Brüder, seht, die rote Fahne…

rotefahneEs ist eines der bekanntesten
Streiklieder amerikanischer und
englischer Transportarbeiter,
dessen deutscher Text 1921 von
Edwin Hoernle verfaßt wurde.

Aus dem Text:

„Tod den Henkern und Verrätern
Allen Armen Brot
Vorwärts! ist die große Losung.
unser ist die Welt…“

Brüder, seht, die rote Fahne
weht uns kühn voran
Um der Freiheit heil´ges Banner
schart euch, Mann für Mann
Haltet stand, wenn Feinde drohen
Schaut das Morgenrot
Vorwärts! ist die große Losung.
Freiheit oder Tod

Sind die ersten auch gefallen
rüstet euch zur Tat
Aus dem Blute unsrer Toten
keimt die neue Saat
Weint nicht um des Kampfes Opfer
Schaut des Volkes Not
Vorwärts! ist die große Losung.
Freiheit oder Tod

Qual, Verfolgung, Not und Kerker
dämpfen nicht den Mut
aus der Asche unsrer Schmerzen
lodert Flammenglut
Tod den Henkern und Verrätern
Allen Armen Brot
Vorwärts! ist die große Losung
Freiheit oder Tod

Wenn die letzte Schlacht geschlagen
Waffen aus der Hand
Schling um die befreite Erde
brüderliches Band
Dann wird froh die Sichel rauschen
in dem Entefeld
Vorwärts! ist die große Losung.
unser ist die Welt

Text: Edwin Hoernle

Quelle:
Edwin Hoernle: Das Herz muß schlagen. Dietz Verlag Berlin, 1963, S.89.


Hoernle

Edwin Hoernle (1883-1952)

Edwin Hoernle entstammt einer schwäbischen Missionarsfamilie. In vielen Gedichten gibt Hoernle der Erschütterung derjenigen Ausdruck, die wider Willen in den Krieg gezogen, aber nun, wenigstens vorläufig, sich einer grausamen Maschinerie ausgesetzt sehen. Zeilen wie „Ich bin des Friedens tapferer Soldat gewesen, nun jag ich Mord in meine Brüder“ sind nur ein Beispiel. Mit wachsender Empörung unter den Soldaten tritt auch der Autor kräftiger hervor. Dreimal sperrte man Edwin Hoernle in den Jahren der Revolutionszeit hinter Gefängnismauern. 1916 wird er als einer der Hauptinitiatoren einer Antikriegsdemonstration, die im Zeichen des Protestes gegen die Verurteilung Karl Liebknechts steht, verhaftet. Er wird strafweise an die Front gebracht, aber schon im Februar 1917 wegen revolutionärer Propaganda erneut angeklagt. Allein die Lage an der Front veranlaßt seine Häscher, ihn wiederum nach vorn zu bringen. Schwer verwundet kommt er ins Lazarett nach Stuttgart, das er in den ersten Novembertagen 1918 verläßt, um illegal zu arbeiten. Er wird Mitglied des Groß-Stuttgarter Arbeiter- und Soldatenrates, und im Januar 1919, als er in Württemberg den Landesverband der KPD aufbaut, kerkert man ihn zum dritten Mal ein und jetzt für Monate, bis er im Juni nach zehntätigem Prozeß freigesprochen werden muß. Von 1924 an ist er Mitglied des Reichtages. 1933 entkommt Edwin Hoernle den Faschisten und geht auf Beschluß der Partei in die Schweiz und später in die Sowjetunion, wo er im Nationalkomitee Freies Deutschland mitarbeitet. Nach seiner Rückkehr in die vom Faschismus befreite Heimat hilft er bei der Bodenreform und wird Dekan der agropolitische Fakultät der Deutschen Verwaltungsakademie „Walter Ulbricht“.
(aus: ebd.S.160ff.)

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7 Antworten zu Brüder, seht, die rote Fahne…

  1. “Leider“ haben Hannes Wader, Reinhard Mey, Konstantin Wecker usw. oder “heute“ ein Xavier Naidoo & Co. es nicht über Erklärungen über und einer Verurteilung des uns beherrschenden Systems gebracht! Und nun werden wir seit 2013 mit der AfD und seit neuestem mit #aufstehen bespaßt — grad so, als ob wir nun wirklich keine anderen — viel drängende — Probleme gäbe, die jedoch derart geleugnet werden, dass jeder meint, es gäbe sie gar nicht mehr:

    Nämlich die Wahrheit, die Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao und Millionen anderer Menschen erkannten und aussprachen: Der Kapitalismus sorgt für Krieg, erhält eine überkommene Ordnung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufrecht und verbreitet Angst und Schrecken gegen jeden Menschen, der sich dagegen auflehnt!

  2. sascha313 schreibt:

    Du hast völlig recht… deswegen muß man auch mal wieder die rote Arbeiterfahne aus dem Grau in Grau (oder dem bunten Durcheinander) hervorheben. Als Kinder in der Schule haben wir das Lied gelernt „Ich trage eine Fahne, und diese Fahne ist rot. Es ist die Arbeiterfahne, die Vater trug in der Not…“

    • giskoe schreibt:

      Genauso wie „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, die „Internationale“, „Hans-Beimler-Lied“ und und und.
      Diese Tradition wurde in der Singebwegung der FDJ fortgesetzt.

  3. Ulrike Spurgat schreibt:

    Moin, Es ist nicht so, dass wir, die die im Westen geboren und aufgewachsen sind künstlerisch nicht auch einiges, anders, aber nicht minder in der Bewertung zu bieten hatten. Die künstlerische Freiheit ist doch genau die, die Verhältnisse beim Namen zu nennen, zu kritisieren, aufzurütteln , Flagge zu zeigen und nicht zwangsläufig für den Kommunismus zu singen.

    Konstantin Wecker ist Teil meiner Musiksammlung, seit Jahrzehnten. Will ich nicht missen seine sinnlichen und immer das Leben bejahenden poetischen Texte. „Vaterland,“ „Willi“. Ein Antifaschist, ein Menschenfreund, ein leidenschaftlicher Verfechter der Menschen und des Lebens. Geerdet und voller Zärtlichkeit besingt Wecker dass, wofür er steht, mit seinen Brüchen, seinen inneren Kämpfen und seinem Mut, damit nie aufzuhören, bis heute. Hannes Wader hörte ich gestern noch. Etwas unbeholfen auf der Bühne und ein langjähriger Begleiter mit seinen Liedern in der kommunistischen Bewegung. „Väterchen Franz“ Immer wieder ein Genuss seine Lieder zu hören mit brillanten Texten, der den Herrschenden richtig Zunder gegeben hat. (Franz Josef Degenhardt). Dieter Süverkrüpp, Jans Dieter Hüsch um nur einige zu nennen, die den „Herrschenden auf Maul geschaut haben.“ Pink Floyd, Roger Waters, Mitbegründer der legendären Pink floyd steht mit 75 auf der Bühne mit seinem Solo Programm, um für Palästina z. B. sich klar zu positionieren.

    Die Schleimschei…… der ÖR haben 2017 entschieden unter dem ARD LOGO keine Beiträge von Waters mehr zu veröffentlichen. Begründung: u.a. Antisemitismus. Kate Tempest hat aus Solidarität ihren Auftritt in der Volksbühne (Berlin) abgesagt. Diese Künstler im Westen haben für die Verwirklichung der Träume von einer besseren Welt, von Menschenrechten, von der Liebe zur Freiheit, von besseren Lebensbedingungen, gegen Kriege und Faschismus angesungen. Und ich bin froh, immer ein Teil dieser kämpfenden „Zunft“ gewesen zu sein, Freiheitslieder für Chile für Portugal gehörten dazu und wir waren eine wirkliche Bewegung, in der BRD, wo denn sonst, denn hier spielte unsere „Musik,“wo denn sonst ? Wir hatten die damals bestehenden Verhältnisse zu erkennen, sich damit auseinanderzusetzen und möglichst die richtigen Schlüsse zu ziehen und die genannten waren ein nicht weg zu denkender Teil im Land. Heute wären die Texte wohl andere und nichtsdestotrotz wird der Kern der Liebe zum Leben, der Freundschaft, der internationalen Solidarität als ein zentraler bleiben.

    Xavier Naidoo, ihn hat man aus der Öffentlichkeit heraus geschmissen, weil er nicht nach der Pfeife der „Pfeifen“ getanzt ist. Wie tot. Nichts mehr hört man von ihm. Seine Konzerte werden wenn, nur am Rande, verschämt erwähnt. Die letzte CD hat Texte, lohnenswert anzuhören, weil er mutig gegen ein versiefftes, vermülltes, vermieftes und vermufftes System klare Kante zeigt. Er wird angefeindet, er wird in rechte Ecken gestellt und es werden Signale von den nach „politisch korrekt“ Schreienden gesendet. „Kauft keine CD von Xavier Naidoo.“

    Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass unser Kampf im Nachkriegsdeutschland ein anderer gewesen sein muss, als beispielsweise in der DDR und unsere Künstler sind aus den damaligen gesellschaftlichen Bedingungen heraus entstanden und das ist gut so. Eine gute Zeit.

    • Ohne Frage, sagst du viel wahres über diese Künstler; aber mal ehrlich: In Wirklichkeit wiegen sie uns seit Jahrzehnten in den Schlaf und nennen in keiner ihrer Texte den eigentlichen Feind: Den Kapitalismus, der sie fürstlich entlohnt.

      Ich hoffe, ich trete dir nicht irgendwie auf den Schlipps; doch: Es genügt eben nicht nur, “mutig“>/i> gegen ein versifftes, vermülltes, miefiges und korruptes System klare Kante in den Texten zu zeigen, wenn nicht gelebt wird, was man predigt. Sich meinetwegen gegen den Hunger und die Kriege in der Welt muckieren, aber selber einen Bentley fahren: Das ist wie Wasser predigen und selber Wein saufen. Im Tiefsten ist es unpolitisch.

  4. Ulrike Spurgat schreibt:

    Hallo und guten Tag.
    Auf den „Schlipps irgendwie trete:“ Nö, eher nicht.
    Natürlich sind sie nicht „unpolitisch,“ Und was soll denn der Bezug auf beispielsweise „einen Bentley“ fahren ? ZU undifferenziert, aus meiner Sicht diese platten Vorurteile auf den Tisch zu legen. Meine Bewertung steht und da gibt es nichts, was dein Kommentar daran ändern könnte.
    Diese Überheblichkeit kann ich überhaupt nicht leiden und jede Bewegung und jeder Auftritte und jedes Wort, dass dem Frieden und der Freundschaft dient ist keines zuviel und immer werde ich das unterstützen und wie gesagt: „Es ist nicht die unmittelbare Aufgabe der Kunst, dass zu tun, was einige so denken.“
    Im übrigen habe ich das von meinem kommunistischen Vater gelernt, der Faschismus, Krieg Verfolgung, Folter, Kz und Adenauers Knast überlebt hat.. Ein weiser Mann.

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