Lenin: Wie man eine Revolution beginnt

image_lenin Angesichts des sich epidemieartig ausbreitenden US-amerikanisch-zionistischen Imperialismus ist eine Revolution eine überaus notwendige Sache. Eine Form des Klassenkampfes. Was ist nun eine Revolution? Eine Revolution ist die Ablösung einer überlebten Gesellschaftsordnung und der Aufbau einer neuen, höheren Ordnung. Keinesfalls jedoch das, was man heute gemeinhin mit „orangener Revolution“, mit „Volksaufstand“, mit Prager oder sonstwie „Frühling“ bezeichnet. Das waren oder sind alles Konterrevolutionen – auch „regime change“ genannt. Darüber, wie man  eine Revolution beginnen sollte, hat sich W.I. Lenin bereits 1917 Gedanken gemacht. Er erinnerte dabei an die Forderungen der Pariser Kommune, warnte aber zugleich vor jeglichen Abenteuern. Lenin schrieb:

Die Grundfrage jeder Revolution ist die Frage der Macht im Staate. Ohne Klärung dieser Frage kann von keiner wie immer gearteten bewußten Teilnahme an der Revolution die Rede sein, von einer Führung derselben ganz zu schweigen. … Über diese Tatsache muß man sich vor allem klarwerden, bevor man sie nicht begriffen hat, kann man nicht vorwärtsschreiten. So muß man z.B. die alten „Formeln“ des Bolschewismus zu ergänzen und zu korrigieren verstehen, da sie zwar, wie sich gezeigt hat, im allgemeinen richtig waren, ihre konkrete Anwendung sich aber anders gestaltete.

Der Typus der Pariser Kommune

Die Grundmerkmale dieses Typus sind:

  1.  Quelle der Macht ist nicht das vorher vom Parlament beratene und beschlossene Gesetz, sondern die direkte, von unten kommende Initiative der Volksmassen im Lande, die direkte „Machtergreifung“, um diesen landläufigen Ausdruck zu gebrauchen;
  2. Ersetzung von Polizei und Armee, als vom Volke getrennte und dem Volke entgegengestellte Institutionen, durch die direkte Bewaffnung des gesamten Volkes; die Staatsordnung wird bei einer solchen Macht von den bewaffneten Arbeitern und Bauern selbst, vom bewaffneten Volke selbst geschützt;
  3. ebenso wird die Beamtenschaft, die Bürokratie, entweder durch die unmittelbare Herrschaft des Volkes selbst ersetzt oder zumindest unter besondere Kontrolle gestellt; die Beamten verwandeln sich in nicht nur wählbare, Sondern auch auf die erste Forderung des Volkes hin absetzbare Personen, ihre Rolle wird auf die von einfachen Bevollmächtigten reduziert: aus einer privilegierten Schicht mit hoher, bourgeoiser Bezahlung ihrer „Pöstchen“ verwandeln sie sich in Arbeiter einer besonderen „Waffengattung“, deren Entlohnung nicht höher ist als der übliche Lohn eines qualifizierten Arbeiters.

Darin und nur darin besteht das Wesen der Pariser Kommune als eines besonderen Staatstypus. Dieses Wesen haben die Herren Plechanow (die offenen Chauvinisten, die den Marxismus verraten haben), die Herren Kautsky (die Leute des „Zentrismus“ , d.h. die zwischen Chauvinismus und Marxismus Schwankenden) und überhaupt alle gegenwärtig herrschenden Sozialdemokraten, Sozialrevolutionäre usw. vergessen bzw. entstellt.

Soll man Arbeiter- und Soldatenräte bilden?

Man sucht mit Phrasen loszukommen, hüllt sich in Schweigen, macht Ausflüchte, beglückwünscht einander tausendmal zur Revolution und sträubt sich, darüber nachzudenken, was denn die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten sind. Man will die offensichtliche Wahrheit nicht sehen, daß, inwieweit diese Sowjets bestehen, inwieweit sie eine Staatsmacht sind, insoweit in Rußland ein Staat vom Typus der Pariser Kommune besteht. Ich betonte: „inwieweit“. Denn sie sind erst die Keime einer Staatsmacht. … Der Grund ist das mangelnde Klassenbewußtsein und die ungenügende Organisiertheit der Proletarier und Bauern. … Einen höheren, besseren Typus der Regierung als die Sowjets der Arbeiter-, Landarbeiter-, Bauern- und Soldatendeputierten hat die Menschheit nicht hervorgebracht und kennen wir bisher nicht.

Warum erst die Mehrheit gewinnen?

Um eine Staatsmacht zu werden, müssen die klassenbewußten Arbeiter die Mehrheit für sich gewinnen: solange den Massen gegenüber keine Gewalt angewendet wird, gibt es keinen anderen Weg zur Macht. Wir sind keine Blanquisten, keine Anhänger der Machtergreifung durch eine Minderheit. Wir sind Marxisten, Anhänger des proletarischen Klassenkampfes gegen den kleinbürgerlichen Taumel, gegen den Chauvinismus und die Vaterlandsverteidigung, gegen die. Phrase, gegen die Abhängigkeit von der Bourgeoisie.

Welche Rolle spielen die Kommunisten?

Schaffen wir eine proletarische kommunistische Partei; Elemente einer solchen Partei haben die besten Anhänger des Bolschewismus bereits geschaffen; schließen wir uns zur proletarischen Klassen­arbeit zusammen, und von den Proletariern, den armen Bauern wird sich eine größere und immer größere Zahl auf unsere Seite stellen. Denn das Leben wird die kleinbürgerlichen Illusionen der „Sozialdemokraten“, der Tschcheidse, Zereteli, Steklow usw., der „Sozialrevolutionäre“, der Kleinbürger noch „reineren“ Wassers usw. usf. mit jedem Tage mehr zerschlagen.

Wie kann man die Mehrheit gewinnen?

Die Bourgeoisie ist für die Alleinherrschaft der Bourgeoisie. Die klassenbewußten Arbeiter sind für die Alleinherrschaft der Sowjets der Arbeiter-, Landarbeiter-, Bauern- und Soldatendeputierten, für die Alleinherrschaft, die vorbereitet wird durch die Klärung des proletarischen Klassenbewußtseins, durch seine Befreiung vom Einfluß der Bourgeoisie, nicht aber durch Abenteuer. Das Kleinbürgertum – die „Sozialdemokraten“, die Sozialrevolutionäre usw. usf. – schwankt und behindert diese Klärung, diese Befreiung. Das ist das tatsächliche, klassenmäßige Kräfteverhältnis, das unsere Aufgaben bestimmt.

aus: „Prawda“ Nr. 28, 22. (9.) April 1917.

Quelle: Lenin, Werke, Band 24, Seite 20 – 23

(Der Originaltext wurde hier gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen.)

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Eine Antwort zu Lenin: Wie man eine Revolution beginnt

  1. giskoe schreibt:

    Danke für diesen (und die anderen Auszüge) aus den Klassikern des ML, die ich gerne bei dir lese.
    Zum „Glück“ leben wir in der BRD😦
    https://giskoesgedanken.wordpress.com/2016/07/12/60-jahre-kpd-verbot-weg-damit/

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