Warum war die Oktoberrevolution 1917 erfolgreich? – Und: Warum ist die Novemberrevolution 1918 gescheitert?

Kurzer lehrgang russDer folgende Beitrag wurde von keinem Geringeren verfaßt als von J. W. Stalin (Auszug aus Kapitel VIII „Kurzer Lehrgang“). Darin beschreibt er aus eigenem Erleben den heroischen Kampf der Arbeiterklasse Rußlands im Bündnis mit den Bauern zur Verteidigung der revolutionären Errungenschaften der Oktoberrevolution von 1917. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution war die erste sozialistische Revolution in der Weltgeschichte. Erstmals war es dem Volk eines Landes gelungen, erfolgreich das Joch der jahrhundertelangen Ausbeutung und Unterdrückung abzuwerfen und mit dem Aufbau einer sozial gerechten, sozialistischen Gesellschaftsordnung zu beginnen. Was waren die Gründe für diesen Erfolg? Im zweiten Teil geht es um die Novemberrevolution 1918 in Deutschland und die Gründe ihres Scheiterns. Was war der Unterschied zwischen diesen beiden Revolutionen und welche Fehler dürfen heute nicht wiederholt werden?

Warum war die Revolution 1917 erfolgreich?

J.W. Stalin schreibt:

Sturz

Hier noch einmal:

      • Führung durch die Kommunistische Partei,
      • Bündnis der Arbeiterklasse mit den Bauern,
      • Errichtung der Macht der Sowjets (Staat),
      • Aufhebung des Eigentums der Gutsbesitzer an Grund und Boden,
      • entschädigungslose Enteignung der Kapitalisten,
      • Schaffung der Voraussetzungen für den friedlichen Aufbau.

Und weiter schreibt Stalin:


Der Brester Friedensvertrag

Der Abschluß des Brester Friedens und die Festigung der Sowjetmacht infolge einer Reihe von ihr durchgeführter revolutionär-ökonomischer Maßnahmen zu einer Zeit, als der Krieg im Westen noch in vollem Gange war, riefen unter den Imperialisten des Westens, ganz besonders unter den Imperialisten der Entente, die größte Beunruhigung hervor.

  • Die Imperialisten der Entente befürchteten, daß der Friedensschluß zwischen Deutschland und Rußland die militärische Lage Deutschlands erleichtern und die Lage der Ententetruppen an der Front entsprechend erschweren könnte.
  • Sie befürchteten weiter, daß die Herstellung des Friedens zwischen Rußland und Deutschland den Friedensdrang in allen Ländern, an allen Fronten verstärken und dadurch die Ziele des Krieges, die Ziele der Imperialisten durchkreuzen könnte.
  • Sie befürch­teten schließlich, daß das Bestehen der Sowjetmacht auf dem Territorium eines riesigen Landes und ihre nach dem Sturz der Macht der Bourgeoisie in diesem Lande errungenen Erfolge für die Arbeiter und Soldaten des Westens ein ansteckendes Beispiel sein könnten, und daß diese, von tiefer Unzufriedenheit über den sich hinziehenden Krieg erfaßt, nach dem Beispiel der Russen die Bajonette gegen ihre Herren und Unterdrücker kehren könnten.

Die Mächte der Entente mischen sich ein

Infolgedessen beschlossen die Re­gierungen der Entente, die militärische Intervention (Einmischung) Rußland einzuleiten, um die Sowjetmacht zu stürzen und eine bürgerliche Macht aufzurichten, die im Lande bürgerliche Zustände wiederherstellen, den Friedensvertrag mit den Deutschen annullieren und aufs neue eine Kriegsfront gegen Deutschland und Österreich schaffen würde. Die Imperialisten der Entente machten sich um so lieber an dieses verbrecherische Werk, als sie von der Unhaltbarkeit der Sowjetmacht überzeugt waren und nicht daran zweifelten, daß deren rascher Sturz bei einiger Anstrengung ihrer Feinde unausbleiblich sei. Noch größere Unruhe bewirkten die Erfolge der Sowjetmacht und ihre Festigung in den Reihen der gestürzten Klassen der Gutsbesitzer und Kapitalisten, in den Reihen der zerschlagenen Parteien der Kadetten, der Menschewiki, der Sozialrevolutionäre, der Anarchisten. der bürgerlichen Nationalisten aller Art, in den Reihen der weißgardistischen Generale, des Kosakenoffizierkorps u.ä.

Rücksichtslose Konterrevolution in Rußland

Alle diese feindlichen Elemente schrien es seit den ersten Tagen des Sieges der Oktoberrevolution von allen Dächern, daß in Rußland für ­die Sowjetmacht kein Boden sei, daß sie dem Untergange geweiht sei, daß sie in ein oder zwei Wochen, in einem Monat oder spätestens in zwei, drei Monaten unbedingt zugrunde gehen werde. Da aber die Sowjetmacht trotz aller Verwünschungen ihrer Feinde weiter existierte und sich weiter festigte, waren die Feinde der Sowjetmacht innerhalb Rußlands zu dem Eingeständnis gezwungen, daß die Sowjetmacht viel stärker sei, als sie früher gedacht hatten, daß zum Sturz der Sowjet­macht ernste Anstrengungen und ein rücksichtsloser Kampf aller Kräfte der Konterrevolution notwendig seien.

Es formieren sich zwei konterrevolutionäre Kräfte

Daher beschlossen sie, eine um­fassende konterrevolutionär-aufrührerische Tätigkeit zu entfalten, um die Kräfte der Konterrevolution zu sammeln, militärische Kader zu­sammenzuziehen und Aufstände vor allem in den kosakischen und ku­lakischen Gebieten zu organisieren. Somit formierten sich bereits im ersten Halbjahr 1918 zwei deutlich bestimmte Kräfte, bereit, auf den Sturz der Sowjetmacht hinzuarbei­ten: die ausländischen Imperialisten der Entente und die Konterrevo­lution innerhalb Rußlands. Keine von diesen beiden Kräften verfügte über genügende Voraus­setzungen, um selbständig den Versuch zu unternehmen, die Sowjet­macht zu stürzen.

  • Die Konterrevolution in Rußland besaß gewisse militärische Kader, wie auch eine gewisse Menge Menschenmaterial – hauptsächlich die kosakischen Oberschichten und das Kulakentum –, die notwendig waren, um einen Aufstand gegen die Sowjetmacht anzu­zetteln. Sie hatte aber kein Geld und keine Waffen.
  • Die ausländischen Imperialisten hingegen hatten Geld und Waffen, aber sie konnten nicht die genügende Anzahl militärischer Kräfte für die Intervention „liefern“, nicht nur weil sie diese für den Krieg gegen Deutschland und Österreich brauchten, sondern auch weil es möglich war, daß diese Kräfte sich für den Kampf gegen die Sowjetmacht als nicht völlig zu­verlässig erweisen würden.

Der Bürgerkrieg in Rußland beginnt

Die Bedingungen des Kampfes gegen die Sowjetmacht erforderten die Vereinigung beider antisowjetischen Kräfte, der ausländischen und der inneren. Und diese Vereinigung erfolgte im ersten Halbjahr 1918. So kam die ausländische militärische Intervention, unterstützt von konterrevolutionären Aufständen der Feinde der Sowjetmacht inner­halb Rußlands, gegen die Sowjetmacht zustande. So endete die Atempause, und der Bürgerkrieg in Rußland begann, das heißt der Krieg der Arbeiter und Bauern der Völker Rußlands gegen die äußeren und inneren Feinde der Sowjetmacht.

Militärische Intervention ohne Kriegserklärung

Die Imperialisten Englands, Frankreichs, Japans, Amerikas began­nen die militärische Intervention ohne Kriegserklärung, obwohl die Intervention ein Krieg gegen Rußland war, und zwar ein Krieg schlimmster Art. In aller Heimlichkeit, meuchlings, schlichen diese ,,zivilisierten“ Räuber heran und landeten ihre Truppen auf dem Ter­ritorium Rußlands.

  • Die Engländer und Franzosen landeten Truppen in Nordrußland, besetzten Archangelsk und Murmansk, unterstützten dort den weiß­gardistischen Aufruhr, stürzten die Macht der Sowjets und schufen die weißgardistische „Regierung Nordrußlands“.
  • Die Japaner landeten Truppen in Wladiwostok, annektierten das Küstengebiet, jagten die Sowjets auseinander und unterstützten die weißgardistischen Aufrührer, die sodann die bürgerlichen Zustände wiederherstellten.
  • Im Nordkaukasus organisierten die Generale Kornilow, Alexejew, Denikin mit Unterstützung der Engländer und Franzosen eine weiß­gardistische „Freiwilligenarmee“, zettelten einen Aufruhr der kosa­kischen Oberschichten an und eröffneten einen Feldzug gegen die Sowjets.
  • Am Don zettelten die Generale Krasnow und Mamontow mit ge­heimer Unterstützung der deutschen Imperialisten (zu ihrer offenen Unterstützung konnten sich die Deutschen angesichts des Friedensver­trags mit Rußland nicht entschließen) einen Aufruhr der Donkosaken an, besetzten das Dongebiet und eröffneten einen Feldzug gegen die Sowjets.
  • An der mittleren Wolga und in Sibirien wurde infolge der Ränke der Engländer und Franzosen ein Aufruhr des tschechoslowakischer Korps organisiert. Dieses aus Kriegsgefangenen bestehende Korps hatte von der Sowjetregierung die Erlaubnis erhalten, durch Sibirien uni den Fernen Osten nach seiner Heimat abzureisen. Auf der Reise wurde es jedoch von den Sozialrevolutionären und den Engländern und Fran­zosen zu einem Aufruhr gegen die Sowjetmacht ausgenutzt.
  • Der Auf­ruhr des Korps diente als Signal für den Aufruhr des Kulakentums an der Wolga und in Sibirien und unter dem Einfluß der Sozialrevo­lutionäre stehender Arbeiter aus den Betrieben von Wotkinsk und Ishewsk. An der Wolga wurde die weißgardistisch-sozialrevolutionäre Regierung von Samara, in Omsk die sibirische weigardistische Re­gierung geschaffen.

Die Aggression der deutschen Imperialisten

Deutschland nahm an dieser Intervention des Blocks der Engländer, Franzosen, Japaner, Amerikaner nicht teil und konnte das schon des­wegen nicht, weil es sich mit diesem Block in Kriegszustand befand. Aber trotz dieses Umstandes und des zwischen Rußland und Deutsch­land geschlossenen Friedensvertrages zweifelte keiner der Bolschewiki daran, daß die deutsche Regierung Kaiser Wilhelms genau so ein ge­schworener Feind des Sowjetlandes war wie die englisch-französisch-­japanisch-amerikanischen Interventen. Und wirklich taten die deut­schen Imperialisten alles Mögliche und Unmögliche, um das Sowjet­land zu isolieren, zu schwächen und zugrunde zu richten.

  • Sie rissen die Ukraine von Sowjetrußland los, allerdings gemäß einem „Vertrag“ mit der Ukrainischen Rada [1], ließen auf Ersuchen der weißgardisti­schen Ukrainischen Rada ihre Truppen in die Ukraine einmarschieren und begannen das ukrainische Volk unmenschlich auszuplündern und zu unterjochen, wobei sie ihm untersagten, Verbindungen irgendwel­cher Art mit Sowjetrußland zu unterhalten.
  • Sie rissen Transkaukasien von Sowjetrußland los, ließen auf Ersuchen der georgischen und aser­haidshanischen Nationalisten deutsche und türkische Truppen dorthin einmarschieren und begannen in Tiflis und ßaku zu schalten und zu walten. Auf jede Weise unterstützten sie, allerdings auf Schleich­wegen, mit Waffen und Proviant den aufrührerischen Don-General Krasnow gegen die Sowjetmacht.

Was war die Folge der imperialistischen Aggression?

Somit sah sich Sowjetrußland von seinen wichtigsten Lebensmittel-, Rohstoff- und Brennstoffgebieten abgeschnitten. Schwer war es in dieser Periode in Sowjetrußland. Es mangelte an Brot. Es mangelte an Fleisch. Hunger quälte die Arbeiter. Die Arbei­ter Moskaus und Petrograds erhielten ein Achtelpfund Brot für zwei Tage. Es gab Tage, wo überhaupt kein Brot zur Verteilung kam. Die Betriebe lagen still oder nahezu still; es fehlte an Rohstoffen und Brennstoffen. Aber die Arbeiterklasse verzagte nicht. Die Partei der Bolschewiki verzagte nicht. Die unglaublichen Schwierigkeiten dieser Periode und der verzweifelte Kampf gegen sie zeigten, welche uner­schöpfliche Energie die Arbeiterklasse in sich birgt und wie groß, wie unermeßlich die Kraft der Autorität der bolschewistischen Par­ei ist.

Was unternahm die Sowjetregierung zur Verteidigung?

Die Partei erklärte das Land zum Kriegslager und stellte sein wirt­schaftliches sowie sein kulturelles und politisches Leben auf den Krieg um. Die Sowjetregierung erklärte: „Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“, und rief das Volk zur Abwehr auf. Lenin stellte die Losung auf: „Alles für die Front!“, und hunderttausende Arbeiter und Bauern rückten als Freiwillige zur Roten Armee ein und gingen an die Front. Ungefähr die Hälfte der gesamten Mitgliedschaft der Par­tei und des Kommunistischen Jugendverbandes eilte an die Front. Die Partei mobilisierte das Volk zum vaterländischen Krieg gegen die In­vasion der Truppen der ausländischen Intervention, gegen die Auf­sände der von der Revolution gestürzten Ausbeuterklassen. Der von Lenin organisierte Rat der Arbeiter- und Bauernverteidigung leitete die Versorgung der Front mit Menschen, mit Lebensmitteln, mit Bekleidung, mit Waffen. Der Übergang vom Prinzip der Freiwilligkeit zur allgemeinen Wehrpflicht führte der Roten Armee hunderttausende Mann neue Verstärkungen zu, und die Rote Armee wurde in kurzer Zeit zu einer Millionenarmee.

Welche Erfolge hatte die Rote Arbeiter-und-Bauern-Armee?

Trotz der schweren Lage des Landes und obwohl die Rote Armee eine junge Armee war, die sich noch nicht hatte festigen können, waren infolge der getroffenen Verteidigungsmaßnahmen bereits die ersten Erfolge zu verzeichnen.

  • General Krasnow wurde von Zarizyn verdrängt, dessen Einnahme er für gesichert gehalten hatte, und hinter den Don zurückgeworfen.
  • Die Operationen General Denikins wurden auf ein kleines Gebiet des Nordkaukasus lokalisiert.
  • General Kornilow wurde im Kampf gegen die Rote Armee getötet.
  • Die Tschechoslowaken und die sozialrevolutionär-weißgardistischen Banden wurde aus Kasan, Simbirsk, Samara vertrieben und bis zum Ural zurückge­drängt.
  • Der Aufruhr des Weißgardisten Sawinkow in Jaroslawl, or­ganisiert von dem Leiter der englischen Mission in Moskau, Lockhart, wurde niedergeschlagen und Lockhart verhaftet.
  • Die Sozialrevolutio­näre, die die Genossen Uritzki und Wolodarski ermordet und einen frevelhaften Anschlag auf das Leben Lenins verübt hatten, wurden für ihren weißen Terror gegen die Bolschewiki vom Schwert des roten Terrors getroffen und in allen irgendwie bedeutenden Punkten Zentralrußlands vernichtet.

Vierzehn Fünfzehntel des Landes waren von den Interventen und der Konterrevolution besetzt. Nur ein Fünfzehntel war den Bolschewiki geblieben…
Intervention

Quelle: Geschichte. Lehrbuch für Klasse 9. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1975, S.39

Warum war die Sowjetarmee so erfolgreich?

In den Kämpfen gegen die Feinde gewann die junge Rote Armee stählerne Härte und männliche Kraft. Die kommunistischen Kommissare, die damals in der Roten Armee tätig waren, spielten eine entscheidende Rolle bei der Festigung der Armee, bei ihrer politischen Aufklärung, bei der Steigerung ihrer Kampffähigkeit, ihrer Disziplin. Die bolschewistische Partei verstand, daß diese Erfolge der Roten Armee noch nicht entscheidend waren, sondern nur ihre ersten Erfolge darstellten. Sie verstand, daß neue, noch viel ernstere Kämpfe bevorstanden, daß das Land seine verlorenen Lebensmittel-, Rohstoff- ­und Brennstoffgebiete nur durch langwierige und harte Kämpfe gegen die Feinde wiedererlangen konnte.

Was waren die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht?

Daher begannen sich die Bolsche­wiki intensiv auf einen längeren Krieg vorzubereiten und beschlossen, das ganze Hinterland in den Dienst der Front zu stellen. Die Sowjet­regierung führte den Kriegskommunismus ein. Die Sowjetmacht stellte außer der Großindustrie auch die mittlere und kleine Industrie unter ihre Kontrolle, um Waren des Massenbedarfs anzusammeln und die Armee sowie das Dorf mit ihnen zu versorgen. Sie führte das Getreide­handelsmonopol ein, verbot den Privathandel mit Getreide und setzte die Ablieferungspflicht fest, um alle Lebensmittelüberschüsse bei den Bauern zu registrieren, Getreidevorräte anzusammeln und die Armee und die Arbeiter mit Lebensmitteln zu versorgen. Schließlich führte sie die allgemeine Arbeitsdienstpflicht für alle Klassen ein.

„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“

Dadurch, daß die Partei die Bourgeoisie zu obligatorischer körperlicher Arbeit heranzog, setzte sie Arbeiter für andere, für die Front wichtigere Auf­gaben frei und verwirklichte das Prinzip: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Dies gesamte System von Maßnahmen, die durch die ungemein schwierigen Bedingungen der Landesverteidigung hervorgerufen waren und zeitweiligen Charakter trugen, wurde Kriegskommunismus ge­nannt. Das Land traf seine Vorbereitungen für einen langwierigen und harten Bürgerkrieg gegen die äußeren und inneren Feinde der So­wjetmacht. Es mußte die Stärke der Armee bis Ende 1918 verdrei­fachen. Es mußte die Mittel zur Versorgung dieser Armee ansammeln. In diesen Tagen erklärte Lenin: „Wir hatten beschlossen, im Frühjahr eine Armee von 1.000.000 Mann zu haben, jetzt brauchen wir eine Armee von drei Mil­lionen Mann. Wir können sie haben. Und wir werden sie haben.“


Die militärische Niederlage Deutschlands.
Die Revolution in Deutsch­land

Während das Sowjetland für die neuen Kämpfe gegen die auslän­dische Intervention seine Vorbereitungen traf, spielten sich im Westen, im Hinterland und an den Fronten der kriegführenden Länder ent­scheidende Ereignisse ab. Deutschland und Österreich erstickten in den Fängen des Krieges und der Lebensmittelkrise. Während England, Frankreich und Nordamerika immer neue Reserven einsetzten, ver­siegten in Deutschland und Österreich die letzten spärlichen Reserven. Die Dinge trieben dahin, daß Deutschland und Österreich, die in höchstem Grade erschöpft waren, sehr bald eine Niederlage erleiden mußten.

Die Empörung des Volkes gegen den Krieg

Unterdessen brodelte innerhalb Deutschlands und Österreichs die Empörung des Volkes gegen den endlosen und unheilvollen Krieg, ge­gen die imperialistischen Regierungen dieser Länder, die das Volk zur Erschöpfung, zum Hunger getrieben hatten. Hier wirkte sich auch de gewaltige revolutionäre Einfluß der Oktoberrevolution aus, die Verb­rüderung der Sowjetsoldaten mit österreichischen und deutschen Soldaten an der Front noch vor dem Brester Frieden sowie später der un­mittelbare Einfluß der Beendigung des Krieges mit Sowjetrußland und des mit ihm abgeschlossenen Friedens.

Das Beispiel Rußlands, wo das Volk durch den Sturz seiner imperialistischen Regierung die Be­endigung des verhaßten Krieges durchgesetzt hatte, mußte auch den Österreichischen und deutschen Arbeitern als Lehre dienen. Die deut­schen Soldaten nun, die an der Ostfront gestanden hatten und später, nach dem Brester Frieden, an die.Westfront geworfen wurden, übte ­dort auf die deutsche Armee notwendigerweise eine zersetzende Wirkung aus, als sie von der Verbrüderung mit den Sowjetsoldaten er­zählten und davon, wie die Sowjetsoldaten sich vom Kriege befreit hatten. Was die österreichische Armee betrifft, so hatte sie sich schon früher aus denselben Ursachen zu zersetzen begonnen.

Die Novemberrevolution in Deutschland (1918)

Infolge aller dieser Umstände verstärkte sich unter den deutsche­ Truppen der Drang nach Frieden, büßten sie ihre frühere Kampf­fähigkeit ein, begannen sie sich unter dem Druck der Ententetruppen zurückzuziehen, und in Deutschland selber brach im November 1918 die Revolution aus, die Wilhelm und seine Regierung stürzte. Deutschland war gezwungen, sich für besiegt zu erklären, und bat die Entente um Frieden. So wurde Deutschland, eine Macht ersten Ranges, mit einem Schlage auf die Stufe einer zweitrangigen Macht hinuntergeworfen.

Was war die Folge der deutschen Revolution?

Für die Lage der Sowjetmacht hatte dies eine gewisse negative Be­deutung, da dank diesem Umstand die Staaten der Entente, die die Intervention gegen die Sowjetmacht organisiert hatten, zum herrschen­den Faktor in Europa und Asien wurden und die Möglichkeit erhiel­ten, die Intervention zu verstärken, über das Sowjetland die Blockade zu verhängen und die Schlinge um die Sowjetmacht enger zu ziehen. Gerade das trat auch ein, wie wir weiterhin sehen werden. Anderseits aber hatte dieser Umstand eine noch viel ernsthaftere positive Bedeutung da er die Lage des Sowjetlandes ganz wesentlich erleichterte.

  • Erstens erhielt die Sowjetmacht die Möglichkeit, den Brester Raubfrieden zu annullieren, die Kontributionszahlungen einzustellen und den offenen, militärischen und politischen Kampf für die Befreiung Estlands, Lettlands, Bjelorußlands, Litauens, der Ukraine, Transkaukasiens, vom Joche des deutschen Imperialismus aufzunehmen.
  • Zweitens – und das war die Hauptsache – mußten das Bestehen eines republikanischen Regimes und die Entstehung von Arbeiter- und Soldatenräten in ­Deutschland, im Zentrum Europas, die Länder Europas revolutionieren und revolutionierten sie auch tatsächlich, was die Lage der Sowjetmacht in Rußland notwendigerweise festigen mußte.

Es war eine bürgerliche Revolution!

Allerdings war ­die Revolution in Deutschland eine bürgerliche Revolution und keine sozialistische, waren die Räte das gefügige Werkzeug des bürgerlichen Parlaments, denn in den Räten herrschten die Sozialdemokraten, Pak­tierer vom Schlage der russischen Menschewiki, und daraus eben er­klärt sich die Schwäche der Revolution. Wie schwach die Revolution dort war, ist schon daraus ersichtlich, daß sie die straflose Ermordung so hervorragender Revolutionäre wie Rosa Luxemburg und Karl Lieb­knecht durch deutsche Weißgardisten zuließ. Aber trotzdem war es eine Revolution, Wilhelm war gestürzt worden, die Arbeiter ent­ledigten sich ihrer Ketten, und schon das allein mußte die Revolution im Westen entfesseln, einen Aufschwung der Revolution in den euro­päischen Ländern hervorrufen.

Der revolutionäre Aufschwung in Europa

In Europa begann ein revolutionärer Aufschwung. In Österreich entfaltete sich die revolutionäre Bewegung. In Ungarn wurde die Sowjetrepublik ausgerufen. Von der revolutionären Woge getragen, kamen die kommunistischen Parteien Europas an die Oberfläche. Es entstand der reale Boden für die Vereinigung der kommunisti­chen Parteien zu der III., der Kommunistischen Internationale. Im März 1919 wurde in Moskau auf dem I. Kongreß der kommuni­stischen Parteien verschiedener Länder auf Initiative Lenins und der Bolschewiki die Kommunistische Internationale gegründet. Obwohl ie Blockade und die imperialistischen Verfolgungen viele Delegierte hinderten, nach Moskau zu gelangen, waren auf dem I. Kongreß doch die Delegierten der wichtigsten Länder Europas und Amerikas an­wesend. Der Kongreß arbeitete unter Lenins Führung.

In seinem Referat über die bürgerliche Demokratie und die Diktatur des Proletariats zeigte Lenin die Bedeutung der Sowjetmacht als der wahren Demokratie für die Werktätigen. Der Kongreß be­schloß ein Manifest an das internationale Proletariat, worin er zu ent­schiedenem Kampf für die proletarische Diktatur, für den Sieg der Sowjets in allen Ländern aufrief. Der Kongreß bildete das Exekutivkomitee der Komintern (EKKI), das Vollzugsorgan der III., der Kommunistischen Internationale.

So wurde eine internationale revolutionäre proletarische Organisation von neuem Typus geschaffen – die Kommunistische Internatio­nale, die marxistisch-leninistische Internationale.

[1] Ukrainische Rada: Regierung der nationalistischen, konterrevolutionären ukrainischen Bourgeoisie, die die Truppen der österreichischen und deutschen Imperialisten zur Erdrosselung der Revolution in die Ukraine be­rief. Die Red.

Quelle:
Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki). Kurzer Lehrgang. Dietz Verlag Berlin, 1952, S.279-289. (Zwischenüberschriften und Hervorhebungen v.m., N.G.) Bild: Russische Originalausgabe des Kurzen Lehrgangs aus dem Jahre 1938.


Die wichtigste Lehre aus der Geschichte

Die Erfahrungen der Novemberrevolution 1918 und der Weimarer Republik lehren, daß die Arbeiterklasse nicht siegen kann ohne eine Partei, die es versteht, die Klasse und die Massen für den revolutionären Kampf zu mobilisieren, zu organisieren und in diesem Kampfe zum Siege zu führen. Es muß eine Partei sein, in der die besten Elemente der Arbeiterklasse vereinigt sind, die auf dem Boden der revolutionären Theorie des Marxismus-Leninismus steht und in der eine auf Überzeugung beruhende straffe Disziplin aller Mitglieder besteht. Es muß eine Partei sein, die auf dem Prinzip des demokratischen Zentralismus aufgebaut ist; in der durch Entfaltung der Kritik und Selbstkritik alle feindlichen und schädlichen Elemente ausgemerzt werden, eine Partei, die sich durch ihr Vorbild die Sympathien der breiten Massen des werktätigen Volkes erwirbt, und die es versteht, die Mehrheit der Arbeiterklasse und aller Werktätigen zu erobern. Das Fehlen einer solchen Partei im Jahre 1918 war die entscheidende Ursache für die Niederlage der revolutionären Arbeiterschaft.

Quelle: Otto Grotewohl, Dreißig Jahre später – Die Novemberrevolution und die Lehren der Geschichte der Deutschen Arbeiterbewegung, Dietz Verlag, Berlin, 1948, S.167


Siehe auch:
Otto Grotewohl: Was wird sein. … dreißig Jahre später?
Die Novemberrevolution. Was geschah 1918 in Deutschland?

Was ist Sozialismus?

(Wenn diese Hinweise und Erfahrungen nicht beachtet werden, ist auch der Versuch, die verbrecherischen Pläne des „Great Reset“ zu beenden, zum Scheitern verurteilt!)

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3 Antworten zu Warum war die Oktoberrevolution 1917 erfolgreich? – Und: Warum ist die Novemberrevolution 1918 gescheitert?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Mir hat Scholochows „Der stille Don“ und die geniale Verfilmung sehr viel Verständnis über die Oktoberrevolution vermittelt, die Interventionskriege, das Verhalten des Volkes in dieser Zeit, das nach und nach verstand, wer seine Freunde und seine Feinde sind. Übrigens war Jaroslav Hasek, der Autor des „Schwejk“, als tschechischer Soldat und Kriegsgefangener auf die Seite der Roten Armee übergewechselt und in der Umgebung von Samara Kommandant der Sowjetregierung gewesen. Seine wenigen Geschichten dieser Zeit sind nicht nur voll Humor, sondern lassen auch ahnen, wie schwer diese Zeit war. Der Mensch kann, wenn er will, vor allem dann, wenn er muss.
    Mit Blick in die heutige Zeit schreibst du, Sascha, dass, wenn die Erfahrungen der Oktoberrevolution nicht beachtet werden, auch der Versuch, den Great Reset zu verhindern,
    zum Scheitern verurteilt ist. Vollkommen richtig. Ich habe angefangen, das Buch von Thomas Röper „Inside Corona“ zu lesen, und bereits die ersten 40 Seiten haben mir klargemacht, um was für eine ungeheure Weltverschwörung es sich heute handelt. Das Kapital hat gelernt, auch aus der Oktoberrevolution. Das US-Kapital hat die ganze Welt im Griff. Noch eine Oktoberrevolution wird viel schwieriger sein. Wir stehen vor einer übermenschlichen Aufgabe, dieses großangelegte Verbrechen des Kapitals an der Menschheit zu verhindern. Und der Kampf der USA gegen Russland lässt ein Übermaß an Kaltschnäuzigkeit dieser transatlantischen Herrschaften schon
    mal erkennen. Für diese Leute ist der Mensch eine Wanze. Ich will nicht allzu bedrückt aus diesem Kommentar gehen, aber ich sehe, wir sind auf diese Ungeheuerlichkeit nicht vorbereitet.

  2. Wolfgang Schumann schreibt:

    Ich hatte sch

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