Stefan Heymann: Ein Jahr schwerer Kämpfe

Briefmarke

Vorwärts zum Kommunismus…

So steht es heute in keinem Geschichtsbuch mehr! Der Autor beschreibt, was er selbst erlebt hat. Es ist die geschichtliche Wahrheit. Und bitte, liebe westliche Freunde, lest genau, was damals geschah – und was uns trennte. Wir haben später die DDR erlebt. Wir waren dabei, als in der DDR der SOZIALISMUS aufgebaut wurde. Wir hätten ihn auch gern behalten, denn er war gut für die Menschen. Er beförderte die Initiative des Einzelnen und das gedeihliche Zusammenleben aller. Ja man kann sagen: wir begannen schon, den Hauch der Zukunft zu spüren … bis sich herausstellte, daß sich unter dem Dach unserer sowjetischen Freunde auch deren Feinde verborgen gehalten hatten. Und so geschah, was nicht verhindert wurde: die Westmächte suchten und fanden ihre Komplizen auch in unseren Landen. Das hatten wir zu spät bemerkt. Vielleicht waren wir zu arglos. Denn damit begann die größte Katastrophe der Menschheit: der einstweilige Untergang des Sozialismus. Laßt uns daher für einen neuen Sozialismus streiten! 

Ein gefährlicher Angriff auf den Frieden

Zukünftige Geschichtsschreiber werden dem Jahre 1947 einmal eine große Bedeutung in der Entwicklung Deutschlands beimessen. Im vergangenen Jahre 1946 wurden auf beiden Seiten die Kräfte zum Kampf zwischen Reaktion und Fortschritt mobilisiert. Das Jahr begann bereits mit einer Maßnahme, die die größte Gefährdung des Frie­dens in der Welt bedeutet: Mit dem englisch-amerikanischen Abkommen über die Zusammenlegung der beiden Zonen im Westen Deutschlands. „Bizonesien“, das angeblich die wirtschaftliche Lage der deutschen Bevölkerung heben sollte, entwickelte sich sehr rasch zu einem politischen Machtinstrument in den Händen des amerikanischen Monopolkapitalismus.

Ein hinterhältiger Trick der westlichen Alliierten

Die SED erklärte vom ersten Tage an, daß dieses Abkommen den Grundlagen des Potsdamer Vertrages widerspreche, in dem ausdrücklich die wirtschaftliche und politische Einheit Deutschlands festgelegt worden war. Im Verlaufe des Jahres 1947 entwickelte sich die Bi-Zone zu einem eigenen Leben politischer und wirtschaftlicher Art. Im Westen Deutschlands wurde ein Bi-Zonen­-Parlament geschaffen mit einer Regierung, die angeblich nur wirtschaftliche Maßnahmen treffen kann, jedoch in ihren Beschlüssen über allen Länderregierungen stand. Die bizonesische Regierung war die undemokratischste Einrichtung, die es zu jener Zeit in Deutschland gab.

Wie Westdeutschland zur Kolonie gemacht wurde…

Die Zusammenlegung der beiden Zonen hat die Ernährung der Bevölkerung Westdeutschlands in keiner Weise verbessert. Während in der sowjetischen Zone 142 bzw. 166 kg Kartoffeln eingekellert werden können, beträgt die normale Einkellerung im Westen 50 kg, in den besten Fällen 100. Auch die andere Lebensmittelversorgung ist in keinem Falle besser geworden und kann nur mühsam durch Einfuhr aus Amerika aufrecht erhalten werden. Diese Einfuhr schädigt jedoch den Aufbau der deutschen Wirtschaft. Für 10 t Kohle erhalten wir 1 t Weizen aus Kanada. Würden wir aber 1 t Kohle für unsere Stickstoffabriken verwenden und genügend Stickstoff erzeugen, könnten wir damit die dreifache Ernte hervorbringen und brauchten kei­nerlei Einfuhr.

Politische Entmündigung

Auch in politischer Beziehung hat Bizonesien keine Besserung für die werktätige Bevölkerung gebracht. Nach wie vor ist die Sozialistische Einheitspartei in Westdeutschland verboten, nach wie vor werden alle Freunde der Einheit der Arbeiterklasse und der Einheit Deutschlands aufs schwerste verfolgt. Nach wie vor dürfen Zeitungen, Zeitschriften und Bücher aus der sowjetischen Zone nicht in die Bi-Zone gebracht werden. Wer Bücher aus dem Osten mitbringt, wird verhaftet, obwohl be­reits ein Beschluß der Moskauer Außenministerkonferenz vorliegt, daß Druckerei­erzeugnisse ungehindert ausgetauscht werden sollten.

Ein Tummelplatz für Nazis und andere Banditen

Bizonesien ist zum Tummelplatz der Monopolkapitalisten, der Großagrarier, der großen Bankiers und ihrer faschistischen Mörderbanden geworden. Unter der Schirm­herrschaft des englisch-amerikanischen Monopolkapitals entwickelt sich in Bizonesien eine „Demokratie westlicher Prägung“, d.h. eine staatliche Ordnung, in der die großen Monopolkapitalisten wiederum ihre Sklavenpeitsche auf dem Rücken der Ar­beiter und Bauern schwingen können. In Bizonesien kämpfen die fortschrittlichen Arbeiter, Bauern und Werktätigen mit all ihrer Kraft gegen diese Entwicklung.

Die brutale Macht der Ausbeuterklasse

Doch die Freunde der Einheit der Arbeiterklasse und Deutschlands wurden von Tag zu Tag stärker. Unzweifelhaft konnte der Wille zur Einheit nur noch mit den brutalsten Machtmitteln unterdrückt werden, und bei einer wirklich demokratischen Entwicklung im Westen hätten die Einheitsfreunde schon längst gesiegt.

Der Kampf um das Ruhrgebiet

Ein besonderes Kapitel des Kampfes in Westdeutschland war der Kampf um die Ruhr. Dieses industrielle Herz Deutschlands wurde schon seit dem Zusammenbruch des Faschismus von den großen Monopolkapitalisten jenseits des Ozeans mit begehrlichen Augen betrachtet, bis sie schließlich im Sommer 1947 zum entscheidenden Schlag ausholen konnten. Auf einer Konferenz in Washington, an der die Vereinigten Staa­ten, England und Frankreich teilnahmen, wurde beschlossen, das Ruhrgebiet mit seinen gewaltigen industriellen Anlagen praktisch dem amerikanischen Monopolkapi­talismus auszuliefern.

Die USA-Kapitalisten hatten gewonnen…

Das war ein schwerer Schlag gegen das englische Kapital, das gehofft hatte, sich am Ruhrgebiet gesundstoßen zu können. Ein Kohlenrat wurde geschaffen unter der Fuchtel der amerikanischen Monopolkapitalisten, die als ihren Vertreter einen ehemaligen Spionageagenten und Wehrwirtschaftsführer, Herrn Röhlen, eingesetzt haben. Dieser Beschluß der Washingtoner Konferenz war ein erneuter Schlag gegen die Einheit der demokratischen Mächte und gegen das Potsdamer Abkommen.

Verschärfte Ausbeutung im Ruhrgebiet

Die sowjetische Regierung hat deswegen mit vollem Recht gegen diesen einseitig gefaßten Beschluß schärfsten Protest erhoben. Die Leidtragenden waren die Ruhrbergarbeiter. Bereits jetzt wurden Anweisungen herausgegeben, die praktisch das Gewerkschaftsleben an der Ruhr zer­schlagen. Die Tätigkeit der Betriebsräte wurde zu einer Lächerlichkeit herabgewürdigt. Die Ausbeutung der Ruhrbergarbeiter nahm in den kommenden Wochen und Monaten ständig zu. Der Kampfwille der Ruhrbergarbeiter war jedoch ungebrochen. In großen Massenaktionen erklärten sie ihren entschlossenen Willen zum Widerstand gegen die arbeiterfeindlichen Machenschaften des amerikanischen Monopolkapitals. Der Klassenkampf der Ruhrbergarbeiter wurde zu einem Kampf für die Einheit Deutschlands, zu einem Kampf gegen alle Feinde des Friedens, zu einem Kampf gegen das faschistische Monopolkapital.

Wie kam es zu dieser Situation?

Die geschilderte Entwicklung in Deutschland kam als Ergebnis der Moskauer Außenministerkonferenz zustande, die am 10. März 1947 begann. Auf dieser Konferenz stand die Frage des Friedensvertrages mit Deutschland auf der Tagesordnung. Das ganze deutsche Volk sah mit Spannung, Erwartung und viel Hoffnung auf diese Konferenz. Doch zahlreiche Hoffnungen mußten zu Grabe getragen werden, denn die Konferenz brachte keine Einigung über das künftige Geschick Deutschlands und unseres Volkes. Es kam lediglich in einigen mehr oder weniger untergeordneten Fragen zu einer Vereinbarung zwischen den Außenministern.

Worüber einigten sich die Außenminister?

Die wichtigsten Punkte, auf die sich die Außenminister einigen konnten, waren die Heimkehr der Kriegsgefangenen bis Ende 1948 und die Durchführung der Bodenreforrn in ganz Deutschland. Alle anderen entscheidenden Fragen, die Frage der Wirtschaftseinheit Deutschlands, der Reparationen usw., wurden jedoch nicht gelöst. Die Monopolkapitalisten erwarteten, daß auf der Moskauer Konferenz ihr Standpunkt sich durchsetzen würde und daß sie ganz Deutschland unter ihre Fuchtel be­kommen könnten. Die sowjetische Regierung hat durch den Mund des Außenministers Molotow diese Versuche offen entlarvt und allen Anstrengungen der Monopolkapitalisten den entschlossensten Widerstand entgegengesetzt.

Die Sowjetunion forderte die Einheit Deutschlands

Außenminister Molotow hat mit Recht darauf hingewiesen, daß die friedliche und demokratische Entwicklung. Deutschlands nur gesichert ist, wenn die Wirtschafts­einheit Deutschlands hergestellt und alle wirtschaftlichen Grenzen zwischen den Zo­nen beseitigt werden. In seiner Rede am 18. März 1948 forderte Molotow die sofortige Einrichtung der auf der Potsdamer Konferenz vorgesehenen zentralen deut­schen Verwaltungen, eine Erhöhung der deutschen industriellen Erzeugung, eine Verbesserung des deutschen Außenhandels und, um die demokratische Entwicklung völlig zu sichern, eine Enteignung aller Konzerne, Kartelle und Trusts, jener wirtschaftlichen Machtfaktoren des deutschen Faschismus.

Die naiven und hilfswilligen Deutschen…

Die amerikanischen und englischen Monopolherren, die aufs engste mit den deutschen faschistischen Großkapitalisten verbunden waren, weigerten sich jedoch hartnäckig, diese Forderungen anzuerkennen. Sie konnten allerdings auch mit ihren Forderungen, nämlich die faschistischen Banditen wieder in ihre alten Positionen einzusetzen, keinen Erfolg erzielen. Dieser Angriff des englisch-amerikanischen Monopolkapitals wurde von der Sowjetunion in Moskau zurückgeschlagen. Doch leider haben große Teile des deutschen Volkes die Bedeutung dieses Kampfes nicht erkannt und darum wissentlich oder unwissentlich dem amerikanisch-englischen Monopolkapitalismus Hilfsdienste bei der Zerschlagung Deutschlands geleistet.

Marionetten der Großbourgeoisie

Das wurde besonders klar, als im Juni 1947 in München sich die Ministerpräsidenten aller deutschen Länder auf Einladung des bayerischen Ministerpräsidenten trafen. Diese Konferenz endete mit einem völligen Fiasko, weil die Ministerpräsidenten des Westens es strikt ablehnten, die Frage der deutschen Einheit auf die Tagesordnung zu setzen, und weil sie sich weigerten, die Ministerpräsidenten aus der sowjetischen Zone überhaupt zu Wort kommen zu lassen. Wie Marionetten tanzten diese Ministerpräsidenten nach den Befehlen ihrer großkapitalistischen Auftraggeber.

Schumacher – ein Lakai des USA-Kapitals

Eine besonders schmähliche Rolle spielte und spielt dabei Herr Dr. Schumacher, der als der wütendste Feind der deutschen Einheit sich entlarvt hat. Dr. Schumacher hat nicht nur das Angebot der CDU, zu einer gesamtdeutschen Besprechung zusammenzukommen, abgelehnt, er hat auch vor der Münchener Konferenz in Frankfurt den Mi­nisterpräsidenten der SPD die strenge Anweisung gegeben, auf keinen Fall die Ministerpräsidenten der Ostzone sprechen zu lassen und jedes Gespräch über die Einheit Deutschlands zu verhindern. Er ist derjenige, der alle Versuche, zu einer Verständigung im gesamtdeutschen Rahmen zu kommen, sprengte. Er betrieb damit die Geschäfte der englisch-amerikanischen Monopolkapitalisten, deren Befehle er sich auf einer Reise nach London und auf einem Flug nach Amerika eingeholt hat.

Der USA-Imperialismus hatte gewaltig profitiert

Der amerikanische Kapitalismus ist aus dem zweiten Weltkrieg gewaltig gestärkt hervorgegangen. Praktisch beherrscht heute das amerikanische Kapital die gesamte kapitalistische Welt. Die Handelsflotte Amerikas ist stärker als die Handelsflotten allen anderen kapitalistischen Staaten zusammen, Die Ausfuhr amerikanischer Waren ist von 7 auf 12 Milliarden Dollar gestiegen. Die amerikanische Industrie arbeitet seit Kriegsende auf Hochtouren. Dem gegenüber steht aber eine verarmte Welt, die über keine Dollars oder Goldreser­ven verfügt, um diesen amerikanischen Warenstrom aufnehmen zu können.

Erste Anzeichen einer Wirtschaftskrise

Die ersten bedenklichen Krisenzeichen zeigten sich aber schon im Jahre 1947, und es war nur eine Frage der Zeit, wann die amerikanische Wirtschaftskrise in ihrer vollen Wucht losbrechen würde. Darum die verzweifelten Versuche der USA-Kapitalisten, sich neue wirtschaftliche Reserven zu schaffen, um dieser Krise zu begegnen oder sie wenigstens abzuschwächen.

Der hinterhältige „Marshall-Plan“

Das ausgebombte und ausgepowerte Deutschland allein konnte ihnen dabei trotz der großen industriellen Reserven, die Deutschland noch hatte, nicht genügen. Aus dieser Lage entstand der sogenannte „Marshall-Plan“, der von dem amerikanischen Außenminister Marshall im Mai dieses Jahres verkündet wurde. Der „Marshall-Plan“ sah amerikanische Hilfe für die Länder vor, die aus eigenen Kräften nicht in der Lage waren, ihre Wirtschaft zu steigern. Das wäre zwar ganz schön gewesen, doch die amerikanischen Monopolkapitalisten stellen die Bedingung, daß diese Gelder nur dann gegeben werden, wenn die betreffenden Länder ihre Wirtschaft nach den Wünschen des amerikanischen Monopolkapitals aufbauen.

Unter US-amerikanischer Fuchtel

Alle Länder, die sich dem „Marshall-Plan“ einfügten, mußten ihre wirtschaftliche, und das bedeutet, auch ihre politische Selbständigkeit aufgeben und zu einem Trabanten des amerikanischen Monopolkapitals werden. Der „Marshall-Plan“, der von vielen mit größter Hoffnung begrüßt worden war, entschwand indessen in immer weitere Ferne. Die englische und die französische Regierung.versuch­ten, die Sowjetunion in dieses System der amerikanischen Vorherrschaft einzuspan­nen.

Molotow schafft Klarheit

Auf der Pariser Konferenz zerriß der sowjetische Außenminister Molotow dieses Gespinst und entlarvte das wahre Wesen des „Marshall-Plans“ vor den Werktätigen der ganzen Welt. In den nachfolgenden Konferenzen schlossen sich die europäischen Staa­ten unter Führung von England und Frankreich zusammen, um ein gemeinsames Bittgesuch an die Bankherren von New York zu überreichen. Nach dem Auftreten der Sowjetunion hielten sich jedoch zahlreiche europäische Staa­ten von diesem europäischen Block im Dienste der Morgan und Rockefeller fern, da sie die Gefährlichkeit des „Marshall­-Plans“ erkannt hatten. Man war hellhörig geworden, denn die imperialistischen Kriege der letzten Jahre waren noch allzu frisch in Erinnerung.

Offener und brutaler Massenmord

Die Versuche der Monopolkapitalisten, die alte Herrschaft wieder zu errichten, mußte daher auf anderen Wegen versucht werden. Zwar verschmähen Kriegstreiber dabei auch nicht die Methode des Massenmordes – Griechenland und Indoesien sind treffende Beispiele dafür. Die faschistische Regierung Griechenlands führte mit Hilfe englischer und amerikanischer Offiziere einen ständigen Kampf gegen die griechischen Freiheits­helden, und die holländischen Kolonialkapitalisten überfielen heimtückisch die indonesische demokratische Republik.

Machtlosigkeit der UNO

Die UNO, jene Organisation, die den Frieden der Welt garantieren sollte, hat sich im Jahre 1947, als unfähig erwiesen, den Kriegsbrand in Indonesien und Griechenland auszulöschen. Zwar beschloß die UNO, daß die Holländer ihre Angriffe gegen Indo­nesien einstellen müßten, aber, gestützt auf die Hilfe der englischen und amerikani­sehen Monopolkapitalisten, haben die holländischen Generäle ihren Krieg gegen die indonesische Freiheitsbewegung dennoch fortgesetzt.

Wieder einmal entlarvt die UdSSR die Kriegstreiber…

So fand im September 1947 die große UNO-Tagung in einer zugespitzten und entscheidungsvollen Situation statt. Das große Ereignis dieser Tagung war die Rede des Vertreters der Sowjetunion Wyschinski, der den Kriegstreibern die Maske vom Gesicht riß. Er zeigte auf, mit welchen Methoden und Mitteln heute schon wieder zum Kriege gerüstet wird und ent­larvte unbarmherzig die Schuld der englisch-amerikanischen Reaktion bei diesen ver­brecherischen Machenschaften. Wyschinski verurteilte die Handlungen der amerika­nischen Monopolkapitalisten aufs Schärfste und bezeichnete sie als bewußte Zerschlagung und Zerrüttung der Zu­sammenarbeit zwischen den friedliebenden Völkern der Welt. Er erklärte, daß die amerikanische Regierung ohne Rücksicht auf die Beschlüsse der UNO selbständig gegen die Interessen der Vereinten Nationen gehandelt hätte.

Warnung vor der imperialistischen Propaganda

Einen besonderen Teil der Rede widmete Wyschinskij dem Kampf gegen die verbrecherische Kriegspropaganda, die besonders von seiten der USA ganz offen betrieben wurde. Er forderte eine Verurtei­lung dieser verbrecherischen Propaganda für einen neuen Krieg und eine Bestrafung aller jener Schmierfinken, die solche Kriegspropaganda treiben. Wyschinski erklärte offen, daß die Duldung oder Unterstützung der Kriegspropaganda eine Verlegung der von den Nationen übernommenen Pflichten sei. Schließlich forderte er die Durchfüh­rung einer Rüstungsbeschränkung und die Zerstörung aller Atomwaffen.

Offene Feindseligkeiten der Kriegsbefürworter

Auf diese scharfe Anklage Wyschinskis antworteten die getroffenen Hunde mit wütendem Geheul. Aber die Rede Wyschinskis wirkte wie ein reinigendes Gewitter. Sie zeigte aller Welt, wie die Kräfte verteilt sind: auf der einen Seite die Kräfte des Fortschritts unter Führung der Sowjetunion, auf der anderen Seite die Kräfte der Kriegstreiber unter Führung des amerikanischen Monopolkapitals. ln diesem heftigen Ringen, das die ganze Welt erschütterte, und dessen Ausgang für die kommenden Jahre entscheidend sein würde, war das deutsche Volk nur mittelbar beteiligt. Deutschland war zum Objekt der Politik der Großmächte geworden. Trotzdem durfte die Stimme des deutschen Volkes in diesem Ringen nicht ungehört bleiben.

Auf dem Weg in eine friedliche Zukunft…

Der Einfluß friedliebender Kräfte ist immer dann um so stärker, je einiger und geschlossener ein Volk seinen Willen zur Einheit und zu einer demokratischen Entwicklung dokumentiert. Deshalb hatte auch der 2. Parteitag der SED, der vom 20. bis 24. September 1948 in Berlin stattfand, eine solch außerordentliche Bedeutung für die künftige Entwicklung Deutschlands. Dieser Parteitag zeigte, daß es in Deutschland eine Partei gibt, die kompromißlos und entschlossen den Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse und die Einheit Deutschlands führte. Und das gelang.

Die Kraft der Arbeiterklasse und ihrer Partei

Alle Wunschträume und Hoffnungen der reaktionären Kreise in Deutschland, daß die SED von denselben Krisen geschüttelt werde, wie es bei den bürgerlichen Parteien und der SPD der Fall war, haben sich im Nichts aufgelöst. Schon allein diese Tatsache zeigte, daß wir – gestützt auf die gewaltige Kraft einer Zwei-Millionen-Partei – mit aller Zuversicht in die Zukunft blicken konnten. Darüber hinaus brachte der 2. Parteitag der SED zum ersten Male seit dem Zusammenbruch der deutschen Arbeiterbewegung ein Bekenntnis zur internationalen Solidarität von solcher Kraft, wie es uns zwei Jahre nach dem entsetzlichsten Krieg kaum möglich erschien.

Internationale Zustimmung

Mit Ausnahme von Dänemark und Finnland waren die Sozialisten aller europäischen Länder entweder durch Delegierte oder durch Begrüßungsschreiben mit die­sem Parteitag verbunden. Wir wußten seit dem 2. Parteitag der SED, daß die demo­kratischen Kräfte in Deutschland nicht mehr allein stehen würde, sondern daß sie auf die aktive Unterstützung aller demokratischen Kräfte, insbesondere aller werktätigen So­zialisten in Europa rechnen konnten. Dabei war die Anwesenheit von zwei Vertretern der Kommunistischen Partei der Sowjetunion von größter Bedeutung. Von besonderer Wichtigkeit erscheint uns noch die Solidaritätserklärung der polnischen Sozialdemokraten und der polnischen Arbeiterpartei, weil hier zum ersten Male ein Lichtblick zu erkennen war, der eine friedliche Zusammenarbeit beider Völker vorbereitete.

Zum Schluß:

Es ist unmöglich, in einem kurzen Überblick alle Ereignisse eines Jahres zu registrie­ren. Wir haben uns auf die wichtigsten Fragen, die das Jahr 1947 kennzeichnen, be­schränkt. Der Artikel mußte in einer Zeit geschrieben werden, in der die Londoner Konferenz, die Ende November 1947 zusammentreten würde, noch nicht ihre Tagung eröffnet hatte. Wir wußten damals noch nicht, was die Londoner Konferenz für das deutsche Volk und für die Welt bringen würde. Aber wir waren und dessen gewiß, daß ihr Ergebnis für unsere demokra­tische Entwicklung, für die Einheit Deutschlands um so günstiger sein würde, je stär­ker der Wille der demokratischen Kräfte in allen Ländern sich kundtut.

Erkennen wir aus der Geschichte dieser Jahre, daß uns nichts geschenkt wird und daß uns nichts in den Schoß fällt. Gewinnen wir daraus die Kraft zu neuer Arbeit und zum Kampf! Gewinnen wir daraus auch die Zuversicht, daß es uns, geeint und ent­schlossen, gestützt auf die internationale Solidarität aller wahren Friedensfreunde, gelingen wird, ein neues Verderben von unserem Volke und der Welt abzuhalten und den Frieden auf der Welt endgültig zu sichern.

Quelle: Thüringer Volkskalender 1948, Veröffentlicht unter der Lizenz Nr. 220 der sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland. S.28-34. (bearbeitet, N.G.)

Dieser Beitrag wurde unter Für den Frieden, Geschichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Stefan Heymann: Ein Jahr schwerer Kämpfe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s