Warum der Sozialismus siegen wird…

Als im Jahre 1917 die Große Sozialistische Oktoberrevolution gesiegt hatte, war nicht nur in Rußland vielen Menschen klar geworden, daß sich hier eine reale Chance aufgetan hatte, die alten, überlebten und unmenschlichen Bedingungen der Ausbeutergesellschaft hinter sich zu lassen. Viele Millionen Menschen schlossen sich im Laufe der Jahrzehnte dieser Bewegung an: Begeisterte, Zögerer, Zweifelnde, Nachdenkliche, Suchende, Überzeugte, Ehrgeizige und Bequeme, Junge und Alte, aber auch Karrieristen. Doch immer wieder: Begeisterte. Die bisher Schwankenden fanden einen Halt, und die Kommunisten hatten eine herausfordernde Aufgabe: den Aufbau des Sozialismus. Es gab Zeiten des Glücks und Zeiten der Sorge. Es gab wundervolle, erfolgreiche Aufbaujahre und die schmerzlichen Erfahrungen des Großen Vaterländischen Krieges. Und immer gab es starke, mutige und unbeugsame Menschen, die auch in schweren Zeiten vorweggingen und die Initiative ergriffen. Die kommunistische Partei war ihnen ein Ratgeber und bot ihnen Rückenhalt. Und sie führte die Arbeiterklasse im Kampf um eine gerechte Gesellschaft und gegen die Kräfte der Reaktion, gegen die Reste der Ausbeuterklasse, im Kampf gegen Provokation und Sabotage, im Kampf um den richtigen Weg, den Weg zum Kommunismus. Doch woher nahmen alle diese Menschen ihre Motivation?

Magnitogorsk – ein sowjetisches Jahrhundertprojekt

Es hat schon viele solcher »Völkerwanderungen« gegeben. Vom Goldrausch Besessene zogen nach Kalifornien oder Alaska, der Diamantenrausch trieb Menschen aus allen Erdteilen nach Südafrika. Die Arbeiter, die in der Sowjetunion ihre alten Arbeitsplätze und oftmals auch ihre Familien verließen, taten es, obwohl sie wußten, daß hier im Ural, an der Grenze zwischen Europa und Asien, kein Gold und keine Reichtümer, sondern nur Entbehrungen und Arbeit auf sie warteten. Sie kamen, weil sie beteiligt sein wollten an diesem Werk, und weit sie begriffen hatten oder ahnten, daß sie hier über das Wachstum ihres gesellschaftlichen Reichtums, über den Fortgang der Geschichte ihres Landes und über ihre eigene Zukunft entschieden.

Sowjetarbeiter

Aus allen Teilen der Sowjetunion kamen sie angereist: Bauleute, Arbeiter, Bauern, Viehzüchter, Handwerker, Studenten…

Der Aufbau von Magnitogorsk kostete Milliardenbeträge. Und Magnitogorsk war nur einer von mehreren Industrie-Giganten, die in der Zeit des ersten Fünfjahrplans entstanden. Ein paar hundert Kilometer weiter nördlich, in Tscheljabinsk und Swerdlowsk hatte der Bau großer Landmaschinen- und Werkzeugmaschinen-Fabriken begonnen. Das Wasserkraftwerk bei Dnjepropetrowsk kostete riesige Summen, Im Kusnezk-Becken wurde der Kohlenbergbau enorm vergrößert. Die 1.400 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Turkestan nach Sibirien, die berühmte Turksib, war im Bau, Während des ersten Fünfjahrplans – also von 1928 bis 1932 flossen 64,9 Milliarden Rubel in die Volkswirtschaft, davon 23,3 Milliarden in die Schwerindustrie.

Woher sollten diese Milliarden kommen, wer sollte sie aufbringen? Wo waren die Quellen der Akkumulation, wie der Fachausdruck lautet?

Bürgerliche Wirtschaftler und Journalisten bewiesen »wissenschaftlich« in Hunderten von Aufsätzen und in ebenso vielen Büchern, daß der Fünfjahrplan des Sowjetlandes gänzlich unreal sei, eigentlich ein Betrug. Die für den Aufbau der Schwerindustrie vorgesehenen 23,3 Milliarden Rubel gäbe es überhaupt nicht, und der finanzielle und damit auch der politische Ruin der Bolschewiki seien unausbleiblich. Diese »Fachleute« gingen bei ihren Prophezeiungen von den Erfahrungen ihrer eigenen Länder aus. Sie wußten, daß alle kapitalistischen Staaten beim Aufbau ihrer Schwerindustrie auf Einkünfte zurückgegriffen hatten, die nicht aus dem eigenen Lande stammten, sondern auf die verschiedenste Weise aus der Ausplünderung fremder Länder herrührten. So waren die aus den Kolonien ins »Mutterland« fließenden Reichtümer eine Hauptquelle für die Investition gewesen. Die Propheten des baldigen Bankrotts des Sowjetlandes wußten, daß die Sowjetmenschen keine solchen Einkünfte hatten. Und diese bürgerlichen Experten waren außerstande, die völlig anders gearteten Einnahmequellen zu begreifen, über die ein sozialistischer Staat verfügt.

Erstens: In der Sowjetunion gibt es kein kapitalistisches Profitstreben. Die in- und ausländischen Kapitalisten hatten in der Zarenzeit alljährlich Milliardenbeträge an Profiten (Zinsen und Dividenden) kassiert; die jährlichen Einkünfte allein des Zaren betrugen einige Dutzend Millionen Rubel; die russischen Großgrundbesitzer hatten rund eine halbe Milliarde Rubel, die ihnen die Bauern als Pacht bezahlen mußten, nicht in die Volkswirtschaft gesteckt, sondern im In- und Ausland verpraßt. Jetzt verfügte der sozialistische Staat über all diese Profite: Zinsen, Dividenden, Pachteinnahmen, Renditen in Höhe von mehreren Milliarden Rubel. Er investierte sie in den Aufbau der Schwerindustrie. Auf diese Weise wurde ein großer Teil der Milliarden für den Aufbau der sowjetischen Schwerindustrie aufgebracht. All das konnte und kann kein kapitalistischer Staat tun.

Zweitens: In der Sowjetunion gibt es keine kapitalistische Wirtschaftsanarchie. Alle Finanzmittel des Sowjetstaates, aus welcher Quelle sie auch herrührten, konnten im höchsten Maße zweckmäßig und nutzbringend verwendet werden, weil der sozialistische Staat – und nur der sozialistische Staat – zentral planen kann. Er allein kann im Gesamtinteresse aller Werktätigen und ohne Rücksicht auf Profitinteressen einzelner Unternehmer oder Unternehmergruppen den Aufbau der Industrie planen und leiten. Er allein kann die Entwicklung der einzelnen Zweige der Volkswirtschaft ins richtige Verhältnis setzen, kann Schwerpunkte beim Aufbau der Industrie festlegen, Disproportionen korrigieren, und die gesamte Investitionstätigkeit so vornehmen, wie es dem Stande der Produktivkräfte und den ökonomischen Möglichkeiten entspricht. Und der sozialistische Staat kann auf das Tempo der Entwicklung Einfluß nehmen, die Standortverteilung der Industrie im Maßstab des gesamten Landes und der gesamten Volkswirtschaft planen. Auf diese Weise kann er Milliarden ersparen, die im Kapitalismus sinnlos vertan werden. Alles das kann kein kapitalistischer Staat.

Drittens: Die Sowjetgesellschaft kennt keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Deshalb verfügte sie über eine Kraft, über die kein kapitalistischer Staat verfügt: über die Unterstützung und die Initiative seiner Bürger – der Arbeiter, Bauern und der Angehörigen der Intelligenz.

Fundament
Das war die Baustelle für das Fundament des ersten Hochofens. Keine einzige Maschine gab es dort – ein Bild, wie es in keinem kapitalistischen Industriestaat seinerzeit mehr zu sehen war.

Der Aufbau kann beginnen

Und dann kam die technische Ausrüstung. Sie kam vornehmlich aus den USA und auch aus Deutschland. Jedes Rohr, jede Maschine mußte in Dollars bezahlt werden. Kein kapitalistischer Staat schenkte den »Kommunisten« auch nur eine Schraube.

Die Möglichkeit zum Aufbau einer Schwerindustrie aus eigner Kraft erwuchs aus der Begeisterung der Arbeiterklasse, die von ihrer Partei mit einer beispielhaften Nüchternheit über ökonomische Gesetzmäßigkeiten, geschichtliche Tatsachen und politische Notwendigkeiten aufgeklärt und – zum Denken erzogen wurde. So lernten die Arbeiter, überzeugt von der Richtigkeit des Weges, den die Partei mit ihnen beraten und festgelegt hatte, aus eigenem Antrieb zu handeln. So vollbrachten sie wahrhaft heroische Arbeitstaten, die alles je Vollbrachte in den Schatten stellten. Es war so, wie Friedrich Engels es vorausgesagt hatte: Die Menschen begannen, ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst zu machen. So vollzog sich der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.

Die Sowjetmenschen waren frei, Großes zu tun. Sie waren bereit, auf einiges zu verzichten, um sich ihre errungene Freiheit zu erhalten. Sie verzichteten auf vieles, was damals den arbeitenden Menschen in vielen hochindustrialisierten Staaten schon erreichbar war – auf die Uhr, das Motorrad, den »guten Anzug«, die »gute Stube« oder auch nur auf die reiche Auswahl beim Einkauf. Vieles war knapp. Aber da es für alle weitaus mehr gab als zur Zeit der Bettelarmut unter dem Zaren, waren die Erfolge ihres neuen Lebens offenkundig. Es war besser geworden, und die schönere Zukunft wuchs unter ihren Händen.

Baustelle Hochofen

Auch aus der Einsicht in die Notwendigkeit des Verzichts wuchsen Kräfte, mit denen kein kapitalistischer Volkswirt rechnen kann. Jeder Arbeiter – ob er am Bau des Wasserkraftwerkes von Dnjeprostroi beschäftigt war, im Amo-Autowerk Motoren montierte oder in der Gießgrube an einem Martin-Ofen stand – wußte, welche Wahl das Sowjetland hatte; entweder die Millionen und Milliarden, die man an den in- und ausländischen Kapitalisten und an den verjagten Gutsbesitzern sparte, in Gebrauchsgüter umzumünzen, oder mit diesen Milliarden die Schwerindustrie aufzubauen, das Herzstück eines freien, unabhängigen und reichen sozialistischen Sowjetlandes.

Einen dritten Weg gab es nicht.

Und jeder Arbeiter konnte den ausländischen Besuchern, die ihn vielleicht nach dem Inhalt seines Kleiderschranks oder der Anzahl seiner Stiefel fragten, einiges zu diesem Problem sagen: Für uns sowjetische Arbeiter schuften keine Afrikaner oder Inder oder Chinesen oder Malaien in irgendwelchen Kolonien, Wir pressen kein »zusätzliches Kapital«, keinen einzigen Rubel aus anderen Menschen, aus anderen Völkern heraus, wie das die kapitalistischen Staaten über Jahrhunderte hinweg für die Stärkung der eigenen Industrie getan haben. Unser proletarischer Staat hat auch keinen Raubkrieg gegen ein anderes Land geführt und wird auch nie einen führen, und deswegen werden wir auch nie über Kontributionen verfügen.
Baustelle Anfang
Auch haben wir nicht die Möglichkeit, uns im Ausland Geld zu leihen. Denn die kapitalistischen Staaten, mit denen wir verhandelten, stellten knechtende Bedingungen. Wir haben aber nicht darum den Zaren gestürzt und die Kapitalisten davongejagt, haben nicht drei Jahre einen Bürgerkrieg geführt, um dann auf dem Wege über Anleihen oder Konzessionen zu knechtenden Bedingungen die Herren Urquhart, Hoover oder Deterding wieder bei uns schalten und walten zu lassen. Aus der einzig realen Freiheit, aus der »Einsicht in die Notwendigkeit« (Marx) verzichteten sie auf alles Entbehrliche.

Quelle:
Annelie u. Andrew Thorndike, Das Russische Wunder, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1962, S.168-185.


Nachbemerkung: Sozialistische Produktionsverhältnisse, eine wissenschaftliche Weltanschauung (der Marxismus-Leninismus), die Macht der Arbeiterklasse, ihre Führung durch die kommunistische Partei und schließlich die Begeisterung der sowjetischen Menschen beim Aufbau ihres Landes – das waren die Gründe für die gewaltigen Erfolge der Sowjetunion, dem ersten Land dieser Erde, in dem der Sozialismus gesiegt hatte. Immerhin entwickelte sich dieses Riesenland in einem Zeitraum von nur 20 Jahren aus einem rückständigen Agrargebiet zu einem der fortgeschrittlichsten Länder der Welt. Das Beispiel allein beweist, warum der Sozialismus nach seiner vorläufigen Niederlage auch wieder siegreich sein wird!

Siehe auch:
Das Russische Wunder (+ Film)
Die UdSSR auf dem Weg zum Sozialismus
Der Sieg der Sowjetunion im Mai 1945

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6 Antworten zu Warum der Sozialismus siegen wird…

  1. Vorfinder schreibt:

    Genosse Stalin wurde 1922 zum Generalsekretär gewählt. Mit ihm an der Spitze der sozialistischen Sowjetunion wurde der volkswirtschaftliche Aufbau in eine Höhe geführt, die die Reaktion erst nicht für möglich hielt und schließlich auf den Tod, auf den Tod des Imperialismus, fürchtete. Mit Projekten wie Magnitogorsk zeigte die Sowjetunion das der Sozialismus die überlegene Wirtschaftskraft hat. Die Abschaffung der Ausbeutung der Menschen im Sozialismus schaffte eine Einheit zum Volk und damit eine Entfaltung von Kräften , die die Imperialisten mit ihrer Ausbeutung und Unterdrückung auf Dauer, im Wettbewerb der Systeme, nicht würde mithalten lassen. Die Potenzen des Sozialismus erkannten die imperialistischen Gegner durchaus. Sie mußten handeln. Den Sozialismus in der Sowjetunion zu stürzen gelang damals nicht. So erklärt sich auch von dieser Seite, weshalb der Plan geschmiedet wurde Genosse Stalin zu ermorden …

  2. sascha313 schreibt:

    Es erscheint heute eigenartig und anrührend, wenn man bedenkt, daß aus dieser bitteren Zeit der Armut und des Zorns gegen die überwundene zaristische Ausbeutung eine solche Kraft, ein solcher Heldenmut entsprang. Jeder einzelne wollte mit dabei sein, wollte mithelfen, wollte seinen Beitrag leisten zum Aufbau einer neuen sozialistischen Gesellschaft. Sie alle wußten, daß es ein Zurück nicht mehr geben darf. Sie wußten, daß niemand ihnen dabei helfen würde. Und sie wußten, daß dies allein die Zukunft ist. Eine gleiche, unüberwindliche Kraft gab es auch wieder, als Nazideutschland die Sowjetunion überfiel. Stalin war sich dessen bewußt. Und darin besteht auch seine Genialität!

    Das „Russische Wunder“ ist der Beweis für die Macht der Arbeiterklasse, der sich dann auch andere Klassen und Schichten anschlossen. Das ist der millionenfache Beweis für die Richtigkeit der marxistisch-leninistischen Weltanschauung. Und nur das ist der Ausweg aus dem heutigen ökonomischen und geistigen Dilemma, aus der Verkommenheit unserer heutigen Gesellschaft mit ihrer bürgerlichen Scheinheiligkeit.

  3. monopoli schreibt:

    Hat dies auf monopoli rebloggt.

  4. Pingback: Die junge Sowjetmacht und ihre Feinde | Sascha's Welt

  5. Pingback: Das Russische Wunder | Sascha's Welt

  6. Pingback: Erich Hanke: Die Schwierigkeiten der Sowjetunion | Sascha's Welt

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