Die „andere“ DDR: Einmaligkeiten, Kuriositäten, Rekorde…

Kurioses_0003„Hier haben Sie etwas in der Hand“, so schrieben die Autoren 1989 in ihrem kleinen Almanach der Sensationen über die DDR, „das in seiner Art so einmalig ist, wie sein Inhalt. Die DDR in Superlativen: das erste, einzige, größte, kleinste, höchste, älteste, längste und vieles mehr waren wir bemüht zusammenzutragen und anzureichern mit Kuriositäten in unserem Land. Unterstützung erhielten wir dabei vom Rundfunk der DDR und von der Redaktion „Außenseiter-Spitzenreiter“ des Fernsehens der DDR. Besonderer Dank gilt Dr.-Ing. Dietrich Hunger aus Karl-Marx-Stadt für seine Mitarbeit und all den vielen, die uns schrieben und damit halfen, die 2. Auflage zu vervollständigen und damit zum 40. Jahrestag der DDR fertigzustellen.“ – Leider ist es zu einer dritten Auflage nicht mehr gekommen, was wir sehr bedauern, denn die Konterrevolution 1990 machte uns allen einen Strich durch die Rechnung. Bemerkenswert ist dennoch, wieviel liebenswerte und amüsante Details hier zusammengetragen wurden. Ein nachträgliches, kleines Poem auf unser sozialistisches Vaterland…

Kurioses_0001Astronomische Uhr, einzige originale
Die astronomische Uhr mit Apostel­umgang und stündlichem Glocken­spiel in der St-Marien-Kirche von Rostock wird als einzige noch origi­nal erhalten gebliebene Uhr dieser Art in Europa geschätzt. Unter den zwölf astronomischen Uhren, die es in der DDR gibt, ist sie zugleich die größte und repräsentativste. Das· 12 m hohe, beeindruckende Kunst­werk im Rücken des Hauptaltars ist mit fünf präzise arbeitenden Uhrwer­ken versehen. An der im Jahre 1472 fertiggestellten Uhr des Meisters Hans Düringer mit feststehendem Tierkreisring sind Informationen über Sonnen- und Mondwanderun­gen, Tierkreise; kirchliche Feiertage, Tage und Stunden abzulesen. Die nach‘ der gründlichen Überholung wieder voll funktionsfähige Uhr hat eine Ganggenauigkeit von ±2min pro Tag.

Fernrohr, größtes der Welt
Das Riesenfernrohr der Archen­holdsternwarte in Berlin ist mit 21 m Länge, einem Objektivdurchmesser von 0,68 m und einer Masse von 130 t das größte der Welt. Es wurde am 26. Juli 1896 zur Gewerbeausstel­lung in Berlin eingeweiht. Zur nach­folgenden Errichtung der Volksstern­warte im Treptower Park sammelten Berliner Arbeiter 80.000 RM. Das heutige Gebäude der Sternwarte wurde 1909 errichtet.

JähnKosmonaut, erster der DDR
Sigmund Jähn, geboren am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rauten­kranz, Kreis Klingenthal, nahm an Bord des Raumkomplexes So­jus 31/Salut 6 am Raumflug der drit­ten Interkosmos-Besatzung zusam­men mit Waleri Bykowski teil. Der Flug dauerte vom 26. August bis 3. September 1978. In seinem vogtländischen Heimatort wurde ein Mu­seum eingerichtet, das an. jenen hi­storischen Flug erinnert. (Genosse Sigmund Jähn starb am 21. September 2019.)

Planetarium, ältestes deutsches
Das Zeiss-Planetarium in Jena wurde von 1925 bis 1926 als 25 m weit ge­spannte dünnwandige Stahlbeton­kuppel erbaut. Für 500 Besucher können dort rund 9.000 Sterne aller Art sichtbar gemacht werden.

Weitwinkelteleskop, größtes der Welt
Im Karl-Schwarzschild-Observato­rium in Tautenburg bei Jena steht ein 2-Meter-Spiegelteleskop. Es ist das größte Weitwinkelteleskop der Welt. Der Astrophysiker Bernhard Schmidt (1879-1935) konstruierte das erste Teleskop, mit dem man große Him­melsfelder bis an den Bildrand scharf – komafrei – abbilden konnte.

Fachwerkhaus, ältestes
In Quedlinburg befindet sich das äl­teste Fachwerkhaus Deutschlands. Es wurde 1350 als sogenannter Hochständerbau in der Nähe des Marktes erbaut. Heute wird hier eine Ausstellung zur Geschichte des Fachwerkbaus in Quedlinburg ge­zeigt. Ein weiteres historisches Fach­werkhaus steht in Pulsnitz, Kreis Bi­schofswerda. Der als Perfert be­zeichnete zweigeschossige bäuerli­che Speicher mit Mittelstütze war um 1420 erbaut worden.

Kurioses_0004aBauwerk, höchstes
Der Fernsehturm in Berlin hat eine Höhe von 365 m, der Schaft ist 250 m, der Antennenträger 115 m lang, die Masse beträgt 26.000 t, die Masse der Kugel 4800 t. In 203 m Höhe befindet sich der Aussichts­rundgang für 125 Personen, in 207 m Höhe das Telecafe für 200 Personen, das sich einmal pro Stunde um die eigene Achse dreht. Das Cafe hat einen Durchmesser von 29 m, der Turmfuß von 32 m, Baubeginn war am 4, August 1965, die Inbetrieb­nahme erfolgte am 3. Oktober 1969.

Haus, schmalstes
Als schmalstes Haus der DDR gilt das Gebäude am Johannisplatz 9 in Eisenach. Mit seiner Breite von nur 2,05 m wird es oft übersehen. Bis etwa 1900 war das 7,50 m hohe und 10,50 m tiefe Gebäude eines der häß­lichsten der Stadt, bis es 1902 durch Hofzimmermeister Gustav Voigt eine reichgeschnitzte Fassade und einen Schmuckgiebel bekam.

Wasserturm, einziger bewohnter
Berlins ältester Wasserturm zwi­schen Belforter und Knaackstraße im Stadtbezirk Prenzlauer Berg ist zu, gleich das originellste Wohnge­bäude der Hauptstadt. 1877 erbaut, wurde er als Wasserhebewerk 1915 stillgelegt. Heute wohnen zwölf Fa­milien in dem 40 m hohen Rundbau.

Wohnhochhaus, höchstes
Mit seinen 32 Geschossen und 95 m ist das Haus in der Leipziger Winter­gartenstraße das höchste in der DDR. Es wurde zwischen 1970 und 1974 gebaut.

Wohnhochhaus, erstes
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Berlin an der Weberwiese, Stadt­bezirk Friedrichshain, nach einem Entwurf von Prof. Hermann Hensel­mann der zehngeschossige Ziegelbau errichtet, der heute unter Denk­malschutz steht. Den Grundstein hatte Wilhelm Pieck gelegt, am 1. Mai 1952 erhielten 36 Familien den Schlüssel für eine neue Wohnung lm 35 m hohen Haus.

Zeithain

Ehrenfriedhöfe, größte sowjetische
In Zeithain, Kreis Riesa, wurden für die in dem ehemaligen Kriegsgefan­genenlager ums Leben· gekomme­nen rund 75.000 Soldaten und Offi­ziere der Roten Armee drei Ehren­friedhöfe mit Ehrenhain und Gedenksäulen errichtet.

Kilimandscharo, Spitze des
Im Muschelsaal des Neuen Palais von Potsdam-Sanssouci ist die Spitze des. Kilimandscharo ausgestellt. Der Stein wurde vom Forschungsreisen­den Hans Meyer (1858-1929) von einer Reise nach Ostafrika mitge­bracht und 1889 dem Kaiser Wilhelm geschenkt.

Leningedenkstätte, erste
Seit Mai 1956 besteht die museal ge­staltete Iskra-Gedenkstätte in Leip­zig-Probstheida, Russenstraße 48. In der Druckerei des Leipziger Sozial­demokraten Hermann Rauh erfolgte im Dezember 1900 der Druck der er­sten Nummer der „lskra“ (,,Funke“) in Anwesenheit Lenins. 1970 wurde diese Gedenkstätte zu Ehren des 100. Geburtstages Lenins mit Ar­beitskabinett und Bibliothek neu gestaltet. (nach 1990 wurde die Gedenkstätte von den Feinden der DDR zerstört.)

Säugetierskelett, größtes
Das Meereskundemuseum Stralsund zeigt als größtes Exponat das Skelett eines Finnwals. Das Tier strandete 1825 an der Küste Rügens. Es war 16 m lang und ungefähr 10 t schwer. Die Universität Greifswald ließ das Tier bergen und skelettierte es.

Familienverwirrung, ungewöhnliche
Vor 30 Jahren heiratete die 10 Jahre ältere Schwester von Erika Müller aus Atzendorf, Kreis Staßfurt, einen Witwer mit vier Kindern. Frau Müller ehelichte einen der angeheirateten Neffen, so daß ihre Schwester zu­gleich ihre Schwiegermutter, der Schwager ihr Schwiegervater wurde. Ihr Mann war nun Sohn und Schwager seines Vaters. Aus dessen zweiter Ehe waren inzwischen Kin­der geboren, so daß Herr Müller jun. zum Onkel seiner Brüder wurde. Als dann eigene Kinder der jüngeren Müller-Familie zur Welt kamen, war die ältere Schwester Tante und Oma geworden.

Patente, die meisten
Prof. Dr. h.c. mult. Manfred von Ardenne ist der DDR-Bürger mit den meisten Patenten. Von ihm gibt es über 500 Anmeldungen.

Geburtenduplizität, kuriose
Am 14. Juli 1988 wurden in Guben die Kinder Dominique Laube und Heiko Donat geboren. Bei der Regi­stratur stellte sich heraus, daß beide Mütter vor 22 Jahren am gleichen Tag und im gleichen Ort das Licht der Welt erblickt hatten.

D-RolfDrehorgelspiel, längstes
751 mal spielte Alleinunterhalter Rolf Becker aus Halle anläßlich der 750-Jahr-Feier am 3. und 4. Oktober 1987 in Gera auf seiner Drehorgel das Lied „Glück auf, der Steiger kommt!“.

Gasthausname, derber
In Nienburg, Kreis Halberstadt, gibt es einen Gasthof mit dem außerge­wöhnlichen Namen „Gasthaus zum blanken Arsch“. Der Name geht auf ein Ereignis zurück, das sich dort zu­getragen haben soll. Die Wirtin konnte einst ihre Steuern, nicht be­zahlen, und als die Steuereinnehmer kamen, zeigte sie ihr blankes Hinter­teil. Das Bild von diesem Ereignis hängt noch heute über der Tür zur Gaststätte.

Erde, Mittelpunkt
Die Stadt Pausa ist der „Mittelpunkt der Erde“. In dem 3 600 Einwohner zählenden Vogtlandstädtchen tritt die „Erdachse“ hervor. Viele Jahre war auch deren Schmiernippel, eine Messingkapsel im Ratskellerfußboden, zu sehen. Die über 100jährige kuriose Tradition ist heute noch le­bendig. So kamen zu den Feierlich­keiten anläßlich der 725-Jahr-Feier der Stadt im Mai 1988 über 50.000 Gäste zum „Mittelpunkt der Erde“.

Straßenbrücke, einzige mit Häusern bebaute
Die Krämerbrücke in Erfurt ist die einzige, durchgehend mit Häusern bebaute Brücke nördlich der Alpen. Im 12. Jahrhundert zum erstenmal erwähnt, wurde sie nach einem Brand 1325 aus Stein errichtet. Sie ermög­lichte auf dem Ost-West-Handels­weg zwischen Paris und Warschau die Überfahrt über die Gera. In den letzten Jahren wurden 31 Häuser der Brücke außen und innen rekonstriert, ebenso das Brückengewölbe und die Straßendecke.

Göltzschtalbrücke

Ziegelsteinbrücke, größte der Welt
Die Göltzschtalbrücke zwischen den Bahnhöfen Reichenbach und Netzschkau im Bezirk Karl-Marx-Stadt ist die größte Brücke der DDR und mit 78 m Höhe zugleich die höchste Brücke der Welt in Ziegelbauweise. Die Brücke hat eine Länge von 578 m, ist im unteren Teil 21 m, im oberen Teil 8 m breit: Die größte lichte Weite der 76 neben- und übereinander angeordneten Bögen be­trägt 30,90 m. Nach fünfjähriger Bau­zeit wurde am 14. September 1850 der Schlußstein gelegt und die Bahn­strecke am 15. Juli 1851 eröffnet. Für Konstruktion und Berechnung war der Dresdner Professor Andreas Schubert verantwortlich. Mangelhafte oder fehlende Sicherheitsein­richtungen führten zu einem trauri­gen Rekord: 31 Tote und 1.302 Ver­letzte waren während der Bauzeit zu beklagen. (schon damals führte kapitalistische Profitgier zu zahlreichen unnötigen Todesopfern unter der Arbeiterklasse.)

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Hängebrücke, größte und älteste
Die Straßenbrücke über die Elbe von Loschwitz nach Blasewitz in Dresden, erbaut 1891 bis 1893 von Claus Köpcke und Hans Manfred Krüger, erhielt aufgrund ihrer ungewöhnlichen Konstruktion und ihres hellblauen Anstrichs den Namen „Blaues Wunder“. Sie gilt als älteste und größte Hängebrücke der DDR. Die Stahlkonstruktion hängt zwischen zwei Pfeilern 141,54 m frei über der Elbe und hat eine Eigenmasse von 3.500 t. Die Fahrbahn ist 11,00 m breit Im Mai 1945 retteten die beiden Dresdner Paul Zickler und Erich Stöckel die Brücke vor der Sprengung. Nach umfangreicher Rekonstruktion erhielt sie wieder ihren blauen Anstrich. Über 46.800 m² waren zu streichen, dafür wurden 45.000 kg Farbe benötigt.

Quelle:
Wolfgang Richter (Zusammenstellung): Rekorde, Einmaligkeiten, Kuriositäten in der DDR. Verlag Neues Deutschland (DDR), April 1989. (Auswahl – weitere Bilder eingefügt, N.G.)
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