DIE LÜGE VON DEN FASS-BOMBEN

fassbombeEine einfache Suche über „Google Images“ nach „Faßbombe“, wird einige schlechte, von Hubschraubern aufgenommene Fotos zutage bringen, Bilder von nicht erkennbarem Schutt, größtenteils aber von sortierten Fässern, die irgendwer fallen lassen hat, die seit Jahrzehnten vor sich hinrosten und die niemand in ein Flugzeug laden würde, wenn sie mit ätzenden Chemikalien oder hochexplosiven Sprengstoffen gefüllt sind..

Eine nette Frage: Warum soll man überhaupt noch von diesen komischen „Faßbomben“ reden? Inzwischen ist doch jedem klar, der die Nachrichten verfolgt, daß der syrische Präsident Assad alte, mit ätzenden Chemikalien gefüllte Ölfässer verwendet, um seine komplette Bevölkerung auszulöschen. Keine westliche Zeitung, kein Nachrichtenbüro, keine arabische Nachrichtenwebsite hat es versäumt, diese „Tatsache“, die durch das „Syrische Menschenrechtsobservatorium“, der „Strumpfpuppenfront“ der CIA verbreitet wurde, so oft wie nur möglich zu wiederholen.

Sind Leute denn so dumm, daß sie das glauben? Die Antwort darauf ist nicht ganz so einfach. Im Allgemeinen muß man sagen: „Ja“ – doch es geht weiter! Wenn wir über also solche, zum Markenzeichen erhobenen Lügen reden, und die „Faßbombe“ ist so ein geniales Medienfabrikat, das alles enthält, was erforderlich ist, dann muß man endlos auch die gleiche Geschichte erzählen vom Mythos über den Abschuß der MH17 durch eine BUK-Rakete, anstelle eines von Kiew gestarteten Kampfflugzeugs. Dann brauchen wir die Tatsachen nicht mehr.

Als uns die Geschichte von den „Faßbomben“ aufgetischt wurde, gab es plötzlich keine Massengräber mehr, keine vom Fernsehen übertragenen Enthauptungen, keine CIA-Trainingslager in der Türkei und Jordanien, denn – „Assad ist an allem schuld“. Wir sehen also, daß die Wahrheiten, welche im Äther verbreitet werden, Teil einer gut orchestrierten Desinformationskampagne sind, wo Behauptungen gleich Tatsachen sind. Jede gedruckte oder von den Mainstream-Medien verbreitete Behauptung wird uns als „Tatsache“ verkauft. Solche Organisationen, wie das „Syrische Menschenrechtsobservatorium“, wurden eigens dafür geschaffen, um die bereits kontrollierten, verbündeten Massenmedien mit den Desinformationen zu versorgen, die von „PJ Media“, „Heritage“, „Jamestown Foundation“ und der „Rand Corporation“ erfunden wurden.

Sehen wir, wie sich das im Juli 2015 abspielte:

Innerhalb einer Woche verbreitete die Nachrichtenagentur TASS in Rußland eine Story, die vom „Syrischen Menschenrechtsobservatorium“ hervorgebracht worden war. Diese Story wurde veröffentlicht, weil sie angeblich einen Hinweis enthielt, dass ISIS chemische Waffen verwendet. Es gab jedoch keinerlei Substanz, die diese Story bestätigt hätte. Der Artikel sagte nichts darüber aus, ob es Tote oder Verletzte gab, er enthielt keinen einzigen Beweis, ja – nicht einmal von ISIS war die Rede. Schon nach wenigen Worten ging die Story in eine wütende Schmährede über, die der Nachrichten-Leser unschwer als ein Machwerk des CIA erkennt. Im weiterem stellte die Story als „Tatsache“ fest, daß die Assad-Regierung mit Chlorgas gefüllte „Faßbomben“ verwendet habe, um bis zu 220.000 seiner eigenen Bürger zu töten. Und keiner hat jemals eine solche „Faßbombe“ gesehen.

So wenig wie eine „Chlorgas-Faßbombe“ explosiv ist, würden auch unechte Waffen, die 150 Liter eines Haushaltsbleichmittels und 10 Liter Nahrungsmittel-Essig, sogar für diejenigen, die neugierig sind, völlig intakt bleiben. Natürlich gibt es solches Monstrum nicht, wie eine „Chlorgas-Faßbombe“. Eine einfache Suche über „Google Images“ nach „Faßbombe“, wird einige schlechte, von Hubschraubern aufgenommene Fotos zutage bringen, Bilder von nicht erkennbarem Schutt, größtenteils aber von sortierten Fässern, die irgendwer fallen lassen hat, die seit Jahrzehnten vor sich hinrosten und die niemand in ein Flugzeug laden würde, wenn sie mit ätzenden Chemikalien oder hochexplosiven Sprengstoffen gefüllt ist.

Als während der Angriffe Israels auf Gaza 2014, wie ein offizieller Bericht der UNO-Menschenrechtskommission besagt, Kassettenbomben, Napalm und tödlicher weißer Phosphor auf Schulen, Krankenhäusern und Kinderspielplätze abgeworfen wurden, wurde dieser Bericht nur ein oder zwei Tage lang, und in weniger als 10 Prozent der Massenmedien übertragen. Und ausgerechnet da beinhaltete jeder Bericht eine lange und fette Leugnung durch die israelische Regierung, die immer nur personifizierte Attacken enthielt, niemals aber Tatsachen, Beweise oder seriöse, unabhängige Quellen anführte.

Nehmen wir uns eine Sekunde Zeit, um diese Lügen-Maschinen zu vergleichen. Als Israel das Flüchtlingszentrum der Vereinten Nationen in Gaza mit Streumunition bombardierte, behaupteten sie, daß sie das auf Grund von zuverlässigen Informationen ihres Geheimdienstes getan hätten, da die Hamas das Gelände für eine Raketenfabrik verwendet habe. Als die Ermittlungsbeamten der Vereinten Nationen Israel darum baten, das zu beweisen, lehnte Israel ab. Und als die UN-Ermittler den Ort des Schlachtfeldes aufsuchten, gab es keine Beweise für eine Raketenfabrik, und nicht einen einzigen Hinweis auf die Anwesenheit von Militär überhaupt. Und so war das immer und immer wieder – zuerst wilde Behauptungen, bis sich schließlich herausstellt, dass die Sache eigentlich vor ein Kriegsverbrecher-Tribunal gehört.

In Syrien liegen die Dinge völlig anders. Wir sehen, daß Al Qaida und ISIS diejenigen Gebiete kontrollieren, wo gesagt wird, daß dort ein Blutbad stattgefunden habe. Obwohl weder eine Agentur der Vereinten Nationen, noch irgendeine Presseorganisation diese Gebiete besuchen können, ohne durch ISIS oder al Nusra gekidnappt oder lebendigen Leibes verbrannt zu werden, behauptet das „Syrische Menschenrechtsobservatorium“, einen exklusiven Zugang zu haben.

Wenn es sich bei dem „Syrische Menschenrechtsobservatorium“, wie wir sagen, um eine CIA-Operation handelt, dann wäre das auch ein Indiz dafür, daß der CIA frei mit al Nusra und ISIS verkehrt. Wenn wir uns aber irren sollten, so ist das „Syrische Menschenrechtsobservatorium“ tatsächlich ein Werkzeug von ISIS und al Nusra und das Presseorgan einer Terroristengruppe. Nimmt man diese Gruppe, die ihren Hauptsitz in London hat, eine massive finanzielle Unterstützung genießt und deren unbewiesene Behauptungen, die in den Mainstream-Medien nachgeplappert werden, so ist die Kontrolle durch die CIA, MI6 oder den Mossad alles andere als nur eine Behauptung.

Mehr noch, wenn man nach einem historischem Zusammenhang sucht, so gibt es endlose Beispiele. Die Ereignisse im Golf von Tonking unter Präsident Johnson sind so ein Klassiker. Dann gibt es das USA-Kriegsschiff „Liberty“. Das ist etwas, was sich fortsetzt, mit neuen Wendungen, neuen Ansprüchen und Gegenforderungen. Nehmen wir uns eine Sekunde Zeit, um uns Israels neueste „Behauptung“ anzuschauen, warum Israel 1967 das unter der Flagge der UNO fahrende Schiff der Vereinigten Staaten angegriffen hat. Dem Oberst Jim Hanke zufolge, ein VT-Redakteur und ehemaliger Chef der militärischen US-Mission in Israel, habe das Kriegsschiff „Liberty“ Israel im Auftrag der prosowjetischen Vereinigten Arabischen Republik ausspioniert (zu jener Zeit Ägypten und Syrien). So hat man der Öffentlichkeit erklärt, Israel habe das amerikanische Spionage-Schiff mit einem ägyptischen Lastkahn verwechselt. Und das israelische Militär erklärte der amerikanischen Öffentlichkeit, daß sie geglaubt hätten, daß sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zusammen mit Ägypten und Syrien als ein Teil einer bizarren Verschwörungstheorie gegen Israel zusammengetan hätten: „Es gab überhaupt keinen Kalten Krieg“. Das wird noch bis heute an israelischen Schulen gelehrt.

Geheimdienstanalytiker müssen lernen, solche Desinformationen zu erkennen, die gewissermaßen zu „Markenzeichen“ gemacht wurden, und die dann als „Gesprächsthemen“ verbreitet werden. Unter solchen „Gesprächsthemen“ verstehen wir die von „interessierten Organisationen“ an Spione und Terrorgruppen, an extremistische politische Organisationen oder an Denkfabriken und deren „Akteure“ per E-Mail übermittelten Botschaften. Und mit „Akteur“ sind diejenigen Politiker, öffentlichen Personen und Medienredaktionen gemeint, deren Aufgabe es ist, die „Nachrichten“ zu verfolgen, um dann sofort Berichte über diejenigen Tagesereignisse weiterzuverbreiten, welche gewöhnlich der Vorwand für Sanktionen oder direkte militärische Angriffe sind.

Das ist freilich problematisch, da diese Verfahrensweisen ein sehr echter Teil des täglichen Lebens sind. Und weil viele Regierungsbeamte, so als hätten sie nie etwas von psychologischer Kriegführung gehört, und als würden sie sich auch nicht daran erinnern, daß Länder wie der Irak, Afghanistan und Serbien einfach aufgrund von manipulierten und zu „Markenzeichen“ gemachter Desinformationen zerstört wurden, solche „Gesprächsthemen“ verbreiten.

Später wurde die „BUK Rakete“ zum täglichen Gesprächsthema für die Sanktionen gegen Russland, ein Einschüchterungsversuch. Lange wurde versucht, die „Faßbomben“-Kampagne für eine Flugverbotszone über Syrien und für Pufferzonen zu nutzen. Doch solche „Markenzeichen“- oder „Gesprächsthema“-Kampagnen sind nur eine Übergangslösung. Wenn sie offiziell scheitern, und das ist hier der Fall, so ist klar, daß noch etwas Ernsteres unternommen wird. Der Abschuß der MH17 war zweifellos solch eine Untat. Wie wird die folgende sein?

Von Gordon Duff, 23.07.2015
(Danke an Kommunisten-Online! Übersetzung: Florian Geißler, Jena)

Gordon Duff ist ein Vietnamkriegsveteran, der seit Jahrzehnten an Veteranen- und Kriegsgefangenen-Problemen arbeitet und hat Regierungen über Sicherheitsprobleme beraten. Er ist der Chefredakteur und Vorsitzender des Ausschusses von „Veterans Today“, besonders für die Online-Zeitschrift „New Eastern Outlook“.

Zuerst erschienen: http://journal-neo.org/2015/07/23/barrel-bombing-us-all/

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6 Antworten zu DIE LÜGE VON DEN FASS-BOMBEN

  1. Dirk Leinher schreibt:

    Sehr guter Artikel. In Deutschland kann heutzutage die Wahrheit auch nur noch in „satirischen Fassbomben“ versteckt verbreitet werden. Ein gelungenes Beispiel davon gibt es trotz der normalerweise verbreiteten Propaganda auf ZDF zu sehen:
    https://gesichtspunkt.wordpress.com/2015/10/26/die-anstalt-der-aussenminister-bayerns-in-der-us-botschaft/

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