DDR: Geschichte in der Schule

Geschichte9Anhand dieser recht umfangreichen Darstellung der Ziele und Aufgaben des Geschichtsunterrichtes in der DDR ist ersichtlich, welcher hohe Stellenwert diesem Unterrichtsfach in der DDR beigemessen wurde. Selbstverständlich gab es und gibt es keine Garantie, daß ein solches Fach im künftigen Leben dann auch zu den gewünschten Überzeugungen führt. Doch im umgekehrten Sinne ist gerade in der sozialistischen Gesellschaft ein hohes Bewußtseinsniveau und ein klarer Klassenstandpunkt ohne fundierte Kenntnis der Geschichte, ohne Kenntnis der gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten undenkbar. Der Autor schreibt:

Friedrich Weitendorf

GESCHICHTE IN DER SCHULE

Der Geschichtsunterricht in der zehnklassigen und in der erweiterten allgemein­bildenden polytechnischen Oberschule der DDR wurde auf der Grundlage des dialektischen und historischen Materialismus erteilt. Er hatte ausgewählte Ergebnisse der marxistischen Geschichtswissenschaft über die historische Entwicklung der menschlichen Gesell­schaft von den Anfängen bis zur Gegenwart zum Gegenstand.

Ziele des Geschichtsunterrichts in der DDR?

a) Geschichtbewußtsein vermitteln

Der Geschichtsunterricht verfolgte das Ziel, das Geschichtsbewußtsein der deutschen Jugend zu entwickeln, indem er den Schülern ein wissenschaftliches Geschichtsbild, ein wahrhaft nationales Geschichtsbild vermittelte, das der nationalen Grundkonzep­tion der deutschen Arbeiterklasse entsprach (vgl. Nationales Dokument und Grund­riß der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung).

b) Lehren aus der Geschichte ziehen

Der Geschichtsunterricht sollte die Schüler befähigen, den Entwicklungsweg der menschlichen Gesellschaft, vor allem des deutschen Volkes, wissenschaftlich richtig zu erkennen und parteilich ein­zuschätzen, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, dementsprechend die Gegenwart besser zu verstehen und als Staatsbürger der Deutschen Demokratischen Republik und damit als Pioniere der deutschen Nation bewußt mitzugestalten.

c) Sozialistisches Bewußtsein entwickeln

Der Geschichtsunterricht sollte wesentlich dazu beitragen, das sozialistische Staats- und National­bewußtsein der deutschen Jugend zu entwickeln und ihr die historische Mission der Deutschen Demokratischen Republik bewußt zu machen, durch die umfassende Verwirklichung des Sozialismus in dem ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staat die feste Grundlage dafür zu schaffen, daß in ganz Deutschland die Arbeiterklasse die Führung übernimmt, die Monopolbourgeoisie auch in Westdeutschland entmachtet und die nationale Frage im Sinne des Friedens und des gesellschaftlichen Fortschritts gelöst wird (vgl. Programm der SED).

d) Umfangreiches Geschichtswissen aneignen

Dieser Zielsetzung entsprechend erhielten die Schüler im Geschichtsunterricht an ausgewählten Stoffen der Weltgeschichte und der nationalen Geschichte ein grundlegendes Tatsachenwissen aus der Geschichte der Urgemeinschaft, des Altertums, des Mittelalters, vor allem aber der Neuzeit und der neuesten Zeit sowie der Zeitgeschichte. Sie wurden mit den wichtigsten Ereignissen und Erscheinungen der nationalen und der allgemeinen Geschichte bekannt gemacht und lernten den Beitrag des deutschen Volkes und der anderen Völker zum gesellschaftlichen und kulturel­len Fortschritt der Menschheit kennen.

e) Gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten erkennen

Sie wurden zur Achtung der großen Leistun­gen der Volksmassen sowie der freiheitlichen und revolutionären Traditionen des deutschen Volkes und anderer Völker erzogen. An Hand ausgewählter Fakten konnten sie in zunehmendem Maße Erkenntnisse über die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung, vor allem über die Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse sowie über die Rolle der Volksmassen und die Rolle der Ideen in der Geschichte ge­winnen.

f) Geschichte der Klassenkämpfe verstehen

So führte der Geschichtsunterricht die Schüler immer mehr zu der Einsicht, daß die Produzenten der materiellen Güter die Schöpfer und Gestalter der Geschichte sind und daf die Geschichte seit Auflösung der Urgemeinschaft eine Geschichte von Klassen und Klassenkämpfen ist. Die Schüler konnten ferner sehen, daß in der antagonisti­schen Klassengesellschaft der Klassenkampf die wesentliche Triebkraft der gesell­schaftlichen Entwicklung ist. Sie lernten aus der Geschichte, daß diese Entwick­lung gesetzmäßig zum Sturz der letzten Ausbeuterordnung, des Kapitalismus, und zum Sieg des Sozialismus-Kommunismus, der Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung und Krieg, führt und daß mit der Grafien Sozialistischen Oktober­revolution, der entscheidenden Wende in der Geschichte der Menschheit, die Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus begonnen wurde.

Berlin - Hauptstadt der DDR. Karl-Liebknecht-Strasse

Berlin – Hauptstadt der DDR

Dem Sozialismus gehört die Zukunft

Den Schülern wurde an Hand der historischen Entwicklung erläutert, daß unsere Epoche charakterisiert ist durch den Kampf der beiden entgegengesetzten Gesellschaftssysteme. Das trug zu der Erkenntnis bei, daß das sozialistische Weltsystem und die Kräfte, die gegen den Imperialismus, für die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft kämpfen, die Hauptrichtung der historischen Entwick­lung bestimmen und daß  dem Sozialismus-Kommunismus die Zukunft gehören wird.

Eine humanistische Erziehung

Der Geschichtsunterricht brachte den Schülern die großen Führer der Arbeiterklasse und Helden des Freiheitskampfes der Völker sowie bedeutende Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens nahe und schaffte Vorbilder patriotischen Handelns, denen die Schüler nacheifern konnten. Er trug auch wesentlich dazu bei, den Schülern die große humanistische Bedeutung der Ideen des wissenschaftlichen Sozialismus-Kommunismus und deren Verwirklichung nahezubringen und sie im Geiste des proletarischen Internationalismus und des sozialistischen Patriotismus, zur Liebe zu unserem sozialistischen Vaterland und zur Verbundenheit mit der Arbeiterklasse und unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat zu erziehen.

Antworten auf Fragen der Gegenwart

Der Geschichtsunterricht war besonders geeignet, den Schülern eine Ant­wort auf die Frage zu geben, wer ein guter Deutscher ist, und ihnen die Notwendig­keit klarer politischer Entscheidungen für unsere sozialistische Gesellschaft und unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat und damit zum Wohle der deutschen Nation bewußt zu machen.

Welche Ursachen haben Kriege?

Der Geschichtsunterricht hatte weiterhin die Aufgabe, die Ursachen und das Wesen der Kriege zu erklären, vor allem der imperialistischen Kriege. Er machte die Schüler mit den Ursachen und den verheerenden Folgen der Raub- und Eroberungskriege im Leben der Völker bekannt und ließ sie diese Kriege von den gerechten Vertei­digungs- und Freiheitskriegen unterscheiden.

Wie kann man Kriege vermeiden?

Der Geschichtsunterricht führte sie zu der Erkenntnis, daß unter den Bedingungen der Existenz und wachsenden Stärke des sozialistischen Weltsystems und des Kampfes der Volksmassen in allen Ländern die reale Möglich­keit besteht, den Krieg als Mittel der Politik auszuschalten und Prinzipien der friedlichen Koexistenz im Zusammenleben der Völker durchzusetzen.

Warum muß man die sozialistischen Errungenschaften verteidigen?

Unser Ge­schichtsunterricht erzog die Kinder zur Friedensliebe und Völkerfreundschaft; aber auch zum Haß gegen die Feinde der Menschheit, die imperialistischen und militaristischen Kriegstreiber. Er trug dazu bei, die Bereitschaft zu wecken, den Frieden zu verteidigen und unser sozialistisches Vaterland und die Errungenschaften der Werk­tätigen vor den Anschlägen der imperialistischen Reaktion zu schützen. … Die Schüler erhielten gründliche Kenntnisse vom Kampf der deutschen Arbeiterklasse unter der Führung ihrer Partei um die Eroberung der politischen Macht und die Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung. …

Wer sind die Feinde des arbeitenden Volkes?

Eindringlich wurde die volksfeindliche und antinationale Rolle des deutschen Imperialismus und Militarismus verdeutlicht; den Schülern wurde die Hauptschuld des deutschen Imperialismus und Militarismus an zwei Weltkriegen und die Gesetzmäßigkeit seiner Niederlage bewußt. Zugleich sollten die Schüler befähigt werden, sich mit der menschenfeindlichen und antinationalen Politik und der Ideologie des deutschen Militarismus und Faschismus parteilich auseinanderzusetzen, insbesondere auch mit den militaristisch-klerikalen und neofaschistischen Erscheinungen in Westdeutschland.

Welche Lehre konnten die Schüler aus der Geschichte ziehen?

Die Schüler konnten aus der Geschichte die Lehre ziehen, daß der deutsche Imperialismus und Militarismus der Todfeind des deutschen Volkes und aller friedliebenden Menschen ist und deshalb mit der Wurzel ausgerottet werden muß, während die deutsche Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei die nationalen Lebens­interessen des deutschen Volkes stets konsequent vertritt und zur Führung der Nation berufen ist.

Welche Erkenntnisse konnten die Schüler gewinnen?

  • Die Schüler wurden im Geschichtsunterricht zu der Erkenntnis geführt, daß mit der Zerschlagung der faschistischen Diktatur in Deutschland sowie mit der Vereini­gung der beiden Arbeiterparteien zur SED und mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik die entscheidende Wende in der Geschichte des deutschen Volkes eingetreten war und für das ganze deutsche Volk der Weg zur nationalen Wiedergeburt in einem friedliebenden, demokratischen und sozialistischen Deutsch­land eröffnet wurde.
  • Der Geschichtsunterricht machte den Schülern verständlich, daß diese entscheidende Wende in der deutschen Geschichte zugleich das Ergebnis des jahrzehntelangen Kampfes der deutschen Arbeiterklasse und ihrer Partei gegen die antinationale Politik der imperialistischen und militaristischen Kräfte ist.
  • Die Schüler konnten im Geschichtsunterricht zu der Überzeugung gelangen, daß in der Deutschen Demo­kratischen Republik die Lehren aus der Geschichte verwirklicht wurden und daß die Deutsche Demokratische Republik der historisch rechtmäßige deutsche Staat ist, der eine konsequente Politik zur Lösung der Lebensfrage der deutschen Nation verfolgt und die Zukunft der deutschen Nation verkörpert.

Welche geistigen Fähigkeiten vermittelte der Geschichtsunterricht?

Im Zusammenhang mit der Vermittlung eines grundlegenden, sicheren und an­wendungsbereiten Tatsachenwissens wurde der Entwicklung des historischen Den­kens der Schüler besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Hierbei handelte es sich vor allem um die Ausbildung einer Reihe von geistigen Fähigkeiten, die es den Schülern ermöglichen, historische Ereignisse und Erscheinungen in ihren Ursachen und Fol­gen, ihren konkreten historischen Bedingtheiten, dialektischen Wechselbeziehungen und Entwicklungs-zusammenhängen zu begreifen.

Zusammenhänge erkennen, urteilen, schlußfolgern

Auf diese Weise dringen sie mehr und mehr in das Wesen der historischen Erscheinungen, d.h. in die Gesetzmäßigkeit der historischen Entwicklung, ein. Die Herausbildung dieser Fähigkeiten erfordert, daß solche logischen Operationen, wie das Analysieren, Abstrahieren, Vergleichen, Verallgemeinern der historischen Tatsachen, das Einordnen der historischen Fakten in gesetzmäßige Zusammenhänge, das Aufdecken von Widersprüchen und deren Lösung, das Urteilen und Schlußfolgern, ständig geübt und den Schülern als wichtige Denkformen bewußt gemacht werden.


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Welchen Zweck verfolgte der Geschichtsunterricht in der DDR?

  1. Vermittlung von historischem Denken: Die Entwicklung des historischen Denkens trägt wesentlich dazu bei, daß sich die Jugend im Leben und in der Arbeit im Sozialismus richtig orientiert, daß sie das Wesen und die historische Bedeutung aktueller Ereignisse und Erscheinungen er­kennt und ihre Erfahrungen und Kenntnisse aus dem eigenen Lebensbereich sinnvoll in das Geschichtsbild einordnet. Das historische Wissen und das auf seiner Grund­lage entwickelte historische Denken werden somit ein wichtiges Fundament für die politisch-weltanschauliche Bildung und die staatsbürgerlich-patriotische Erziehung der deutschen Jugend.
  2. Vermittlung von Liebe zur Arbeit und zu arbeitenden Menschen: Im Geschichtsunterricht ergeben sich außerdem viele Möglichkeiten, die Schüler zur Liebe zur Arbeit und zu den arbeitenden Menschen zu erziehen. Wenn es der Geschichtslehrer versteht, den Schülern die entsprechenden Themen über die großen ökonomischen und kulturellen Leistungen der Völker auch gefühlsmäßig nahezu­bringen, so trägt er dazu bei, bei ihnen Achtung und Bewunderung der durch kör­perliche und geistige Arbeit geschaffenen Werke und ihrer Schöpfer, der werktätigen Massen, zu wecken.

Anschaulichkeit und wissenschaftliche Klarheit

Dafür standen den Lehrern reichhaltiges Anschauungsmaterial (Bilder, Lichtbilder, Filme) sowie wertvolle wissenschaftliche, populärwissenschaft­liche und belletristische Literatur zur Verfügung.

Werden z.B. die Erbauer der Schöpfwerke am Nil, die deutschen Bauern, die im Mittelalter Wälder rodeten und Kulturland erschlossen, die Arbeiter, die den Reichtum der kapitalistischen Gesell­schaft hervorbrachten und die, von der kapitalistischen Ausbeutung befreit, im So­zialismus die größten kulturellen Leistungen in der Geschichte der Menschheit voll­bringen, in Gestalt typischer Vertreter ihrer Klasse den Schülern vor Augen geführt, so daß auch die Anstrengungen, der Fleiß und das schöpferische Denken der werk­tätigen Massen deutlich werden, so erhalten sie klare Vorstellungen und Kenntnisse und zugleich ein inneres Verhältnis zu den werktätigen Menschen.

Wenn den Schü­lern an eindrucksvollen Tatsachen von freiheitlichen und revolutionären Kämpfen in Vergangenheit und Gegenwart nahegebracht wird, daß die werktätigen Menschen zugleich die Kämpfer für die Befreiung des Volkes von Ausbeutung und Unterdrüc­kung, für den Frieden und den gesellschaftlichen Fortschritt sind, leistet der Ge­schichtsunterricht einen weiteren wertvollen Beitrag für die Herausbildung der Überzeugung, daß die Volksmassen die Schöpfer der Geschichte sind, daß die Mensch­heit ihre Kultur, ihre sozialen und politischen Errungenschaften der Arbeit und dem Kampf der werktätigen Massen aller Völker verdankt.

Einheit von Theorie und Praxis

Wenn auch der Gegenstand des Geschichtsunterrichts zum großen Teil weit von der Gegenwart und dem Lebens- und Erfahrungsbereich der Schüler entfernt liegt, so wird die Bildungs- und Erziehungsarbeit in diesem Fach stets in enger Verbin­dung mit der gesellschaftlichen Praxis, vor allem mit dem Unterrichtstag, in der so­zialistischen Jugendorganisation und unter Auswertung der politischen Erfahrun­gen der Schüler durchgeführt.

So erhalten die Schüler am Unterrichtstag in der sozia­listischen Produktion unmittelbare Vorstellungen von solchen Erscheinungen und Zusammenhängen, wie sozialistischer Wettbewerb, Planung, führende Rolle der Ar­beiterklasse und ihrer Partei. Ganz abgesehen davon, daß durch die Auswertung die­ser Kenntnisse und Erfahrungen die Vorstellungs- und Begriffsbildung im Geschichts­unterricht erleichtert wird, ist die Verbindung des Geschichtsunterrichts mit dem Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Schüler im Geschichtsunterricht ihre aus der Produktionspraxis gewonnenen Erfahrungen über die sozialistischen Beziehungen der Menschen, über die Rolle der Produzenten materieller Güter beim Aufbau des Sozialismus mit ihren historischen Kenntnissen und Erkenntnissen vergleichen und ihre einzelnen Erfahrungen in die Zusammenhänge der gesellschaftlichen Entwicklung einordnen können.

Dadurch tritt die sozialistische Gegenwart klarer hervor, und die Überlegenheit der soziali­stischen Produktion wird sichtbarer. Die Verbindung des Geschichtsunterrichts mit dem Unterrichtstag in der sozialistischen Produktion trägt auch dazu bei, den Schü­lern die neuen moralischen Qualitäten der werktätigen Menschen in unserer Repu­blik, z.B. die neue Einstellung zur Arbeit, die gegenseitige Hilfe und Unterstützung, die aktive Mitarbeit bei der Leitung der sozialistischen Betriebe, das Verantwortungs­bewußtsein gegenüber dem Arbeiter-und-Bauern-Staat bewußt zu machen und ihnen somit wesentliche Unterschiede zwischen der sozialistischen und der bürgerlichen Moral vor Augen zu führen.

Systematischer Aufbau des Geschichtsunterrichts

Da die Schüler jedoch erst im zehnten Schuljahr, nachdem sie bereits fünf Jahre Geschichtsunterricht gehabt haben, die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart systematisch analysieren, erhält die Aktualisierung des Geschichtsstoffes eine beson­dere Bedeutung, weil sie die Möglichkeit bietet, bereits in vorhergehenden Schul­jahren systematisch Verbindungen zwischen dem im Unterricht angeeigneten Ge­schichtswissen und dem durch Erfahrung gewonnenen Wissen von der Gegenwart herzustellen und die Schüler zu befähigen, die aktuellen Probleme mit Hilfe ihrer Geschichtskenntnisse besser zu verstehen und parteilich zu beurteilen.

Vergleichbarkeit von Historischem und Aktuellem

Hierbei han­delt es sich vor allem um zwei Arten von aktuellen Vergleichen, wobei sowohl die übereinstimmenden Merkmale als auch die Unterschiede zwischen dem historischen und dem aktuellen Geschehen herausgearbeitet werden können:

a) Vergleich zwischen historischen und aktuellen Erscheinungen: zum Beispiel Kolonialpolitik und Kapitalexport der imperialistischen Staaten vor dem ersten Welt­krieg und als sogenannte Hilfe für unterentwickelte Länder getarnter Neokolonialis­mus imperialistischer Staaten, insbesondere auch Westdeutschlands, in der Gegen­wart; zum Beispiel antinationale Politik Adenauers, des Exponenten des deutschen Imperialismus, 1923 als Führer der Separatistenbanden im Rheinland und heute als Bundeskanzler.
b) Aufdeckung von Beziehungen zwischen einer wesentlichen historischen Erscheinung und ihren Auswirkungen in der Gegenwart bzw. zwischen einer historischen Gesetzmäßigkeit und ihrem Wirken in der Gegenwart: zum Beispiel die Große Sozia­listische Oktoberrevolution und ihre welthistorische Bedeutung nach dem ersten Weltkrieg und heute; wesentliche historische Erscheinungen vor dem ersten Welt­krieg und in der Weimarer Republik zur Kennzeichnung der beiden Linien der Poli­tik und des Hauptwiderspruchs in Deutschland und die unterschiedliche Politik der beiden deutschen Staaten in der Gegenwart.

Verbindung von Geschichte und Heimat

Eine weitere Form der Verbindung des Geschichtsunterrichts mit dem Leben ist die Auswertung heimatgeschichtlichen Materials, vor allem über die großen freiheit­lichen und revolutionären Traditionen unseres Volkes. Die Einbeziehung der Hei­matgeschichte in den Geschichtsunterricht trägt dazu bei, dafj das historische Gesche­hen für die Schüler lebensnaher wird, daf sie an die fortschrittlichen Traditionen im Heimatort und -kreis herangeführt und zur Pflege dieser Traditionen erzogen werden.

Altersgerechte Unterrichtsgestaltung

Da die historische Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart von der fünf­ten bis zur zehnten Klasse in einem linear aufgebauten Geschichtslehrgang behan­delt wird, ist die Berücksichtigung der Altersbesonderheiten der Schüler von großer Bedeutung. Da die historische Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart von der fünf­ten bis zur zehnten Klasse in einem linear aufgebauten Geschichtslehrgang behan­delt wird, ist die Berücksichtigung der Altersbesonderheiten der Schüler von großer Bedeutung.
Von der siebenten Klasse an gewinnen mit der systematisch-chronologischen Behand­lung historischer Ereignisse und Prozesse der neuen und neuesten Geschichte der historische Vergleich, das chronologische Einordnen und das Lokalisieren der Fakten, das Aufdecken der historischen Kausalität, das Bewerten, Urteilen, Schlußfolgern so­wie die zunehmende Systematisierung und Anwendung des historischen Wissens, verbunden mit der Entwicklung entsprechender Fähigkeiten des historischen Den­kens, immer mehr an Bedeutung.
Dementsprechend werden in diesen Schuljahren neben dem Lehrervortrag und dem Unterrichtsgespräch Methoden bevorzugt, die die Schüler zum selbständigen Analysieren des historischen Geschehens und zum An­wenden ihrer Geschichtskenntnisse auf die Untersuchung des weiteren historischen Geschehens und der Gegenwart veranlassen (Arbeit mit Quellen und Augenzeugen­berichten, mit Bildern, Statistiken, graphischen Darstellungen, Tabellen). Große Be­deutung hat auch der Besuch von Museen und Ausstellungen sowie nationalen Ge­denkstätten.
Im Unterricht in Zeitgeschichte (zehnte Klasse) gewinnen wie in der Staatsbürger­kunde solche Methoden an Bedeutung, die eine selbständige Auseinandersetzung der Schüler mit zeitgeschichtlichen und aktuellen Problemen fördern (Problemdiskussion, Schüleraufträge zur Untersuchung zeitgeschichtlicher und aktueller Fragen in der Praxis, Einbeziehung von Arbeiterveteranen und Funktionären unseres Staates und der Partei der Arbeiterklasse, von Aktivisten, Genossenschaftsbauern und anderen in den Unterricht, Auswertung von grundlegenden Dokumenten der Partei der Arbei­terklasse und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik bzw. der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sowie Arbeit mit der sozialistischen Presse).
In der erweiterten Oberschule wird in den neunten und zehnten Klassen der in der zehnklassigen Oberschule begonnene erste Geschichtslehrgang zu Ende geführt. In methodischer Hinsicht entspricht der Unterricht in diesen beiden Klassenstufen dem der zehnklassigen Oberschule. In den elften und zwölften Klassen ist die Problematik spezifischer und allgemeiner historischer Gesetzmäßigkeiten auf der Grundlage ausgewählter Stoffe aus der allgemeinen und deutschen Geschichte als Gegenstand des Unterrichts vorgesehen. Dieser problemgeschichtliche Unterricht sieht vor, daß von bestimmten Problemstellungen ausgegangen und die Auswahl und Auswertung der historischen Ereignisse zielstrebig auf die Lösung des aufgewor­fenen Problems hin vorgenommen wird. In diesen Schuljahren tritt im Zusammen­hang mit der Erarbeitung der historischen Gesetzmäßigkeiten immer stärker die weltanschauliche und politische Problemstellung in den Vordergrund, so daf die Schüler bei enger Koordinierung von Geschichtsunterricht und Staatsbürgerkunde eine exakte wissenschaftliche Grundlage ihres politischen Wissens erhalten und die politisch-ideologischen Grundfragen unserer Epoche richtig verstehen.

Ein einheitlicher, verbindlicher Lehrplan für alle Schulen

LehrplanDie verbindliche Grundlage für die Zielsetzung und den Inhalt des Geschichtsun­terrichts ist der Geschichtslehrplan für die zehnklassige allgemeinbildende polytech­nische Oberschule aus dem Jahre 1959 (ergänzt durch eine Direktive für die Klassen acht bis zehn aus dem Jahre 1963) und der Geschichtslehrplan für die zwölfklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule aus dem Jahre 1961 und 1963.

Erläu­terungen zum Lehrplan der zehnklassigen Oberschule findet der Lehrer in: Metho­discher Brief des DPZI zur Arbeit mit dem Lehrplan im Fach Geschichte (Berlin 1959), in: Geschichtsunterricht. Methodisches Handbuch für den Lehrer (Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1961) und in den Artikeln von Heinz Höhn und Dr. Friedrich Weitendorf in den Heften 9 und 10/1961 und im Heft 8/1962 der Zeitschrift „Geschichtsunterricht und Staatsbürgerkunde“. Erläuterungen zum Lehr­plan für die erweiterte Oberschule gibt der Artikel von Heinz Höhn: Zum neuen Ge­schichtslehrplan der erweiterten Oberschule, in: Geschichtsunterricht und Staatsbür­gerkunde Heft 8/1961.

Einige Literaturhinweise

W. G. Karzoto : Beiträge zur Methodik des Geschichtsunterrichts. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1954;
Jefimow/Awajanow/Orlow/Sanin: Methodische Anleitung zur Geschichte der Neuzeit 1640 bis 1870. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1954;
W. M. Chwostow: Zur Geschichte der Neuzeit (1870 bis 1918), Methodischer Leitfaden. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1954; Fragen der Erziehung im Geschichtsunterricht. Volk und Wissen Volkseigener Ver­lag, Berlin 1955;
Außerdem stehen dem Lehrer wertvolle Veröffentlichungen zu folgenden Gebie­ten und Problemen des Geschichtsunterrichts zur Verfügung:
Aus den Erfahrungen sowjet. Geschichtslehrer. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1954;
A.A. Wagin: Zur Vorbereitung des Lehrers auf den Geschichtsunterricht. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1955;
Karl Heinz Tomaschewsky: Zur Arbeit mit dem Lehrbuch im Geschichtsunterricht. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1955;
Zur Auseinandersetzung mit dem westdeutschen Geschichtsunterricht:
Rudi Beyer: Wohin? (Dokumente und Kommentare zur westdeutschen Schule). Kon­greß-Verlag, Berlin 1961;
Beyer/Höhn/Hofmann/Weitendorf: Militaristisches Gift in der westdeutschen Schule. Dietz Verlag, Berlin 1961.

Quelle:
Pädagogische Enzyklopädie (2 Bde.), VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1963, Bd.I, S.350-358. (bearbeitet; Zwischenüberschriften eigefügt, N.G.)

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3 Antworten zu DDR: Geschichte in der Schule

  1. giskoe schreibt:

    Generell waren die Lehrpläne der DDR systhematisch aufgebaut, verbindlich und klar strukuriert. Danke für diese Bildung!

  2. Weber Johann schreibt:

    Für einen Wessi sehr interessant einen Artikel aus dem „Neuen Deutschland“ vom 10.2.1966 über die Aufarbeitung der Nazi-Geschichte zu Lesen. Ich besuchte zu dieser Zeit die Realschule. Mir war dieser Teil, wie in dem DDR-Geschichtsbuch beschrieben, nicht bekannt:

    Zum Raub- und Vernichtungskrieg:
     DDR

     Das DDR-Lehrbuch verzichtet auf Schlachtenschilderungen und unterrichtet ausführlich über Hintergründe und Verlauf der faschistischen Eroberungspolitik. Hier erfolgt auch eine genaue Übersicht über das von Faschisten geraubte und vernichtete Gut. Unter anderem heißt es: Von 14 Millionen ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen fanden über sieben Millionen den Tod.“
     Beispiele wurden dem Lehrbuch für Geschichte der 9. Klasse der Oberschule entnommen, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin.
     
    Westdeutschland
     „Die Zivilbevölkerung verließ Städte und Dörfer und flüchtete vor den heranrückenden deutschen Verbänden, die jedoch in mustergültiger Ordnung Leben und Eigentum der Franzosen achteten.“ Der Raubkrieg wird umfangreich im Stil der Nazi-Frontberichte geschildert.
     Beispiele wurden folgenden Geschichtsbüchern entnommen: .Lebendige Vergangenheit“ für Real- und Mittelschalen 1958. Ernst Klett Verlag Stuttgart; Kletts Geschichtliches Unterrichtswerk. Die neueste Zeit, Moritz Diesterweg Verlag Frankfurt/Main: Geschichtliches Unterrichtswerk für höhere Lehranstalten, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn.“

    Mich würde interessieren, welcher Teil heute im Geschichtsunterricht in Ostdeutschland gelehrt wird.

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