Brief eines Kubaners an Herrn B.

briefEin Kubaner hat einen Brief geschrieben und der Empfänger befand, man müsse diesen Brief unbedingt einer Zeitung übergeben. Während ganz Kuba um den großen Revolutionär und Volkhelden Fidel Castro trauert, schreibt dieser Kubaner heuchlerisch: „Aber da ist die andere Seite, die mich nicht mit Fidel im Reinen sein läßt, und sie vergiftet mir die Seele. Gerade eben ist der Film XYZ des Regisseurs C.L. der Zensur zum Opfer gefallen.“ Na, pfui Teufel, aber auch! Da ist doch tatsächlich ein Film verboten worden!  Daß es sowas gibt in einem angeblich so freien Land wie Kuba! Das ist doch ein Skandal – nicht wahr? Und dann schreibt dieser saubere Herr Kubaner tatsächlich weiter, daß seine Mutter dank der Revolution zwei Krebsoperation überlebt habe und er selbst auf Kosten des kubanischen Staates studieren durfte. Und nun „vergiftet“ das Verbot eines Filmes seine Seele??? Was ist hier eigentlich der Skandal? Und wer ist der Vergifter der Seelen? Offenbar muß man hier einmal daran erinnern, was damals in den 1980er Jahren in der DDR geschah.

Es gehört zur Medienstrategie der imperialistischen Westmedien (und das nicht erst seit gestern!)  Positiv anfangen, Adressaten damit einfangen und dann zuschlagen!  So ganz unbekannt dürfte uns also das Problem der Zensur nun auch wieder nicht sein. Und was ist daran so schwierig, hier die Grenze zu ziehen zwischen ernsthafter, sozialistischer Bemühung (bei allen Irrtümern und Fehlern, die dabei passieren können) und der zynischen Haltung eines Biermann, eines Krawczyk oder eines Dichters namens Kunze, die allesamt als sie noch in der DDR lebten, nichts besseres zu tun hatten, als diesen Staat zu schmähen, zu verunglimpfen, zu verhöhnen, wo immer es nur ging.

Sie wollten nie einen besseren Sozialismus, sie wollten nur selber besser leben, waren egoistischer, waren mehr auf sich und weniger auf andere bedacht. Und sie haben versucht, auch andere zu bekehren, ebenfalls egoistischer zu sein, sich selbst zu verwirklichen, anstatt den Sozialismus etwas besser zu machen. Und da hatten sie viel Unterstützung vom Westen. Denn den Herren beim RIAS, beim Deutschlandfunk und bei der ARD kam nichts gelegener als ein paar solcher „Freiheitshelden, die der Konterrevolution in unserem Land endlich die Tore öffneten.

Aber haben sie wirklich etwas Bedeutendes für die Gesellschaft geleistet (oder bildeten sie sich das nur ein)? Wir meinen, sie haben absolut nichts Bedeutenderes geleistet, als andere, die weit weniger im Rampenlicht standen, die sich weit weniger in den Vordergrund gedrängt haben.

Und, ach nein – es herrscht eine große Ignoranz gegenüber persönlichen Projekten und Unternehmungen“ in Kuba… So, so – da werden also Privatinitiativen unterdrückt! Da läßt man in Kuba nicht zu, daß kleine Kapitalisten eine Firma gründen und den Sozialismus schädigen!  Ja, sicher. Man kann eben nicht alles haben. Nur weil sich Kuba so verschlossen hat, konnte es überleben. Mit dem medialen Druck von RIAS, SFB usw., und mit der unmittelbaren Nachbarschaft eines so rücksichtslosen und feindlich gesinnten Gegners wie der BRD wäre wohl auch Kuba längst den gleichen Weg der Paralyse gegangen wie unsere DDR. Der Verfasser dieses Briefes ist also entweder ein hemmungsloser Egoist oder er ist besonders prädestiniert für kubafeindliche und antisozialistische Propaganda.

Wer sollte nun also darüber befinden, welcher Art ein solches Individuum ist: ein kollektiv-förderndes oder ein störendes? Nach allem was wir wissen, sollte es eine offene Entscheidung geben. Darauf hat auch Stalin immer wieder Wert gelegt. Er erklärte es so:

„Ein prinzipienloses Herantreten an die Kritik führt dazu, daß beispielsweise in die sowjetische Belletristik ideologisch fremde Werke eindringen konnten. Um freundschaftliche Beziehungen nicht zu trüben, wird die Kritik zurückgehalten. Um Freunde nicht zu beleidigen, wurden offensichtlich unbrauchbare Werke zum Druck zugelassen. Ein derartiger Liberalismus, der die Interessen. des Volkes und Staates sowie die Interessen der richtigen Erziehung unserer Jugend freundschaftlichen Beziehungen opfert und die Kritik erstickt, führt dazu, daß die Schriftsteller aufhören, sich zu vervollkommnen, daß sie ihr Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Volke, der Staat und der Partei verlieren und daß ihre Weiterentwicklung zum Stillstand kommt.“ [J.W. Stalin: Über die Zeitschriften „Swesda“ und „Leningrad“. Aus dem Beschluß des ZK der KPdSU (B) vom 14.August 1946. Prawda, 21. August 1946.]

Erst wenn die Produktionsmittel Volkseigentum sind, wird Kreativität und Initiative produktiv und setzt revolutionäre Potenzen frei, die vorher kaum zu ahnen waren. Daß der Kapitalismus das nicht vermag, dürfte eine Binsenweisheit sein. Deshalb muß es eben eine scharfe Trennung geben zwischen sozialistischen und ideologisch fremden Werken.

Siehe auch: Kritik und Selbstkritik – eine mächtige Waffe des Proletariats.


P.S. Es gab auch andere Dichter in der DDR… Hansgeorg Stengel zum Beispiel! Und er war beliebt beim Publikum!

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2 Antworten zu Brief eines Kubaners an Herrn B.

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Ja, Sascha, solche Leute wie diesen jungen Kubaner kennen wir ja auch aus der DDR. Alle die, die jetzt die DDR als Unrechtsstaat, als Diktatur und totalitären Staat verteufeln, sind erst durch die DDR, genau wie der Kubaner durch Fidels Kuba, in die Lage versetzt worden, sich überhaupt zu äußern. Sie können sich nicht vorstellen, wie ihr Leben ohne das sozialistische Kuba ausgesehen hätte, sie fallen auf die übelste Propaganda der USA herein, die mit ihren elektronischen Medien Hass und Hetze nach Kuba einstrahlen. Für mich ein Zeichen, dass mit den jungen Menschen, die ja den Kapitalismus gar nicht mehr kennen, noch mehr hätte gearbeitet werden müssen.

    Als Obama Kuba besuchte, sendete das Fernsehen Szenen zu seinem Empfang. Ein auf mich beängstigend wirkender Jubel der jungen Kubaner, und eine junge schwarze Frau sagte enthusiastisch: „Endlich kommt der Kapitalismus zu uns!“ Ich befürchte, es gibt gerade unter den jungen Kubanern eine Menge Irregeleitete, die gar nicht wissen, was mit ihnen geschehen würde, könnte sich auch in Kuba der Kapitalismus festsetzen.

    Ich will nicht allzu pessimistisch sein, aber ich bin ehrlich beunruhigt, ob Kuba die Kraft hat, allein auf sich angewiesen, sich gegenüber den USA zu behaupten. Und mir tun die irregeführten jungen Kubaner schon jetzt leid, die gar nicht wissen, was da auf sie zukommen könnte.

    • sascha313 schreibt:

      …da hast Du recht – vgl. mal im vorigen Beitrag die Bemerkung des Ede über einen solchen Klassengenossen:

      Zitat:
      Er lacht verächtlich.
      „Watt hab ick mit dem jeredt! Die Kleene, det Grammophon, sonntachs mit ihr int Kino – weiter interessiert den nischt. Von der Sorte jibt’s ’ne Menge. Dett kommt dazu!“

      Aber wir wissen zum Beispiel, wie das dann weiterging; und wir sollten alle noch einmal an den „Tag danach“ erinnern!

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