Es war eine Zeit der härtesten Klassenkämpfe. Die Kräfte der Reaktion und die Feinde der Sowjetmacht, die Kulaken, die Großgrundbesitzer und die zaristischen Beamten – die „Spitzen der Gesellschaft der alten Zeit“ – hatten sich mit noch einmal aufgerafft, und sie randalierten, verwüsteten, was ihnen in die Hände fiel. Umherstrolchende Banden und die Reste der Weißgardistischen Armee lassen das leidgeprüfte Fergana nicht zur Ruhe kommen. Sie hetzen die Menschen auf und plündern die Lebensmittelvorräte. Und sie rächen sich an den Kommunisten und den Vertretern der jungen Sowjetmacht mit unvorstellbarer Grausamkeit. Es gärt im Siebenstromland. Oft waren es nur eine Handvoll entschlossener Revolutionäre, die in die entlegensten Regionen des Riesenlandes gingen, um den usbekischen Bauern, den Nomaden und Viehzüchtern zu helfen, die Macht in ihre eigenen Hände zu nehmen.
In den Sowjets und Parteiorganisationen sitzt eine Menge Gesindel aller Art. Arbeiter gibt es nur wenige und diese wenigen sind vielleicht auch noch nicht genügend klassenbewußt… Die werktätigen Moslems aber – die Stütze der Sowjetmacht, ihr eigentliches, wesentliches Fundament in dieser Gegend – sind in ihrer Masse noch völlig unwissend und befinden sich in völliger Abhängigkeit von ihren Geistlichen, Manapen und Beis … Solange diese Masse nicht in Bewegung gerät, solange die Aufklärung nicht wie ein Licht in diese Finsternis dringt, solange bleibt die grundlegende Hautptaufgabe, die Festigung der Sowjetmacht, hier ungelöst. So und nicht anders ist die Lage. Die Aufgabe ist außerordentlich schwierig. Also frisch ans Werk. Glauben wir an den Erfolg!
Eine Festung der Reaktionäre
Die Kräfte der Festung nahmen zu, bereiteten sich auf den Kampf vor. Ihre Kräfte wuchsen nicht nur von Stunde zu Stunde, sondern von Minute zu Minute. Unsere dagegen schmolzen völlig zusammen. Wir waren eine Handvoll Menschen, deren einziger Vorzug darin bestand, daß sie einen klaren Kopf behielten, nicht den Mut verloren, einträchtig arbeiteten, ohne sich Ruhe zu gönnen, die Psychologie der wütenden Menge richtig erkannten und dementsprechend lavierten. Nur lavierten. Dieses „nur“ erwies sich als ausreichend.
Bolschewik – auf in den Kampf!
Wir machten uns auf den Weg zur Festung. Die Freunde drückten uns zum Abschied fest die Hand, wünschten uns Erfolg. Auf dem ganzen Wege überlegten wir, Mameljuk und ich, wie wir uns verhalten und was wir sagen wollten. Wir vereinbarten, daß er gleich nach meinem Referat über die wirtschaftlichen Fragen der Division, über die Verpflegung sprechen und außerdem auch die gestrige Sitzung im „Haus der Freiheit“ erwähnen sollte. Aber die Umstände warfen alles über den Haufen.
Die Volksversammlung…
Am Festungstor wurden wir von den Mitgliedern des Kampfrates empfangen. Sie musterten uns sorgfältig. Waffen hatten wir nicht bei uns, weil wir wußten, daß man sie uns ja doch abgenommen hätte. Sofort nach unserem Eintreffen wurde eine allgemeine Versammlung einberufen. Die Festung kam in Bewegung. Hals über Kopf rannten alle zum Platz in der Mitte der Festung und versuchten möglichst in der Nähe des Leiterwagens zu stehen, von dem aus die Redner sprechen sollten.
Ein Hexenkessel…
Da ist sie, die tausendköpfige bewaffnete Menge; sie drängt sich, summt, heult wie eine Schar hungriger wilder Tiere. Jeder hat seinen besonderen Groll gegen die Sowjetmacht; Einer, weil man ihn gegen seinen Willen bei der Armee behält und damit von seiner Familie trennt, einer wegen der Ablieferungspflicht, einer möchte sich an der Sonderabteilung oder am Tribunal rächen, ein anderer hat nicht rechtzeitig neue Stiefel erhalten, den hat man am Stehlen gehindert, und wieder ein anderer hat einfach für das ganze neue System nichts übrig, kurz, jeder hat seinen eigenen Groll. Also hinein in diesen Hexenkessel!
Die Anführer stehen um den Wagen. Bukin ist hinaufgeklettert und erklärt schallend:
„Die Versammlung ist eröffnet. Heute werden wir hier die Fragen behandeln, über die Taschkent, der Kommandierende dort und die Mitglieder des Revolutionären Kriegsrates, spricht. Ich erteile das Wort dem Vorsitzenden des Kriegsrates der Division.“
Der Vorsitzende des Kriegsrates spricht!
Er nannte meinen Namen. Ich stieg hinauf, stellte mich in meiner ganzen Größe hin, überblickte das bewegte Meer von Köpfen, sah die nächsten Gesichter – sie waren fremd, böse, unheildrohend. Wie sollte ich diese aufrührerische Menge zur Vernunft bringen? Was sollte ich in meinem Referat sagen, um eine für uns günstige Stimmung zu wecken?
Wie soll man sich verhalten?
Angesichts einer Versammlung von Meuterern muß man sich vor allem stark zeigen: Bildet euch ja nicht ein, daß hier unglückliche, einsame, von allen verlassene, geschlagene, ohnmächtige Vertreter eines kläglichen Kriegsrates gekommen sind, mit schuldbeladenem Haupt und Angst in den Gliedern, nicht abgeneigt, euch um Gnade und um Verzeihung zu bitten!
1. Kein Zögern und kein Schwanken!
O nein! Zu euch sind Delegierte von der obersten Regierungsstelle des Gebiets, vom Kriegsrat, gekommen, hinter dem eine Macht steht, der nicht im geringsten ins Wanken geraten ist und nicht als Diener oder Bittsteller zu euch kommt, sondern als Erzieher, als das Organ, das die Macht hat. Und dies Machtorgan teilt euch offen seinen Willen mit, den unbeugsamen Willen des Kriegsrates. Mit einem Wort, man muß fest und sicher sprechen, ohne alle Zugeständnisse und Schwankungen, man muß Stärke zeigen. Das ist also das erste: Fest bleiben und im Grundsätzlichen nicht nachgeben.
2. Achte auf die Massen!
Und zweitens: Man darf keinen Augenblick aufhören, die ganze Menge mit festen Blicken zu beobachten. Sprechen – ja, sprich zu ihnen, aber lausche auch hellhörig auf die verschiedenen Zwischenrufe, auf alle Äußerungen der Zustimmung oder Unzufriedenheit und werde dir sofort darüber klar, ob sie die Meinung der Mehrheit ausdrücken oder ob es nur hilflose Versuche einzelner sind. Ist es die Mehrheit, so zieh die Zügel straffer an, sind es einzelne, so lähme ihre Zunge, mache sie unschädlich. Werde dir blitzschnell über jede Veränderung in der Stimmung der Menge klar, passe dich dieser sofort an, sei es nun, daß sie gewittrig ist oder sich beruhigt. Sei wendig wie ein Panther und hellhörig wie eine Maus.
- Das scharfe Schwert des Denkens: Wächst die Gefahr, fühlst du ihren nahen heißen Atem, dann nimm dein Herz fest in die Hände, brich dir Bahn mit der scharfen Schneide des Denkens; wähle nicht die breite Straße, sondern Umwege, kaum erkennbare Pfade für kleine Geplänkel, auf denen du durch geschickte Wendungen, plötzliche Sprünge dem Gegner schwere Verletzungen zufügen kannst; geh so, wie man auf einer unsicheren, schwankenden kleinen Brücke über tosende Wellen geht, paß gut auf, sieh dich um, sei bemüht, alles rings auf einmal zu sehen; laß deinen Kopf, dein Herz, deinen ganzen Organismus sehen und begreifen, denn diese Übergänge sind lebensgefährlich.
- Geh hinaus auf die breite Straße! Wenn du aber die Gefahrenzone durchquert hast, wenn die rasenden Wogen des Zorns der Menge ein klein wenig stocken und langsam zurück fluten – dann verlasse kühn die versteckten Pfade und geh hinaus auf die breite Straße. Aber nicht mit Hallo! Weder an deiner Stimme noch an deinen Worten, noch an deinem erregten Gesicht darf jemand merken, daß du dich eben noch auf Schleichwegen vor der drohenden Katastrophe versteckt hattest. Niemand außer dir selbst darf das wissen.
- Halte die Zügel fest in der Hand! Die Wolken haben sich zerstreut, das schwarze Unheil hat dich verschont, es besteht nicht mehr unmittelbare Gefahr einer Explosion; die Menge weicht, wenn auch ungern und langsnm, unter dem Druck deiner überzeugenden, immer fester werden den Worte zurück. Verpasse diesen kritischen, schwer zu erfassenden Augenblick nicht! Immer straffer, immer fester wind die unsichtbaren Zügel um deine starke Hand und führe die Menge auf den rechten Weg. Aber während du sie führst, halte das Gesicht der Menge zugewandt und schaue sie fest an, Deine Blicke müssen sie durchdringen, um die kleinste Regung in ihrem Innern zu erkennen.
Wenn dir das nicht gelingt, gibt es ein Unglück. Deine sicheren, festen Worte müssen in den Herzen der Menschen widerhallen, müssen in ihre Hirne dringen und dort ihr Werk tun.
3. Sprich darüber, was die Menge bewegt!
Und nun das dritte: Du mußt wissen, was die Menge bewegt welche Fragen ihr am Herzen liegen. Davon sprich. Wenn du zu einer meuternden, leidenschaftlich erregten Menge von Dingen redest, die ihr fremd sind, wenn du nicht eingehst auf das, was sie in Erregung versetzt hat, geht es dir schlecht. Sprich über alles, was du für wichtig hältst, aber baue deine Rede auf die Fragen auf, die die Menge bewegen. Du kannst ein noch so meisterhafter Redner sein, du wirst die Menge niemals zügeln können, wenn du an ihren Interessen und Nöten vorbeiredest. Man kann auch von anderen Dingen sprechen, aber dann muß man ihr zuerst beweisen, sie davon überzeugen, daß diese keine fremden, sondern ihre eigenen Interessen sind. Dann wird sie es verstehen.
4. Rede nicht über die Köpfe hinweg!
Viertens: Blick in die Gesichter, blick allen in die Augen, fange jedes wichtige Wort auf, nimm jede Bewegung wahr und wähle deine Worte so, daß sie in ihre Herzen und Hirne eindringen wie Dolche. Wenn du nicht den richtigen Ton triffst, ist deine Sache verloren, deine Worte fliegen ins Weite wie Vögel. Wirf in jede Menge nur die Worte hinein, die sie versteht, die hier einzig und allein zu gebrauchen sind. Andere Worte kannst du zu anderer Zeit an anderem Ort zu einer anderen Menge sagen.
5. Wie kann man das Vertrauen erringen?
Und nun der fünfte, völlig unerwartete Rat: Schmeichle! Hier ist das nötig. Vergiß nicht, daß eine Menge wie die Festungsleute keine Arbeiter sind, denen man die ernste, harte Wahrheit ins Gesicht sagen kann und muß. Arbeiter verstehen sie. Und wenn die Sache dadurch noch hundertmal schwerer wird, es geht nicht anders, als daß man ihnen gleich die bittere Wahrheit gibt. Die Festungsleute hier sind anders. Denen kann man die harte Wahrheit nicht unverblümt sagen. Nicht gleich, sondern päter, wenn du ihre Herzen und Hirne mit dem Honig der Schmeichelei geschmiert hast, damit ihnen die Wahrheit, har trocken und stachlig wie sie ist, leichter eingeht. Sag den Meuterern etwas, was sie gern hören, etwas, wodurch ihre Herzen auftauen, ihr Zorn nachläßt, ihr Vertrauen wächst, ihr Verdacht, ihre Vorsicht, ihr Mißtrauen gegen dich und deine Sache schwinden. Dann kannst du sie mit bloßen Händen packen.
Das wären meine Ratschläge.
Zum Schluß nur noch zwei Worte:
Wenn keine Methoden und Mittel helfen, wenn du alles versucht hast und alles ohne Erfolg, dann steig von der Tribüne, dem Faß, der Kiste, was immer es sei, ebenso tapfer herab, wie du hinauf gestiegen bist. Wenn es das Ende ist, muß man auch das Ende so gut machen wie nur möglich. Wirst du mit Fäusten und Gewehrkolben umgebracht – stirb so, daß auch dein Tod noch Nutzen bringt! Wie ein Hund zu sterben, winselnd, zitternd und um Gnade bettelnd, ist schädlich. Stirb als Kämpfer. Nimm alle deine Kraft zusammen, zeige dich aufrecht und mutig bis zum letzten Augenblick. Sei ein Held!
Im Strudel wütender Kräfte…
Mameljuk und ich befanden uns mitten unter den Meuterern. Rings um uns drängte die lärmende Menge. Mit welch grenzenloser Wut und welchem Mißtrauen uns der finstere Bukin anblickt, wie hinterlistig und vieldeutig Tscheussow unter seinem üppigen Schnurrbart grinst, wie listig Karawajews Perlmuttäuglein blitzen …. überall, wohin man auch blickt – Bedrohung. Wir stehen mitten im Strudel wütender Elementarkräfte. Gleich wird uns der rasende Strom mitreißen, davontragen wie leichte Späne auf den Kämmen tobender Wellen.
„Genossen! Der Kommandierende der Front hat uns befohlen, zu euch zu sprechen. Eure und unsere Vertreter haben sich gestern auf einer Sitzung über alle Fragen geeinigt, die die Festung beunruhigen. Diese Beschlüsse haben wir dem Zentrum mitgeteilt und haben von dort die Antwort erhalten. werden über die gestrige Beratung und die Antwort des Zen trums reden. Ich schlage vor, daß ich der Reihe nach alle Fragen aufzähle, über die wir berieten, jeden Beschluß bekanntgebt und schließlich mitteile, was Taschkent darauf geantwortet hat und was es befiehlt, jetzt zu tun.“
Und ich sprach über eine Frage nach der anderen.
Während der ersten Minuten hatte ich es besonders schwer, sie lärmten, hörten nicht zu, liefen hin und her, klirrten herausfordernd mit den Waffen, unterhielten sich, laut lachend, miteinander, spuckten, husteten, schrien, pfiffen, johlten wild und verächtlich. Aber in die Menge ergoß sich ein Strom so erregender, verlockend anziehender Worte wie Ablieferungspflicht… Sonderabteilung… Erschießungen… Truppenverschiebungen… – und schon nach fünf oder sechs Minuten war es so still geworden, als ständen da nicht Tausende, sondern nur ein Häuflein von zehn Mann, und keine meuternden, zornigen Menschen, sondern aufmerksame gute Freunde. Diese gespannte Aufmerksamkeit der ruhig gewordenen Menge ermutigte mich.
„Wer hat gesagt, daß ihr gegen die Sowjetmacht seid? Wie könnt ihr denn gegen die Sowjetmacht auftreten, ihr, ihr roten Krieger, die ihr die Kopal-Lepsinsker Berge und Täler mit den Leichen eurer gefallenen Kameraden und eurem eigenen vergossenen Blut bedeckt habt?! Es ist eine gemeine Lüge, daß ihr Feinde der Sowjetmacht seid. Ihr seid ihre wahren Freunde; denn sie ist ja erbaut auf den Opfern eurer Brüder, der roten Helden, die ihr Leben für sie gegeben haben!“
Meine Worte trafen jetzt, während der Meuterei, nur zu einem Teil die Wahrheit. Aber es war notwendig, erst einmal nur über die Verdienste der Siebenstromländer Rotarmisten zu sprechen, man mußte die einen begeistern, andere beschämen und die dritten zwingen, über das nachzudenken, was sie jetzt freiwillig oder unfreiwillig taten. In tiefes Schweigen versunken stand die Menge, lauschte gierig auf jedes Wort und nahm es sich zu Herzen.
Ich sprach schon über eine Stunde.
Auszug aus dem Buch von D.A. Furmanow „Meuterei“, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1955, S. 291- 216.
Nachbemerkung
Warum veröffentlichen wir hier diesen Beitrag? Und was können wir daraus lernen? Heute geht es uns um eine andere „Meuterei“ – die der „Wagner“-Truppen am 26. Juni 2023 und deren kurzfristige Beendigung. Was war da eigentlich los? Prigoshin erklärt, daß es seine Absicht gewesen sei, die Verräter im Generalstab (gemeint sind u.a. Schojgu und Gerassimow) zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist nicht nur aus seiner Sicht verständlich und durchaus berechtigt. Denn auch in Rußland gibt es Agenten des westlichen Imperialismus, die der russischen Regierung und Putin feindlich gegenüberstehen. Prigoshin schreibt:
«Сегодня нам как никогда нужна ваша поддержка. Спасибо вам за это. Я хочу, чтобы вы понимали – наш “Марш справедливости” был нацелен на борьбу с предателями и мобилизацию нашего общества. И думаю, что многое из этого нам удалось. В ближайшее время, я уверен, что вы увидите наши следующие победы на фронте. Спасибо, ребята!», — заявил глава ЧВК „Вагнер“»
Übersetzung: „…Ich möchte, daß Sie verstehen, daß unser ,Marsch der Gerechtigkeit‘ darauf abzielte, Verräter zu bekämpfen und unsere Gesellschaft zu mobilisieren. Und ich denke, daß uns vieles davon gelungen ist. Bald werde ich sicher sein, daß Sie unsere nächsten Siege an der Front sehen werden. Danke, Freunde!“
Doch es ist nicht Dummheit und auch kein Verrat, den man Prigoshin vorwerfen kann. Wurde Prigoshin mißbraucht? Hat man ihn „reingelegt“? Dazu muß man berücksichtigen, daß genau während dieser Zeit in der BRD das Luftkriegsmanöver „Air Defender 23“ stattfand, war ein Großmanöver der Luftkriegsflotte von Mitgliedsstaaten der NATO und weiteren Staaten im europäischen Luftraum. Zufall? Nein. Die imperialistischen Staaten und die Strategen im Pentagon und in der BRD hatten dies lange geplant und mit ihren Agenten in Rußland abgestimmt, um die russische Verteidigung an der ukrainischen Front zu destabiliseren, die Wagner-Truppen in Konfrontation zur russischen Armee zu bringen, um schließlich militärisch eingreifen zu können und Rußland zu zerschlagen. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern war ein ausgekügelter Plan, der schon seit langem in den Schubkästen der westlichen Kriegstreiber schlummerte und nun auf seine Verwirklichung harrte. Doch dieser Schurkenstreich mißlang.
Was Furmanow in seiner Erzählung beschreibt, das ist die Reaktion der Sowjetmacht auf konterrevolutionäre Erscheinungen in der Sowjetunion. Vielleicht hat Prigoshin sich in einer ähnlichen Lage gesehen und dazu berufen gefühlt, die Gerechtigkeit wieder herzustellen. Doch er vergaß das Wichtigste: Rußland ist nicht die Sowjetunion, auch wenn sein „Marsch der Gerechtigkeit“ von einem Teil der Bevölkerung unterstützt wurde. Doch bevor man mit Verrätern abrechnen kann, muß zuerst eine Sowjetmacht vorhanden sein. Und das war am 24. Juni 2023 nicht der Fall.
Um einige Hintergründe zu verstehen, sehe man sich an, was dazu der russische „Analyst“ Valeri Pjakin (FKT) dazu sagt: https://fktdeutsch.wordpress.com/2023/06/30/der-bewaffnete-aufstand-der-pmc-wagner/ – Aber um es gleich vorwegzunehmen: Pjakin ist kein Kommunist! Im Gegenteil: Wir halten ihn für einen Polit-Scharlatan, der seine eigenen Ziele verfolgt. Doch er äußert einige richtige Gedanken. Um jedoch die globale Auseinandersetzung zwischen Rußland und dem westlichen Imperialismus zu verstehen, sollte man sich mit dem Marxismus-Leninismus befassen und nicht mit „konzeptuellen“ Spinnereien.
- Rußland ist ein kapitalistisches Land. Der Krieg gegen das faschistische Regime in Kiew im Donbass ist ein gerechter Krieg. Die Grausamkeiten der ukrainischen Bandera-Faschisten und der westlichen Söldner ähneln denen der Nazis während des Überfalls auf die Sowjetunion (1941-45).
- Angesichts des schwindenden Einflusses der USA in der Welt und seiner wirtschaftlichen Morbidität geht es dem USA-Imperialismus nach wie vor um den Weltmachtanspruch, um Rohstoffquellen und billige Arbeitskräfte und die damit verbundenen Extraprofite. Das letztere betrifft aber auch Frankreich und Großbritannien.
- Die Privatarmee „Wagner“ hat in Afrika militärisch die Vorausetzungen dafür geschaffen, daß die diplomatischen Bemühungen Rußlands für Souveränität und Unabhängigkeit einiger afrikanischer Länder gegenüber dem USA-Imperialismus zum Erfolg führten.
- Der Sieg Rußlands über den ukrainischen Faschismus ist für Rußland eine existentielle Frage. Innenpolitische Auseinandersetzungen, insbesondere was die Landesverteidigung betrifft, sind daher kontraproduktiv und schwächen das politische System in Rußland.
- Was aber Pjakin uns hier erklären will, das ist nicht der Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat, ist nicht der Bürgerkrieg, der Kampf der Volksmassen gegen die eigene Regierung, sondern es sind seiner Meinung nach „supranationale Steuerungsprozesse“, mit denen man die Gesellschaft verändern könne. Natürlich muß auch ein kapitalistisches Land wie Rußland seine Souveränität stärken, um sich gegen imperialistische Angriffe zu verteidigen. Aber bei Pjakin heißt das auch: Unantastbarkeit des Privateigentums an den Produktionsmitteln und Beibehaltung des russischen (kapitalistischen) Systems!
- In einem Funkspruch des Rates der Volkskommissare teilte Lenin am 30. Oktober (12. November) 1917 mit: „Der Allrussische Sowjetkongreß hat eine neue, eine Sowjetregierung gebildet. Die Kerenskiregierung ist gestürzt und verhaftet. Kerenski ist geflüchtet.“ Das war die Voraussetzung für das einheitliche Handeln der revolutionären Roten Arbeiter- und Bauern-Armee und den Sieg über die Konterrevolution und die feindlichen Interventen. Unter der Führung der Kommunistischen Partei (Bolschewiki) wurde der Kapitalismus in der Sowjetunion beseitigt und eine neue, gerechte Gesellschaftsordnung aufgebaut. Ebenso wurde 1945 auch der Faschismus besiegt.
- „Die kapitalistische Gesellschaft“, sagt Lenin, „war und ist immer ein Schrecken ohne Ende“. Doch ohne eine revolutionäre Situation im Vorfeld wird es keine Revolution geben. Dazu bedarf es des revolutionären Proletariats unter der Führung einer kommunistischen Partei. Das dürfte auch Prigoshin bekannt gewesen sein.
„Die Wahrheit, die zu Beginn des Krieges die theoretische Überzeugung weniger war, wird zum Greifen klar für eine immer wachsende Zahl klassenbewußter Arbeiter, nämlich, daß ohne den revolutionären Kampf der vom Proletariat geführten Massen jedes Landes gegen die eigene Regierung, ohne den Sturz der bürgerlichen Herrschaft, ohne die sozialistische Umwälzung von einem ernsten Kampf gegen den Krieg von einem Kampf für die Abschaffung der Kriege und die Herbeiführung eines dauerhaften Friedens nicht die Rede sein kann.“
(W.I. Lenin: „An die Arbeiter, die den Kampf gegen den Krieg und gegen die auf die Seite ihrer Regierungen übergegangenen Sozialisten unterstützen“. In: W.I. Lenin, Werke, Bd. 23, S.236f.)
Das Kapitel ist jedoch noch nicht beendet. Eine Spezialeinheit des Innenministerium unternahm eine Haussuchung in den Bürorräumen und in der Villa von Progoshin. In den Räumlichkeiten wurden ein Waffenarsenal, gefälschte Pässe, Perücken und Goldbarren gefunden. Das Haus des Leiters der PMC „Wagner“ war außerdem mit einem eigenen Hubschrauberlandeplatz, einem Schwimmbad, einer Sauna und einem Fitnessraum ausgestattet. In den Räumlichkeiten wurden ein Waffenarsenal, gefälschte Pässe, Perücken und Goldbarren gefunden. Und in der Nähe des River Palace Hotels fanden die Beamten einen Citroen-Kleinbus mit sechs Milliarden Rubel in bar.
Menschen führen heißt Vertrauen schaffen. Fachliche Kompetenz und Zuverlässigkeit sind da ganz wesentlich und das Wichtigste ist: Man muß immer „da sein“, sich um seine Truppe kümmern und zwar so daß jeder Einzelne weiß daß er mit jedem Problem zu seinem Führer kommen kann. Diese Erfahrung habe ich gemacht als Gruppen- und Zugführer in der NVA sowie später als Schichtleiter.
Viele Grüße.
So ist es; und selbst wenn wir hier nicht alles verstehen, was derzeit in Rußland vor sich geht… die Zeit wird zeigen, daß sich vieles klärt. Die Wahrheit setzt sich durch!