

Heute ist klar, worum es dabei ging: Der Sozialismus als historische Alternative sollte für alle Zeiten ausgelöscht werden, um die Macht des Imperialismus zu zementieren und den maroden und absterbenden Kapitalismus vor dem Untergang zu bewahren. Die Zerstörung des Sozialismus im Weltmaßstab 1990 ist eine große Tragik. Ohne Zweifel ist das die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der Menschheit. Die Folgen dessen, daß es dem Imperialismus gelang, diese progressive Entwicklung des 20. Jahrhunderts aufzuhalten und in ihr Gegenteil zu verkehren, sehen wir heute. Für den Geschichtsprozeß war jedoch die Große Sozialistische Oktoberrevolution das entscheidende welthistorische Ereignis und eine Bestätigung der Richtigkeit der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxismus-Leninismus.

Die sowjetische Diplomatie gegen die faschistische Bedrohung

In der 1984 in der DDR erschienenen Übersetzung wird dieses Buch wie folgt angekündigt: „Die außenpolitische Tätigkeit des Sowjetstaates in der bewegten Zeit vom Ausbruch des zweiten Weltkrieges bis zum Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion ist Gegenstand dieser Arbeit. überzeugend weist der Autor nach, daß die sowjetische Außenpolitik auch in dieser Periode konsequent darauf gerichtet war, durch Bündnis-, Beistands- und Neutralitätsverträge die drohende Aggression abzuwenden.

Der Autor untersucht die Politik des Sowjetstaates sowohl gegenüber den diplomatischen und militärischen Aktivitäten der Aggressorstaaten Deutschland, Italien und Japan als auch hinsichtlich der sowjetfeindlichen „Beschwichtigungspolitik“ Frankreichs, Großbritanniens und der USA unter regionalen Gesichtspunkten (Finnland, Baltikum, Balkan, Westasien, Ferner Osten). Im 45. Jahr nach Beginn des zweiten Weltkrieges wird mit diesem Buch ein wesentlicher Beitrag zur Auseinandersetzung mit reaktivierten Vorstellungen zur Verharmlosung der Aggressivität von Faschismus und Imperialismus geleistet. Das ist gerade in einer Phase der internationalen Beziehungen von besonderer Bedeutung, die durch eine Verschärfung der imperialistischen Politik der Gewalt des Diktats und des Einkalkulierens eines Kernwaffenkonflikts gekennzeichnet ist.“


Der „Präventivkrieg“ und der „rote Expansionismus“

Die Lügen der westlichen Historiker

Um den Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR zu begründen und zu rechtfertigen, bedient sich die bürgerliche Geschichtsschreibung seit geraumer Zeit der Legende vom „Präventivkrieg“: der Krieg gegen die UdSSR sei von Deutschland begonnen worden, um einer sowjetischen Aggression gegen Deutschland und die anderen Länder Westeutopas  zuvorzukommen. Unter diesem Aspekt wurden von E. Malcolm Caroll und Fritz Theodor Epstein auch die Materialien für einen Dokumentenband ausgewählt und interpretiert., der 1948 vom State Department in Wshington unter dem Titel „Nazi-Soviet Relations, 1939-1941“ (deutsche Parallelausgabe: „Das nationalsozialistische Deutschland und die Sowjetunion. 1939-1941“) veröffentlicht wurde. Die mit dieser Publikation verfolgte politische Absicht bestand darin, das faschistische Deutschland von seiner Schuld, die UdSSR entgegen vertraglicher Vereinbarungen überfallen zu haben, freizusprechen.

…auch die BRD-Historiker fälschen die Geschichte

Ähnliche Motive liegen auch der in der BRD von Michael Freund herausgegebenen mehrbändigen „Geschichte des zweiten Weltkriegs in Dokumenten“ (Bd.1-3, München 1953-1956) sowie zahlreichen weiteren in Westeuropa und den USA verlegten Dokumentensammlungen zugrunde. Mit ihnen wird im Widerspruch zur historischen Realität die These zu begründen versucht, die Sowjetunion habe in Europa eine „Aggressionspolitik“ betrieben, wohingegen der Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR nicht anderes als die „Antwort auf die sowjetische Bedrohung“ gewesen wäre. [93] Die von der UdSSR angesichts der zunehmenden faschistischen Bedrohung ergriffennen Defensivmaßnahmen erscheinen in diesem Licht als „offensiv“ und sogar „aggressiv“; der diplomatische Kampf der UdSSR und ihre Bemühungen, den Krieg abzuwenden, werden geringschätzig als „kalte Berechnung“ usw. interpretiert.

Ein lügnerisches Memorandum der Nazis nach dem Überfall

In dem Memorandum, das dem Botschafter der UdSSR am 22. Juni 1941 in Berlin überreicht wurde, zu einem Zeitpunkt also, als die deutschen Truppen bereits die sowjetischen Grenzen überschritten hatten, versuchte Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop den Überfall Deutschlands auf die gleiche Weise zu begründen. In diesem Memorandum des auswärtigen Amtes heißt es, die Sowjetregierung beabsichtige, „Deutschland von innen her zu unterminieren“, „die Annexion und Bolschewisierung der westeuropäischen Staaten vorzubereiten“, „den Vorstoß der Sowjetunion gegen den Balkan“, „die Beherrschung des Bosporus und der Dardanellen“ usw. zu planen. Abschließend wird in dieser vollkommen verlogenen Erklärung behauptet, die Sowjetregierung wäre jederzeit imstande, eine Aggeressiuon gegen Deutschland zu beginnen. Eine derart „gefährliche Lage“ so Ribbentrop, habe die deutsche Regierung gezwungen, einem Überfall der UdSSR auf Deutschland zuvorzukommen und in einen „Präventivkrieg“ einzutreten. [[94]

Die faschistische Propaganda: „Die Russen sind schuld!“

Dieser „Version“ bediente sich die faschistische Propaganda, um den Überfall auf die UdSSR offiziell zu rechtfertigen. Wie Hans Fritzsche, damals Leiter der Abteilung Deutsche Presse in Joseph Goebbels‘ Propagandaministerium, während des Nürnberger Prozesses zugab, „ist (es) richtig, daß es nach dem Angriff auf die Sowjetunion die Hauptaufgabe der deutschen Propaganda gewesen ist, die Notwendigkeit dieses Angriffs zu rechtfertigen: immer wieder also zu betonen, wir wären nur einem sowjetischen Angriff zuvorgekommen … die nächste Aufgabe der Propaganda war es, beinahe dasselbe  darzulegen, daß nicht Deutschland, sondern Rußland die Schuld an diesem Krieg trage.“ [95]

Die Kriegsverbrecher behaupten: „Es war ein Präventivkrieg!“

Bezeichnenderweise bauten sowohl die deutschen Anwälte als auch ihre Mandanten die Verteidigung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vor dem Nürnberger Militärgerichtshof auf der These vom „Präventivkrieg“ auf. Der als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel erklärte auf die Frage, mit welcher Begründung die Vorbereitung des Überfalls auf die UdSSR begonnen hätte: „Ich versichere, daß alle vorbreitenden Maßnahmen, die von uns getroffen wuirden, den Charakter von Verteidigungsvorbereitungen für den Fall eines möglichen Überfalls der Roten Armee trugen. So kann man den ganzen Krieg im Osten nach bekannter Regel als Präventivkrieg bezeichnen.“ [95] Göring und andere Hauptkriegsverbrecher gaben während des Nürnberger Prozesses ähmliche „Erklärungen“ ab.

Tagebucheinträge beweisen das Gegenteil…

In Wirklichkeit aber gingen die mit der Vorbereitung des Aggression gegen die Sowjetunion Befaßten von einer einzigen Prämisse aus – die Sowjetunion hat Deutschland zu keiner Zeit Anlaß für Präventivmaßnahmen gegeben. Der Generalstabschef des Heeres, Generaloberst Fritz Halder, notierte am 22. Juli 1940: „Es liegen keine Anzeichen für russische Aktivität und gegenüber vor. [97] Gleiches wurde vom deutschen Botschafter in Moskau, Friedrich Werner Graf von der Schulenburg sowie von deutschen Militärattaché Generalleutnant Ernst Köstring festgestellt, der am 21. Mai 1941 in einem Informationsschreiben an den Generalstab des Heeres in Berlin die Einschätzung seines Stellvertrters General Hans Krebs bekräftigte, daß keinerlei Anzeichen für offensive Absichten für offensive Absichten der S.U. festzustellen seien“. [98]

Die geistigen Nachfolger der Nazis lügen weiter

Dessenungeachtet schreibt zum Beispiel der  amerikanische Historiker Tevor N. Dupuy in seinem Buch „Das militärische Leben Adolf Hitlers“ (1969) der UdSSR „expansionistische Absichten“ zu und diffamiert die UdSSR als potentiellen Aggressor. Die BRD-Historiker Kurt Assmann, Helmut Krausnick und andere greifen diese Konzeption auf und operieren kmit der These vom „roten Imperialismus“. Assmann schlußfolgert sogar, daß Hitler vom Standpunkt der Perspektive der Ereignisse die Situation durchaus richtig eingeschätzt habe. Der englische Historiker Basil H. Liddell Hart rechtfertigt in seiner Arbeit „Die Strategie des indirekten Handelns“ den faschistischen Überfall auf die UdSSR mit der Behauptung, daß Deutschland im weiteren Verlauf des Krieges gegen Großbritannien „seinen Rücken dem gefährlichen Zustoß von seiten Rußlandsausgesetzt hätte“. Der Amerikaner Louis Fischer charakterisiert in seiner 1969 erschienenen Publikation „Der Weg Rußlands von Frieden zum Krieg“ die Außenpoilitik der Sowjetunion im Zeitraum 1917 bis 1941 als Streben nach „Expansion in allen Richtungen“. [99] Gordon Wright, ein anderer Historiker aus den USA, verbindet in „Prüfung im totalen Krieg 1939-1945“ eine Halbwahrheit mit einer unverblümten Fälschung, wenn er unter anderem schreibt: „1941 besaß das Nahziel der Sowjets zweifellos Verteidigungscharakter … Im weiteren beabsichtigten sie in die Offensive zu gehen.“ [100]

Offenkundiges zu ignorieren … hat keine Aussicht auf Erfolg!

Jahrzehnte nach dem Großen Vaterländischen Krieg verfügt die Weltöffentlichkeit über umfangreiche Dokumentationen, die den langfristig geplanten Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR unwiderlegbar nachweisen. Offenkundiges zu ignorieren ist unsinnig und hat keine Aussicht auf Erfolg.  Der BRD-Historiker Hans-Adolf Jacobsen stellt in seinem Buch „1939-1945. Der zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumentationen“ fest: „In diesem Zusammenhang muß eine noch immer weitverbreitete Legende zerstört werden: Der deutsche Angriff gegen die Sowjetunion vom Jahre 1941 war … kein Präventivkrieg. Hitlers Entschluß  zur Offensive entsprang  nicht der tiefen Sorge vor einem drohenden, bevorstehenden sowjetischen Angriff, sondern war letzten Endes Ausdruck seiner Aggressionspolitik, wie sie seit 1938 immer unverhohlener zutage getreten war.“ [101]

Es gab niemals eine sowjetische Bedrohung!

Der ebenfalls in der BRD beheimatete Hisrotiker Andreas Hillgruber kostatiert inder Arbeit „Hitlers Strategie, Politik und Kriegführung 1940-1941“, daß der Überfall auf die UdSSR keineswegs die Reaktion auf die akute Bedrohung durch die Rote Armee gewesen sei; im Gegenteil – weder Hitler noch der deutsche Generalstab hätten Veranlassung gehabt, die Rote Armee als Gegner zu betrachten. Das Bestreben Hitlers, die UdSSR zu vernichten, war nach Meinung des Autors die generelle Hauptlinie seiner Politik seit 1933. [102] Und der namhafte BRD-Historiker Hellmuth Guenther Dahms verallgemeinert, daß die UdSSR ungeachtet ihrer großen Rüstungsanstrengungen im Jahre 1941 an alles andere als an einen Überfall auf Deutschland dachte. [103]

Das Märchen von der „sowjetischen Gefahr“ ist widerlegt!

Die Legenden vom „Präventivkrieg“ Deutschlands gegen die UdSSR, vom „roten Imperialismus“, vom „sowjetischen Expansionismus“ sind eng mit den modernen „tragenden“ Thesen der bürgerlichen Ideologie, vor allem mit dem Mythos von der „sowjetischen militärischen Bedrohung“  verwandt und dienen offen oder verdeckt dazu, die aggressiven Ziele der Politik des Imperialismus zu tarnen. Derartige Versuche sind nicht neu und reichen bis in die Periode des Sieges der  Großen Sozialistischen Oktoberrevolution zurück. „Jedesmal wenn die Imperialisten einen Tarnschild für ihre aggressiven Unternehmungen benötigen, versuchen sie, das Märchen von der ,sowjetischen Gefahr‘ auferstehen zu lassen.“ [204]

Anmerkungen:
[93] vgl. W.Görlitz. Der deutsche Generalstab, Frankfurt/M., 1953; Germany and the Soviet Union 1939-1941, Leiden 1954.
[94] vgl. Ursachen und Folgen. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, Bd.17. Berlin (West) (1972), S.212ff.
[95] IMT, Bd. XVII, Nürnberg 1948, S. 249.
[96] „Sowerschenno sekretno“ Tolko dljha komandowanija!“ Strategija fasxhgistskoj Germanii w wojne protiw SSSR. Dokumenty i materialy, Moskau, S.641.
[97] F. Halder, Kriegstagebuch. Bd. II, Stuttgart, 1963, S.32.
[98] vgl. General Ernst Köstring. Der militärische Mittler zwischen dem Deutsche Reich und der Sowjetunion 1921-1941. Bearbeitet von Hermann Teske, Frankfurt/M. (1965).
[99] vgl. P.A.Shilin, Problemy wojennoi istorii, Moskau 1975, S. 199ff., 206-212.
[100] G.Wright. The Ordeal of Total War, 1939-1945, London/New Xork 1969. S.9f.
[101] HG.-A. Jacobsen. 1939-1945. Der zweite Weltkrieg in Chronik und Dekumenten, Darmstadt 1961, S.680.
[102] vgl. A.Hillgruber, Hitlers Strategie, Politik und Kriegsführung 1940-1941, Frankfurt/M. 1965, S.370f., 564, 572f.
[103] vgl. H. G. Dahms, Der zweite Weltkrieg, Tübingen 1960, S. 186f.
[104] L.I. Breshnew, Auf dem Wege Lenins … Bd.3,  Berlin 1971, S.242.

Quelle:
Pawel Petrowitsch Sewostjanow: Sowjetdiplomatie gegen faschistische Bedrohung 1939-1941. Verlag Marxistische Blätter Frankfurt am Main 1984, S.60-63. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

pdfimageSewostjanow – Sowjetdiplomatie


Nachbemerkung:

Gerade angesichts der heutigen Bedrohung Rußlands durch den ukrainischen Faschismus und der Bedrohung des Weltfriedens durch die USA und die NATO ist es angebracht, noch einmal an die Motive der imperialistischen Globalstrategen zu erinnern. Auf dem Rechenschaftsbericht an den XVII.Parteitag der KPdSU sagte Stalin:

„Es handelt sich um die fortdauernde allgemeine Krise des Kapitalismus, auf deren Basis die Wirtschaftskrise vor sich geht, um die chronische Unterbeschäftigung der Betriebe, um chronische Massenarbeitslosdigkeit, um die Verflechtung der industriellen Krise mit der Agrarkrise, um das Fehlen einer Tendenz zu einer einigermaßen bedeutsamen Erneuerung des fixen Kapitals, die gewöhnlich den Beginn eines Aufschwungs ankündigt usw. usf….“

„Das Ergebnis der langwierigen Wirtschaftskrise war eine bisher noch nicht dagewesene Verschärfung der politischen Lage der kapitalistischen Länder sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch in deren gegenseitigen Beziehungen.“ (Stalin, Werke, Bd. 13. S.259.)

Nicht ist wichtiger als die Erhaltung des Friedens! „Die Menschheit“, so sagte einst der deutsche Dichter Thomas Mann, „wird nicht wahnsinnig genug sein, ihren eigenen Untergang zu wollen“. Und so werden auch die Kämpfe der Volksmassen gegen die Vernichtung der Menschheit durch eine angebliche „Impfung“, d.h. gegen die wahnsinnigen Pläne der faschistischen „Eliten“, nicht aufhören, bis auch diese Bedrohung mit der Vernichtung dieses faschistischen „Krebsgeschwürs“ ein Ende genommen hat.

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4 Antworten zu Sowjetdiplomatie gegen faschistische Bedrohung (1939-1941)

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Wenn Menschen wissen, was Krieg bedeutet, ist es das russische Volk. Ich habe ihn als Kind erlebt, ohne zu begreifen, dass das, was geschah, Krieg war. Erst nach dem Krieg verstand ich ein wenig. Meine Generation ist die der Trümmerkinder, der mit dem ewig leeren Magen, den Trümmern, in denen wir spielten, der Bescheidenheit der Verhältnisse. Aber es fielen keine Bomben mehr, die Luftschutzsirene heulte nicht mehr, für uns war das der Frieden. Meine Kinder und Enkel sollen solch eine Zeit nie erleben, mein großer Wunsch. Ich habe ein Gedicht für meine Generation geschrieben und für die Generation meiner Enkel:

    Wir Trümmerkinder

    Ich denke mir, ich bin zu früh geboren.
    Was wusste ich von dieser Welt, dem Kriege,
    ich lag noch eingewindelt in der Wiege.
    Die falsche Zeit, die ich mir auserkoren.

    Man kann in seinem Leben viel vergessen,
    die Bombennächte aber sind geblieben,
    ins kindliche Gedächtnis eingeschrieben.
    Was sonst geschah, das waren Petitessen.

    Wir spielten unbeschwert in den Ruinen.
    Es war die Welt, die uns der Krieg geboten,
    die Welt der Häusertrümmer und der Toten.
    Sie lachte nicht, sie schien uns anzugrienen.

    Das nicht vergessen wird, wie wir mal waren,
    mit unserm Kohldampf, unsern Alltagssorgen,
    der Unbekümmertheit, dem Gruß ans Morgen –
    wir Trümmerkinder in den Nachkriegsjahren.

    16.2.14

    Aber was schert das die westliche „Politik“! Ich bin sprachlos, wenn ich die Nachrichten darüber, was an den russischen Grenzen geschieht, lese.
    Sind die Völker denn machtlos, laufen sie sehenden Auges in ihren Tod? Die Religiösen haben es gut, die können wenigstens beten. Und wir?

  2. Martin schreibt:

    Danke für die Buchempfehlung 🙂
    Das Werk konnte ich mir soeben kostengünstig im Antiquariat sichern. Ich freue mich sehr aufs Lesen, denn deine bisherigen Empfehlungen waren immer gut und passend.

    Solidarische Grüße
    Martin

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