Susan Bonath: Das letzte Aufbäumen des Kapitalismus…

LewandowskiNun muß man kein Gelehrter sein, um zu verstehen, daß alle gesellschaftlichen Ereignisse ihre materiellen Ursachen haben. So zum Beipiel der Krieg, die Armut, die Macht der Medien, die Überproduktion oder die Gleichgültigkeit der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber andren Völkern bzw. gegenüber dem Elend in der Welt. Alles hat seine Ursachen – auch der gegenwärtige, von den Mainstream-Medien geschürte Russenhaß. Die kapitalistische Megamaschine droht an ihren eigenen Widersprüchen zu zerbrechen — der tendenzielle Fall der Profitrate befeuert Krisen, Krieg und totalitäre Herrschaft. Mit totalitärer Herrschaft ist zweifellos der Faschismus gemeint, den viele im Westen nicht sehen wollen. Sie leugnen den Faschismus in der Ukraine und den Faschismus im eignen Land. (Der polnische Maler Juliusz Lewandowski hat diesen Gegensatz treffend ins Bild gebracht.) Doch was wird weiter auf uns zukommen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus?

Gleich vorab: Ein erstaunlicher Beitrag! Wir wußten allerdings schon seit 1990, daß die Zerstörung des Sozialismus und die weltweite Ausbreitung dieses maroden und menschenverachtenden Gesellschaftssystems, des Kapitalismus, das Absterben dieses Systems nicht verhindern, sondern höchstens hinauszögern würde, daß schlimmstenfalls nicht wieder gutzumachende Schäden entstehen würden…

Susan Bonath

Das letzte Aufbäumen des Kapitalismus…

Warum das alles? Der Krisenmarathon der letzten Jahre befeuerte wilde Spekulationen, was die Hauptakteure bewegen und wohin das Ganze steuern könnte. Manche Beobachter konzentrieren sich auf die Psychopathologie der Regierenden und diagnostizieren schiere Machtgier. Andere sehen den gesundheitspolitischen Imperativ am Werk oder ein legitimes Bemühen, „den Aggressor Putin“ in seine Schranken zu verweisen. Oder sie sehen alle Bürger als Opfer ihrer eigenen Ressourcen verschwendenden Dekadenz, einer Art Rache der Natur für die allzu fetten Jahre. Viele Erklärungsansätze, die allesamt nur bedingt befriedigen. Nur selten werden die Ursachen in der Dynamik des Kapitalismus selbst gesehen. Dessen genialster Analytiker, Karl Marx, hatte vieles von dem, was jetzt geschieht, bereits vorausgesehen.

Der Untergang des Kapitalismus ist gesetzmäßig

Das Kapital und seine menschlichen Anhängsel, verurteilt zur immerwährenden Steigerung der Profitraten, stößt irgendwann an die Grenze der Ausbeutbarkeit der es umgebenden Welt. Diese „Not“ jedoch macht erfinderisch und läßt die Kapitaldiener nach bisher unerschlossenen Märkten greifen, zum Beispiel im Osten. Oder sie entdecken den menschlichen Körper, seine Seele und seine Träume als verwertbare Ressourcen. Wo dies alles nicht mehr hilft, wird Disruption inszeniert, um nach der Zerstörung der Welt als nächstes von deren Wiederaufbau zu profitieren. Diese Dynamik ist jedoch nicht Ausdruck der Stärke des Kapitalismus, sondern seiner Verzweiflung in der Abenddämmerung seiner Herrschaft.


1. Der tendenzielle Fall der Profitrate

Der Westen rüstet auf, die NATO ist auf Kriegskurs, die Preise schießen in die Höhe und die Zerstörung der geplünderten Natur wird sicht- und spürbarer. Im Rubikon-Interview bezeichnet der Journalist Patrik Baab den „tendenziellen Fall der Profitrate“ als wirtschaftlichen Hauptgrund für die aktuelle Systemkrise. Was genau meint er damit?

Warum die Profitrate tendenziell fällt

Kriege, Inflation, Umweltzerstörung und totalitäre Entwicklungen bedrohen derzeit die Menschen weltweit. Die ökonomischen Ursachen liegen vor allem im kapitalistischen System selbst, meint der Journalist Patrik Baab. Im Interview mit Rubikon führte er die gegenwärtige Krise unter anderem auf einen bestimmten Mechanismus zurück, der im kapitalistischen Weltsystem fest verankert ist: den tendenziellen Fall der Profitrate.

Das bedeutendste Werk von Karl Marx: „Das Kapital“

Mit diesem Phänomen beschäftigte sich bereits der deutsche Philosoph und Ökonom Karl Marx vor mehr als 150 Jahren. In seinem Werk „Das Kapital“ beschrieb er es ausführlich. Marx hatte erkannt, daß die technologische Entwicklung dazu führt, daß sich das Kapital zunehmend schlechter verwerten läßt. Je mehr Arbeitskräfte die Unternehmer durch den Einsatz von Maschinen einsparen, desto mehr sinkt der Verwertungsgrad des Kapitals.

Mit anderen Worten:

Weil Kapitalanlagen tendenziell prozentual immer weniger Profit abwerfen, müssen die Unternehmen immer schneller immer mehr Ware produzieren, um den Verlust auszugleichen. Dies zwingt sie stets auf den neuesten Stand der Technologie und dazu, Arbeitskräfte und Löhne einzusparen.

Die Abwärtsspirale auf dem kapitalistischen Markt

Damit steigern einzelne Unternehmen zwar kurzfristig ihre Profite. Langfristig aber setzt das eine Abwärtsspirale auf dem kapitalistischen Markt in Gang: Investitionen werden immer unrentabler, Kapitalisten müssen zum Ausgleich immer mehr Geld in den Verwertungsprozess stecken. Dies ist der Zwang zu ständigem Wirtschaftswachstum, welches die Politiker immerfort als höchstes Gut bewerben.

Dabei gehen die Schwächeren unter und die Stärkeren siegen. Die Kapitalvermögen konzentrieren sich zusehends ganz oben. Unternehmen wachsen zu global agierenden Monopolen heran, die auch mit den Staatsapparaten verschmelzen und die Konkurrenz auf dem Markt aushebeln.

Derweil sinkt der Verwertungsgrad des Kapitals kontinuierlich weiter, was die Spirale befeuert. An dieser fortlaufenden Tendenz ändern auch kurzzeitige sehr hohe Sonderprofite einiger weniger Konzerne nichts, wie wir es etwa jüngst bei den Herstellern der Coronapräparate oder jetzt bei einigen großen Energie- und Rüstungsunternehmen beobachten können.

Was ist der „tendenzielle Fall der Profitrate“?

Marx bezeichnete den von ihm beobachteten, vom kapitalistischen System selbst produzierten Mechanismus als tendenziellen Fall der Profitrate. Er formulierte es sinngemäß so: Je mehr das konstante Kapital, die Maschinen, das variable Kapital, die menschliche Arbeitskraft, verdrängt, je höher also der Anteil der von Maschinen übernommenen Arbeit ist, desto tiefer sinkt mittelfristig die Profitrate.

Nur Menschen können ausgebeutet werden

Zunächst wäre zu klären, was Marx als echten Profit ansah: Dieser sei nur durch die Ausbeutung produktiver menschlicher Arbeit zu generieren. Spekulationsgewinne zum Beispiel, die gemeinläufig auch als Profit bezeichnet werden, sind schlicht umverteiltes, künstlich in die Höhe getriebenes Geldvermögen. Laut Marx also können nur Menschen dazu gezwungen werden, unbezahlte Mehrarbeit zu leisten. Lohnabhängige müssen stets höhere Erträge produzieren, was sich in ihrer Lohntüte allerdings nicht bemerkbar macht. Der Rest, der Mehrwert, landet auf den Konten der Eigentümer und Anteilseigner des Unternehmens.

Henry Ford: „Autos kaufen keine Autos!“

Maschinen hingegen, heute auch Computer, kann man nicht zu unbezahlter Mehrarbeit nötigen. Sie erbringen eine bestimmte Leistung, für die ein Unternehmen bereits beim Kauf bezahlt hat, die also abgegolten ist. Auch an der Wartung kann man nicht sonderlich sparen, außer wiederum mit Lohndrückerei. Hinzu kommt, was der Automobilhersteller Henry Ford vereinfacht so ausdrückte: „Autos kaufen keine Autos.“ Und Maschinen und Computer kaufen freilich keine Waren.

Der Fortschritt in der Technologie ermöglicht es nun, immer größere Massen von Waren präziser, effizienter und billiger herzustellen. Dieser wachsenden Massenproduktion steht eine zunehmende Verarmung gegenüber.

Gemeint sind jene, die durch den technologischen Fortschritt aus dem Produktionsprozeß fallen und arbeitslos werden. Die eingesparten Lohnkosten sind zunächst profitabel für Unternehmer, da sie die Gewinnspanne nach oben schrauben. Langfristig aber führen sie zu einem Teufelskreis der sozialen Verwerfungen.


2. Überproduktion und Ökokrise

Der technologische Fortschritt produziert somit Massenarbeitslosigkeit, die den Staaten immer höhere Kosten abverlangt und die Kaufkraft in den Bevölkerungen schwinden läßt. Die wachsenden Warenmengen finden nicht mehr genügend Abnehmer. Dies wiederum führt zwangsläufig zu Überproduktionskrisen. Wir haben in der Vergangenheit so einige davon erlebt. So erinnern wir uns beispielsweise an die Butterberge, die übervollen Trockenmilchlager und die sogenannte Stahlkrise.

Warum sind Preissenkungen nicht profitabel?

Nun konkurrieren die Konzerne gegeneinander um Marktanteile. Denn sie müssen ja ihre Waren verkaufen, um Profit zu realisieren. Das tun sie unter anderem mit vorübergehenden Preissenkungen. Ein fiktives Beispiel: Wenn ein großer Konzern, der Mobiltelefone produziert, seine Waren bei gleicher Leistung wie jene eines Konkurrenten einige Monate zum halben Preis verkauft, wird er viele Kunden mobilisieren und bestenfalls den Konkurrenten nachhaltig vom Markt verdrängen. Das können sich freilich nur große Konzerne mit hohen Rücklagen leisten. Dieser ständige Preiskampf drückt die Profitrate immer weiter in den Keller.

Warum ist die Inflation nicht aufzuhalten?

Die Staaten als Machtinstrumente der Herrschenden versuchen den Preisverfall mit ihrer Geldpolitik abzubremsen. Gezielt forcieren sie eine Inflation von 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Sie entwerten schleichend das Geld. Das ist bekannt und daran haben wir uns gewöhnt. Trotzdem sind regelmäßige Überproduktionskrisen mit keiner Geldpolitik aufzuhalten. Und im Widerspruch dazu steht der stete Zwang, immer mehr Waren zu produzieren. Das führt, auch das erkannte Marx bereits, zu immer schlimmeren politischen und ökologischen Verwerfungen: Die Rohstoffressourcen werden immer schneller geplündert, es kommt zu Kriegen, um an die Quellen zu gelangen, die Natur wird gnadenlos ausgebeutet und verseucht, die Müllberge wachsen.


3. Gefangen in der Profitmaschine

Marx bezeichnete die globale Plattform des Warenhandels, also den Markt, metaphorisch als „automatisches Subjekt“. Bezeichnend hierfür ist der bekannte Spruch: Der Markt regelt das schon. Von Medien als Experten zitierte Ökonomen schreiben den Märkten beinahe menschliche Reaktionen zu, wie etwa „verhaltend“ oder „unruhig“.

Man könnte es so sagen: Der Markt wird beschrieben wie eine Naturgewalt, eine Gottheit quasi, die sich alles und jeden unterwirft.

Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte!

Politiker verscherbelten zum Beispiel weite Teile des öffentlichen Verkehrs, Hunderte Krankenhäuser und sonstige gesellschaftlich notwendige Infrastruktur an diesen Markt, der dies angeblich notwendig machte. Es heißt dann: Nur so könnten die Einrichtungen konkurrenzfähig bleiben, also im Wettbewerb bestehen. Der Wettbewerb erfordere dies und das — eine harmlos klingende Umschreibung für etwas, das in der Tat wie ein automatisches Subjekt fungiert, aber durch viele Handelnde gesichtslos, quasi entpersonifiziert hat. Dieser abstrakte Gottesersatz, der nur wenige von der Arbeit vieler profitieren läßt, scheint uns also in allen Lebensbereichen zu gängeln. Ein Entrinnen aus dieser Abhängigkeit scheint nicht in Sicht zu sein. Das ist aber auch nicht politisch erwünscht.

Revolution oder Untergang – einen „dritten Weg“ gibt es nicht!

Nehmen wir zum Beispiel eine Gruppe junger Leute auf dem Aussteigertrip: Eine eigene Unterkunft und Land zum Bebauen müssen sie auf dem Markt erwerben und dafür entsprechend bezahlen. Sie brauchen Genehmigungen für alles, und Material liegt auch nicht einfach so herum. Niemand kann sich ungestraft einfach so eine Hütte in den Wald stellen. Alles, was die Politik entscheidet, geschieht im Rahmen der allgegenwärtigen Profitmaschine des Marktes, dieses automatischen Subjekts.

Stalin - Die zwei Wege


4. Geldspielereien und Krieg

Auch die Probleme, die der tendenzielle Fall der Profitrate mit sich bringt, versucht die Politik als Verwalterin der Herrschaftsordnung mit den Mitteln des Marktes zu lösen. In den letzten Jahrzehnten konnten wir beobachten, daß die meisten Zentralbanken ihren Leitzins immer weiter senkten, einige sogar unter Null. So wollten sie billiges Geld auf den Markt spülen, um Unternehmer dazu zu animieren, auch in längst unrentabel erscheinende „Projekte“ zu investieren. Sie wollten das stagnierende Wachstum wieder anregen, die Wirtschaft zum Brummen bringen.

Die Gier nach der Eroberung Rußlands

Eine weitere Strategie ist die Eroberung weiterer Märkte und der letzten unberührten Ressourcen. Die finden sich in Rußland. Auf Rußland hat es das westliche imperialistische Militärbündnis daher schon sehr lange abgesehen. Es marodiert schnurstracks gen Osten, unterwirft sich ein Land nach dem anderen. So freiwillig wie es scheint, sind die Beitritte zur NATO sicherlich nicht. Wer sich unterwirft, hat mehr als die Hoffnung, ein größeres Stück vom Kuchen des westlichen Marktes abzubekommen. Es ist auch die Angst vor Angriffen — durch die NATO.

Alle Lösungsversuche werden scheitern!

Mit ihren systemkonformen Strategien stoßen Politik und Militär unweigerlich an die Grenzen, auch jene des gesamten Planeten. Das Festhalten an der Marktlogik katapultiert die Menschheit nicht nur in wahnsinnige Kriege und unfaßbares Elend, sondern auch in eine Umweltkrise, über deren wirkliche Auswirkungen heute nur spekuliert werden kann. Das ist einigen Profiteuren durchaus bekannt. Heiß wird das Thema seit Jahrzehnten in den Denkfabriken der führenden Tech-Konzerne diskutiert. Im Silicon Valley, im Weltwirtschaftsforum und sonstigen Plauderrunden der Technokraten ist es präsenter denn je. Die Politik ist mit bisherigen Lösungsversuchen gescheitert, die Profitrate im Keller, die Zerstörung gigantisch: Das System Industrie-Kapitalismus hat sich überlebt. Und auch die Produktivkräfte, also die technologische Entwicklung, sind ihm meilenweit voraus.


5. Technokratie als neue Herrschaftsform?

Nun kann wohl niemand in die Köpfe der führenden Technokraten schauen und daher nicht wissen, was darin so vor sich geht. Ich kann aber beschreiben, was ist, und daraus plausible Schlussfolgerungen ziehen, ohne eine Glaskugel zu besitzen. Erst einmal ist Grundsätzliches festzustellen:

  1. Der Globalismus: Der Kapitalismus ist kraft seiner inneren Logik zu einem globalen System geworden. Sein Markt beherrscht alle Lebensbereiche bis in den letzten „Winkel“ des Planeten. Der stete Konkurrenzkampf hat das weltweite Vermögen nach oben gespült. So sind multinationale Monopole und kartellähnliche Konstrukte entstanden, welche die Weltwirtschaft und die meisten Staatsapparate beherrschen. Sie haben die Konkurrenz auf dem Markt weitgehend ausgehebelt.
  2. Die moderne Technologie: Die Technologie hat sich rasant entwickelt. Die Wissenschaft, die sich damit befaßt und den Fortschritt vorantreibt, befindet sich größtenteils unter der Fuchtel privater Monopole. Dort sitzt das Geld, dort fließen die relevanten Gehälter, Honorare und Boni. Die staatlichen Wissenschaftsbetriebe sind mehr oder weniger zu zahnlosen Handlangern mutiert und wie der Staat dem Diktat des Großkapitals unterworfen.
  3. Die Energieversorgung: Öl und Kohle als Energieträger sind zwar noch wichtig, aber es gibt inzwischen vielfältige modernere Technologien, die erstere mehr und mehr in den Hintergrund drängen. Die großen Tech-Konzerne arbeiten mit Feuereifer daran. Gewiß, sie scheitern mal hier, mal dort, weil eben die letzten in der Erde lagernden Rohstoffe nach Kapitalisierung „rufen“. Langfristig aber setzte sich historisch immer das Fortschrittlichste durch. Das Ziel, den Lebensraum der Menschen nicht vollständig zu zerstören, mag man den Profiteuren im Silicon Valley durchaus abkaufen, es ist ja auch ihr eigener.
  4. Die totale Überwachung: Die Tech-Konzerne verfügen über digitale Möglichkeiten, auf die nicht nur alle Unternehmen heute mehr oder weniger angewiesen sind. Diese ermöglichen auch eine totale Überwachung der gesamten Menschheit. Das gibt ihnen als fortschrittlichstem Industriezweig eine ungeheure Macht über die gesamte Wirtschaft, die Regierungen, Staatsapparate und alle Menschen.
  5. Die Umweltzerstörung: Die profitgetriebene Wirtschaft mit ihrem ständigen Wachstumszwang stößt an ökologische Grenzen. Wird sie weiter so betrieben, käme dies einer Selbstvernichtung gleich. Schon jetzt ist das Scheitern offensichtlich: am Fall der Profitrate und am hohen Grad der Monopolisierung. Der klassische Konkurrenzkapitalismus ist so gut wie tot. Die alten Öl- und Kohlekonzernherren haben viel von ihrer einstigen Macht verloren. Ganz oben stehen jetzt die Tech-Giganten, die auch in Krisen wie dieser kräftig kassieren.

6. Totalitäre Herrschaft

Es ist also anzunehmen, daß die Tech-Eliten eine neue Herrschaftsform anstreben, die mit der klassischen kapitalistischen Produktionsweise nicht mehr viel zu tun hat. Ihre Macht könnte sie mit ihren Monopolen durchsetzen, von denen alle Gewalt, jegliche Propaganda und umfassende Rundumüberwachung ausgeht. Auf nationale Regierungen und Staatsapparate, die ihre Herrschaft durchsetzen, sind sie wohl weiter angewiesen.

Die relative Überbevölkerung

Ihr und unser größtes Problem wird es sein, daß sie eine Vielzahl von Menschen nicht mehr für die Produktion von Gütern benötigen werden. Es müßte ihnen gelingen, auch jene für sie „unnützen“ Massen in ihre Apparate einzubinden oder sie auf Gehorsam zu trimmen. Es läuft auf eine totalitäre, global und national organisierte Herrschaft der Tech-Mogule hinaus.

Wiedererrichtung des Faschismus

Derzeit erleben wir sichtbar einen Krieg um die Macht – zwischen der alten Großbourgeoisie und den neuen Technokraten. Letztere haben gewaltige Mittel zur Verfügung, um eine totalitäre Herrschaft durchzusetzen. Daß sie es versuchen, spüren wir bereits jetzt. Wir sollten darauf gefaßt sein.


7. Eigentum und Macht

Allerdings kann es ein Zurück zur alten Ordnung schon aufgrund der technologischen Entwicklung und der sich zuspitzenden ökologischen Krise nicht geben, davon abgesehen, daß der Industriekapitalismus für die allermeisten Menschen in vielen Teilen der Welt kaum weniger brutal war. Außerhalb der imperialistischen Zentren war das Elend ständiger Begleiter der Menschen. Auch hierzulande breitet es sich zusehends aus.

Warum ist der Klassenkampf eine Notwendigkeit?

Verloren ist trotzdem nicht alles. Die Macht der Tech-Konzerne zu brechen, wäre durchaus möglich. Denn auch sie beruht auf dem Eigentum an relevanten Produktionsmitteln, wie in allen bekannten Klassengesellschaften. Wer die Produktionsmittel besitzt, verfügt über die Waffen, kontrolliert die Verteilung von allem, bezahlt Propagandisten und „die Wissenschaft“ — und herrscht. Das war schon immer so. Aber wirtschaftliche Eigentumsverhältnisse sind nicht in Stein gemeißelt, sondern veränderbar.

Quelle: https://www.rubikon.news/artikel/das-letzte-aufbaumen (bearbeitet)

Bildquelle: https://arthive.com/de/artists/79149~Juliusz_Lewandowski_Martwy/works/547796~Insider_und_Auenseiter_II
Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernahm apolut diesen Text in der Zweitverwertung (was übrigens sehr erstaunlich ist, da dieser Ken Jebsen ein Antikommunist ist!) und wies explizit darauf hin, daß auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien! Aber noch viel mehr brauchen wir klardenkende Menschen, die bereit sind aus der Vergangenheit zu lernen. Und das ist nur möglich, wenn man den Marxismus-Leninismus und die praktischen Erfahrungen der Sowjetunion beim Aufbau des Sozialismus unter W.I. Lenin und J.W. Stalin studiert!

Ein sehr treffender Beitrag, der allerdings leider gegen Ende hin immer mehr zerfledert, weil er keinen Ausweg zeigt. Dies alles in dieser flüssigen und kompakten Weise festzustellen, ist tatsächlich schon ein großes Verdienst. Es ließ sich nicht vermeiden, den vorstehenden Text zu bearbeiten, um den Sinngehalt ein wenig verständlicher zu machen. Um jedoch diesem ganzen Drama eine Lösung anzufügen, bedarf es dringend der Revolutiontheorie Lenins und seiner genialen praktischen Umsetzung durch Stalin beim Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion. Wer das nicht erkennt, der tappt weiter im Dunklen!

Siehe auch:
Was ist eine Wirtschaftskrise? Und was kommt danach?
Warum war die Oktoberrevolution 1917 erfolgreich? – Und: Warum ist die Novemberrevolution 1918 gescheitert??

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10 Antworten zu Susan Bonath: Das letzte Aufbäumen des Kapitalismus…

  1. Pingback: Susan Bonath: Das letzte Aufbäumen des Kapitalismus… — Sascha’s Welt | Schramme Journal

  2. dersaisonkoch schreibt:

    Hat dies auf Der Saisonkoch rebloggt und kommentierte:
    In die gleiche Richtung wie der Beitrag von https://countercurrents.org/author/farooque-chowdhury/
    zeigt die Susan Bonath. Die Mehrheit der Welt ist sich einig, die kriminellen Verbrecher und ihre Propagandaorgane müssen endlich vor ein Tribunal.

  3. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Zu 4.
    „Auch die Probleme, die der tendenzielle Fall der Profitrate mit sich bringt,“
    i.) —> „versucht die Politik als Verwalterin der Herrschaftsordnung mit den Mitteln des Marktes zu lösen.

    In den letzten Jahrzehnten konnten wir beobachten, daß die meisten Zentralbanken ihren Leitzins immer weiter senkten, einige sogar unter Null.
    ii.) —> „So wollten sie billiges Geld auf den Markt spülen, um Unternehmer dazu zu animieren, auch in längst unrentabel erscheinende „Projekte“ zu investieren. Sie wollten das stagnierende Wachstum wieder anregen, die Wirtschaft zum Brummen bringen.“

    Bei i.) und ii.) handelt es sich um falsche Schlußfolgerung.

    Dieses „billige Geld“ diente dazu, daß

    A.) die Banken und Versicherungen – das eigentliche Finanz-Kapital – sich weiter verschulden konnte. Das Geld ging direkt an sie und keineswegs an das Industrie-Kapital, um in unrentabel „Projekte“ zu investieren.

    Das Industrie-Kapital braucht kein „billiges Geld“ – davon hat es mehr als genug und außerdem investiert es nie in „Projekte“, das ihm auch nur verdächtig erscheint, unrentabel zu sein.

    Es geht, wie Banken und Versicherungen von jeher, auch schon seit Jahrzehnten zum Finanzkapital; das heißt, es kauft Aktien an den Börsen, die hohe Dividenden „abwerfen“ und es spekuliert gegen Unternehmen, die „auf der Roten Liste“ stehen und mit denen beabsichtigt ist, sie vom Markt zu verdrängen, um sie in ein Monopol einzubinden.

    Man hört immer so viel von einem Bill Gates, der mit seinen 100 Milliarden alle möglichen Aktien besitzt und allein durch die Dividenden jedes Jahr sein Vermögen vergrößert – neben den Nettogewinn von Microsoft von rund 72,7 Milliarden US-Dollar (2021/22).
    Da kann der VW-Konzern (Industrie-Kapital) locker mithalten: gerundet 384 Milliarden „Cash“-Vermögen zum Kaufen von Aktien oder zum Spekulieren gegen Konkurrenten – mit dem Verkauf von PKW und LKW macht der VW-Konzern schon mindestens dreißig Jahre keine Profite mehr – Der Gewinn speist sich aus „Finanzgeschäften“.

    Dieses „billige Geld“ diente dazu, daß

    B.) die kapitalistischen „Staaten“ sich exorbitant weiter verschulden konnten, um zu gegebener Zeit – nämlich 2022 – eine Hyper-Inflation auszulösen, um die Menschen in Europa, den USA und anderswo genauso zu enteignen, wie es bereits von 1913 bis 1933 durchgeführt wurde.

    Das Finanz-Kapital kennt keine „Zufälle“, denn es betreibt eine kapitalistische Planwirtschaft zum „Vorteil“ weniger Verbrecher und zum großen Schaden der Menschen.

    • sascha313 schreibt:

      Es ist wichtig und richtig, sich damit auseinanderzusetzen. Zu welchen Schlußfolgerungen man auch immer kommen mag: Ohne das Studium der wissenschaftlichen Literatur (Marx „Kapital“, Engels „Dialektik“, Lenin „Imperialismus“, „Die nächsten Aufgaben“ und Stalin „Kurzer Lehrgang“, „Politische Ökonomie“, um nur einiges zu nennen…) wird niemand auch nur einen Schritt vorwärts kommen, geschweige denn das Richtige tun. Fehler muß man ja nicht ständig wiederholen…

      • Lieber guter Freund und Genosse!

        Auch wenn ich mich wiederhole: Mir ist ein großes Glück widerfahren, daß ich dich kennengelernt habe und du mir die von dir erwähnte Literatur geschenkt hast.

        Ich hatte davon ja nicht einmal den Hauch einer Ahnung.

        Und welchen Durchbruch ich – ein mehr oder minder religiös denkender Mensch – dadurch in meiner ‚mentalen‘ Welt hatte … wie sich all mein Denken und ich meine (fast alle) falschen Vorstellungen ablegen konnte.

        Rückstände werde ich wohl nie ganz los – aber „mein Haus“ habe ich doch inzwischen gut „aufgeräumt“ und es von jahrzehntealten Dreck und Schmutz gereinigt.

        Also Ehre, wem Ehre gebührt! und deshalb noch einmal ein großes Dankeschön an dich!

      • sascha313 schreibt:

        Danke für die Anerkennung! 🙂

  4. hb schreibt:

    Ich hatte diesen Beitrag schon gelesen, ein wenig erstaunt über die Verfasserin.
    Nachdem sie das Wesentliche auch als wesentlich erwähnt hatte, habe ich mich gefragt: Was ist also zu tun? Da wäre zunächst die derzeitige Lage ganz allgemein der Bevölkerung, speziell der Arbeiterklasse, zu der ich jeden Menschen zähle, der zum Verkauf seiner Arbeitskraft gezwungen wird, um leben zu können, auch wenn das nicht jedem Verkäufer seiner Arbeitskraft klar ist.

    Marx konnte seinerzeit von seinen Beobachtungen in England nicht davon ausgehen, dass eines Tages die Arbeiterklasse vom Kapital nicht mehr im bisherigen Maße benötigt wird, obwohl ich annehme, dass er diese Entwicklung bereits gesehen hatte. Heute wird von den „nutzlosen Essern“ gesprochen – wie einst im Nazi-Faschismus, der das „Problem“ mit der Euthanasie „löste“, welches Wort den Massenmord umschrieb, und mit brutaler Gewalt und Terror.

    Das Kapital ist also bestrebt, diese „nutzlosen Esser“ loszuwerden. Und das wird Schritt für Schritt getan. Den Anfang machten die Corona-Spritzen. Es sind vom Kapital aber noch acht weitere Jahre mit Pandemien und tödlichen mRNA-Spritzen geplant. Die nach diesen zehn Jahren noch übrig sind an „nutzlosen Essern“, werden mit KI umgebracht. Das ist der Plan. Ich bezweifle, dass dieser Plan in der Bevölkerung allgemein bekannt ist.

    Wir haben es schon so oft festgestellt: Die Arbeiterklasse ist sich ihrer Verantwortung für den Erhalt der Menschheit nicht bewusst. Die revolutionäre Kraft, die sie benötigt, ist nicht vorhanden. Ich habe keine Idee, wie auf dieser Grundlage verhindert werden soll, was mit uns geplant wird. Aufstände, Unruhen – nun ja. Sie werden niedergeschlagen, ganz einfach, mit Militär. Haldenwang und Faeser haben es ja schon verkündigt: Sie stehen bereit.

    Es wird viel davon gesprochen, wir sollten uns zusammenschließen. Es bleibt aber beim Sprechen. An Zusammenschluss sehe ich bisher nichts. Wenn es Proteste gibt, so beschränken sie sich auf Details wie Impfpflicht und jetzt (noch nicht!) dem vorsätzlich geplanten Energieausfall. Die Hungerkatastrophe, die für uns ebenfalls geplant ist, spielt noch gar keine Rolle. Der große Zusammenhang wird nicht aufgegriffen. Was getan werden müsste, darüber sind sich Teile des Volkes klar. Es geht um Leben oder Tod. Einen Erlöser gibt es nicht, erlösen können wir uns nur selbst. Aber wie unter diesen Umständen.

  5. Erfurt schreibt:

    Das beste Beispiel für diese spekulativen Geschäfte sind die Impfstoffe. So haben die Produzenten ihre Profite längst in der Tasche noch bevor die ersten Ampullen in den Impfstationen ankommen oder gar produziert worden sind. Mit landwirtschaftlichen Produkten wie Weizen, Zuckerrüben, Mais, Ölsaaten ist das ganz genauso. Da kriegt der Bauer sein Geld schon vor der Aussaat und wenn die Ladung zum Großhandel unterwegs ist wechselt sie u.U. auch nochmal den Besitzer.

    Und dieser Tage ist es durchgesickert: Die Kohlekraftwerke waren nie abgeschaltet. Auf diese Art und Weise wird eben das verstromt was die meisten Profite verspricht und das kann alles Mögliche sein, also auch Kohle. Diesbezügliche Entscheidungen werden alle 15 Minuten gefällt, denn genau so lange ist das Intervall an der Börse in Leipzig wo die Strompreise aktualisiert werden.

    Und was die sog. Embargos betrifft, da wissen wir DDR-Bürger doch am besten daß die ganz leicht zu umgehen sind. Bspw. kamen die technologischen Spezialausrüstungen für den VEB Mikroelektronik der DDR über Schweden. Genauso laufen die Gazprom-Lieferungen über China in die EU. Und wenn in Rußland jemand Gas abfackelt ist das nicht Putin sondern es sind die Öl-Oligarchen die es nach wie vor da gibt.

    MFG

  6. Hanz29 schreibt:

    Da war doch ich kleiner Mann zu dem Ergebnis gekommen, zu dem – siehe oben – Stalin schon 1933 gekommen ist. Heißt: Man muss nur ein wenig nachdenken und man sieht das Offensichtliche. Wahrheit siegt. Unterdessen ist es vielleicht noch schlimmer: Der „zweite“ bzw. „dritte = der zweite“ Weg führt zur Vernichtung von Planet und Leben.

  7. sascha313 schreibt:

    Natürlich sind wir (auch) heute in einer verzwickten Lage. Wenn man die Zeitungen analysiert, wird man feststellen, daß es mehr und mehr (unfreiwillige) „Eingeständnisse“ auf Seiten der herrschenden Klasse gibt, daß alle bisherigen Versuche, den Kapitalismus irgendwie zu „retten“, nichts gebracht haben, außer, daß es noch schlimmer wurde.

    Klar, daß sich die Wahrheit allmählich durchsetzt. Einige ganz verbissene Anhänger der „Marktwirtschaft“ (oder wie soll man dieses arrogante, menschenverachtende Herrschaftssystem auch nennen), die bisher davon profitiert haben, weil sie Lehrer, Beamte, höhere Angestellte oder andere „Gutverdiener“ waren, wollen ja nicht einsehen, daß es auch ein „Danach“ geben wird und geben muß. Denn niemand kann sich ernsthaft einen Weltuntergang wünschen.

    Nur, daß dieses „Danach“ der Sozialismus sein wird, das hat auch diese Journalistin nicht begriffen. Zu tief steckt in manchen verwirrten Köpfen der Haß auf Stalin und die Sowjetunion (den bisher erfolgreichsten Sozialismus in der Weltgeschichte!) und die schon fast krankhafte Verachtung des Sozialismus in der DDR. Aber darauf aufzubauen – das wäre die Alternative!

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