Als es die DDR noch gab, war die Welt noch in Ordnung, wenigstens für uns, die wir im Sozialismus lebten. Es gab keine Kriege in Europa, wir hatten eine gesicherte Existenz, eine glückliche Kindheit und Jugendzeit, ein auskömmliches Dasein und wir konnten ohne Sorge in die Zukunft schauen. Nicht auszudenken, was aus uns geworden wäre, wenn wir diese verlorenen 35 Jahre nach 1990 unter sozialistischen Verhältnissen hätten leben können! Die Zukunft hatte für uns damals schon begonnen. Als es auf deutschem Boden noch zwei Staaten gab, die DDR und die BRD, haben wir uns oft gefragt: Warum können normale Beziehungen zwischen ihnen nur dann hergestellt werden, wenn in der westdeutschen Bundesrepublik grundlegende Veränderungen vollzogen werden? Warum führt das wirtschaftliche Wachstum der BRD zwangsläufig zur Bedrohung der europäischen Sicherheit, während die allseitige Stärkung der DDR dagegen der Sicherung des Friedens in Europa dient? Warum können wir mit Gewißheit sagen, daß die inneren Widersprüche in Westdeutschland nicht lösbar sind, der Klassenkampf sich verschärfen muß? Prof. Walter Schellenberg ist diesen Fragen auf den Grund gegangen…
Sicher! Die Frage hat etwas Provokatorisches an sich. Die BRD liefert Waffen in die faschistische Ukraine, die Regierung unterstützt den Völkermord in Palästina, sie erkennt weder die Verantwortung Deutschlands für die deutschen Verbrechen des Kolonialismus, noch für die Verbrechen des Hitlerfaschismus in Griechenland, noch für den deutschen Völkermord während der Blockade in Leningrad an. Das allein dürfte genügen, um das Wesen und die Rolle des deutschen Imperialismus in der Welt zu charakterisieren. Doch worin sind die wahren Gründe dieser sich zuspitzenden Entwicklung zu suchen? Der Kommunist Prof. Dr. Walter Schellenberg (1907-1991) war der langjährige, stellvertretende Leiter des Lehrstuhls Politische Ökonomie an der Parteihochschule „Karl Marx“.
Walter Schellenberg
„Marktwirtschaft“ und private Warenproduktion
Karl Marx beginnt seine Untersuchung der kapitalistischen Produktionsweise mit der Feststellung, daß der Reichtum in der kapitalistischen Gesellschaft als eine „ungeheure Warensammlung“ erscheint.[1] Er geht von der allgemeinsten, sich milliardenfach wiederholenden Erscheinung im Kapitalismus aus, daß alles gekauft und verkauft werden kann, alles einen Preis hat. An der nur für die kapitalistische Produktionsweise typischen Tatsache, daß alles zur Ware wird und damit der Kapitalismus die höchste Form der privaten Warenproduktion darstellt, hat sich bis heute in den kapitalistischen Ländern nichts geändert, auch nicht in der westdeutschen Bundesrepublik.
Der Kapitalisten Lieblingswort: „Marktwirtschaft“
Daran können die Verteidiger des „freien Westens“ nicht vorbeigehen, sosehr sie sich bemühen, das Wesen des Kapitalismus zu verschleiern. Ob die einen vom „Volkskapitalismus“ sprechen, andere von „sozialer Marktwirtschaft, „moderner Industriegesellschaft“, von „formierter“, „offener“, „mündiger“, „großer“ Gesellschaft oder „Dienstleistungsgesellschaft“ – alle betonen sie die Notwendigkeit der „Marktwirtschaft“ als Grundlage wirtschaftlicher Beziehungen. Die Durchsetzung „marktwirtschaftlicher Prinzipien“ ist ihnen heilig, Begriffe wie „Wohnungsmarkt“, „Arbeitsmarkt“, „Heiratsmarkt“ und ähnliche sind für sie selbstverständlich; der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Schiller verlangte sogar einen „offenen Markt für Großkonflikte“.
Richtig muß es heißen: „Warenproduktion“
Die verschiedensten bürgerlichen Markttheoretiker gehen davon aus, daß die Marktbeziehungen, das heißt der Austausch der Arbeitsprodukte, ihr Kauf und Verkauf, den Schlüssel zum Verständnis der wirtschaftlichen Entwicklung darstellen. Sie ignorieren damit die seit über 100 Jahren bekannte und von Marx im „Kapital“ exakt bewiesene Tatsache, daß die Notwendigkeit des Austausches und damit des Marktes nur ein Ausdruck bestimmter Produktionsverhältnisse, bestimmter historisch entstandener gesellschaftlicher Beziehungen innerhalb der materiellen Produktion ist. Deswegen spricht Marx auch nicht von „Marktwirtschaft“, sondern von Warenproduktion.
Alles wird zur WARE – auch der Mensch…
Die materielle Produktion ist die Existenzgrundlage der menschlichen Gesellschaft. Um ihre individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigen zu können, müssen die Menschen Gebrauchsgüter oder Gebrauchswerte produzieren. Auch in der privaten Warenproduktion werden Gebrauchswerte produziert, aber sie werden als Waren produziert. Daß Produkte menschlicher Arbeit als Waren produziert werden, ist weder eine naturbedingte und daher „ewige“ Eigenschaft dieser Produkte noch eine Erfindung irgendwelcher „Marktpolitiker“. Die historische Notwendigkeit der privaten Warenproduktion und ihre Entwicklung ergeben sich zwangsläufig aus der Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und aus dem Privateigentum an den Produktionsmitteln.
Wer die Produktionsmittel besitzt, hat die Macht!
Infolge der gesellschaftlichen Arbeitsteilung stellt jeder Produzent Gebrauchswerte für andere, für die Gesellschaft her. Da er Privateigentümer der Produktionsmittel ist, ist er auch Privateigentümer der von ihm produzierten Gegenstände. Andererseits werden die Dinge, die er selbst zum Leben und zur Weiterführung seiner Produktion benötigt, von anderen Produzenten hergestellt, sind das Privateigentum anderer Produzenten. Alle Produzenten sind daher gezwungen, die Produkte ihrer privaten Arbeit gegeneinander auszutauschen, sie zu kaufen und zu verkaufen. Diese aus den gesellschaftlichen Beziehungen erwachsende Notwendigkeit macht die Produkte menschlicher Arbeit zu Waren, die Gebrauchswerte für andere sind und austauschbar sein müssen.
„Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber.“ [2]
Sind die Eigentumsverhältnisse ewig?
Wenn daher die Verteidiger des gegenwärtigen Kapitalismus die „Marktwirtschaft“ zu ihrem Idol gemacht haben, so sagen sie zunächst weiter nichts, als daß sie zwar die Notwendigkeit einer immer weitergehenden gesellschaftlichen Arbeitsteilung anerkennen, aber gleichzeitig für die Aufrechterhaltung des Privateigentums an den Produktionsmitteln eintreten. Sie leugnen die Notwendigkeit einer Veränderung der Eigentumsverhältnisse, obwohl das ursprünglich auf eigener Arbeit beruhende Privateigentum der Warenproduzenten sich zum weitaus größten Teil bereits in kapitalistisches Eigentum verwandelt hat und darüber hinaus die Notwendigkeit des Übergangs zum gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln heute auf der Tagesordnung steht.
Die gesellschaftliche Praxis in den. sozialistischen Ländern und in einigen jungen Nationalstaaten beweist, daß die für die Entfaltung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung notwendige Entwicklung der Warenproduktion unter den heutigen Bedingungen nicht mehr zwangsläufig zur kapitalistischen Warenproduktion führen muß.
Jede Ware hat ihren Preis…
Die Ware ist ein Produkt menschlicher Arbeit, das Ware neben der Eigenschaft, einen Gebrauchswert zu haben, auch noch die Eigenschaft besitzen muß, austauschbar zu sein, das heißt, sie muß einen Tauschwert haben. Dieser Tauschwert erscheint heute in der Regel in der Form des Preises. Die Tatsache, daß in der bürgerlichen Wirtschaftswissenschaft sehr oft die Preise und ihre Bewegung als das Wichtigste in der ökonomischen Entwicklung angesehen werden, bestätigt die von Karl Marx getroffene Feststellung, daß im Kapitalismus wie überhaupt in der privaten Warenproduktion die Gebrauchswerte die stofflichen Träger des Tauschwertes darstellen. [3]
Waren werden gegeneinander ausgetauscht…
Aber der Tauschwert- und damit auch der Preis ist nur der Ausdruck des Verhältnisses, in welchem sich zwei Waren gegeneinander austauschen. Grundlage für dieses Austauschverhältnis ist der Wert der einzelnen Ware.
„Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert.“ [4]
Das Gemeinsame aller Waren ist, daß sie Produkte wert und menschlicher Arbeit sind. Als Verkörperung der in ihnen Wert enthaltenen Arbeit sind sie Werte. Die Arbeit der Warenproduzenten schafft also gleichzeitig Gebrauchswert und Wert, die als Einheit die Ware darstellen. Diese Tatsache war bereits vor Marx bekannt.
Was war die große Entdeckung von Karl Marx?
Die große Entdeckung von Karl Marx bestand nun darin, daß nicht nur die Ware, sondern auch die warenproduzierende Arbeit einen Doppelcharakter hat. Sie ist gleichzeitig konkrete und abstrakte Arbeit. Natürlich können Gebrauchswerte nur durch eine spezifische, konkret bestimmbare Arbeit geschaffen werden. Zur Herstellung eines Autos sind andere Arbeitsverrichtungen und andere Produktionsmittel notwendig als zur Produktion eines Brotes. Die konkreten Arbeiten unterscheiden sich voneinander, sind nicht miteinander vergleichbar, wobei mit zunehmender Arbeitsteilung und dadurch bedingter Spezialisierung die Vielfältigkeit der konkreten oder nützlichen Arbeit zunimmt.
„Gebrauchswerte können sich nicht als Waren gegenübertreten, wenn nicht qualitativ verschiedne nützliche Arbeiten in ihnen stecken.“ [5]
Wie kann man den Wert der Arbeit messen?
Bei aller Unterschiedlichkeit hat die Arbeit der einzelnen Warenproduzenten jedoch etwas Gemeinsames: Sie ist Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Die unterschiedliche konkrete Arbeit des Schlossers, des Tischlers, des Schneiders oder des Bäckers stellt nur die verschiedene Form dar, in der menschliche Arbeitskraft verausgabt wird. Karl Marx machte darauf aufmerksam, daß der Arbeiter im Kapitalismus oft gezwungen ist, heute die eine und morgen eine völlig andere Arbeit zu leisten. Aber stets ist es doch die Verausgabung derselben Arbeitskraft, ganz gleich, ob er heute an einer Bohrmaschine steht und morgen vielleicht Transportarbeiten verrichten muß. Abstrahieren wir von der konkreten Form, in der gearbeitet wird, so bleibt das jeder Arbeit Gemeinsame: Verausgabung menschlicher Arbeitskraft schlechthin, abstrakte Arbeit.
Worin besteht eigentlich der Wert einer Ware?
In der privaten Warenproduktion sind die Waren Produkte voneinander unabhängig betriebener Privatarbeiten. Alle diese Arbeiten zusammen bilden die gesellschaftliche Gesamtarbeit, die nur als abstrakte Arbeit begriffen werden kann. Die Arbeit jedes einzelnen Warenproduzenten ist eben ein bestimmter Teil dieser abstrakten gesellschaftlichen Gesamtarbeit. Anders gesagt: Die konkrete private Arbeit des jeweiligen Warenproduzenten ist gleichzeitig Verausgabung menschlicher Arbeitskraft schlechthin als Teil der im Gesamtrahmen der warenproduzierenden Gesellschaft zu leistenden Arbeit. In dieser Form, als abstrakte Arbeit, als Arbeit der Warenproduzenten überhaupt, bildet sie den Wert der Ware. [6]
Der Widerspruch zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit
Mit der Entdeckung des Doppelcharakters der warenproduzierenden Arbeit konnte Karl Marx den Nachweis führen, daß die Grundursache vieler Widersprüche und Konflikte, die den bürgerlichen Ökonomen bis auf den heutigen Tag viel Kopfzerbrechen verursachen, in dem für die private Warenproduktion typischen Widerspruch zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit zu suchen ist.
Die private Arbeit des Warenproduzenten ist im Grunde genommen gleichzeitig gesellschaftliche Arbeit. Seine Produktion ist zwar privat, von der Gesellschaft isoliert. Er entscheidet nach seinem eigenen Ermessen, was er produziert oder produzieren läßt, wenn er Kapitalist ist, und glaubt unbedingt, daß er „selbständig“, „frei“ und „unabhängig“ sei. Aber er produziert doch nicht für sich, sondern für andere, für die Gesellschaft. Seine Produktion hat für ihn überhaupt nur einen Sinn, wenn er seine Waren verkaufen kann, das heißt, wenn seine private Arbeit als gesellschaftliche Arbeit anerkannt wird.
Der Markt bestimmt, ob ein Produkt verkäuflich ist…
Auch die Bestimmung der Wertgröße ist nicht durch die von dem einzelnen Warenproduzenten benötigte Arbeitszeit bedingt, sondern durch die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit.
„Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.“ [7]
Dieser gesellschaftliche Charakter der Arbeit bleibt während des Produktionsprozesses verborgen. Er macht sich erst im Austauschprozeß bemerkbar. Erst auf dem Markt zeigt sich, ob die private Arbeit des Warenproduzenten tatsächlich für die Gesellschaft notwendig war, ob er seine Ware verkaufen kann oder nicht und welchen Preis er dafür bekommt.
Der Wert einer Ware ist keine feststehende Größe
Es ist daher kein Zufall, daß die bürgerlichen Ökonomen sich so intensiv mit den Marktbeziehungen beschäftigen. Weil sie sich aber auf die in den Marktbeziehungen auftretenden Widersprüche beschränken, erkennen sie nicht, daß es sich hierbei um Erscheinungsformen des Widerspruchs zwischen privater und gesellschaftlicher Arbeit handelt, der bereits in der Produktion vorhanden ist. Indem Waren sich zu ihren Werten austauschen, wird die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit gleichgesetzt.
„Als Werte sind alle Waren nur bestimmte Maße festgeronnener Arbeitszeit!“ [8]
Daraus folgt, daß der Wert der Ware keine feststehende Größe sein kann, sondern sich mit der Veränderung der Produktionsbedingungen ebenfalls verändert. Wenn durch Steigerung der Arbeitsproduktivität die zur Herstellung einer Ware notwendige Arbeitszeit kürzer wird, sinkt auch der Wert dieser Ware. [9]
Das Geheimnis liegt im Warenaustausch
Der Wert ist aber nicht sichtbar, auch nicht seine Veränderungen. Der Wert tritt nur als Tauschwert in Erscheinung, als ein quantitatives Verhältnis, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen. Der sichtbare Tauschwert ist also in Wirklichkeit ein Verhältnis, das Verhältnis des Wertes zweier Waren. Hierbei handelt es sich nicht schlechthin um ein Verhältnis zwischen leblosen Dingen, wie es immer wieder in der bürgerlichen Ökonomie dargestellt wird, sondern um ein unter dinglicher Hülle verborgenes gesellschaftliches Verhältnis von Warenproduzenten.
Verschleierte Ursachen bei Preisänderungen
Die Veränderungen des Tauschwertes sind natürlich sichtbar. Aber diesen Veränderungen liegen die Wertveränderungen beider Waren zugrunde. Daher gibt eine Veränderung des Tauschwertes keine Auskunft über die wirkliche Ursache dieser Veränderung. Die dadurch objektiv gegebene Verschleierung der gesellschaftlichen Zusammenhänge wird noch mehr verstärkt, indem der Wert in Geld ausgedrückt wird und damit als Preis erscheint. Der Preis drückt die Wertgröße einer Ware in Geld aus, aber er ist nicht mit dieser Wertgröße identisch.
- Marktbeziehungen. Auf die Bewegung der Preise wirken auch Faktoren ein, die tatsächlich nur aus den Marktbeziehungen zu erklären sind und deren Zusammenhang mit den Produktionsverhältnissen nicht ohne weiteres nachzuweisen ist.
- Angebot und Nachfrage. So führt das ständig wechselnde Verhältnis von Angebot und Nachfrage dazu, daß der Preis über den Wert steigt oder unter den Wert sinkt.
- Fiktive Preise. Dazu kommt noch, daß in vielen Fällen der Preis überhaupt aufhört, Wertausdruck zu sein. Dinge, die in ökonomischem Sinne keine Waren sind, wie Ehre, Gewissen, Rechte, Privilegien oder auch Grundstücke auf dem Mond, können einen Preis haben und damit Warenform erhalten, ohne daß ein Atom Wert dahintersteckt.
- Liebhaberpreise. Oder nehmen wir die sogenannten Liebhaberpreise für seltene Briefmarken, Kunstwerke und andere Gegenstände, die ebenfalls keine Beziehung zur gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit haben.
Die Ware als ein Spekulationsobjekt
Es gibt im Kapitalismus, der höchsten Stufe der privaten Warenproduktion, tatsächlich viele Waren, deren Preise nur aus den Marktbeziehungen erklärt werden können. Das ist eben nur möglich in einer Produktionsweise, in der infolge der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und des Privateigentums an den Produktionsmitteln die für die materiellen Existenzbedingungen der Gesellschaft notwendigen Gebrauchswerte als Waren produziert werden müssen. Gäbe es keine Warenproduktion, dann gäbe es auch keine Waren, kein Geld, keine Preise, keinen Kauf und Verkauf, keine Märkte.
Das Wertgesetz
Das wichtigste ökonomische Gesetz der Warenproduktion ist das Wertgesetz. Dieses ökonomische Gesetz und sein Wirken ist nicht immer gleich, sondern ist Modifikationen unterworfen, die sich aus veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen ergeben. Das schließt seine Allgemeingültigkeit für die Warenproduktion überhaupt nicht aus.
Das regelnde Prinzip der Warenproduktion
Die Warenproduktion entwickelt sich mit der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Die damit verbundene Notwendigkeit des Austausches der Arbeiten beziehungsweise der Arbeitsergebnisse erfordert in zunehmendem Maße die Koordinierung der Arbeit der einzelnen Warenproduzenten. Aber unter den Bedingungen des Privateigentums ist eine gesellschaftliche Planung der Produktion unmöglich. Der gesellschaftliche Zusammenhang der privaten Produzenten und ihrer Arbeit kommt nur im Wert zum Ausdruck. Das regelnde Prinzip der Warenproduktion besteht darin, daß sich gleiche Werte gegeneinander austauschen.
„Der Wert einer Ware verhält sich zum Wert jeder andren Ware wie die zur Produktion der einen notwendigen Arbeitszeit zu der für die Produktion der andren notwendigen Arbeitszeit.“ [10]
Das ist der allgemeinste Inhalt des Wertgesetzes, ganz gleich, in welcher Form und unter welchen Bedingungen sich dieses Gesetz durchsetzt.
Die brutale Wirkung des Wertgesetzes
Die gegenseitige Abhängigkeit der unabhängig voneinander produzierenden Warenproduzenten macht sich erst nach erfolgter Produktion auf dem Markt bemerkbar. Aber hier haben es Käufer und Verkäufer nicht mit dem für sie unsichtbaren Wert zu tun, sondern mit dem Preis, der nach oben oder unten vom Wert abweicht. Gerade das Abweichen der Preise vom Wert, das bis zur Unverkäuflichkeit der Ware gehen kann, macht es dem privaten Warenproduzenten mit brutaler Deutlichkeit klar, ob und in welchem Umfang seine private Arbeit als gesellschaftlich notwendig anerkannt wird. Er wird bei Strafe seines Unterganges gezwungen, seine Produktion zu verändern.
Blind wirkende Regellosigkeit
So setzt sich das Wertgesetz als ein die Warenproduktion regelndes ökonomisches Gesetz gewaltsam hinter dem Rücken der Menschen durch. Karl Marx wies ausdrücklich darauf hin, daß das nicht etwa eine Ausnahme oder ein Mangel sei, sondern voll und ganz einer Produktionsweise entspricht, „worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann“ [11].
Durch das Wirken des Wertgesetzes erfolgt in der auf Privateigentum beruhenden Warenproduktion eine Regulierung der gesellschaftlichen Produktion, die sich spontan, hinter dem Rücken der Warenproduzenten vollzieht und sich teilweise direkt gegen sie auswirkt. Diese Regulierung setzt sich in Konflikten durch, in massenhafter Vernichtung von Werten, in Krisen, Ruin und Arbeitslosigkeit.
Die Anarchie der kapitalistischen Produktion
Gleichzeitig zwingt es zur Weiterentwicklung der Produktivkräfte, zur Steigerung der Arbeitsproduktivität. Aber diese Weiterentwicklung ist anarchisch, geht auf Kosten vieler Warenproduzenten vor sich und führt zwangsläufig zu einer weitgehenden Differenzierung zwischen ihnen. Nicht die privaten Warenproduzenten beherrschen ihre eigenen gesellschaftlichen Verhältnisse, beherrschen die ökonomischen Gesetze, sondern sie werden von den Gesetzen beherrscht.
„Ihre eigne gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren.“ [12]
MONEY, MONEY oder „Der Tanz ums Goldene Kalb“
Diese spontane Regulierung der gesellschaftlichen Produktion privater, unabhängig voneinander arbeitender Produzenten durch das Wertgesetz ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Jahrtausende vergingen, bis sich aus dem einzelnen, zufälligen Austausch von Arbeitsprodukten die durch das Geld vermittelte Warenzirkulation entwickelte. Auch das Geld entstand und entwickelte sich erst mit der Entwicklung und allseitigen Entfaltung der Warenproduktion.
Wurde in der Bibel noch der Tanz um das Goldene Kalb als eine zu verdammende Entartung angeprangert, so ist heute das Geld der Gott aller Götter. Der Ausspruch „Das Geld regiert die Welt“ kennzeichnet einen Zustand, der der kapitalistischen Warenproduktion als der höchsten Form privater Warenproduktion entspricht.
Wo kann man das alles nachlesen?
Karl Marx: Das Kapital, Erster Band, Kapitel 1 bis 3.
Literaturnachweis
[1] Karl Marx: Das Kapital, Erster Band. In: Marx/Engels: Werke, Bd. 23, S. 49.
[2] ebd., S. 57.
[3] ebd., S. 50.
[4] ebd., S. 53.
[5] ebd., S. 57.
[6] ebd., S. 56ff.
[7] ebd., S. 53.
[8] ebd., S. 54.
[9] ebd.
[10] ebd.
[11] ebd., S. 117.
[12] ebd., S. 89.
Quelle:
Walter Schellenberg: „Grundkurs zum Kapital“. Dietz Verlag Berlin, 1972, S. 43-52.
(Formatiert u. Zwischenüberschriften eingefügt. N.G.)
Walter Schellenberg – Grundkurs zum Kapital
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Btw., Bauernproteste, verstehen die Franzosen mehr davon? Keineswegs! Frankreich ist ein Agrarland, da ist die Monopolbildung landwirtschaftlicher Unternehmen besonders ausgeprägt. Der Bauernverband Arvalis ist eng mit dem Staat verflochten, und blickt dabei auf eine lange Tradition der Kolonialisierung fremder Länder und der Unterdrückung sowie Ausbeutung der eigenen Bevölkerung zurück.
Im Klartext: Die Traktorkolonnen mit Ziel Paris sind keine Proteste sondern staatliche Propagandaaktionen deren Durchführung in Davos beschlossen wurde.
Warum ich das hier schreibe: Die Propaganda der BRD setzt genau diese Proteste zum richtigen Zeitpunkt in Szene. Wie mit ähnlichen „Berichterstattungen“ aus anderen Ländern (Weltspiegel) soll uns suggeriert werden, daß die Welt kompliziert ist und in fernen Ländern alles anders wäre. In Wirklichkeit jedoch sind die Produktionsverhältnisse überall dieselben. Sicher ringen kleine Bauern auch in Frankreich ums Überleben aber um die geht es gar nicht. Es geht nicht einmal ansatzweise um den Gedanken daß Menschen Bedürfnisse haben wie Essen, Trinken, Wohnen usw. nein. Es geht darum, uns unter Druck zu setzen und uns ins Gewissen zu reden daß wir mit unseren Kaufverhalten, Ess- und Trinkgewohnheiten die ganze Zukunft des Planeten Erde mitbestimmen.
Und nein, Deutschland hat unter solchen Bedingungen ganz sicher keine Zukunft. Egal ob wir Erdbeeren essen. MFG
Danke, E. Thomas! Das wußte ich nicht, aber wie hätten solche Massenaktionen auch stattfinden können, wenn da nicht potente Geldgeber dahinterstehen. Und dann noch diese Heuchelei, wenn dann noch ein selbst ziemlich weit rechts stehender Bk „gegen rechts demonstriert“ und die Proteste gegen die Ampel kurzerhand umetikettiert werden als Proteste gegen die AfD… Propaganda ist eben mehr als nur „Desinformation“, die die herrschende Klasse angeblich zu bekämpfen vorgibt
Auf den Punkt gebracht: Mehrwert ist der Wert der in ein Produkt hineingesteckten Arbeit (Karl Marx).
Vergleichen Sie mal diese Marx’sche Definition mit dem was die Staatspropaganda unter Mehrwert versteht. Allein der Begriff Mehrwertsteuer ist ein Ausdruck der beabsichtigten Verwirrung.
Schönes Wochenende.