Die Konterrevolution von 1990 trieb Zehntausende in den Tod. Der deutsche Faschismus ist wieder zurück…

Prof RiegeRäuber, Plünderer und Mörder: Das Beispiel der Stadt Jena ist sicherlich noch einigen bekannt. Die USA raubten in Jena während ihrer Besatzungszeit nach 1945 über 180.000 (!) wertvolle Industriedokumente, Spezialmaschinen und wissenschaftliche Geräte. Nach 1990 erfolgte dann die zweite Plünderung und „Übernahme“, als die DDR beseitigt und das Volk enteignet wurde. Damit fiel das Volkseigentum, fielen die Betriebe und Einrichtungen der Stadt Jena in die Hände westdeutscher Kapitalisten. Sie hatten dafür eigens eine sog. „Treuhand“ geschaffen, um die Beute aufzuteilen. Doch darum geht es hier nicht. Erinnert sei hier vor allem an diejenigen, die der Konterrevolution zum Opfer fielen. Es waren Tausende, wenn nicht sogar Hunderttausende aus unserer Deutschen Demokratischen Republik – Arbeiter, Wissenschaftler, Genossen, einfache Menschen. So auch beispielsweise der Jenaer Professor Dr. jur. Gerhard Riege…

„Mir fehlt die Kraft zum Kämpfen und zum Leben. Sie ist mir mit der neuen ,Freiheit‘ genommen worden. Ich habe Angst vor der Öffentlichkeit, wie sie von den Medien geschaffen wird und gegen die ich mich nicht wehren kann. Ich habe Angst vor dem Haß, der mir im Bundestag entgegenschlägt, aus Mündern und Augen und der Haltung von Leuten, die vielleicht nicht einmal ahnen, wie unmoralisch und erbarmungslos das System ist, dem sie sich verschrieben haben. Sie werden den Sieg über uns voll auskosten. Nur die Hinrichtung ihres Gegners gestattet es ihnen, die Geschichte umzuschreiben…“,

Das schrieb Prof. Dr. Gerhard Riege, der 1990 zum Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena gewählt worden war, in seinem Abschiedsbrief. Er suchte Februar 1992 den Freitod. Zu Tode gehetzt von den Feinden der DDR, einem haßerfüllten Mob von Leuten, denen alles andere wichtiger war, als das Leben ehrlicher und überzeugter Kommunisten. Und ein solcher war Professor Gerhard Riege.


Nun hat Gerhard Feldbauer dieses Thema erneut aufgegriffen. Er schrieb in seinem Beitrag:

Die Konterrevolution hat nach dem Sieg über die DDR ihre Gegner nicht wie in vergangenen Zeiten per Blutbad niedergemacht, an die Wand gestellt, in die Kerker geworfen. Nein, sie hat sie, wie der damalige Justizminister Kinkel vorgab, ins soziale Abseits gedrängt, mit Berufsverbot belegt, ihre Menschenwürde mit Füssen getreten, gegen sie unsägliche Lügen- und Hetzkampagnen geführt, viele vor die Gerichte ihrer Klassenjustiz gezerrt. Über die Zahl derer, die dem nicht standhielten, denen die Kraft fehlte, weiter zu widerstehen, die Hand an sich selbst legten, liegen keine Angaben vor. Die Gauck/Birthler-Behörde, die viele dieser Menschen in den Tod trieb, gab kund, „darüber führen wir keine Statistik“.

Eine Studie der GBM über
die Opfer der„friedlichen Revolution“

Wer zählt die Toten,
nennt die Namen
derer, die durch die
„friedliche Revolution“
ums Leben kamen.

von Gerhard Feldbauer

34jähriger sprang nach Ankündigung der Zwangsräumung in den Tod

Diesen Opfern ist ein Studie der Zeitschrift für soziale Theorie, Menschenrechte und Kultur „Icarus“ der GBM gewidmet, die im Oktober (Nr. 3 u. 4) erschien. [1] Aus ihr kann man schlußfolgern, daß die Zahl dieser Toten in die Zehntausende geht, wenn sie nicht gar auf die Einhunderttausend zuschreitet. [2] Zuletzt publik gewordenes ist der 34jährige Tim S. aus Frankfurt/Oder. Nachdem die städtische Wohnungsgesellschaft die Zwangsräumung seiner Wohnung verfügt hatte, sprang er am 16. August 2006 aus seiner Wohnung in den Tod.

Selbstmordrate um zehn Prozent gestiegen…

Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete im Jahr der Einverleibung der DDR, daß sich in Ostdeutschland 4.294 Menschen selbst töteten. Der Suizidexperte Udo Grashoff berichtete, daß von 1989 bis 1991 die Selbstmordrate in den neuen Bundesländern um rund zehn Prozent anstieg. Wie viele von den über 11.000 Menschen, die in der Bundesrepublik jährlich Selbstmord begehen, Opfer der „Wende“ sind, ist nicht ersichtlich. Bekannt ist nur, so die Studie, daß diese in den nunmehr neuen Bundesländern offenbar weit höher lag.

…es gab keine „friedliche Revolution“ in der DDR

46 Autoren legen die sozialen und politischen Hintergründe bloß, die Zehntausende in den Tod trieben. Ihre Beiträge führen die Phrase von der „friedlichen Revolution“ ad absurdum und belegen, daß die Konterrevolution wütete und noch wütet. Stellvertretend für alle Autoren seien genannt: Der bekannte Faschismusforscher der DDR, Prof. Manfred Weißbecker, der Ökonom Prof. Harry Nick, der Pfarrer Dr. Dieter Frielinghaus, die Schauspielerin Käthe Reichel und der Rechtsanwalt Peter Michael Diestel.

Blanker antikommunistischer Haß

Weißbecker schreibt über seinen Kollegen an der Jenenser Universität Prof. Gerhard Riege, dem als Mitglied des Bundestages in dem „hohen Haus“ blanker antikommunistischer Haß entgegenschlug. In ihm entäußerte sich ein „Ungeist, der noch Schlimmeres als Keim in sich trägt“, urteilte Gerhard Haney, einer der Kollegen Rieges, „Sie werden den Sieg über uns voll auskosten. Nur die vollständige Hinrichtung ihres Gegners gestattet es ihnen, die Geschichte umzuschreiben und von allen braunen und schwarzen Flecken zu reinigen“, schrieb Prof. Riege bevor er am 15. Februar 1992 den Freitod wählte.

Opfer aus allen sozialen Schichten, Berufs- und Altersgruppen

Die Opfer waren Arbeiter und Genossenschaftsbauern, Lehrer, Ingenieure und Journalisten, Ärzte, Künstler und Wissenschaftler, von den Massenentlassungen Betroffene, obdachlos gewordene, Kinder, welche die Demütigungen ihrer Eltern nicht ertrugen.

Künstler und Wissenschaftler…

Zu ihnen gehören der Grafiker Thomas Schleusing vom Jugendmagazin „Neues Leben“, sein Kollege, der sensible Zeichner und Gestalter Christoph Ehbets, bekannt u.a. durch seine Cover beim VEB Deutsche Schallplatte. Der Vizepräsident des DTSB Franz Rydz, der Minister für Bauwesen der DDR Wolfgang Junker, der Raubtierdresseur Hanno Coldam (Heinz Matloch) der international bekannten Löwen-Gruppe des VEB Zirkus Aeros, der hervorragende Neurowissenschaftler der DDR Prof. Armin Ermisch, nach dem ein internationaler Preis für herausragende Nachwuchswissenschaftler benannt ist. Der weltberühmte Schauspieler Wolf Kaiser, der sich seine Menschenwürde nicht nehmen ließ und dafür in den Tod ging. Als einen „ungekrönten Monarchen der Schauspielzunft“ würdigte ihn Eberhard Esche in seiner Grabrede.

…in den Tod getrieben!

Nicht nur SED-Mitglieder fielen der Konterrevolution zum Opfer. Unter ihnen befinden sich die Jugendbildungsreferentin der Evangelischen Akademie Meißen, Anne-Kathrin Krusche, und der frühere Abgeordnete der sächsischen CDU Herbert Schicke, der Arbeitsmediziner und Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Lichtenberg, Dr. Rudolf Mucke, der weder der SED noch der FDJ angehört hatte. Das MfS hatte 1976 Anwerbungsversuche wegen „dekonspirativen Verhaltens“ aufgegeben. Die „Ehrenkommission“ der Berliner Charité hielt seine Weiterbeschäftigung dennoch für „unzumutbar“. In den Tod getrieben wurde der Pfarrer aus Schmalkalden Reinhard Naumann, für den Friedrich Schorlemmer die Grabrede hielt, in der er forderte, endlich die Stasiakten „in einem Freudenfeuer zu verbrennen“.

Das Schicksal des Professor Heinrich Dathe

Zu den Opfern gehören auch, wie Dr. Peter Michel schreibt, diejenigen, bei denen schleichende Krankheiten unter unerträglichem psychischem Druck zu galoppieren begannen – so bei Prof. Gerhard Kettner, ehemaliger Direktor der Kunsthochschule Dresden, der an Krebs verstarb, bei Prof. Dr. Heinrich Dathe, der auf unsäglich ehrlose Weise aus seiner verdienstvollen Arbeit als Direktor des Berliner Tierparks verdrängt wurde, oder bei dem Maler Prof. Dieter Rex, der an einem Herzversagen zugrunde ging. Die Beispiele sind Legion, heißt es in der Studie.

Nazikriegsverbrecher trieb DDR-Wissenschaftler in den Tod

Der Hochschullehrer Hans Schmidt, schreibt Michael Frey, habe nach 1989 versucht, sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen, an Ringvorlesungen der Deutschen Bank und an „Konjunktur“-Lehrgängen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsführung Berlin teilgenommen. Die FU Berlin bescheinigte ihm, daß er „schnell den Anschluß an den allgemeinen wissenschaftlichen Standard westlicher Universitäten erreicht“ habe. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und die Wirtschaftsuniversität Wien würdigten sein hohes theoretische Niveau und seine international beachtete Publikationstätigkeit. Als sein Henker agierte der Nazikriegsverbrecher Prof. Wilhelm Krelle, den es nach dem Anschluß der DDR als Gründungsdekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an die Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) gespült hatte.

…der SS-Mann Krelle blieb, was er war – ein Faschist!

Diesem als SS-Sturmbannführer in Griechenland an Kriegsverbrechen beteiligten, mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Prof. Krelle verlieh die Präsidentschaft der HUB auch noch die Ehrendoktorwürde (!). Prof. Krelle erklärte öffentlich, er werde „Dr. Schmidt unter allen Umständen von der Humboldt-Universität entfernen.“ Nach einem vierjährigen zermürbenden und entwürdigenden Rechtsstreit um seinen Arbeitsplatz, der für den Schwerbehinderten nicht ohne gesundheitliche Folgen blieb, nahm sich Dr. Schmidt am 8. Mai 1996 durch einen Sprung aus dem 13. Stockwerk seiner Hochhauswohnung das Leben.

Prof. Krelle verstarb im Juni 2004 wohlpensioniert im Alter von 88 Jahren als einer der unzähligen für ihre Teilnahme an faschistischen Kriegsverbrechen in der BRD nicht zur Verantwortung gezogenen Naziaktivisten. Die Ehrendoktorwürde wurde ihm nicht aberkannt. Die Leitung der HUB widmete ihm ein „ehrendes Gedenken“ (!).

Antifaschisten in Dresden wie zu Gestapozeiten verhaftet

Kurt Neuenburg schildert, wie im Januar 1992 in den frühen Morgenstunden Polizisten die Wohnung des Ehepaares Fuchs in der Grunaer Straße 12 in Dresden besetzten und Otto Fuchs verhafteten. Seine Frau Martha, eine Jüdin, die KZ-Häftling gewesen war, erlitt einen schweren Nervenzusammenbruch. Die furchtbaren Erlebnisse der Nazizeit wurden lebendig. Sie glaubte, Faschisten drängen – wie nach 1933 – wieder bei ihr ein. Mit einem schweren Schock wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert.

Furchtbare Nazi-Juristen rächten sich an DDR-Richter

Die Leipziger Staatsanwaltschaft erhob gegen Otto Fuchs Anklage wegen Rechtsbeugung und Mord. Er war 1950 in den Waldheim-Prozessen gegen Kriegsverbrecher und Naziaktivisten Vorsitzender Richter gewesen. Man warf ihm vor, er habe Unschuldige zum Tode verurteilt. Mit Hilfe seines Anwalts kam er für kurze Zeit aus der Untersuchungshaft frei. Um den Richtern nicht die hämische Genugtuung an „seiner langsamen und qualvollen prozessualen Hinrichtung“ zu ermöglichen, beschlossen er und seine Frau aus dem Leben zu scheiden. Im Abschiedsbrief hieß es:

„Meine Frau würde eine Trennung von mir nicht überstehen. Ich versichere Ihnen, daß wir in meiner Strafkammer nur Kriegsverbrecher verurteilt haben und ich bin mir sicher, daß wir uns über kein Urteil schämen müssen. Alle Zeichen deuten aber darauf hin, alles ins Gegenteil zu verkehren und in einem Schauprozeß mich zum Verbrecher zu stempeln. (…) Heute, nach einer langen Periode der Naziverbrechen, fühlen sich doch alle – und sind sie auch noch so schwer belastet – als völlig unschuldige Menschen. Die Verdrängung ging und geht ja so weit, daß Auschwitz als Lüge hingestellt wird.“

Hämischer Kommentar der Westpresse…

Am 13. Februar um 23.15 Uhr sprangen Otto und Martha Fuchs vom Balkon ihrer Wohnung aus dem siebten Stock in die Tod. Die Skandalpresse griff das Thema genüßlich auf: „Todesrichter sprang mit seiner Frau aus dem 7. Stock“, lautete eine Schlagzeile in der „Dresdner Morgenpost“. Im Prozeß gegen den mit angeklagten 87jährigen Otto Jürgens mußte das Tribunal die Mordanklage fallen lassen, Schließlich wurde ein reines Gesinnungsurteil verhängt und der Angeklagte zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, 6.000 DM Geldstrafe und zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt. In seinem Schlußwort sagte Otto Jürgens, der bereits 1933 von der Gestapo verhaftet und gefoltert worden war: „Die Naziverbrecher, die in Waldheim abgeurteilt wurden, hatten ihre Strafe mehr als verdient.“

Die Frage nach der wahren Natur dieses Deutschland

Der französische Publizist Gilles Perrault résümierte über die gegenwärtigen deutschen Zustände:

„Die Politik der Zerstörung der Erinnerung … ist in erster Linie ein Verbrechen, eine zweite Ermordung derjenigen, die in den Händen der Nazis das Martyrium erlitten haben. … Wir wissen aus harter Erfahrung, daß der Hitlerfaschismus das absolut Böse ist. Wenn das so genannte neue Deutschland diejenigen verleugnet, die ihn bekämpft haben, wie sollte man sich nicht mit Beklemmung die Frage nach der wahren Natur dieses Deutschland stellen?“

…deutsche Faschisten blieben ungeschoren

Ich selbst habe mich der Prozesse erinnert, in denen in Italien zahlreiche deutsche Kriegsverbrecher wegen Massenmorden verurteilt wurden. Wie Wilhelm Krelle in Griechenland hatten sie in Italien barbarische Kriegsverbrechen begangen (siehe Beitrag „Massenmörder der Hitlerwehrmacht in Italien verurteilt“, Berliner „Anstoß“ November 2006). In der Bundesrepublik blieben sie, wie Krelle auch, ungeschoren. Zu Prozessen im Ausland verweigerten die deutschen Behörden die Überstellung. DDR-Richter, die wie Otto Fuchs, die Verbrecher zur Verantwortung zogen, wurden von bundesdeutschen Gesinnungskomplizen dafür vor Gericht gezerrt.

Die Studie berichtet, wie Dr. Peter Michel schreibt, über „das Sterben der Unseren“ Halten wir ihr Andenken in Ehren. Schöpfen wir aus ihrem Tod Kraft, dem System, das Not, Elend und Krieg über uns bringt, Widerstand zu leisten.

Gerhard Feldbauer

[1] Zu beziehen bei der GBM-Geschäftsstelle zum Preis von 9.80 Euro (Tel. 030/5578397, Fax 5556355).
[2] Zu empfehlen wäre, in künftige Untersuchungen die „Wende“-Opfer des Westens einzubeziehen, welche die DDR als soziales Hinterland verloren.
Quelle:
https://okv-ev.de/2023/07/30/die-konterrevolution-trieb-zehntausende-in-den-tod/

 Trotz alledem: Der Sozialismus wird siegen !

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21 Antworten zu Die Konterrevolution von 1990 trieb Zehntausende in den Tod. Der deutsche Faschismus ist wieder zurück…

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  2. roprin schreibt:

    Ich selbst habe 2 Suizid-Versuche hinter mir. Jedesmal, wenn ich meine Augen wieder öffnen konnte, war die Enttäuschung weiter leben zu müssen, schier unerträglich.

  3. uraniaverlag schreibt:

    Da hilft nur eine geschlossene und klassenbewußte Che Guevara »Büchergruppe«. Die eben Bücher „diskutiert“.

    • Armin Hoffmann schreibt:

      Lieber Uraniaverlag,
      Sascha313 ist solch eine „Büchergruppe“.
      Bleiben wir in „Sascha’s Welt“, verzetteln wir uns nicht.

      Zur Diskussion über Bücher.
      Es gibt Schriften, die in ihrer Klarheit herausragend sind, so wie die von Kurt Gossweiler, Michail Iwanowitsch Kalinin …
      Die Kenntnis dieser Bücher reicht – deren Diskussion ist nur sinnvoll, wenn sie ‚der Suche nach objektiver Erkenntnis dienlich‘ ist – siehe unten.
      Daher ist es so wichtig, überhaupt Kenntnis über diese Schriften zu erhalten, informiert zu sein!

      Zurück zum Thema:
      Die oben anklingende Verbitterung, die Schicksale, betrüben.

      Wer Klarheit sucht, der wird sie auch im Buch „Die Sicherheit“ von Gerhard Niebling und Wolfgang Schwanitz finden – auch zu ‚Einsichten‘ und ‚daraus resultierenden Gefahren‘.
      Dieses Stück Geschichte der DDR sei hiermit anempfohlen!!!
      Daraus drei Zitate

      „Als wesentliche Voraussetzung für die Beseitigung der Machtverhältnisse in der DDR stellte die Zerschlagung des MfS/AfNS einen Dreh- und Angelpunkt in Strategie und Taktik der Feinde der DDR dar.“ …

      „Trotz allen Bemühens um Objektivität prägen … unvermeidlich persönliche Einsichten, die sie in ihrer damaligen Stellung erlangten, ihr Herangehen. Der daraus resultierenden Gefahren sind sie sich bewußt. Sie räumen deshalb ein, daß andere ehemalige Mitarbeiter des MfS/AfNS – je nach ihrer Stellung in diesem Organ – in Einzelfragen unter Umständen zu differierenden Einschätzungen kommen. Eine Diskussion zu solchen Punkten könnte der Suche nach objektiver Erkenntnis nur dienlich sein.“

      „Auch wenn die Sprache weniger aggressiv geworden ist: Die gesellschaftliche Ächtung und Ausgrenzung einstiger Angehöriger des MfS/AfNS und Inoffzieller Mitarbeiter dauert an. Obwohl es trotz jahrelanger Anstrengungen nicht gelungen ist, das MfS/AfNS juristisch zu kriminalisieren, wird ihnen in Deutschland der Zugang zu öffentlichen Tätigkeiten und Funktionen unverändert verweigert. Sie tragen ein Kainsmal. Und jenen, die vorgerückten Alters sind, zeigt man mit einer Strafrente, was man von ihnen hält. Eine gravierende Ungleichbehandlung gegenüber anderen bewaffneten Organen der DDR und Angehörigen anderer Berufsgruppen ist nicht zu übersehen. Alles, was in der DDR kritikwürdig war, wird dieser Personengruppe angelastet. Gut ausgebildete Kriminalisten, Kriminaltechniker und andere Fachleute dürfen nicht einmal die Arbeit eines Pförtner im öffentlichen Dienst versehen, geschweige denn staatliche Wahlfunktionen übernehmen.“

      Geschrieben 2003 … vor zwanzig Jahren.

      „Wenn du vor jeder Ungerechtigkeit vor Empörung zitterst, dann bist du ein Kamerad von mir.“ — Che Guevara

      Herzlichen Gruß in die Runde!

      • Erfurt schreibt:

        Interessant. Wobei es doch eigentlich die BRD ist die konspirativ geführt wird. MFG

  4. Ruedi schreibt:

    Man darf nicht aufgeben. Sozialismus muß das Ziel sein und man sollte zuversichtlich sein – wie Kurt Gossweiler.

    • sascha313 schreibt:

      Völlig richtig, Ruedi !!!!
      Ich hätte doch einen besseren Abschluß finden sollen…

    • Harry56 schreibt:

      Genau ! Der eigene Tod ist für jeden Gläubigen nur ein Tunnel zum „Ewigen Licht“ , öfters auf Grabsteinen zu lesen ! Danke für so viel „sozialistische Zuversicht“ !

    • „Man darf nicht aufgeben.“

      Richtig. Nur erreicht man damit keinen, der Selbstmord-Gedanken hegt, denn ein solcher Mensch kann einem – so empfindet er es – solchen „Spruch“ nichts mehr abgewinnen, da sein Denken und seine Gefühlswelt blockiert ist und seine Gedanken nur noch um dieses eine Thema kreisen.

      Der „Inhalt“ einer Depression ist ja gerade, daß jede Zuversicht sich in Luft aufgelöst hat. Der Inhalt ist die reinste Leere und Sachargumenten oder der Logik einfach nicht mehr zugänglich.

      „Ich darf nicht aufgeben. Ich sollte zuversichtlich sein.“, bringt einen solchen Menschen nicht einen Schritt weiter, es treibt ihn im Gegenteil noch tiefer in die Depressionsspirale.

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  7. eger schreibt:

    einverstanden, seit jahrzehnten eines meiner themen. größte fehlstelle: die okv-ler, gbm-ler usw. haben nur die mehr oder weniger politischen auf dem schirm. und nur die opfer der „wende“. das suggeriert, daß das (über-) lebens risiko nur in den ersten monaten/jahren der fremdherrschaft abnorm hoch war. und daß es (nur) um vordergründig politische denunziationen und ausgrenzung geht… die die denunzierten, ausgegrenzten zermürbten, lebensentmutigten.

    das bedeutet auch, daß von vornherein nicht die absicht bestand, die OPFER der besatzung zu organisieren, sondern nur eine bestimmte gruppe. schwerster fehler. und einer der gründe der weitestgehenden erfolglosigkeit.

    ich schätze allerdings, daß die „unpolitischen“ opfer ein mehrfaches sind. selbst wenn man die zig tausende verkehrunfalltoten nicht mitzählt (die besatzer haben 18…22 jährigen DDR-lern brd schrottkarren mit abgelaufenen tüv zu überhöhten preisen gegeben, daß die dann massenweise an allee bäumen landeten u.ä., daß jugendliche und fahranfänger besonders unfallgefährdet sind, weiß man seit langem.), die zusätzlichen krebstoten, die schießereitoten, die vielen diabetiskranken, denen die betreuung plattgemacht wurde, usw., sind die „unpolitischen“ ungezählt viel mehr. statistiken sind tabu. die verbrecher wollen ihre verbrechen perfekt machen.

    z.b. die zig tausenden gewerbetreibenden, die ziemlich genau ab 1994 u.a. durch betrügerische auftrag vergaben (durch westbetrüger, später gab es auch DDR-sozialisierte lehrlinge dieser verbrecher) plattgemacht wurden, die vielen (un-) „treuhand“ verbrechen, mit denen die besatzer zig tausende existenzen zerstört haben. z.B. der „investor“ schneider oder (schneyder?), der angeblich leipzig wiederaufgebaut hat. tatsächlich waren es DDR handwerksbetriebe (zumeist „ostdeutsche“ genannt), die die bauarbeiten ausgeführt haben und dann nicht bezahlt wurden. und der toupet träger betrüger war weder erbauer, noch investor, sondern agent der deutschen bank, die sich über den offiziellen konkurs des schneider, die arbeitsleistungen der DDR handwerker aneignete. wie viele sich deswegen aufgehängt haben, hat nie ein medien, aber auch keine okv interessiert. besonders problematisch dieser gruppe, war, das die meisten kohl fans gewesen waren und den brd kapitalismus gewollt hatten. im unterschied zu den meisten politischen. und die „unpolitischen“ kamen nun sehr schlecht damit klar, daß sie ihr unheil gewollt hatten.

    oder das 2. vermögensrechtsänderungs gesetz von 1992, mit dem in 70.000 fällen plus einige 10.000 DDR bodenreform erben rückwirkend enterbt wurden. das hatten die nazis nicht einmal gegen juden drauf! und wenn die enterbten auch noch in einem neubauernhaus auf bodenreformland wohnten, flogen sie auch noch aus den wohnungen. wie viele sich aufgehängt haben? wer wollte es wissen?

    oder das WUFG von 1993, nach dem ich 7 jahre strafverfolgt wurde, angeklagt anfang 1999, verhandelt 2000. 2002 dann zusammengebrochen. als späterfolge des jahrelangen stresses.

    oder die suidierung des KURT DEMMLER, weil der DDR nationalpreisträger war. mit einer falschen anklage. die der des DFG propaganda films „der ewige jude“ von 1940 entspricht. sie brauchten eine DDR figur zum abfeiern des 20-jahre-anschluß-jubels. todestag nicht 1992 wie bei den fuchsens in dresden, sondern erst am 3.2.2009. also ein opfer der okkupation.

    wie „zufällig“ es ist, daß nun ein lindemann (rammstein) ähnlich und falsch angeklagt ist wie es demmler 2009 war, und auch er ein „ostdeutscher“ ist wie KURT DEMMLER? darüber darf schon gar nicht öffentlich medial kommuniziert werden…

  8. Mir ist es unverständlich, daß Kommunisten wegen – aus meiner Sicht – „Lappalien“ den Freitod wählen. Bei all den Menschen, die im Artikel erwähnt werden und den Freitod wählten, kann ich nicht feststellen, daß sie direkt oder indirekt mit dem Tode oder der Folter bedroht wurden. Bei drohender Folter mag der Freitod eine mögliche Option sein – aber weil man für sein gerechtes Tun und Schaffen geächtet und ausgegrenzt wird, den Freitod zu wählen? Da komme ich einfach nicht mit.

    Damit ich nicht mißverstanden werde: Ich verurteile keinen dieser Menschen, die den Freitod wählten.⁽ᴬ⁾ Dennoch kommt mir der Artikel so vor, als ob damit der Freitod dieser Menschen geradezu „gerechtfertigt“ wird. Allein die Formulierung „in den Tod getrieben“ ist ein Widerspruch zum Begriff Freitod.⁽ᴮ⁾
    ——————
    ⁽ᴬ⁾ Da ich von meinem dritten bis zu meinem 53. Lebensjahr – mal länger, mal kürzer, mal leichter, mal intensiver – an Depressionen gelitten hatte, „kenne“ ich wohl (fast) alle Gedanken, die Menschen so haben, die mit dem Gedanken an den Freitod ’spielen‘. Bei mir selber sind ja diese täglichen Selbstmord-Gedanken ein eigenes „Lebensthema“ gewesen. Ich kann also sehr gut nachvollziehen, wenn Menschen, die an Depressionen leiden, „freiwillig“ aus dem Leben scheiden, um sich endlich von dieser Unerträglichkeit eines sinnlos erscheinenden Lebens „zu erlösen“.

    ⁽ᴮ⁾ Nichts und niemand kann einen anderen Menschen „in den Freitod treiben“, wenn bei dem Menschen, der den Freitod wählt, keine Depression vorliegt.
    ————————
    Leider wissen die meisten Menschen noch immer nicht, was eine Depression überhaupt ist. Hartnäckig hält sich das Gerücht, daß es sich dabei um eine psychische Krankheit handelt, obwohl es eine rein körperliche Erkrankung, nämlich eine Stoffwechselstörung des Gehirns ist, die behandelt werden kann.

  9. sascha313 schreibt:

    Zugegeben – ein schwieriges Thema, denn Suizid gab es ja auch zu anderen Zeiten. Ich denke aber nicht, daß Gerhard Feldbauer mit diesem Artikel vorhatte, den „Freitod“ zu rechtfertigen. Es sind persönliche Schicksale… je nachdem, aus welchem Holz der eine oder andere „geschnitzt“ ist…

    • Erfurt schreibt:

      “ – ein schwieriges Thema“ ? Nein! Diese Konterrevolution hat ungezählte Menschen in den Tod getrieben, das kann ich bestätigen anhand aller Fälle in meinem Kollegen~, Bekannten~ und Verwandtenkreis! Und nicht nur die Konterrevolution an sich, sondern auch die sich daran anschließenden gesellschaftlichen Verhältnisse! Jeder ist unter kapitalistischen Verhältnissen in irgendeiner Form in seiner Existenz bedroht und viele sehen bzw. sahen da eben keinen anderen Ausweg als den Freitod. Sowas hat es in der DDR nicht gegeben, sicher gab es auch in den soz. Betrieben so manche Hänselei aber niemals in der Form wie heute Kollegen und Unterstellte, Mieter und Nachbarn gemobbt werden! MFG

      • sascha313 schreibt:

        Das ist schon richtig, Erfurt! Und sicherlich ist es auch für den in Depression verfallenen Menschen keine Hilfe, wenn man ihn zu ermutigen versucht, indem man ihm zuredet, man dürfe nur „jetzt nicht aufgeben“. Ist es nun vorrangig ein psychologisches Problem? Nein.

        Lemke und Rennert schreiben im Lehrbuch „Neurologie und Psychiatrie“ (Lpz.1974):
        „Die psychischen Funktionen des Menschen haben ihre Wurzeln in genetischen und Milieufaktoren, wobei dem Zeit- bzw. Entwicklungsfaktor eine disponierende Rolle zukommt. … Über die Wertigkeit von Anlage und Umwelt des Menschen bestehen allerdings verschiedene Auffassungen. Die marxistische Psychologie unterstreicht die Bedeutung der Erziehungs- und Lernprozesse und mißt dem psychischen Leben eine sehr große Formbarkeit (Plastizität) zu. Im konkreten Falle ist diese unterschiedlich und von der Art der einzelnen Funktionen, Leistungen, Störungen, Krankheiten abhängig.“ (S. 278)

        Und im weiteren heben die Autoren hervor, daß es im Triebleben zwei dominierende Tendenzen gibt: a) den Selbsterhaltungstrieb und b) den Arterhaltungstrieb, wobei letzterer eben auch der persönlichen und sozialen Entfaltung des Menschen dient. Man muß sich, so schreiben die Autoren, darüber im klaren sein, daß es sich bei der für die Psychiatrie sehr wichtigen Suizidproblematik „keineswegs nur um eine Störung des Selbsterhaltungstriebs handelt, sondern in erster Linie um den Verlust echter sozialer Bindungen und um die Auswirkung verschiedener psychopathologischer Vorgänge.“ …“Bei den meisten Suizidversuchen steht der Appellcharakter im Vordergrund, sie stellen eine Art Hilferuf an die Mitmenschen dar.“ (S. 280) (fett gedruckt: meine Hervorh.)

      • Man muß sich, so schreiben die Autoren, darüber im Klaren sein, daß es sich bei der für die Psychiatrie sehr wichtigen Suizidproblematik „keineswegs nur um eine Störung des Selbsterhaltungstriebs handelt, sondern in erster Linie um den Verlust echter sozialer Bindungen und um die Auswirkung verschiedener psychopathologischer Vorgänge.“ … “Bei den meisten Suizidversuchen steht der Appellcharakter im Vordergrund, sie stellen eine Art Hilferuf an die Mitmenschen dar.“ (S. 280) (fett gedruckt: meine Hervorh.)

        PERFEKT formuliert … und wirklich wahr!

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