Das allgemeine Gerede ist nutzlos und die Verwirrung ist groß! Bertolt Brecht: „Nun gilt es zu kämpfen – und zu siegen!“

KommunardenBertolt Brecht hat sich intensiv mit der Frage befaßt, warum die Pariser Kommune so sang- und klanglos untergegangen ist. Gewalt oder keine Gewalt? Maßvoll oder empört? – Das ist hier die Frage! Die einen mahnen zur „Besonnenheit“, die anderen warnen vor dem Bürgerkrieg. Schon lange schwelt dieser Kampf: Der Aufstand der schlesischen Weber, Hungerrevolten in Berlin. Als die Frauen auf dem Wochenmarkt von den Händlern noch verhöhnt wurden, weil sie den den hohen Preis für die Kartoffeln nicht bezahlen konnten, kam es zum sogenannten „Kartoffelkrieg“. Die Polizei war machtlos. Erst nach zwei Tagen konnte mit Hilfe des Militärs die Ruhe wieder hergestellt werden. In den Staaten des Deutschen Bundes entstand im Jahre 1847 eine revolutionäre Situation. [1] Das Land wurde von einer Wirtschaftskrise [2] heimgesucht, die zuerst in England  und den USA ausgebrochen war. Die Kapitalisten versuchten, die Lasten der Krise vor allem auf die Arbeiter abzuwälzen. Viele Arbeiter wurden entlassen, anderen der knappe Lohn noch mehr herabgesetzt… (Bild: „Spaziergang“ anno 1848)

Durch die Vielzahl der gesellschaftlichen Widersprüche in Deutschland wurde der Klassenkampf besonders kompliziert Aber nur durch den gemeinamen Kampf der Bourgeoisie, der Bauern, des Kleinbürgertums und des Proletariats gegen den Feudaladel konnte die bürgerlich-demokratische Revolution siegen. Die Führung mußte dabei die Bourgeoisie übernehmen, denn sie war Träger der fortschrittlichsten kapitalistischen Produktionweise und die stärkste antifeudalistische Klasse.

Das war 1848 so! Wenn man heute nach einer Lösung sucht, ist es ähnlich: die einen warnen vor Gewalt und erinnern dabei an Mahatma Ghandi. der sagte:

Ghandi-Welt „Unsere größte Fähigkeit als Menschen ist nicht, die Welt zu verändern, sondern uns selbst zu verändern!“ – was induziert, daß man die Welt ja sowieso nicht verändern könne, deshalb lieber darauf verzichten, und sich stattdessen aber selbst verändern sollte. Und die anderen warnen demagogisch vor dem „Great Reset“, indem sie verkünden, das sei der Weg zum Sozialismus, zum Totalitarismus, wo keiner mehr etwas besitzen werde, aber alle glücklich seien. Und schließlich wolle man nicht zurück ins „Dritte Reich“ und erst recht nicht ins DDR-Regime. So wird Mißtrauen gesät und Verwirrung geschaffen.

Beides ist falsch und letzteres sogar verlogen. Denn erstens können  Menschen die Welt verändern, indem sie lernen, die Gesetzmäßigkeiten der menschlichen Gesellschaft immer besser zu beherrschen. Und zweitens war die Gleichsetzung von Faschismus und Sozialismus schon immer eine hinterhältige Taktik der Bourgeoisie und des Kleinbürgertums, mit der sie den Kommunismus anzuschwärzen versuchten und kübelweise Schmutz über die DDR auskippten. Doch wenn es überhaupt eine Alternative zum Kapitalismus und eine Weiterentwicklung zu einer sozial gerechten Gesellschaft gibt, dann ist das der SOZIALISMUS.

Mit diesem geistigen Wirrwar in den Köpfen hatten schon die Kommunarden zu kämpfen: Bertolt Brecht beschreibt das so:

Berliner Ensemble: Szene Rat der Kommune (1966)

„Der Sozialismus marschiert ohne Bajonette!“
„Aber er hat Bajonette gegen sich!“
„Bürger! Über Marseille und Lyon, selbst überall hier fliegt die Rote Fahne, aber Versaille bewaffnet die Unwissenheit und das Vorurteil des flachen Landes gegen sie. Tragen wir die Flagge des Aufstandes in das Land! Sprengen wir den eisernen Gürtel um Paris! Ensetzen wir die großen Städte!“
„Das ist das militärische Abenteuer!“
„Schluß damit!“
„Die Kommune verurteilt den Bürgerkrieg!“ (Applaus)
„Die Bank zu besetzen und das Geld zu holen, das wir für unsere friedliche Sache brauchen, ist eine Sache. Eine andere Sache ist es, den Bürgerkrieg zu eröffnen, der diese Arbeit sinnlos macht…“
„Sehen Sie diese Tafel: Das sind unsere Grundsätze, wir haben sie uns selbst gegeben. Sie bestimmen unsere Arbeit!“
„Antrag: Die Versammlung nimmt ihre friedliche Arbeit wieder auf, ungestört durch die Versuche der allzu Ungeduldigen, Paris in ein Abenteuer zu stürzen….“

Doch dann beginnt die Realität die Streitigkeiten einzuholen…

„Bürger Delegierte! Ich erhalte eine Meldung, welche die Arbeit der Versammlung in der Tat in eine neue Richtung wenden wird.

Die Versailler Verschwörer haben uns angegriffen. Ungeachtet unserer maßvollen Haltung haben sie uns angegriffen und den Bürgerkrieg eröffnet. Dieser Überfall, unternommen mit wenigen, zusammengewürfelten Truppen ist ein Akt nackter Verzweiflung. Jetzt ist es unsere Aufgabe, die große Stadt gegen die Aggressoren zu verteidigen. Wenn Paris zu den Waffen greift, so aus Hingabe für die Freiheit ganz Frankreichs.

Kommunarden! Nun gilt es zu kämpfen – und zu siegen!“

Das klarste und konsequenteste Programm zur Lösung dieser Aufgabe besaß der Bund der Kommunisten unter Führung von Karl Marx und Friedrich Engels.

Das Programm der Kommunisten

Kommunisten


Anmerkungen

[1] Lenin über die revolutionäre Situation: W.I. Lenin, Werke, Bd.31, Berlin, 1959, S.71.

Revolutionäre Situation

[2] Über die Wirtschaftskrise: Da die Kapitalisten sich den Mehrwert aneignen, erhalten die Arbeiter insgesamt nur einen geringen Lohn, der nicht ausreicht, um die Waren, die sie selbst hergestellt haben, zu kaufen. In den Lagern der Kapitalisten häufen sich immer mehr Waren an, obwohl die Werktätigen Not leiden. Diese angebliche „Überproduktionskrise“ – in Wahrheit ist die Krise nicht durch Überproduktion, sondern durch die fehlende Kaufkraft der Werktätigen hervorgerufen – versuchen die Kapitalisten durch Stillegung der Produktion zu überwinden. Das bedeutet für die Arbeitenden Entlassung, Kurzarbeit und Lohnsenkung. Selbstverständlich sinkt die Kaufkraft der Werktätigen dadurch noch mehr. Weitere Betriebe schließen wegen Absatzmangel. Die Krise ist ausgebrochen und vertieft sich. Die Kaufkraft der Volksmassen ist sehr gering. Es dauert deshalb auch geraume Zeit – meist Jahre -, bis einzelne Betriebe ihre Waren verkaufen können, soweit sie nicht inzwischen absichtlich vernichtet worden sind, und die Produktion wieder beginnen, Neueinstellungen vornehmen und die Kaufkraft der Werktätigen langsam steigt. Durch die Profitsucht der Kapitalisten werden in der Krise so Millionen Menschen zu Hunger und Elend verurteilt.
Literatur: Geschichte Lehrbuch für Klasse 8, Verlag Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1975, 7. Auflage, S.29-30.
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5 Antworten zu Das allgemeine Gerede ist nutzlos und die Verwirrung ist groß! Bertolt Brecht: „Nun gilt es zu kämpfen – und zu siegen!“

  1. hb schreibt:

    Die Bajonette der heutigen „Versailler“ sind Verarmung der gesamten Bevölkerung auf dem Niveau des 18. Jahrhunderts, der vorindustriellen Zeit, auch derjenigen, denen es heute noch gut geht, geplanter Hunger, Krieg und Auslöschung der „Überflüssigen“. Es gibt Proteste, die im Nichts verhallen. Eine Pariser Commune aber lässt auf sich warten. Unser Geschichtsunterricht in den fünfziger Jahren versuchte uns nahezubringen, dass erst die Macht des Volkes das Elend und die „Versailler“ zum Teufel jagen. Wer von uns 14-Jährigen hatte das begriffen, die wir in der DDR lebten mit der Macht des Volkes? Es gab da einen Satz im Geschichtsbuch, ich erinnere mich gut an ihn: „Die Pariser Commune bestand nur 72 Tage, sie wies uns den Weg aus dem Elend, den wir beschreiten müssen.“

    Marx und Engels verstanden, was in Paris geschehen ist. Für die damalige Welt war es nur ein Aufstand wie viele. Wann verstehen wir, dass wir auf dem Wege der „Rechtstaatlichkeit“ – ihrer „Rechtstaatlichkeit“ – niemals siegen werden? Die obige Abbildung ist interessant: ein „Spaziergang“. Unsere Spaziergänge unterschieden sich doch sehr, vielleicht hatten sie dieselbe Entschlossenheit, aber wussten die Spaziergänger, wohin sie wollen?

    Ich hatte zur Zeit, als „Die Tage der Pariser Commune“ am Berliner Ensemble geprobt und aufgeführt wurden, im Berliner Ensemble gearbeitet. Ich war auch ein paarmal abends in der Vorstellung. Die Reaktion des Publikums war genauso unentschieden wie die Auseinandersetzungen auf der Bühne. Aber es gab eine Reaktion, wenn auch eine kaum merkliche. Für eine wirkliche Auseinandersetzung war es meines Erachtens schon zu spät in der DDR.

    Damals wusste ich das nicht, heute weiß ich es. Hierzulande ist die Angst vor einer Revolution groß, und zwar auf beiden Seiten – nicht nur der Reaktion, sondern auch der Revolutionäre. Unsere heutige Situation, sie erinnert doch ein wenig an die Auseinandersetzungen in der Pariser Commune, falls es überhaupt zu wirklichem Aufstand kommen sollte. Den ich mir nur wünsche. Was aber können wir tun?

    • Erfurt schreibt:

      Genau. Man muß erst einmal begreifen mit welchem Klassenfeind man es zu tun hat und zu was der fähig ist. Und was ein Bündnis betrifft, das kennen wir im Kleinen: Alle nicken zustimmend aber wenn es zur Sache geht sind die ganz schnell auf der anderen Seite.

      MvG

  2. Erfurt schreibt:

    Das Ergebnis von 1848 war, daß sich die Bourgeoisie mit dem Feudaladel verbündet hat schreibt Alexander Abusch in Der Irrweg einer Nation. Hugenotten aus Frankreich stiegen in die höchsten Kreise des Preußischen Feudaladels auf, schrieb Abusch weiter.

    Dadurch also daß sich dieses Bündnis über Frankreichs Grenzen hinweg erstreckte, war eine poletarische Revolution nicht nur in Frankreich zum Scheitern verurteilt.

    MFG

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  4. sascha313 schreibt:

    „Der junge Marx“, so schreibt Alexander Abusch, „verstand schon 1848 besser als später der alte Bismarck am Ende seines Lebens, daß die deutsche Märzrevolution in ihrem Wesen und ihrer Erscheinung eine echte Volksrevolution war,…“ (Abusch: „Der Irrweg..“; S.86)

    Demgegenüber wird heute mehr denn je das Unvermögen (bzw. der Unwille) der bürgerlichen Kommentatoren sichtbar, die bestimmende Rolle der Klassen und des Klassenkampfes im Struktur- und Entwicklungszusammenhang der jeweiligen Gesellschaftsformation konkret-historisch zu anzuerkennen. Bürgerliche Politiker ignorieren immer wieder die reale sozialökonomische Basis und den sich darüber erhebenden Überbau ideologischer Verhältnisse sowie die politischen, juristischen und militärischen Machtinstrumente der jeweils herrschenden Klasse und deren Wechselwirkung mit den Produktionsverhältnissen.

    Daraus ergibt sich: „Es ist eine Wechselwirkung aller dieser Momente, worin schließlich durch alle die Menge von Zufälligkeiten (d.h. von Dingen und Ereignissen, deren innerer Zusammenhang untereinander so entfernt oder so unnachweisbar ist, daß wir ihn als nicht vorhanden betrachten, vernachlässigen können) als Notwendiges die ökonomische Bewegung sich durchsetzt.“ (Friedrich Engels an Joseph Bloch, 21.9.1890 (MEW, Bd.37, S.,463)

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