Was ist eigentlich die Jugendweihe?

JugendweiheViele Jugendliche stehen im Alter von 13 Jahren vor der Frage: Jugendweihe oder Konfirmation? Was ist besser? Diese Frage läßt sich nicht so einfach beantworten, denn erstens hat die Jugendweihe heute ihren Sinn fast völlig verloren und zweitens kann man religiös orientierten Menschen wohl kaum ausreden, ihre Kinder konfirmieren zu lassen. Es ist eben eine persönliche Entscheidung. Aber auch das letztere hat wenig Sinn, selbst wenn die Kirche das bestreitet. Und dabei wäre es gerade heute so wichtig, die Jugendlichen in geeigneter Weise auf ihr Erwachsenendasein vorzubereiten. Aber aus marxistischer Sicht natürlich: die Jugendweihe! Daher hier nun einmal  etwas zu den Traditionen der Jugendweihe, wie sie in der DDR war.  Zum Abschluß erhielten alle Jugendlichen das interessante Buch „Weltall, Erde, Mensch“ oder „Vom Sinn des Lebens“, und danach gab es eine schöne Feier. (Nebenbei bemerkt: die Jugendweihe in der DDR war keineswegs eine Pflichtveranstaltung. Es gab sowohl Kinder, die nur Konfirmation hatten, als auch Kinder, die an beidem teilnahmen.  Und hatten Jugendliche Nachteile wegen einer Nichtteilnahme an der Jugendweihe? Nein. Dafür gab es keinen Grund!)

Die Jugendweihe in der Deutschen Demokratischen Republik ist eine gesellschaftliche Einrichtung, die die sozialistische Erziehungs- und Bildungsarbeit der Eltern, der Oberschule, der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ und der FDJ mit vielseitigen Formen und Methoden ergänzt und die Vierzehnjährigen auf ihren Eintritt in die Gemeinschaft der Werktätigen vorbereiten hilft. Mit diesem Anliegen ist die Jugendweihe ein organischer und notwendiger Bestandteil des Bildungs- und Erziehungswesens der Deutschen Demokratischen Republik.

Welchen Sinn hatte die Jugendweihe?

Die Jugendstunden, die den Jugendweihefeiern vorausgehen, vermitteln den Jungen und Mädchen wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen. Sie tragen dazu bei, die Jugendlichen in einem Lebensabschnitt, der für die Herausbildung des sozialistischen Bewußtseins besonders bedeutsam ist, im Geiste der Völkerfreundschaft zu aktiven Friedenskämpfern und Erbauern des Sozialismus, zu Menschen mit hohen moralischen Eigenschaften zu erziehen. An der Jugendweihe und den vorbereitenden Jugendstunden können alle Schüler des achten Schuljahres teilnehmen, gleichgültig, welche Weltanschauung ihre Eltern haben.
paß die Teilnahme der Jungen und Mädchen an der Jugendweihe in zunehmendem Maße den Wünschen und Bedürfnissen der Eltern entspricht, zeigt folgende Übersicht über die Beteiligung der Vierzehnjährigen in den Jahren 1955 bis 1961:

1955 nahmen 17,7 Prozent,
1956 nahmen 23,7 Prozent,
1957 nahmen 26,4 Prozent,
1958 nahmen 44,1 Prozent,
1959 nahmen 80,4 Prozent,
1960 nahmen 87,2 Prozent,
1961 nahmen 90,3 Prozent,
1962 nahmen 90,7 Prozent

aller Schüler des achten Schuljahres teil. Die Jugendweihe knüpft an die wertvolle Tradition der deutschen Arbeiterbewegung an, die Jugend beim Eintritt in den neuen Lebensabschnitt feierlich in die Reihen der Erwachsenen aufzunehmen, die für Frieden und Sozialismus arbeiten und kämpfen.

Wer führte die Jugendweihe in der DDR durch?

Träger der Jugendweihe sind die Ausschüsse für Jugendweihe, die sich nach der Gründung des Zentralen Ausschusses – am 14. November 1954 in Berlin – in allen Bezirken, Kreisen und Orten bildeten. Den Ausschüssen gehören Werktätige aus allen Bevölkerungsschichten an, ungeachtet ihrer Weltanschauung oder Konfession, ihrer Zugehörigkeit zu Parteien und Massenorganisationen, ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Tätigkeit. Zur Unterstützung der örtlichen Ausschüsse für Jugendweihe, besonders zur stärkeren Einflußnahme der Arbeiterklasse auf die sozialistische Erziehung der Jugend durch die Jugendweihe, bestehen in den sozialistischen Betrieben, in Verwaltungen und Institutionen sowie in Betrieben mit staatlicher Beteiligung Betriebsaktivs für Jugendweihe, in denen sich jeder Betriebsangehörige an der Vorbereitung und Durchführung der Jugendweihe beteiligen kann.

Wie wurde die Jugendweihe unterstützt?

Arbeiter, Genossenschaftsbauern, Angehörige der Intelligenz, vor allem Mitglieder sozialistischer Arbeitskollektive setzen sich in den Betriebsaktivs dafür ein, daß alle Werktätigen von der gesellschaftlichen Bedeutung und dem hohen Bildungs- und Erziehungswert der Jugendweihe überzeugt werden und für die Teilnahme ihrer Kinder an der Jugendweihe eintreten. Hauptanliegen der Aktivs ist es, auf den Inhalt und die Gestaltung erzieherisch wertvoller Jugendstunden einzuwirken. Sie unterstützen außerdem Exkursionen, Betriebsbesichtigungen. Besuche von Kultur- und Forschungseinrichtungen, Fahrten zu nationalen Mahn- und Gedenkstätten, die im örtlichen Programm jeder Jugendstundengruppe enthalten sind.

Von der Vorbereitung bis zur Jugendweihefeier

Weltall Erde MenschDie Jugendstunden beginnen in jedem Jahr im September mit Eröffnungsveranstaltungen, an denen neben den Jugendlichen und deren Eltern, Vertreter der Parteien und Massenorganisationen, der staatlichen Organe und der Betriebe sowie interessierte Werktätige teilnehmen. Den Abschluß der Jugendstunden bilden die Jugendweihefeiern in den Monaten März und April, deren Höhepunkt das Gelöbnis der Mädchen und Jungen, ihr Bekenntnis zur Deutschen Demokratischen Republik, zum Frieden, zur Völkerfreundschaft und zum Sozialismus ist. Feierlich werden die Jugendlichen in die große Gemeinschaft der Werktätigen aufgenommen, die sich verpflichten, den jungen Menschen auf ihrem künftigen Lebensweg Unterstützung, Schutz und Hilfe zu geben. Durch ihre eindrucksvolle künstlerische Gestaltung sind die Jugendweihefeiern in vielen Orten Höhepunkte des kulturellen Lebens. Im Jahre 1961 fanden 4159 Jugendweihefeiern statt, die von über 1,5 Millionen Angehörigen der Kinder und interessierten Werktätigen besucht wurden.

Welche Angebote gab es für die Gestaltung der Jugendstunden?

Die Jugendstunden werden von bewährten, lebenserfahrenen Arbeitern, Genossenschaftsbauern, Lehrern, Wissenschaftlern, Künstlern und anderen Werktätigen interessant und erlebnisreich gestaltet. Alle Möglichkeiten der Veranschaulichung und der Verbindung der zu behandelnden Probleme mit dem sozialistischen Leben werden dabei ausgeschöpft. In enger Zusammenarbeit mit Oberschulen, Kreisbildstellen, Lichtspielbetrieben. Forschungs- und Kultureinrichtungen sorgen die örtlichen Ausschüsse für die Jugendweihe dafür, daß vielfältige Anschauungsmaterialien (Filme, Lichtbildreihen, Magnettonbänder) für die Jugendstunden zur Verfügung stehen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dem Drang der Jugend nach Aktivität und Selbstbetätigung zu entsprechen.

Ein Programm zur ethisch-moralischen Erziehung

Das zentrale Jugendstundenprogramm umfaßt fünfzehn verbindliche Themen. Sie sind so ausgewählt, daß die Jugendstunden auf den Kenntnissen aufbauen, die sich die Schüler in der Schule und in der Pionierorganisation erworben haben. Das Programm sieht vor, mit den Jugendlichen zunächst über politische Grundfragen zu sprechen. Das trägt dazu bei, die jungen Menschen zu bewußten Staatsbürgern zu erziehen, die fest von der Gesetzmäßigkeit der sozialistischen Entwicklung überzeugt sind und wissen, daß der Kapitalismus seinem Untergang entgegengeht und der Sozialismus in der Welt siegen wird.

Ein echtes Bild über den sozialistischen Aufbau 

Die Jugendstunden tragen dazu bei, den Vierzehnjährigen ein echtes Bild über den umfassenden Aufbau des Sozialismus zu vermitteln und sie zum fleißigen Lernen, zu einer sozialistischen Einstellung zur Arbeit, zu den arbeitenden Menschen und zu ihrem Arbeiter-und-Bauern-Staat zu erziehen. Nicht selten verpflichten sich Jugendliche im Ergebnis eines solchen Jugendstundengesprächs in der Pionierorganisation oder in der Freien Deutschen Jugend gesellschaftlich-nützliche Arbeit zu leisten.

Die Jugendweihe als Wegweiser ins Leben

SozialismusIn einigen Jugendstunden werden vorwiegend naturwissenschaftliche Probleme behandelt. Die Schüler erhalten Antwort auf ihre Fragen nach der Entstehung der Erde und des Lebens und nach der Entwicklung des wissenschaftlichen Weltbildes. Sie lernen zum Beispiel, daß das Leben nichts Mystisches, Unerklärbares oder Zufälliges ist, sondern daß es gesetzmäßig und auf völlig natürliche Weise entstand. Zu diesem Themenkomplex gehört auch eine Jugendstunde, in der sich die Teilnehmer über die Rolle der Arbeit bei der Menschwerdung und bei der Entwicklung des Menschen zum Beherrscher der Natur unterhalten. Wichtig für die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Arbeit und das Leben in der sozialistischen Gesellschaft sind die Jugendstunden, in denen die Frage aufgeworfen wird, nach welchem Wegweiser sich der Mensch im Leben richten soll.

Eine wissenschaftliche Weltanschauung

Erfahrene Jugendstundenlehrer vermitteln den Mädchen und Jungen die Erkenntnis, daß die wissenschaftlich begründete Weltanschauung der Arbeiterklasse – deren Wahrheit täglich durch die Praxis bestätigt wird – sie befähigt, ihren Lebensweg gerade und zielbewußt zu gehen, Umwege und Sackgassen zu vermeiden. In diesem Zusammenhang werden auch die großen Erfolge der sowjetischen Menschen beim Aufbau des Kommunismus gewürdigt, wobei die begeisternden Taten von Gagarin, Titow, Nikolajew und Popowitsch bei der Eroberung des Kosmos im Mittelpunkt einer besonderen Jugendstunde stehen. Die sozialistische Gesellschaftsordnung und die wissenschaftliche Weltanschauung formten diese jungen Kommunisten, die durch kühne Flüge im Weltall leuchtende Vorbilder der Jugend, echte Helden unserer Zeit geworden sind.

Lebendige Kenntnisse der Geschichte

In anderen Jugendstunden berichten Funktionäre und Veteranen der revolutionären Arbeiterbewegung über ihren Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Faschismus und imperialistischen Krieg, für Frieden, Demokratie und Sozialismus. Viele Jugendstundengruppen verbinden diese Stunden mit einem Besuch der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald oder Sachsenhausen und studieren das „Nationale Dokument“ sowie den „Grundriß der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“.

Liebe zur Heimat, Kunst und Literatur

Reges Interesse zeigen die Vierzehnjährigen, wenn sie in Jugendstunden an Schätze der Kunst und Literatur herangeführt werden. In allen Kreisen der DDR sind viele hervorragende Persönlichkeiten des sozialistischen Kulturlebens bemüht, das Bedürfnis der jungen Menschen zu wecken, sich das Beste der Kultur des deutschen Volkes, des Sowjetvolkes und anderer Völker zu eigen zu machen, Bildungsmöglichkeiten zu nutzen, eigene Talente und Fähigkeiten zu entwickeln und sie in den Dienst der sozialistischen Gesellschaft zu stellen.

Bekenntnis zum Frieden

Besonderen Wert legen die örtlichen Ausschüsse für Jugendweihe darauf, in den Jugendstunden wirksamer dazu beizutragen, Jungen und Mädchen zur leidenschaftlichen Parteinahme für den Frieden und zur Bereitschaft zu erziehen, die Sache des Friedens und des Sozialismus mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Die Jugendlichen sol1en den tiefen Sinn des Dichterwortes „Der Krieg ist kein Gesetz der Natur, und der Friede ist kein Geschenk“ verstehen. Sie sollen erkennen, daß zwar der Frieden gefährdet ist, solange auf einem Teil der Erde noch das System der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen existiert, daß sich aber reale Kräfte gebildet haben, die den Kriegstreibern Einhalt gebieten.

Völkerfreundschaft und internationale Soldarität

Durch die ständige Stärkung des internationalen Bruderbundes der sozialistischen Länder mit der Sowjetunion an der Spitze, durch die weitere Vertiefung der Freundschaft zwischen den Völkern und durch den wachsenden Einfluß der friedliebenden Kräfte in der ganzen Welt wurden die Möglichkeiten der Imperialisten, ihre Angriffspläne zu verwirklichen, immer geringer. Das wird den Jugendlichen bewußt gemacht. Dabei begreifen sie sehr bald, daß allgemeine Erklärungen für den Frieden nichts bedeuten, wenn man nicht gleichzeitig bereit ist, mit seiner ganzen Person für den Frieden einzustehen.

Die gesamte Erziehungs- und Bildungsarbeit in den Jugendstunden ist darauf gerichtet, daß die Schüler ihr Gelöbnis zur Jugendweihe wirklich verstehen und da sie fähig und freudig bereit sind, es im Leben einzulösen. Darum werden die Grundsätze der sozialistischen Ethik und Moral den jungen Menschen in allen Jugendstunden in geeigneter Form nahegebracht.

GERHARD ALLENDORF


GELÖBNIS ZUR JUGENDWEIHE

Liebe junge Freunde!
Seid Ihr bereit, als treue Söhne und Töchter unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates für ein glückliches Leben des gesamten deutschen Volkes zu arbeiten und zu kämpfen, so antwortet mir: Ja, das geloben wir!

Seid Ihr bereit, mit uns gemeinsam Eure ganze Kraft für die große und edle Sache des Sozialismus einzusetzen, so anwortet mir: Ja, das geloben wir!

Seid Ihr bereit, für die Freundschaft der Völker einzutreten und mit dem Sowjetvolk und allen friedliebenden Menschen der Welt den Frieden zu sichern und zu verteidi’gen, so antwortet mir: Ja, das geloben wir!

Wir haben Euer Gelöbnis vernommen. Ihr habt Euch ein hohes und edles Ziel gesetzt. Ihr habt Euch eingereiht in die Millionenschar der Menschen, die für Frieden und Sozialismus arbeiten und kämpfen. Feierlich nehmen wir Euch in die Gemeinschaft al1er Werktätigen in unserer Deutschen Demokratischen Republik auf und versprechen Euch Unterstützung, Schutz und Hilfe.  Mit vereinten Kräften – vorwärts!

Literatur:
Schneller, W., Eltern fragen – wir antworten. Zentraler Ausschuli für Jugendweihe. Berlin 1960 / Steininger. H., Mein Kind und unsere Welt. Dietz Verlag; Berlin 1961 / Allendorf. G., Gewerkschaften und Jugendweihe. Verlag Tribüne, Berlin 1960.

Quelle:
Pädagogische Enzyklopädie (2 Bde.), VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1963, Bd.I, S.482-485.

pdfimages  Allendorf Jugendweihe

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18 Antworten zu Was ist eigentlich die Jugendweihe?

  1. Pingback: Erinnern an… die Jugendweihe | versprengte Linke

  2. Pingback: Warum ist der USA-Imperialismus menschenverachtend? Warum war die Sowjetunion unter Lenin und Stalin wegweisend für die Zukunft? | Sascha's Welt

  3. D. Krüger schreibt:

    ……Frieden und Völkerfreundschaft – welch ein Ziel für die Jugend!

  4. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    Der Sozialismus – Deine Welt!
    Eine gute und praxisbezogene Lektüre. Sie zeigt mir, dass es früher in der kapitalistischen Gesellschaft so schon war. Heute ist es noch etwas schärfer!
    Warum? Die Gegensätze des Kapitalismus verschärfen sich.
    Wir entwickeln uns vorwärts, auf dem Weg zum Sozialismus.

    Rolf, der Waldschrat

  5. Politnick schreibt:

    Die wichtigste Veranstaltung meiner Zeit war eine Klassenfahrt nach Potsdam. Und nach vielen Jahren war ich letztes Jahr mal wieder am Schloss Cecilienhof wo ich mit großer Freude feststellen durfte, dass — entgegen Wikipedia & Co — direkt vor Ort die Wahrheit immer noch verbreitet wird:

    Deutschland einig Vaterland!!!

    Freundschaft 😉

  6. Johann Muntler schreibt:

    Kein Nachteil wegen fehlender Jugendweihe? Meine Schwester durfte deswegen kein Abitur machen. Begründung: fehlende Jugendweihe, so unser Nachbar zu uns, der eben auch in den zuständigen Gremien saß.

    • sascha313 schreibt:

      Das ist Quatsch! Ich hatte auch keine Jugendweihe, sondern Konfirmation und ich habe trotzdem Abi gemacht und studiert – und zwar ohne Beziehungen!!!

      • Johann Muntler schreibt:

        Wieso bezeichnen Sie das von mir geschilderte Geschehen als Quatsch? Meine Schwester, geb. 1963, hatte einen Durchschnitt von 1,0 (!) und konnte wegen fehlender Jugendweihe kein Abitur machen. Natürlich wurde das nach außen nicht offiziell so bekannt gegeben. Aber es gab keinen anderen Hinderungsgrund – durch unseren Nachbarn erhielten unsere Eltern dagegen Einblick, dass genau die fehlende Jugendweihe „Grund genug“ war. Meine Schwester wollte studieren und Ärztin werden – sie hat dann Krankenschwester gelernt.

      • sascha313 schreibt:

        Es gab eine ganz klare Regel, daß Arbeiterkinder bevorzugt wurden. Außerdem gab es immer noch die Möglichkeit des zweiten Bildungsweges, das war natürlich mühevoller. Wer also wollte, der konnte das Abitur machen. Und es gab in der DDR keinen Grund, jemanden zu verachten, der nicht studiert hatte.

  7. Johann Muntler schreibt:

    Wir waren Arbeiterkinder. Vater Maurer, Mutter Krankenschwester. Und noch einmal: Es wurde meinen Eltern erklärt, dass Konfirmation statt Jugendweihe der tatsächliche Grund war. Das habe ich mir nicht ausgedacht – es war das tatsächliche tragische Erleben für meine ältere Schwester.

    • sascha313 schreibt:

      Tragisch nennen Sie das? Ich kenne ganz andere Fälle, die wirklich tragisch waren (oder sind)!

      • Johann Muntler schreibt:

        Es geht gerade nicht um andere Fälle, sondern darum, dass ich einen Fall persönlich kenne, in dem fehlende Jugendweihe in der DDR zum Nachteil wurde. Dies habe ich aufgrund der Aussage am Anfang des Artikels, dass es keine Nachteile gegebn hätte geschildert. Warum kann meine Aussage nicht einfach akzeptiert werden?

  8. Harry 56 schreibt:

    Sehr geehrter Herr Muntler, nun mal raus mit der Sprache, offene Karten, die angebliche „Tragik“ Ihrer Schwester, worum geht es Ihnen wirklich?

    Wirklich fragende Grüße…!

  9. Rolf schreibt:

    Also es gab schon schon Probleme in der DDR. Das wissen wir alle hier.
    Ich kenne diesen Fall nicht und versuche auch nicht darüber zu urteilen. Oft lagen die Ursachen auch bei den bereits eingenisteten Karrieristen. Dadurch wurden auch manche (einzelne) von bestimmten Sachen ausgeschlossen. Ob nun der „Nachbar“ ALLES wusste oder auch nur ein Egoist war, ich weiß es nicht.

    Was ich damit sagen will: Ich hatte kein Abi, meine „Fachschulwünsche“ wurden als Arbeiterkind und SED-Mitglied gern gesehen aber nach 3-jährigen Wehrdienst bei einer Wacheinheit des MfS nicht ernst genommen. Ich hatte auch keine Trabi-Anmeldung – das war mir zu doof. Die Trabi-Wartezeiten erhöhten sich auch massiv, weil alle Familienmitglieder (Rentner) oft eine Anmeldung hatten … Nach meinem Ehrendienst beim MfS ging ich wieder arbeiten – kein Fachschulstudium wegen sonstwas. Einige Jahre später ging ich wieder – freiwillig – zu einer MfS-Abteilung. Später bekam ich auch eine Möglichkeit mein Abitur nachzuholen und ein Fernstudium im Bereich Nachrichtentechnik zu beginnen.

    Fernstudium bedeutet immer – neben der Arbeit – also zusätzlich zu den Wochenenddiensten und vielen anderen Verpflichtungen … Leider wurde durch die Konterrevolution meine Perspektive „auch“ zunichte gemacht.

    Nur mal so am Rande! Um vielleicht dieser „Einseitigkeit“ mal etwas Wahrheit beizufügen. In der DDR gab es keine Verlierer und Gewinner wie in der heutigen Zeit. Jeder hatte in der DDR sein „eigenes“ Leben und widmete es dem Wohle der Gemeinschaft (im Sinne des Sozialismus) oder versuchte seinem Egoismus zu verwirklichen (im Sinne des Kapitalismus).

    Wer mir einen „Bürgerrechtler“ der DDR nennt, der wirklich etwas fpür die DDR-Bürger getan hat, dem würde ich meinen Respekt bezeugen. Aber unter diesen Menschen kenne ich nur Egoisten und Karrieristen, keine Menschen die im Sinne der Bevölkerung handelten oder handeln.

    Rolf

  10. sascha313 schreibt:

    Ich kann Ihnen sagen, Herr Muntler, welche Gründe es geben konnte, jemandem ein Studium an einer unserer Universitäten oder Hochschulen zu verweigern: DDR-Feindschaft! Wer einen Ausreiseantrag gestellt hatte und nicht die Gewähr bot, für unser sozialistisches Vaterland auch nützlich sein zu wollen, der wurde natürlich nicht zum Studium zugelassen. Und Sie können uns hier viel erzählen. Wir können und wollen das alles auch weder beurteilen noch nachprüfen. Was an Ihrem Fall „tragisch“ gewesen sein soll, ist allerdings nicht einzusehen. In der DDR hatte jeder seine Chance und auch das RECHT auf einen Arbeitsplatz, im Gegenteil zu heute!

    • Harry 56 schreibt:

      Ja, Sascha, du hast ganz sicherlich den Nagel auf den Kopf getroffen, mit diesem Gesindel, welches ja „nur“ in den so genannten „Westen“ wollte! Heute, im gesamten „Westen“, von der Oder bis zum Rhein, müssen unzählige Schüler unserer eigensten Herkunft in den Schulen von immer mehr Städten und Gemeinden wirkliche tragische Dinge erleben, dank eines übelsten verbrecherischen Menschenhandels alias „Migration“, natürlich mit dem Verschweigen, Schönreden, auch Abstreitens von völlig korrupten verbeamteten Staatsdienern im „Schuldienst“, und natürlich BRD-Politikern, den Konzern- und Staatsmedien.

      Ob unserem Herrn „Muntler“ und seinem „tragischen“ Schwesterlein diese Dinge völlig am Arsch vorbeigehen oder diese Herrschaften sich mal dieser heutigen Realität stellen möchten? In der bösen DDR, bei Ministerin Margot gab es diese Dinge in diesen Formen und dieser Massenhaftigkeit jedenfalls nicht, so nach meinen Kenntnissen.

      Nachdenkliche Grüße , ganz besonders an Herrn „Muntler“!

      • sascha313 schreibt:

        Das ist ja meine Rede – danke, Harry!
        Man muß doch geradezu schizophren sein, wenn man diesen Widerspruch nicht sieht! Oder ein Lump – wer’s nicht sehen will!

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