Der deutsche Völkermord in der Sowjetunion. Die historischen Realitäten und ihre Verfälschung

MassenmordDie demographischen Folgen des faschistisch-deutschen Vernichtungskrieges 1941-1945 hat die Bevölkerung der ehemaligen Sowjetunion bis heute nicht überwunden. Aber nicht nur das treibt Rußland jetzt an, den Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg nun auch juristisch als Akt des Genozids anerkennen zu lassen. Es war Völkermord! Daß diese Tatsache und die mörderische Aggression des deutschen Imperialismus heute erneut verfälscht wird, liegt nicht nur im Interesse des reaktionären monopolkapitalistischen BRD-Regimes, sondern vor allem auch im Interesse des USA-Imperialismus, der den deutschen Faschismus unterstützt und zu diesem Krieg erst ermutigt hatte.

Der Kriegsbeginn war kein Zufall…

Sowohl die Entstehung als auch der Ausbruch des zweiten Weltkriegs waren für die KPdSU und den Sowjetstaat keineswegs überraschend. Wiederholt hatte bereits der Begründer des Sowjetstaates, W. I. Lenin, festgestellt, daß die scheinbar stabilen Bündnisse und Koalitionen der führenden kapitalistischen Mächte möglicherweise nur zeitweilig von Bestand sind und daß die friedliche Lösung der innerimperialistischen Widersprüche durch kriegerische Formen abgelöst wird.. In einer Resolution des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale von 1935 hieß es:

„Der deutsche Faschismus ist der Hauptanstifter eines neuen imperialistisches Krieges und tritt als der Stoßtrupp der internationalen Konterrevolution auf“. Die deutschen Faschisten, die „nach der Hegemonie des deutschen Imperialismus in Europa streben, stellen die Frage nach der Änderung der europäischen Grenzen durch einen Krieg auf Kosten ihrer Nachbarstaaten.“ [1]

Schon als sich diese Gefahr abzuzeichnen begann, kämpfte die Sowjetunion unter J. W. Stalin entschieden gegen die zunehmende Kriegsgefahr in Europa und Asien. So war auch der heimtückische und wortbrüchige Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 im Grunde genommen keine Überraschung.

Der deutsche Völkermord in der UdSSR

Während ihres Großen Vaterländischen Krieges verlor die Sowjetunion verschiedenen Quellen zufolge zwischen 13,5 und 18 Millionen Zivilisten, während sich die Gesamtzahl der Kriegsopfer auf ca. 27 Millionen Menschen der früheren Sowjetunion beläuft. Experten von der Russischen Historischen Gesellschaft tendieren aufgrund detaillierter Analysen zu einer Zahl von 18 Millionen ziviler Bürger, die Opfer „feindlicher Kampfeinwirkung“ und vorsätzlicher Vernichtung durch die Hitler-Invasoren und deren Verbündete wurden.

Belorussija

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Hier nur ein Beispiel von vielen: Auf belorussischem Boden wurden 290 von den 270 Städten ausgeraubt und zerstört. Die Okkupanten und ihre Komplizen führten in Belarus mehr als 140 „Strafoperationen“ durch und vernichteten ganz oder teilweise 5.454 Dörfer.

Völkermord muß anerkannt werden

Der Politiker der Regierungspartei „Einiges Rußland“ Dmitri Puschkow, ein langjähriges Mitglied des Obersten Rates, sieht es an der Zeit, die Frage der Anerkennung dieses vier Jahre andauernden Massakers als Genozid auf internationaler Bühne anerkennen zu lassen. In einer Sendung bei Radio Westi FM sagte er:

„Wir können auf internationaler Ebene die Frage der Anerkennung stellen, denn es ist unmöglich, diese Tatsache zu widerlegen (…) Es gibt zahlreiche Belege für die gezielte Vernichtung der friedlichen Bevölkerung. Und das ist Völkermord.“

Es war ein politischer Mord…

…denn es ging den Nazis um die Vernichtung des Kommunismus. Puschkow betonte, daß die Opferzahlen des sowjetischen Volkes zahlenmäßig die Opferzahlen anderer Völker um ein Vielfaches übertreffen. „Sie wurden aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum sowjetischen Volk getötet, als Bürger der Sowjetunion.“ Er sagte, daß das russische Ermittlungskomitee und die Generalstaatsanwaltschaft derzeit ernsthaft an der Klärung der Umstände der Massenerschießungen arbeiten. Die ersten Resultate dieser Arbeit lieferte ein Gerichtsbeschluß im Oktober 2020 im Nowgoroder Gebiet im Nord-Westen Rußlands. Die Massenhinrichtungen von fast 4.000 Zivilisten am Ort Shestjanaja Gorka durch Nazi-Einsatzkommandos und Hilfspolizei sind nun als Genozid an der Sowjetbevölkerung anerkannt worden.

Die Ermittlungen werden fortgesetzt

Die Ermittlungsarbeit ist darauf gerichtet, die Täter deren Opfern namentlich zuzuordnen. Der Berater des Präsidenten und Ex-Kulturminister Wladimir Medinski schrieb in einem ausführlichen Aufsatz, der auch von RT DE übersetzt und veröffentlicht wurde.

„Wir müssen uns jeden Fakt vornehmen, jeden Namen. Und klären, wer für Akte des Genozids verantwortlich war. Denn heute erklären sich einige Länder zu Opfern des Naziregimes, obwohl sie in Wirklichkeit Verbündete Deutschlands waren.“

Es habe im Zweiten Weltkrieg drei von der UNO international anerkannte Völkermorde gegeben – an den Juden (6 Millionen Opfer), den Sinti und Roma (mindestens 200.000 bis womöglich 1,5 Millionen) sowie an den Serben (zwischen 200.000 bis 800.000 Menschen), aber nicht für die systematische Vernichtung der nichtjüdischen Sowjetbevölkerung. Er weist auch auf gewaltiges „demografisches Echo des Krieges“ und indirekte Verluste der Bevölkerung in Höhe von weiteren geschätzten 23 Millionen hin. Zu dieser Gruppe gehören vor allem zu früh verstorbene Kriegsversehrte sowie infolge der Kriegsleiden Ungeborene.

Verbrechen der Kollaborateure aufgearbeitet

Aber es geht nicht nur um diese erdrückenden Zahlen. Schließlich haben die Sowjetunion selbst, nach der Ermordung Stalins, und später auch Rußland über Jahrzehnte keine Schritte für Anerkennung dieses Genozids unternommen. Das hatte vor allem auch damit zu tun, daß Tausende der Täter als Angehörige der Hilfspolizei und sonstigen mit den deutschen Nazis kollaborierenden Formationen aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammten. Schließlich wollte man den sozialen Frieden und die Völkerfreundschaft nicht durch eine vollständige Aufarbeitung dieser Verbrechen gefährden. Jetzt haben sich diese Zeiten geändert, argumentiert Senator Puschkow:

„Jetzt findet ein totaler Kampf um alles statt – um Politik, Geschichte, Ideologie. Niemals wurde die Rolle unseres Landes in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges so angezweifelt wie jetzt. Jetzt gibt es sogar juristische Dokumente, die unsere Rolle im Zweiten Weltkrieg anzweifeln! Wenn wir beweisen, daß es den Genozid am sowjetischen Volk gab, dann ist es unmöglich, länger diese Rolle zu widerlegen.“

Siehe auch: Anna Kudinowa: Karl Popper und die Renaissance des Faschismus in Europa


ein Junge Belarus

Ein Junge wird als letzter aus seiner Familie erschossen. Es ist bekannt, wo und wann
das Verbrechen verübt wurde: am 5. Juli 1941 in der ukrainischen Sowjetrepublik:

Auch im Hinblick auf die radikale Wende in der ukrainischen Geschichtspolitik sei das wichtig. Er weist auf die Tendenz hin, durch einen ethnisch gefaßten Opferdiskurs gewisse Opferhierarchien im Geschichtsbewußtsein etablieren zu wollen. Dazu gehört beispielsweise die Forderung der Ukraine an Deutschland, ein Denkmal nur für die ukrainischen Opfer des Zweiten Weltkriegs zu errichten.

„Dieser Versuch, unsere Völker zu spalten, wird in der Ukraine besonders deutlich. Wir haben gemeinsame Opfer. Wenn wir über den Völkermord am sowjetischen Volk sprechen, sprechen wir über die Tatsache, daß wir gemeinsam gekämpft haben, daß wir gemeinsam die Welt vor dem Faschismus gerettet haben und daß wir gemeinsam Opfer gebracht haben“, sagt Puschkow.


Monument Ukraine
Ukraine: Monument zum Sieg über den Faschismus abgerissen –
und die ukrainischen Faschisten triumphieren!

Der Politiker nannte keine weiteren juristischen Schritte Rußlands oder geplanten Parlamentsbeschlüsse, die auf internationale Anerkennung des Genozids abzielen würden. Aber die gesellschaftliche Arbeit an diesem Vorhaben ist spürbar. Es wurde eine offizielle Petition auf der Webseite chande.org gestartet – mit bislang 33.000 Unterschriften. Juristische Vereinigungen leisten dabei Vorarbeit. Die Durchsicht dieser Dokumente zeigt: Russische Historiker, Politiker und Juristen sprechen in dieser Frage mit einer Stimme.

Eine moralische Verpflichtung

Die Anerkennung sei keine juristische Formalität, sondern eine moralische Verpflichtung gegenüber den unschuldig Getöteten, schreibt Denis Sadownikow, der Vorsitzende der Kommission für das juristische Erbe des Zweiten Weltkriegs in einem Aufsatz. „Lieber spät als niemals“, betont der Jurist. Auch er sieht in der Anerkennung des Genozids eine Rettungsaktion für „das fortwährende juristische Erbe des Zweiten Weltkriegs“, das angesichts der „vielfältigen Verfälschungsversuche und Manipulation der öffentlichen Meinung“ gefährdet sei. Und damit sind vor allem die Ergebnisse der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse gemeint.

Quelle: https://de.rt.com/europa/128746-russland-will-genozid-am-sowjetischen-volk-zweiten-weltkrieg-international-anerkennen/


Siehe auch:

Die Sowjetunion und der Krieg (1941-45)

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