Der Jenaer Arzt Professor Dr. Jussuf Ibrahim

Ibrahim_TitelEs ist hier zu berichten über einen Arzt, der sich nach dem Sieg der Sowjetunion 1945 und nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus ganz bewußt dafür entschieden hat, sein Leben in der DDR fortzusetzen. Ihm war der sozialistische Staat zur Heimat geworden. Dr. med. Jussuf Ibrahim (27.5.1877-3.2.1953) gehörte zu den bedeutendsten Kinderärzten seiner Zeit. In Ägypten und in Italien aufgewachsen, erhielt er seine Ausbildung in München. Bereits als junger Assistenzarzt nahm er das Werk in Angriff, das seinen Namen bald berühmt machen sollte: die Heranbildung hervorragend geschulter Säuglings- und Kinderschwestern. Als Forscher und Praktiker schrieb Professor Ibrahim mit seinem Schaffen ein Stück Medizingeschichte. In Jena, das ihm zur zweiten Heimat wurde, begründete er den Weltruf der dortigen Kinderklinik und erwarb sich als Universitätslehrer bleibende Verdienste.

Der Neubeginn

Der Faschismus hat ein furchtbares Erbe hinterlassen. 32 Millionen Menschen sind gefallen, 35 Millionen wur­den versehrt. Allein die Sowjetunion mußte acht, Deutschland fünf Millionen Männer, Frauen und Kinder der imperialistischen Eroberungspolitik und Profitgier opfern. Hinzu kommen die etwa elf Millionen in den Konzentrationslagern und Zuchthäusern Ermordeten. Unübersehbar sind die angerichteten Schäden.

Auch Jena, nach Nordhausen die am meisten zerstörte Stadt Thüringens, blutet aus unzähligen Wunden. Die anglo-amerikanischen Bombenangriffe haben über 300 Gebäude dem Erdboden gleichgemacht und etwa 1.200 zum Teil schwer beschädigt. Hunderte von Ein­wohnern liegen unter den Trümmern begraben. Uner­setzliche Erinnerungsstätten deutschen Geisteslebens wurden vernichtet, so das Haus am Markt, in dem Goe­the und Schiller ihren Freundschaftsbund besiegelten, der historische „Burgkeller“ und auch St.Michael, Wahr­zeichen Jenas und eine der schönsten thüringischen Hal­lenkirchen der Spätgotik. (…)

Die Spuren des Krieges

Als sei es gestern gewesen, steht ihm jener Apriltag des Jahres 1917 vor Augen, an dem er erstmals hier hinaufgewandert war. Die Jahre seither haben Leid und Freude und wieder Leid ge­bracht. Gewiß, Großes hat er aufbauen, zahllosen Kindern das Leben erhalten können. Aber hat die Zeit nicht viel mehr zerstört, den Tod unendlich reichere Ernte halten lassen? Damals hatte er gedacht: Was kann ich als einzelner schon gegen diesen Wahnwitz tun? Muß ich mich überhaupt verantwortlich fühlen? Meine Hand führt doch keine Waffe, sie ist im Gegenteil bereit und berufen, zu helfen und zu heilen …

Das hat er auch getan. Aber reicht das aus? Die Geschichte verneint diese Frage. Ein neuer Krieg ist gekommen, der millionenfa­chen Tod brachte. Schon der Blick in das jetzt so friedlich daliegende Tal gibt einen kleinen Eindruck vom Ausmaß der Vernichtung. Würden dieses Tal, dieser Berg, diese Stadt nach einem dritten Weltkrieg überhaupt noch existieren? Und wo ist der Weg, ihn zu verhindern? Viel hat er in der letzten Zeit darüber nachgedacht.

Rückblick auf ein halbes Jahrhundert als Arzt

Damals, vor 28 Jahren, sah er seine Pflicht als Arzt und Mensch darin erfüllt, mitzuhelfen an der Heilung der Wunden, die der Krieg schlug. Dazwischen liegt ein Stück Geschichte, das unerbittliche Lehren erteilt hat. Heute weiß er, daß manche Gesundung nur unter Schmerzen möglich ist, gleich einer Geburt, die neues Leben schenkt. Heute kennt er den tiefen Sinn des alten Sprichwortes „Vorbeugen ist besser als heilen“: Nicht die Wunden des Krieges verbinden, sondern mithelfen, daß erst gar keine geschlagen werden – das ist der Weg, den die geschichtliche Erfahrung jedem einzelnen weist und der zur alles vermögenden Kraft der Gemeinsam­keit führt; denn ein Wassertropfen vermag nichts, eine Woge wenig, ein Fluß aber mehr, ein Strom sogar al­les. (…)

Die Befreiung vom Faschismus

Mit dem Einzug der Roten Armee in Thüringen erhal­ten die fortschrittlichen Kräfte der Bevölkerung auch hier die Freiheit, mit dem Aufbau der antifaschistisch-­demokratischen Ordnung zu beginnen. Bereits Anfang Juli 1945 kommt Walter Ulbricht in Begleitung Wladimir Semjonowitsch Semjonows nach Thüringen, um die von den Amerikanern bewußt verzögerte demokratische Ar­beit zu organisieren. In Weimar wird die sofortige Wie­derherstellung der klassischen Gedenkstätten in die Wege geleitet. Dann setzt Walter Ulbricht die Fahrt in Richtung Jena fort. Erst am späten Abend trifft er ein. Hier, wo er im August 1921 als Sekretär der Bezirkslei­tung Großthüringen am VII. Parteitag der KPD teilge­nommen und dabei die erste persönliche Bekanntschaft mit Ernst Thälmann gemacht hatte, geht es vor allem darum, die Voraussetzungen für die Neueröffnung der Universität zu prüfen. (…)

Walter Ulbricht schildert diese Julinacht des Jahres 1945 so:

„Am 5.Juli 1945, spät abends, kamen wir nach Jena, um mit Professoren der Universität zu sprechen. Wir hatten einige Herren Professoren nach dem Hotel ,Ölmühle‘ gebeten. Da die Einladung zu ungewohnter Nachtzeit erfolgte, hatte wahrscheinlich mancher der Herren wenig Gutes erwartet. Wir sprachen mit ihnen jedoch nicht über die Vergangenheit, sondern über die vorbereitenden Maßnahmen zur Wiedereröffnung der Universität. Die Überraschung der Herren Professoren war nicht weiter verwunderlich, da die amerikanischen Besatzer im Interesse der amerikanischen Monopolher­ren eine Normalisierung des Lebens und somit auch die Vorbereitung der Neueröffnung der Universität hinter­trieben hatten. (…)

Bei unserer Beratung in der ,Ölmühle‘ wurde den an­wesenden Professoren bewußt, daß der von uns vor­geschlagene Weg für den Wiederaufbau der Jenaer Uni­versität im Interesse eines wahrhaft demokratischen, fortschrittlichen und friedliebenden Deutschlands lag. Es war geschichtlich notwendig, daß das gesamte Er­ziehungs- und Bildungswesen vom faschistischen und reaktionären Unrat gesäubert wurde. In allen Schulen und Lehranstalten bestand damals die Aufgabe darin, einen wahrhaft demokratischen und fortschrittlichen Geist zu pflegen. Diese Aufgabenstellung half mit, daß die zunächst vorhandene Reserviertheit bei den in der ,Ölmühle‘ an­wesenden Professoren einer freimütigen und aufge­schlossenen Haltung wich, daß sie sich bereit erklärten, im antifaschistisch-demokratischen Geist an der Univer­sität zu lehren.“

Bekenntnis zum antifaschistisch-demokratischen Neuaufbau

Die von Walter UIbricht in dieser denkwürdigen Nacht gestellte Frage nach der gesellschaftlichen Verant­wortung des Wissenschaftlers wird von Professor Ibra­him mit einem offenen Bekenntnis zum Neuen beant­wortet.

„Bei meiner Einstellung zum Leben bin ich ein unbedingter Friedenskämpfer geworden; denn ich habe gesehen und zweimal erlebt, wie der Krieg alle schlech­ten Eigenschaften der Menschen zutage treten läßt und fördert und wie nur im Frieden die Jugend glücklich le­ben kann.“

Aus der Erkenntnis heraus, daß das vom faschisti­schen Druck befreite deutsche Volk nun die Chance hat, seine Zukunft friedlich und demokratisch zu gestalten, stellt er sich von der ersten Stunde an in den Dienst der fortschrittlichen Ordnung. Viel gibt es zu tun, nicht nur die materiellen Trümmer sind wegzuräumen. Die Kinderklinik hat den Krieg ohne nennenswerte äußere Schäden überstanden. Doch um so erschrecken­der ist die Not der kleinen Patienten und ihrer zum gro­ßen Teil alleinstehenden Mütter. Ihnen zu helfen, geht Professor Ibrahim neu ans Werk.

Unermüdlicher Einsatz zum Wohle der Patienten

Rastloser Einsatz bestimmt den Tag und einen guten Teil der Nacht. Alle Räume, selbst die Flure und die Bibliothek, sind ständig überfüllt. Trotz des Perso­nalmangels wächst 1945 die Zahl der Behandlungsfälle in der Poliklinik gegenüber 1941 um über 5.000 auf 17.930; die tägliche Bettenbelegung im Kinderkranken­haus (ohne „Therapeutikum“) erhöht sich im folgenden Jahr auf 125. Bereits im Sommer 1945 kann auch in Bad Sulza im kleineren der beiden 1941 geschlossenen Häu­ser der Kurbetrieb wieder aufgenommen werden, zu­nächst mit 20, später mit 35 Kindern je Durchgang. Die Aufsicht und ärztliche Betreuung übt weiterhin die Jenaer Klinik aus. (…)

Professor Ibrahim hat sowohl durch seine unermüdli­che fachliche Arbeit als auch durch seine gesellschaftli­che Aktivität wesentlich Anteil am Fortschritt des Neuen. Die Bevölkerung und die staatlichen Institutio­nen wissen seine Verdienste zu würdigen, die er sich während seiner nunmehr drei Jahrzehnte währenden Tä­tigkeit in Jena durch die Behandlung von über 75.000 Kindern in der Poliklinik und die Betreuung von mehr als 28.000 in der Klinik wie auch durch die Ausbil­dung von 650 Säuglingsschwestern und 120 -pflege­rinnen erworben hat. Das zeigt sich besonders deutlich am 27. Mai 1947, da er sein 70. Lebensjahr vollendet. (…)

Hohe Ehrungen und Anerkennung durch die Stadt Jena

Drei aus der Vielzahl der Ehrungen und Geschenke beeindrucken ihn besonders: die Bewil­ligung der Mittel zur Einrichtung einer Kinderkrippe für tuberkulös infizierte Kleinkinder, die Ernennung zum Ehrendoktor der Erziehungswissenschaften und die Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena. Als er den Ehrenbürgerbrief empfangen hat, sagt er:

„Was diese Ehrung mir bedeutet, möchte ich versu­chen, Ihnen auseinanderzusetzen. In, Kairo, auf einem anderen Kontinent geboren, habe ich in frühester Kind­heit die Heimat verlassen und jahrzehntelang keine eigentliche Heimat gekannt. Mein Vater war Ägypter und meine Mutter Deutsche. Von jeher hat es mich we­niger nach dem Vater- als nach dem Mutterland gezo­gen. Das habe ich geliebt mit heißem Herzen, an ihm habe ich gehangen mit allen Fasern meines Innern, die­ses Land, das so viele große Männer hervorgebracht, Ge­stalter und Umgestalter der ganzen menschlichen Kul­tur, das unerschöpflich ist an begabten Menschen. Es gibt kein Volk, dem so viel Leid auferlegt wurde und das sich aus eigener Kraft immer wieder aufgerafft und em­porgearbeitet hat, so wie wir es auch jetzt wieder erle­ben werden – dessen bin ich gewiß –, wenn die näch­sten Jahrzehnte über uns dahingegangen sein werden. (…) Nun bekunden und beurkunden Sie mir heute, daß auch Sie mich unter sich haben wollen, daß ich Ihnen kein Fremder bin, daß ich hinfort Deutschland und Jena als meine Heimat betrach­ten darf.“ (…)

Professor Ibrahim bleibt seiner zweiten Heimat treu

„…und als späterhin mehr­mals verlockende Berufungen in andere Städte und Uni­versitäten an mich ergingen, habe ich mich immer leich­ten Herzens entschlossen, meinem geliebten Jena treu zu bleiben. Dazu hat freilich sehr wesentlich die Carl­-Zeiss-Stiftung beigetragen, jene großartige und einzigar­tige Schöpfung Ernst Abbes, die in großzügigster Weise geholfen hat, die Jenaer Kinderklinik aufzubauen und auszugestalten, wie sie heute Ihnen allen bekannt ist. (…) Mir ward das große Glück zuteil, kurz vor diesem Lebensabschnitt durch das Vertrauen der Jenaer Mütter als Stadtverordneter in Ihre Mitte berufen zu werden und hier nun unmittelbar für das Wohl der Mütter und Kinder mich einsetzen zu können. Das soll auch das weitere Ziel meines Wirkens und Lebens sein; denn an welcher Stelle könnte man erfolgreicher für den Aufbau eines neuen Deutschland tätig sein, als in der Sorge für die Kinder, für die kommende Generation?…“

Ehrenvolle Angebote aus Ägypten

Doch auch draußen in der Welt verlangt man nach ihm. So erhält er im Herbst 1948 aus Alexandria und Kairo ehrenvolle Angebote, als „visiting Professor“ in sein Vaterland zurückzukehren, um dort die Kinderheil­kunde planmäßig aufzubauen.

In Ägypten haben inzwischen die Massenaktionen des unterdrückten Volkes einen neuen Höhepunkt erreicht. Die wirtschaftliche Krise der Nachkriegszeit und die da­mit verbundene Überschwemmung des Landes mit Mas­senerzeugnissen britischer und amerikanischer Mono­pole haben vielen Betrieben den Konkurs und den Werktätigen ein rapides Anwachsen der Arbeitslosigkeit gebracht. Empört über die immer größere soziale Not und ermutigt durch den Sieg der Sowjetunion über den Faschismus, beflügelt auch vom Entstehen des sozialisti­schen Weltlagers, sind es vor allem Arbeiter, landarme Fellachen, Handwerker und Studenten, die die Vorhut des Kampfes bilden und den sofortigen Abzug der briti­schen Truppen aus dem Niltal fordern.

Ein Leben als Arzt für den Sozialismus

Für Professor Ibrahim ist es ein verlockendes Ange­bot, nach Ägypten zurückzukehren, zumal damit der langersehnte engere Kontakt mit den geliebten Schwe­stern verwirklicht wäre. Dennoch bleibt er Jena treu, in dem „seine Kinder“ Gesundung finden und seine Rosen blühen, dessen Berge er liebt, dessen Menschen er ach­tet und dessen neues geistiges Leben ihn immer mehr begeistert. Die Einwohner danken ihm spontan mit einem Fackelzug. Die Entwicklung im Osten Deutschlands bestätigt die Richtigkeit seines Entschlusses.

SBZ* – Aufbau eines antifaschistisch-demokratischen Staates

Durch die demokrati­sche Bodenreform, die Überführung der Betriebe der Kriegsverbrecher und Faschisten in Volkseigentum und die Entnazifizierung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens – etwa 520.000 ehemalige Naziaktivisten wurden aus Verwaltungen und Institutionen entfernt – sind in konsequenter Erfüllung des Potsdamer Abkommens die Grundlagen des Imperialismus und Militarismus besei­tigt worden. Wichtige demokratische Grundrechte wur­den durchgesetzt, neue Produktionsverhältnisse entstan­den, die bereits Keime einer künftigen sozialistischen Entwicklung in sich tragen. Der Zweijahrplan 1949/50 ist der Auftakt einer langfristigen Wirtschaftsplanung. Immer wieder ist es dabei die Sowjetunion, die das Er­starken dieser deutschen Friedenswirtschaft aktiv unter­stützt. So steigt die Einfuhr aus der UdSSR 1948 gegen­über dem Vorjahr auf fast das Sechsfache.

*die sowjetische Besatzungszone (1945-49)

Westdeutschland und eine zügellose Hetze gegen die DDR

Ganz anders ist die Entwicklung im Westen Deutsch­lands verlaufen. Hier ist es den in- und ausländischen im­perialistischen Kräften mit Unterstützung der rechten Führer der Sozialdemokratie gelungen, die alten Macht­verhältnisse zu restaurieren und eine antifaschistisch-de­mokratische Entwicklung zu verhindern. Unter Bruch des Potsdamer Abkommens und mit dem Ziel, sich das ökono­mische und militärische Potential Deutschlands unterzu­ordnen, haben die Westmächte nach dem Scheitern ihrer Pläne, auch den Osten des Landes in einen aggressiven imperialistischen Block gegen die Sowjetunion und die volksdemokratischen Staaten einzubeziehen, systema­tisch mit der Abspaltung der von ihnen besetzten Zonen begonnen. Damit einher geht eine zügellose Hetze gegen die friedliche Entwicklung im anderen Teil Deutschlands.

Professor Ibrahim im Visier seiner westdeutschen Neider

Diese plumpen Diffamierungsversuche muß Professor Ibrahim am eigenen Leibe verspüren. So erscheint 1949 in der Westpresse folgende Meldung:

„Dem Verdienste seine Krone!
Der bekannte Spezialist für Kinderkrankheiten, Pro­fessor Ibrahim, ägyptischer Staatsangehöriger und Leiter der Kinderklinik Jena, hat eine Feierstunde für ,Intelli­genzaktivisten‘ (so heißen diese Leute in der Ostzone) gehalten. Zur Belohnung erhielt er – einen Bezugs­schein für eine Unterhose. Er soll sich das Wäschestück obendrein im Weimar abholen.“

Die Wahrheit ist, daß ihm bei einer Ehrung seiner Ver­dienste ein persönlicher Wunsch freigestellt wurde und er in der ihm eigenen Selbstlosigkeit eine zusätzliche Wäschezuteilung für die Kinderklinik erbat.

Die Spaltung Deutschlands durch die Westmächte

Doch die wütenden Angriffe vermögen die Festigung der antifaschistisch-demokratischen Ordnung im Osten Deutschlands nicht aufzuhalten. So wird die durch die separate Währungsreform dokumentierte Spaltungspoli­tik der Westmächte mit Unterstützung des deutschen Monopolkapitals fieberhaft vorangetrieben. Am 7. Sep­tember 1949 konstituiert sich der Bonner Bundestag. Die nationale Einheit ist zerrissen. Angesichts des westdeutschen Separatstaates, der die verderblichen Kräfte der Geschichte repräsentiert, meh­ren sich in der sowjetischen Besatzungszone die Stim­men, die eine wahrhaft demokratische und unabhängige deutsche Regierung fordern.

Der kalte Krieg der Westmächte gegen die DDR

Am 7. Oktober 1949 bildet sich der aus Vertretern der demokratischen Parteien und Institutionen und parteilosen Bürgern aus allen Schich­ten bestehende Deutsche Volksrat zur Provisorischen Volkskammer um und proklamiert die Deutsche Demo­kratische Republik. Bereits drei Tage später übergibt die Sowjetische Militäradministration alle Verwaltungsfunk­tionen an die neue Regierung. – Die erste Maßnahme der Westmächte nach Gründung des Bonner Staates hin­gegen bestand in der Verkündung des Besatzungssta­tuts, das die höchste Gewalt in die Hände der drei impe­rialistischen Staaten legt.

Ein Wendepunkt in der Geschichte Europas

Mit der Gründung der DDR ist der erste deutsche Ar­beiter-und-Bauern-Staat als festes Bollwerk des Friedens und der Demokratie entstanden, der die besten Traditio­nen des Volkes und die Zukunft ganz Deutschlands ver­körpert. Der 7. Oktober 1949 wird zu einem Wende­punkt in der Geschichte Europas und zum Beginn eines neuen Abschnitts im Leben eines jeden friedliebenden Deutschen – auch für Professor Ibrahim, der dieses große Werk aufbauen und so das feste staatliche Funda­ment für seine künftige Arbeit im Dienste der Mensch­heit schaffen half.

Quelle: Wolfgang Schneider: „Arzt der Kinder. Aus dem Leben Jussuf Ibrahims“. Greifenverlag zu Rudolstadt, 1971, S.245-265 (gekürzt, Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

„Ibrahim ist zu entglorifizieren!“

Ein Kommentar von N.N.

Die gesellschaftspolitische Entwicklung in der DDR war den ewiggestrigen und nazifreundlichen Machthabern im Westen natürlich schon lange ein Dorn im Auge. Mit allen Mitteln wurde daher die DDR seit ihrer Gründung von ihren Feinden im Westen Deutschlands bekämpft. Der sozialistische Aufbau, der den Menschen im Osten Deutschland soviel Gutes gebracht hatte, und der vor allem den Kindern unseres Volkes eine friedliche, freudvolle und gesicherte Zukunft eröffnete, war weithin ersichtlich geworden. Dem hatte Professor Ibrahim letztlich sein gesamtes, und vor allem sein späteres Leben als Arzt und akademischer Lehrer in der DDR gewidmet. Völlig zurecht wurde Professor Ibrahim daher als Ehrenbürger Jenas und „Verdienter Arzt des Volkes“ geehrt. Folglich geriet auch er, der sich ganz bewußt für den Antifaschismus und für die sozialistische Ordnung entschieden hatte, immer wieder ins Visier reaktionärer, den Menschen in der DDR nicht wohlgesonnener, antikommunistischer Hetzer. Daß diese Hetze und Verleumdung ehrenwerter DDR-Bürger erst recht nach der Annexion der DDR durch die imperialistische BRD fortgesetzt werden würde, zeigte sich, als im Jahre 2000 in Jena von den westdeutschen Machthabern eine Kommission eingesetzt wurde, die eigens dafür geschaffen wurde, einen verdienstvollen DDR-Bürger und seinen guten Ruf zu verleumden und, wie es hieß: „Ibrahim zu entglorifizieren“.

Infolge dessen wurde der traditionsreichen Jenaer Kinderklinik der Ehrenname „Professor Ibrahim“ aberkannt und Straßennamen gelöscht, doch aus der Liste der Ehrenbürger Jenas ließ sich der hochangesehene und berühmte Kinderarzt Prof.Dr. Ibrahim glücklicherweise nicht mehr streichen. Grundlage dieses eilfertigen Beschlusses der Kommission war mutmaßlich ein Schreiben Dr. Ibrahims aus dem Jahre 1943, an Hand dessen man ihn der Euthanasie beschuldigte und in eine Reihe mit Nazi- und Kriegsverbrechern stellte – obwohl sich Prof. Ibrahim während der Nazizeit nachweislich für rassisch und politisch Verfolgte des Naziregimes eingesetzt hatte. Bliebe nur noch, an dieser Stelle daran zu erinnern, welche skandalöse und verbrecherische Rolle auch heute noch einige Politiker, sowie Ärzte und medizinische Angestellte spielten, als massenhaft Menschen mit einem experimentellen, nur unzureichend getesteten, teilweise verschmutzen und mit mRNA-Substanzen infizierten Stoff gegen Covid „geimpft“ wurden, was auch in der BRD zu zahlreichen Todesfällen und zu einer erheblichen Übersterblichkeit geführt hat. Daß sich bei diesem schändlichen Tun auch Kinderärzte hervortaten, sei nur am Rande erwähnt. So trug man den beliebten Kinderarzt Professor Jussuf Ibrahim in Jena ein zweites Mal zu Grabe.

(…war dieses ominöse Schreiben eine Fälschung???)

Einen interessanten Beitrag über Prof. Dr. Ibrahim veröffentlichte G. Wagner (Berlin):

„Jussuf Ibrahim (1877-1953) – Arzt der Kinder. Sein Wirken in Forschung, Lehre und Sozialpädiatrie“

Mit seinen über 100 wissenschaftlichen Arbeiten hat lbrahim zur spezifischen Klärung der Pathogenese, -physiologie und zur Herausarbeitung des klinischen Bildes zahlreicher Säuglings- bzw. Kinderkrankheiten beigetragen und wichtige Bausteine für das Gesamtgebäude der Pädiatrie eingebracht. Einen besonderen Stellenwert erlangten seine Forschungen auf dem Gebiet der kindlichen Nervenkrankheiten und über die Krankheiten des Neugeborenen.

G. Döderlein würdigt lbrahim als Wissenschaftler und Lehrer:
„Berühmte Forscher sind nicht immer gute Lehrer gewesen. Aber Professor lbrahim versteht es, das, was er mit forschendem Geist durchdrungen hat, auch in eine Form zu kleiden, die der Lernende erfassen kann. So ist er einer der wenigen begnadeten Männer, die berühmte Forscher und zugleich ebenso fruchtbare Lehrer sind.“

Trauerzug Ibrahim JenaSeine Anerkennung und Beliebtheit erscheinen einzigartig, wie aus der großen Trauer nach seinem Tod am 3. Februar 1953 hervorgeht und bildlich belegt ist (Abb.2) – Trauer und ehrendes Gedenken bei seinen Schülern, Mitarbeitern, Kollegen des Lehrkörpers der Medizinischen Fakultät, Universität(en), Schwestern, bei seinen (ehemaligen) Patienten, Müttern, Eltern !

Ibrahim war in zahlreichen wissenschaftlichen und organisatorischen Gremien aktiv. Neben den beruflichen und ehrenamtlichen Aufgaben war er u.a. Leiter und Solist des philharmonischen Chores der Stadt Jena und aktiv in der Goethe-Gesellschaft tätig. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte er zu den Hochschullehrern, die für die Wiedereröffnung der Jenaer Universität herangezogen wurden. Seine Kompetenz war gefragt, so daß er als Vorsitzender der neugegründeten Gesellschaft für Kinderheilkunde in Thüringen gewählt wurde. 1947 wurde Ibrahim die Ehrenbürgerschaft der Stadt Jena verliehen, im gleichen Jahr wurde er zum Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde gewählt. 1952 wurde er Ehrensenator der Jenaer Universität.

pdfimageWagner_G-y


Freundlicherweise hat die Kinderklinik Jena wenigstens einige Bilder zum Wirken Prof. Dr. Ibrahims: veröffentlicht.

Siehe: https://www.uniklinikum-jena.de/kinderklinik_media/Archiv/Neue+Homepage/Geschichte+der+Kinderklinik/Im+Wandel+der+Zeiten+_+1917_1945-p-2794.pdf
Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Meine Heimat DDR, Sozialistische Wirklichkeit, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Antworten zu Der Jenaer Arzt Professor Dr. Jussuf Ibrahim

  1. Pingback: Врач из Йены, профессор, доктор Юсуф Ибрагим — Der Friedensstifter

  2. URANIA Wissen und Leben schreibt:

    Nur der Sozialismus ermöglicht humanitäre Medizin.

    In keiner Poliklinik hörte man den Satz: … »wir können sie nicht annehmen, wir sind leider voll« …

    Es wurde JEDER von hochprofessionellen Ärzten untersucht und behandelt. Die Ärzte kooperierten untereinander; z.B. nicht so wie heute wo der Orthopäde sich nicht mit dem Neurologen berät. Heute werden Medikamente im Wettbewerbsverfahren von vorgegebenen pharmazeutischen Symptom-Randnotizen ausgeteilt ohne nach tieferen Gründen zu suchen um eine präzise Diagnose zu stellen.

    Egal wie hoch das Einkommen. Egal wer. Egal welcher Beruf. Jeder war in der DDR gleichberechtigt und um auch den Chefarzt zu sehen.

  3. Erfurt schreibt:

    Ein ergreifender Artikel! Danke Sascha!

  4. Johann Weber schreibt:

    Hier ein kleiner Leserbrief:

    „Neues Deutschland“ vom 25.3.1978
    Er hatte das Vertrauen der Mütter: Jussuf Ibrahim
    Leserbrief:

    In den ersten zehn Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wohnten wir in Weimar. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Mutter (aber auch die meiner Freundin) immer, wenn wir krank wurden, mit uns nach Jena zu Professor Ibrahim fuhr. Er war vielleicht nicht nur in Thüringen schon zu seinen Lebzeiten eine fast legendäre Gestalt. Ich besinne mich, eine hervorragende Schilderung des Lebens von Professor Ibrahim gelesen zu haben.
    Weiß aber nicht mehr, wie der Roman hieß. Da der Name nicht im Titel auftauchte, kann ich das Buch nicht finden,

    Hanni Berkel
    Potsdam

    Es gibt beispielsweise im Greifenverlag zu Rudolstadt Wolfgang Schneiders Buch „Arzt der Kinder“. Dieser Tage soll es als 3. Auflage ausgeliefert werden (304 S., Fotos Leinen. 8,80 Mark)

    • sascha313 schreibt:

      Danke! Warten wir’s ab, ob es eine „überarbeitete“ Auflage ist. (Besser ist bei booklooker suchen.)

      • Erfurt schreibt:

        Grad eben bestellt. Die Abende werden länger. Aber viel wichtiger ist es, der Nachwelt die richtigen Bücher zu überliefern. MFG

        PS: Wie gehts der Hanna?

      • Olaf Zenker schreibt:

        Eine Frage hätte ich. Können sie, werter Herr Sascha mir gute Bücher über unsere DDR empfehlen? Bei Amazon oder anderen Online Einkaufskonzernen findet man meist nur Bücher, welche mein Heimatland aus der Geschichte tilgen wollen.
        LG, Olaf Z.

      • sascha313 schreibt:

        Olaf, kommt ganz darauf an, was Du gerne liest. Sieh man bei booklooker. In vielen Städten Ostdeutschlands gibt es Telefonzellen, in denen man sich abgelegte DDR-Bücher kostenfrei mitnehmen kann. Auch haben manche Sozialkaufhäuser Bücherregale, wo man oft noch sehr gute Bücher findet. Manchmal wird man auch auf einem Bücherbasar fündig. Am wertvollsten sind sicher die vor 1956 erschienenen DDR-Bücher. Ich empfehle Hermann Kant „Die Aula“, Erwin Strittmatter „Tinko“, von Heinz Kahlau oder Johannes R.Becher Gedichte, Dieter Noll „Abenteuer des Werner Holt“…

      • Olaf Zenker schreibt:

        Danke, lieber Herr Sascha.
        Lesen tue ich sehr gern über das einfache Leben in der DDR, so wie ich es erlebt habe. Bin Baujahr 66 und kann deshalb mit Fug und Recht behaupten, eine schöne Kindheit und Jugend erlebt zu haben. In der jetzigen Gesellschaft, welche uns 1990 übergestülpt wurde, bin ich nie angekommen. Das schlimme daran ist, dass ich mein Leben bis zum Ende hier in diesen faschistoiden Staat verbringen muss.

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Olaf, so geht es mir auch. Die DDR-Bücher sind eine wertvolle und authentische Information über unser Heimatland und den Sozialismus.

      • Olaf Zenker schreibt:

        Ja, meine Erinnerungen, welche ich in mir trage, sind das einzige, was man mir nicht wegnehmen kann. Ich habe sieben Bände von Horst Jäkel und seinem Autorenkollektiv, welche ich schon gelesen habe. Aber ich suche noch lesenswertes über die sogenannte „Wende“. Das einzige was in meinem Besitz ist, ist das Buch Das Geschenk, was verdeutlicht, wie Gorbatschow unser Land an den Westen verschacherte.
        Könnten sie mir bitte erklären,warum sie der meinung sind, Egon Krenz wäre ein Verräter?
        Ich frage das nur weil ich seine Bücher eigentlich lesenswert fand.
        LG, Olaf

      • sascha313 schreibt:

        Die Bücher von Horst Jäkel sind eine gute Quelle. Allerdings muß man dann irgendwann lernen, daß es zweierlei „Erinnerungen“ gibt – die eine, die objektiv (also ohne persönlich betroffen zu sein) berichtet und die andere, die subjektiv bzw. aus persönlicher „Ambitioniertheit“ über die Geschehnisse schreibt; von Lügenmärchen mal gänzlich abgesehen. Letzteres wird ja heute von den herrschenden „Eliten“ recht gut honoriert.

        Und was Krenz betrifft, drängt sich mir der Eindruck auf, daß spätere Einsichten nicht zwangsläufig auch zu ehrlichen Bekenntnissen führen müssen (warum auch immer). Siehe dazu:

        Krenz entlarvt sich selbst


        bzw.

        Der verräterische Falschspieler Gorbatschow

      • Olaf Zenker schreibt:

        Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich werde mir die Beiträge, welche sie mir verlinkt haben, durchlesen.
        Ich werde weiterhin fleißig ihre Beiträge lesen, wie ich es schon eine ganze Weile tue.
        Alles Gute weiterhin, wünscht Ihnen Olaf Zenker

      • sascha313 schreibt:

        Freut mich, Olaf! Bleiben Sie dran! 🙂

  5. Johann Weber schreibt:

    Olaf Zenker schreibt: „Eine Frage hätte ich. Können sie, werter Herr Sascha mir gute Bücher über unsere DDR empfehlen?“ 

    Olaf, ich bin ein Wessi, war nie in der DDR, bin einige Jahre älter als Sie. Vor 1990 hatte ich nie ein Buch aus der DDR gelesen, nie eine DDR-Zeitung in der Hand. Sie müssen wissen, unter den Adenauer-, Erhard- und Kiesinger/Brandt-Regierungszeiten waren Bücher, Zeitungen aus der DDR bei uns verboten. Wer denunziert (auch das gab es massenhaft bei uns) wurde, konnte schnell für ein bis zwei Jahre ins Gefängnis gehen. Die politisch Verfolgten bei uns bekommen keine sogenannte „DDR-Opferrente“ (aktuell 330 Euro pro Monat, wird bei Hartz IV nicht angerechnet).

    Seit ich in Rente bin arbeite ich unsere gemeinsame deutsche Geschichte auf. Ich betone „gemeinsame“. Ohne Aufarbeitung der vielen dunklen Punkte in der Alt-BRD ist eine faire Aufarbeitung der SBZ/DDR-Geschichte nicht möglich. Für mich ist das nur eine Weiterführung des von Bundeskanzler Adenauer verordneten Antikommunismus.

    An Hand meines Bücherbestandes, kann man ersehen, wie ich mein Wissen über unsere gemeinsame deutsche Geschichte geändert habe. Ich bin im Besitz von über 500 DDR-Büchern und ca. 30 aus der Alt-BRD. Bin fast täglich in den Archiven von DDR-Zeitungen. Die Auswürfe dieser sogenannten, mit ca. 6 Milliarden Euro Steuergelder geförderten sogenannten „DDR-Aufarbeitern“, lehne ich kategorisch ab. Ist für mich nur West-Propaganda.

    Kurz, für mich wertvolle Bücher.
    DDR:
    a) alle Bücher von dem Rechtsanwalt Dr. Friedrich Karl Kaul, z.B. „Ich fordere Freispruch“
    b) 2 Bände „Vom Werden unseres Staates von 1945 – 1955“, Staatsverlag DDR, Berlin 1966
    c) Lehrbuch für den Geschichtsunterricht 8. Schuljahr, Volk und Wissen Verlag, Berlin 1958
    d) „Befehdet seit dem ersten Tag – Über drei Jahrzehnte Attentate gegen die DDR“ von Eberhard Heinrich/Klaus Ulrich, Dietz Verlag 1981 (Einblick in die Terrorattacken, die aus Westberlin und Westdeutschland gegen die Menschen in der DDR täglich durchgeführt wurden). Wer diese Terrorattacken nicht kennt, wird diesen sogenannten „DDR-Aufarbeitern“ schnell auf dem Leim gehen.

    Alt-BRD (über die massenhafte Verfolgung von Menschen die für eine Wiedervereinigung, für einen Friedensvertrag, für Frieden, gegen Atomtod auf die Straßen gingen, also politische Verfolgte):
    a) „Die Republik vor Gericht 1954 – 1974, Erinnerungen eines unbequemen Rechtsanwalts“, Heinrich Hannover, Aufbau Taschenbuch Verlag.
    b) „Anwalt des kalten Krieg – Ein Stück deutscher Geschichte in politischen Prozessen 1951-1968“ Diether Posser, C. Bertelsmann
    c) „Erinnerungen aus sieben Jahrzehnten“ Probst Heinrich Grüber, Deutscher Bücherbund Stuttgart
    (Dieses Buch ist für mich ein wichtiges Buch – Grüber ist Zeitzeuge und beschreibt die Situation in der SBZ und in der DDR bis 1960. Dieses Buch wird von den sogenannten „DDR-Aufarbeitern“ gemieden. Dieses Buch zeigt eine andere gesamtdeutsche Geschichte)

    Für alle DDR-Sportfreunde empfehle ich folgendes kleine Büchlein. Dieses Büchlein beschreibt in kurzen Worten, die Terrormaßnahmen, die von den Alt-BRD-Regierungen zu den Olympischen Spielen von 1952-1980 gegen den gesamten DDR-Sport geführt wurden.

    Buch „Sport-Geschichte – Der Weg zu Olympischen Medaillen“ von Irene Köhler, Sportverlag Berlin 1981, Schülersport.

    Ein kleines Beispiel:
    „1951 Beschluß des 45. I0C-Kongresses in Wien:
    — Anerkennung des NOK der BRD unter der Voraussetzung, daß der Zusammenschluß beider deutscher NOK bevorstehe und daher die Aufnahme des NOK der DDR nicht extra zu erfolgen brauche, um die Teilnahme der Sportler beider deutscher Staaten an den Olympischen Spielen 1852 in Helsinki zu sichern

    Damit ging zunächst die Rechnung Bonns und der sportfeindlichen Kräfte auf. Das Recht der Alleinvertretung durch das NOK der BRD schien gesichert: Zur Untermauerung ihrer Ziele forderte Ritter von Halt auf dem ersten Treffen der beiden deutschen NOK am 17. Mai 1951 in Hannover die Auflösung des NOK der DDR mit der historisch unwahren Begründung, das NOK der BRD sei in Wien als NOK für Deutschland anerkannt worden. Tatsache war, daß das NOK der BRD nur für das Territorium der BRD zuständig war. Unter diesen Umständen, geprägt von der unrealistischen Haltung der westdeutschen Sportführung, endete das Treffen ergebnislos. Ritter von Halt akzeptierte das NOK der DDR nicht.
    Die darauffolgende Beratung beider NOK mit dem IOC am 22. Mai 1951 in Lausanne brachte Übereinstimmung, daß alle deutschen Sportler, die sich qualifizieren, an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki in einer gemeinsamen Mannschaft teilnehmen sollen und daß ein gemeinsames NOK gebildet wird, das die Interessen der Sportler beider deutscher Staaten vertritt.

    Der Abend, Westberlin, 9. Mai 1951, schrieb dazu zynisch: „Daß Vertreter des Sports in der Bundesrepublik gemeinsam mit den politischen Funktionären der Sowjetzone Deutschlands ein Olympisches Komitee repräsentieren sollen, halten Bonner Regierungskreise für kaum tragbar, Sie bedauern deshalb die Entscheidung des IOC für die Aufnahmebedingungen.”

    Deutlicher kann kaum erklärt werden, daß die Bundesregierung von Anfang an nicht an einer Verständigung interessiert war. In der Folge hat sich gezeigt, daß die Sportführung der BRD bereit war, die Aufträge der Regierung zu erfüllen.
    Sie hintertrieb durch die zielgerichtete Vorbereitung einer separaten Olympiamannschaft die Teilnahme der DDR-Athleten an den Spielen der XV. Olympiade Helsinki 1952.

    Von welcher überheblichen Feindseligkeit ihr Denken und Handeln behaftet war, beweist die Tatsache, daß Ritter von Halt — in Übereinstimmung mit der Bonner Regierung — in persönlichen Schreiben bekannte, leistungsstarke Sportler der DDR aufforderte, der DDR den Rücken zu kehren und in die Bundesrepublik zu kommen, um so in der westdeutschen Olympiamannschaft starten zu können. Diesem schamlosen Aufruf zum Verrat der DDR folgte nicht ein Sportler!“

    • sascha313 schreibt:

      Vielen Dank, lieber Johann Weber. Eine solche Sammlung von Büchern ist ein Schatz, von dem noch künftige Generationen lernen werden!

    • Olaf Zenker schreibt:

      Sehr geehrter Herr Weber,
      hiermit meinen großen Dank an sie, für diese Auswahl an Büchern.
      Ich war in meiner Jugend auch sehr unpolitisch, aber für den Frieden eingetreten, bin ich immer. Natürlich gab es Unzulänglichkeiten in der DDR, welche wir Jugendliche auch beim Namen nannten. Im Gefängnis bin ich nie gelandet, wie es die Westpresse und Aufarbeiter gerne hätten.
      Ein Standpunkt sei mir noch erlaubt. Mit meinem Wissen von Heute, hätte die Grenze zwischen den beiden Deutschen Staaten, niemals! fallen dürfen, denn so wurden wieder Ausbeutung und Kriege in Europa möglich.
      Mich beschleicht auch die Vermutung, dass alles was ab 1989 geschehen ist, irgendwie vorherbestimmt war, von wen auch immer.

      LG, Olaf Zenker

      • sascha313 schreibt:

        Lieber Olaf, ich antworte gleich auch mal auf Deine Rückmeldung. Was die Grenzöffnung betrifft, stimme ich Dir sehr zu. Aber leider war eben die DDR in einer Defensivposition und in wirtschaftlicher und militärischer Abhängigkeit von der Sowjetunion, wo zu dieser Zeit schon Antikommunisten wie Jelzin und Gorbatschow am Ruder waren. Honecker hat das gewußt. Und da schreibt nun das wieder gegründete „Nationalkomitee Freies Deutschland“:

        „Wie sich Ostdeutschland durch den 2+4 Vertrag befreien kann“: „Wenn Scholz wirklich als guter Politiker in die Geschichte eingehen will, sollte er die NATO/US Truppen aus dem DDR Gebiet abziehen. Rußland ist jederzeit zu einem Friedensabkommen über den Konflikt in der Ukraine bereit, aber Kiew hat ein gesetzliches Verbot für Verhandlungen mit Rußland verhängt.“
        (https://nkfd.okv-ev.de/2023/11/22/wie-sich-ostdeutschland-durch-den-24-vertrag-befreien-kann/)

        Daß man den Status quo eines Landes per Dekret verändern und die DDR wiederherstellen könne, ist natürlich eine dumme Illusion und eine völlige Lächerlichkeit. Offenbar haben die Verfasser dieses Pamphlets immer noch nicht begriffen, daß man die Wiederaufrüstung und das Wiedererstarken des deutschen Imperialismus nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone nur dank der Unterstützung durch die sozialistische Sowjetunion unter Stalin hatte verhindern können. Die USA-Imperialisten und ihre deutschen Marionetten werden sich über diesen Vorschlag halb kaputtlachen…

  6. Johann Weber schreibt:

    Ja sascha313, Deine Worte treffen ins Schwarze „Eine solche Sammlung von Büchern ist ein Schatz, von dem noch künftige Generationen lernen werden!“

    Wer ernsthaft unsere gesamtdeutsche Geschichte aufarbeiten will, der muss zurück zum Anbeginn. Nur die SBZ/DDR-Litertatur ermöglichte es mir, die Auswürfe dieser sogenannten „DDR-Aufarbeiter“ offenzulegen. Mir wird immer mehr bewusst, warum meiden diese „DDR-Aufarbeiter“ DDR-Quellen wie der Teufel das Weihwasser.

    Es gibt ein kleines Büchlein „Hinter den Kulissen der SPD-Führung“, vom Dietz Verlag Berlin, 1949. In diesem Büchlein, wird aufgezeigt, das die Gründung der SED keine Zwangsvereinigung von SPD und KPD in der Sowjetzone war. Weiter wird in diesem Büchlein geschildert, dass der Führer der SPD-West Kurt Schumacher vor der SED-Gründung eine Terrororganisation das „SPD Ostbüro“ gegründet hat, in Zusammenarbeit mit der englischen und amerikanischen Besatzungsmacht. Aufgabe, die SPD-Mitglieder in der Sowjetzone und in Ostberlin zu zwingen gegen die Vereinigung zu sein.

    „Hinter den Kulissen der SPD-Führung“ ist ein Tatsachenbericht über die Spionagetätigkeit des SPD-Vorstandes, von Wilhelm Lohrenz, des ehemaligen SPD-Funktionärs, der bereits im Sommer 1948 Enthüllungen über die Spionagetätigkeit der SPD-Führung bekanntgegeben hat.

    Ich zitiere aus diesem Heftchen:
    „Trotzdem im Juni 1945 in dem programmatischen Aufruf zur Wiederbegründung der SPD die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien gefordert wurde, entstand nun in den Reihen der Berliner SPD eine gewisse Beunruhigung. Grund der Beunruhigung war das angeblich eigenmächtige Handeln des Zentralausschusses in einer so wichtigen Frage wie dem Weiterbestehen der Partei oder deren Vereinigung mit der KPD.

    Britische Militärregierung schaltet sich ein. Den Bericht über die Konferenz der beiden Parteivorstände habe ich noch am Tage seines Erscheinens gelesen. Am selben Tage wurde ich zur Britischen Militärregierung geladen. Als ich das Gebäude der Britischen Militärregierung am Reichskanzlerplatz betrat, wurde ich sofort in einen Raum geführt, in dem sich schon mehrere englische Offiziere befanden. Nachdem ich mich vorgestellt hatte, fragte mich ein englischer Offizier, ob ich schon wüßte, was mit der SPD geschehen solle, ob ich mit diesem Schritt einverstanden sei und was wir als Kreisvorstand von Spandau zu tun gedächten. — Ich erklärte, daß ich soeben in der Presse gelesen hätte, daß der Zentralausschuß der SPD und das Zentralkomitee der KPD auf einer Sitzung die Vereinigung beider Parteien beschlossen hätten, und daß das im Grunde nichts Neues wäre.
    Durch die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien würde nur die jahrelange Forderung der deutschen Arbeiterklasse nach einer einheitlichen Arbeiterpartei erfüllt werden.
    Ein Offizier fragte mich, ob denn die Mitglieder befragt worden wären und ob ich persönlich mit diesem Schritt einverstanden sei. Durch diese Frage gereizt, erwiderte ich: „Ich habe Ihnen gesagt, daß es der Wunsch aller Sozialisten ist, in einer einheitlichen Arbeiterpartei vereinigt zu sein. Das einzige, womit ich nicht einverstanden bin, ist das Handeln des Zentralausschusses, ohne vorher die Vorstände von diesem Schritt zu benachrichtigen. Das ist aber kein Grund, die Vereinigung abzulehnen.
    Es ist dies eine rein organisatorische Frage, die durch eine Aussprache geklärt werden kann.“ Darauf erklärten mir die Engländer, sie würden die neue Partei nicht zulassen…..

    Es kam zur Gründung dieser Terrororganisation „SPD-Ostbüro“…..
    Schumacher gibt Spionageanweisungen. Am 10. April 1946, kurz vor der Vereinigung von SPD und KPD zur SED, erschien Dr. Schumacher in Berlin. Auf seine Anordnung fand eine engere Beratung der leitenden Funktionäre der Berliner SPD-Organisation statt, an der ungefähr 25 Personen von deutscher Seite teilnahmen.
    Unter den Anwesenden waren: Franz Neumann, Swolinzky, Suhr, Klingelhöfer, Außner, Arno Scholz, Kurt Schmidt, Wilke, Kiaulehn, Mattik, Schulz, Mewes, Lohrenz u. a. Die Besprechung leitete Schumacher selbst.
    Er sprach über „Die gegenwärtige Lage der SPD in Deutschland und die besondere Lage der Berliner Partei“ und sagte, daß die Berliner Organisation sehr schwere Aufgaben zu erfüllen habe. Aufgaben, die nur die Berliner Organisation erfüllen könne. Natürlich könne es dabei passieren, daß für den einen oder anderen, der mit besonderen Aufgaben betraut werde, sehr gefährliche Situationen eintreten. Daher müsse jeder bereit sein, wenn nötig, auch seine persönliche Freiheit aufzugeben. „Es hat sich die Notwendigkeit ergeben, daß wir in der sowjetischen Besatzungszone eine weitverzweigte illegale Organisation schaffen müssen, die streng zentralisiert sein muß. Diese Organisation muß ihre Vertreter in allen Ortsgruppen von unten bis zu den Landesvorständen der SED haben. In allen Verwaltungen, Betrieben, Gewerkschaften und anderen Organisationen müssen von uns Leute vertreten sein. Wir müssen über alle politischen, ökonomischen sowie kulturellen Ereignisse in der sowjetischen Besatzungszone Nachrichten haben. Dieses Material wird den westlichen Besatzungsmächten übergeben. Diese Arbeit ist für die Berliner Organisation eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft.“ Damit hatte Schumacher die Spionagetätigkeit zur Hauptaufgabe der SPD erklärt. Für die praktische Durchführung dieser „Aufgaben“ schlug er die Gründung eines „Ostbüros“ beim SPD-Landesverband Groß-Berlin vor. Nach einer eingehenden Aussprache wurde dann das „Ostbüro“ aus der Taufe gehoben….

    „Um von den Anglo-Amerikanern eine maximale materielle und ideelle Hilfe zu bekommen, ist es unbedingt notwendig, soviel wie möglich Material über die Arbeit der Industrieunternehmungen der sowjetischen Besatzungszone zu bekommen.
    Wir müssen in allen Industrieunternehmungen der Ostzone gut getarnte Gruppen aus zuverlässigen Genossen schaffen. Es muß festgestellt werden, welchen Einfluß die SED auf die Bevölkerung besitzt — wie die Lebensmittellage in den einzelnen Gegenden, hauptsächlich den Großstädten der Zone ist —, was für sowjetische Truppenteile in den einzelnen Standorten liegen. Ferner brauchen wir laufende Mitteilungen über deren Ablösung oder Verlegung, über die Arbeit der SMA usw.“ — Dieses ganze Material sollte umgehend beschafft und nach Berlin gebracht werden, um es den westlichen Besatzungsmächten vorzulegen. Veröffentlichungen aus diesem Material dürfen nur mit Genehmigung der Besatzungsmächte vorgenommen werden.

    Mit der Schaffung von Spionagegruppen in den Betrieben der Zone wurden Kurt Schmidt und Reichenau beauftragt, die auch diese Aufgabe in Angriff nahmen. Heine gab bekannt, daß in Hannover ein zentrales „Ostsekretariat“ gebildet sei, um die Arbeit nach einem gemeinsam ausgerichteten Plan zu leiten. — Es sei außerdem sehr wichtig und notwendig, besondere Nachrichten bzw. Gerüchte unter der Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone auszustreuen, wenn möglich Zwischenfälle zu inszenieren und diese dann „in geeigneter Form“ in der Presse zu veröffentlichen. Ferner müsse man Falschmeldungen über besondere Maßnahmen der örtlichen Besatzungsmacht gegen die Bevölkerung bringen, gefälschte Nachrichten über die SED und andere Organisationen.
    „Es müssen Verleumdungen gegen die SED und SMAD verbreitet werden. Besondere Genossen müssen beauftragt werden, die SED von innen zu zersetzen. Andere wiederum müssen sich in die örtlichen sowie zentralen Verwaltungen einschleichen, um die gesamte Arbeit der Zone zu desorganisieren.“ — Diese Anordnungen Heines gingen auf entsprechende Forderungen der westlichen Besatzungsmächte zurück, und ihre Durchführung wurde von westalliierter Seite mit allen Mitteln unterstützt. Für diese Tätigkeit bekam die SPD Berlin ab 1. Juni 1946 monatlich fast eine viertel Million Reichsmark, wie Swolinzky selbst auf einer Parteiausschußsitzung im Juni bekanntgegeben hat…..“

    Der Inhalt dieses Büchleins (32 Seiten) wurde im Januar 1949, in einer 5-teiligen Serie, im „Neuen Deutschland“ abgedruckt. Die Menschen in der SBZ, in der DDR wussten von dieser großen Gefahr, die von der SPD ausging. Warum wissen das heute nur noch wenige Menschen in Ostdeutschland?
    Dieses kleine Heftchen kostet in Antiquariaten zwischen 30 und 90 Euro. Warum dieser hohe Preis?

  7. Olaf Zenker schreibt:

    Hallo, Herr Sascha.
    Da stimme ich ihnen voll zu. Aber meines Wissens ist auf den Grund und Boden der DDR bisher kein einziger NATO-Soldat stationiert, außer der ButenWehr natürlich.
    Oder haben sie andere Erkenntnisse darüber? Übrigens hätte ich nichts dagegen, eine neue DDR zu gründen. Besser heute als Morgen.
    LG, Olaf Z.

    • sascha313 schreibt:

      BuWe = Nato! Und eine feindliche Übernahme läßt sich nunmal mit Erklärungen nicht rückgängig machen. Dieses ominöse „Nationalkomitee“ sollte mal schnellstens auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Auf einem sowj. Panzer in Bernau (?) stand mal „Befreit uns nochmal“. Schön wär’s! Doch Rußland ist ein kapitalistisches Land, ebenso wie China und die BRD. Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiter sein. Und da frage ich mich doch: Wie soll das gehen – ohne eine führende Kraft (namens „Partei der Arbeiterklasse“) und in der Machtlosigkeit des Vasallenstaates BRD? Ohne Revolution? Das sind einfach nur Hirngespinste! Wagenknecht inbegriffen.

  8. Johann Weber schreibt:

    Hirngespinste ja, deshalb:

    1956 bot BND-Chef Gehlen (Leiter Fremde Heere Ost) seinem Förderer Allen Dulles (CIA-Chef) für den Fall eines Wahlsiegs der Sozialdemokraten in Westdeutschland einen Staatsstreich von rechts an, wie er um diese Zeit in Griechenland, in etlichen Ländern in Afrika, Mittel- und Südamerika, sowie in Indonesien geschah. Wie realistisch wäre eine solche Option aus US-Sicht gewesen?

    David Talbot: Ich glaube, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit bestand, dass dies passiert wäre. Bedenken Sie, dass die Dulles-Brüder die Außenpolitik unter Präsident Eisenhower dominierten, mit John Foster als Außenminister und Allen als CIA-Direktor. Westdeutschland wurde als Frontlinie im Kalten Krieg gesehen und die Dulles-Brüder demonstrierten wiederholt, wie weit sie gehen würden, um US-Interessen zu schützen, selbst wenn dies eine aggressive Störung der Souveränität eines ausländischen Partners bedeutet hätte.
    https://www.heise.de/tp/features/Das-Schachbrett-des-Teufels-3306955.html

Hinterlasse einen Kommentar