Zur Geschichte Armeniens

Jerewan2.pngArmenien hat eine sehr bewegte Geschichte, die geprägt ist von zahlreichen Kriegen und blutigen Auseinandersetzungen. Erst nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und mit der Errichtung der Sowjetmacht unter Lenin und Stalin änderte sich das Leben des armenischen Volkes. Endlich konnte sich diese geschundene Nation frei entwickeln…

Armenien von den Anfängen bis zum Jahr 1990

Das Volk der Armenier bildete sich in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v.u.Z. heraus. Die ökonomische und politische Konsolidierung des armenischen Volkes wurde jedoch durch die ständigen Einfälle von Römern, Persern, Arabern, Mongolen, Türken u.a. unterbrochen. Sein Kampf gegen die fremden Eroberer wurde zu einem nationalen Befreiungskrieg, der die Vertreibung der fremdländischen Unterdrücker und die Wiederherstellung der armenischen Staatlichkeit zum Ziel hatte. Vom 16. bis zum 18.Jh. war Armenten Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und dem Iran. Die Bevölkerung wurde massenweise ausgerottet, das Land 1639 geteilt. Im Jahre 1828 (nach dem russisch-iranischen Vertrag von Turkmantschai) kam Ostarmenien zu Rußland.

Beginn der kapitalistischen Entwicklung

Die 1870 in Armenien durchgeführte Bauernreform förderte zwar die Entwicklung kapitalistischer Verhältnisse, befreite die Bauern jedoch im Grunde genommen nicht vom feudalen Joch. Seit der 2. Hälfte des 19. Jh. beschritt Ostarmenien den Weg der kapitalistischen Entwicklung. Die armenische Nation bildete sich heraus.

Der türkische Völkermord während des 1. Weltkriegs

1899 wurde von S. Schaumjan der erste marxistische Zirkel gegründet. 1902 entstand der „Bund der armenischen Sozialdemokraten“, der sich zum Bestandteil der SDAPR erklärte. Die Werktätigen Armeniens beteiligten sich aktiv an der russischen revolutionären Bewegung und an der Revolution von 1905/07. Während des 1. Weltkrieges ermordeten die Türken in Westarmenien über eine Million Armenier, über 600.000 wurden in die Wüsten Mesopotamiens getrieben. Ein Teil der Armenier floh in die Länder Europas und Amerikas, 300.000 fanden in Rußland Zuflucht.(⇒ Der türkische Völkermord 1915)

Der lange Weg zur Befreiung…

Die Februarrevolution von 1917 änderte die Lage des armenischen Volkes nicht. Das von der bürgerlichen Provisorischen Regierung Rußlands zur Verwaltung Transkaukasiens geschaffene Transkaukasische Sonderkomitee betrieb eine Politik, die auf die Fortsetzung des imperialistischen Krieges und die Schürung nationalen Haders gerichtet war.

Der Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution legte den Grundstein für die nationale und soziale Befreiung des armenischen Volkes. Schon am 29.Dezember 1917 (11.Januar 1918) beschloß der Rat der Volkskommis­sare auf Initiative W.I. Lenins das Dekret über Türkisch-Armenien, das die völlige Befreiung des armenischen Volkes vorsah. Die veränderte internationale Lage verhinderte jedoch, es in die Tat umzusetzen. Bereits am 15. November 1917 rissen die konterrevolutionären bürgerlich-nationalistischen Parteien, die das sog. Transkaukasische Kommissariat geschaffen hatte, in Transkaukasien widerrechtlich die Macht an sich.

Imperialistische Okkupation

Ende Mai 1918 wurden die bürgerlichen Republiken Grusinien, Aserbaidshan und Armenien gegründet. Die bürgerlich-nationalistische Partei „Daschnakzutjun“ riß die Macht in Armenien an sich. Im Juni schloß die Türkei, deren Truppen unter Verletzung des Friedens von Brest-Litowsk einen großen Teil Transkaukasiens besetzt hielten, einen separaten Frieden mit den Regierungen der „unabhängigen Republiken“. Das Territorium Armeniens wurde dadurch auf 2 Kreise beschränkt, das übrige Gebiet annektierte die Türkei. Nach der Niederwerfung des deutschen Blocks (November 1918) okkupierten die anglo-amerikanischen Imperialisten auch Armenien.

Die Politik der Daschnaken und Imperialisten stürzte Armenien in die wirtschaftliche, politische und militärische Katastrophe. Die Anbaufläche verringerte sich von 345.700 ha im Jahre 1913 auf 82.700 ha im Jahre 1919 Die Bruttoproduktion der Landwirtschaft sank auf ein Sechstel, die der Industrie lag 3,7mal niedriger. Im Jahre 1919 befanden sich auf dem Territorium Armeniens über 260.000 Flüchtlinge, die sich vor der Verfolgung in der Türkei hatten retten wollen. Über ein Drittel der Bevölkerung starben durch Hunger und Krankheit.

Gründung der Kommunistischen Partei Armeniens

Die erste Konferenz der kommunistischen Organisationen (1200 Mitglieder), die im Jahre 1920 illegal in Jerewan abgehalten wurde, schuf als Parteizentrum das Armenische Komitee der KPR(B) und orientierte auf die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes. Im Juni 1920 wurde die Kommunistische Partei Armeniens gegründet.

USA-Intervention

Der Einmarsch von Einheiten der Roten Armee in Baku im April 1920 und die Errichtung der Sowjetmacht in dieser Stadt gaben der Befreiungsbewegung in Armenien neuen Auftrieb. Am 1. Mai fanden überall unter den Losungen „Nieder mit den Daschnaken“, „Es lebe die Sowjetmacht!“ Demonstrationen statt. In Alexandropol (heute Leninakan) wurde am 10.Mai nach dem bewaffneten Aufstand die Sowjetmacht errichtet. Danach siegte sie im Laufe des Mai in Kars, Sarykamysch, Nor-Bajaset, Sangesur und Kasach-Schamschadin. Mit Hilfe der anglo-amerikanischen Intervention schlug die Daschnaken-Regierung den Aufstand jedoch nieder.

Befreiung und Gründung der Armenischen SSR

ArmenischeSSRIm September 1920 brach auf Betreiben der Entente zwischen der Türkei und dem bürgerlichen Armenien ein Krieg aus, der zu neuen Verwüstungen im Lande führte.
Im November 1920 erhoben sich die Werktätigen Armeniens unter der Führung der KP zum Aufstand. Mit Unterstützung von Einheiten der Roten Armee wurde die Daschnaken-Herrschaft gestürzt. Am 29. November proklamierte das Revolutionskomitee Armenien zur Sozialistischen Sowjetrepublik.

Die Errichtung der Sowjetmacht in Armenien legte den Grundstein für eine neue Ära in der Geschichte des armenischen Volkes. Industrielle Großbetriebe, Grund und Boden, Bodenschätze, Wald und alle anderen Naturreichtümer wurden nationalisiert. Im Februar 1921 entfesselten die Daschnaken einen Putsch zur Wiederherstellung ihrer Herrschaft. Anfang April wurde er durch Einheiten der Roten Armee und armenische Abteilungen in Jerewan, im Juli 1921 in Sangesur niedergeworfen.

Hilfe der Regierung der UdSSR

Die Sowjetregierung erwies dem armenischen Volk jedwede Hilfe. Dank ihrer diplomatischen Bemühungen zogen die türkischen Truppen aus dem Kreis Alexandropol ab (22. April 1921). Für den wirtschaftlichen Wiederaufbau wurden aus Moskau, Petrograd und anderen Städten Ausrüstungen, Landmaschinen, Medikamente und Manufakturwaren entsandt. Die Arbeiter von Iwanowo-Wosnessensk schickten zur Gründung einer Textilfabrik 18.000 Spindeln und 850 Maschinen nach Alexandropol. Aus Baku erhielt Armenien unentgeltlich Masut und Kerosin. Lenins Brief vom 14. April 1921 „An die Genossen Kommunisten Aserbaidshans, Grusiniens, Armeniens, Dagestans und der Bergrepublik“ enthielt das Programm des wirtschaftlich-politischen und kulturellen Aufbaus dieser Republiken.

Wirtschaftlicher Aufbau in Transkaukasien

Im Januar 1922 fand der I. Parteitag der Kommunistischen Partei Armeniens statt. Der I. Sowjetkongreß Armeniens (30. Januar bis 5. Februar 1922) bestätigte die Verfassung der Republik. Im März 1922 wurde Armenien in den Verband der Transkaukasischen Föderation aufgenommen, die.am 13. Dezember 1922 zur Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (TSFSR) umgebildet wurde. Am 30. Dezember 1922 trat die Armenische SSR im Verband der TSFSR der UdSSR bei. (⇒ Berija)

Jerewan

Im Jahre 1928 übertraf die Produktion der Industrie und Landwlrtschaft den Stand von 1913. Es begann eine neue Etappe im Leben der Republik die Etappe der sozialistischen Industrialisierung: die Buntmetallurgie wurde wiederaufgebaut, Kraftwerke, Betriebe der chemischen, Leicht- und Baustoffindustrie wurden errichtet, die Lebensmittelindustrie entwickelten sich. 1940 übertraf die Industrie den Stand von 1913 um das 9fache. 1940 erfaßten die Kollektivwirtschaften 98,3% der Bauernwirtschaften.

Wissenschaft, Kultur und Bildung

Mit der Annahme der neuen Verfassung der UdSSR 1936 trat die Armenische SSR im Jahre 1936 unmittelbar dem Verband der UdSSR bei. 1937 nahm der IX. Außerordentliche Sowjetkongreß Armeniens die neue Verfassung der Republik an, in der die Erfolge des sozialistischen Aufbaus in Armenien ihren Niederschlag fanden. 1938 bis 1941 wurde die allgemeine siebenjährige Schulpflicht eingeführt. 1940 gab es 36 wissenschaftliche Institutionen in denen 1067 Wissenschaftler arbeiteten. 1913 hatte es kein einziges wissenschaftliches Institut gegeben.

In den Jahren. des Großen Vaterländischen Krieges kämpfte das armenische Volk gemeinsam mit den anderen Sowjetvölkern heldenhaft gegen die faschistischen Eindringlinge. 106 Soldaten und Offiziere wurden als „Helden der Sowjetunion“ ausgezeichnet, etwa 70.000 erhielten Orden und Medaillen. 114 Betriebe wurden neu gebaut. 1943 wurde die Akademie der Wissenschaften gegründet.

Von 1946 bis 1949 kehrten etwa 100.000 Armenier aus dem Ausland nach Sowjetarmenien zurück. In den Nachkriegsjahren wurden Hunderte neuer Betriebe errichtet. Die armenische Industrie übertraf 1968 den Stand von 1940 um das 17fache. lhre Erzeugnisse werden in über 30 Länder exportiert. Durch den Bau vieler großer und kleiner Kanäle und andere wirksame Maßnahmen stieg die landwirtschaftliche Produktion. Das Analphabetentum ist überwunden. An den Hoch- und Fachschulen studierten 1968/69 94.800 Studenten. In der Kommunistischen Partei Armeniens gab es am 1.Januar 1.969.118.097 Mitglieder und 4.962 Kandidaten. Der Leninsche Komsomol zählte am 1.Januar 1.969.234.293 Mitglieder, die in 3498 Grundorganisationen zusammengefaßt waren. Den Gewerkschaften gehörten am 1. Januar 1.969.792.953 Mitglieder an.

Quelle: Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Handbuch.VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1971, S.674-677.


Jerewan1

Jerewan, Hauptstadt der Armenischen SSR (1985)

Armenien

Quelle: Meyer’s Lexikon A-Z in einem Band, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1980, S.60.

Siehe auch:
Jelena Prudnikowa: Die Wahrheit über Lawrentij Berija
Der türkische Völkermord an den Armeniern (1915)

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