Die marxistisch-leninistische Philosophie in Deutschland

Marx und Engels

Karl Marx und Friedrich Engels

Auch wenn wir es hier nun schon zum zehnten oder hundertsten Male wiederholen: der Marxismus-Leninismus ist der Kompaß für die endgültige Überwindung der maroden und menschenfeindlichen, kapitalistischen Un-Ordnung und für den Neuaufbau des Sozialismus in unserem Jahrhundert. »Marx und Engels«, sagt Stalin, »sind nicht einfach die Begründer irgendeiner philosophischen ,Schule‘ – sie sind die lebendigen Führer der lebendigen proletarischen Bewegung, die mit jedem Tag wächst und erstarkt.« [1] Immer mehr Menschen in aller Welt begreifen, daß es zum Sozialismus keine Alternative gibt …

»Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert; es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.« (Marx)

Der Marxismus ist eine internationale Lehre. Die marxistische Theorie ist die verallgemeinerte Erfahrung der Arbeiterbewegung aller Länder. Der Marxismus führt einen schonungslosen Kampf gegen die bürgerliche Ideologie. Bereits im Jahre 1845 veröffentlichten Marx und Engels eine philosophische Schrift, betitelt »Die heilige Familie«, die eine geniale Kritik der idealistischen Philosophie Hegels enthielt. Im gleichen Jahre noch schrieb Marx die »Thesen über Feuerbach«, in denen er die Begrenztheit des Feuerbachschen Materialismus kritisierte und den grundsätzlichen Unterschied zwischen der marxistischen und der alten, ihr voraufgegangenen Philosophie klarstellte. »Die Philosophen«, schrieb Marx, »haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.« [1]

Geniale Klarheit und Tiefgründigkeit…

1845/46 verfaßten Marx und Engels eine neue Arbeit, »Die deutsche Ideologie«, in der sie den deutschen Idealismus und die Philosophie Feuerbachs kritisierten. In der »Deutschen Ideologie« zeigt sich der unlösbare Zusammenhang zwischen dem dialektischen Materialismus und dem wissenschaftlichen Sozialismus. Im Jahre 1847 schrieb Marx das »Elend der Philosophie« und verfaßte gemeinsam mit Engels das »Manifest der Kommunistischen Partei«. In diesen Werken legten Marx und Engels das Wesen der marxistischen dialektischen Methode und des marxistischen philosophischen Materialismus mit genialer Klarheit und Tiefgründigkeit dar.

Der dialektische und historische Materialismus und die Gesellschaft

Mit der Ausdehnung der Leitsätze des dialektischen Materialismus auf die Erforschung des gesellschaftlichen Lebens schufen Marx und Engels den historischen Materialismus, die Wissenschaft von den Entwicklungsgesetzen des gesellschaftlichen Lebens. Sie bewiesen, daß die Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft vor allem eine Geschichte der einander ablösenden Produktionsweisen ist, eine Geschichte der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse der Menschen. Der dialektische und historische Materialismus ist das theoretische Fundament des Kommunismus, die philosophische Grundlage der marxistisch-leninistischen Partei. Nachdem der Marxismus ins Dasein getreten war, stand die gesamte Entwicklung der Philosophie in Deutschland im Zeichen des Kampfes des dialektischen und historischen Materialismus gegen die philosophischen Strömungen, die von den Ideologen des Junkertums, der Bourgeoisie und deren Agenten in der Arbeiterbewegung vertreten wurden.

Der klägliche Zustand der bisherigen deutschen Philosophie

Über den Zustand der deutschen bürgerlichen Philosophie nach der Revolution von 1848/49 schrieb F. Engels: »Und auf dem Gebiet der historischen Wissenschaften, die Philosophie eingeschlossen, ist mit der klassischen Philosophie der alte theoretisch-rücksichtslose Geist erst recht verschwunden; gedankenloser Eklektizismus, ängstliche Rücksicht auf Karriere und Einkommen bis herab zum ordinärsten Strebertum sind an seine Stelle getreten. Die offiziellen Vertreter dieser Wissenschaft sind die unverhüllten Ideologen der Bourgeoisie und des bestehenden Staats geworden – aber zu einer Zeit, wo beide im offenen Gegensatz stehn zur Arbeiterklasse«. [3]

Das schräge Weltbild Arthur Schopenhauers

Die deutschen Reaktionäre hoben den streitbaren Idealisten Arthur Schopenhauer (1788-1860), einen Prediger des Voluntarismus, auf Schild. Dieser erklärte, der Welt und den in ihr waltenden Gesetzen liege ein besonderer, »transzendenter« Wille zugrunde, und wandte sich mit aller Schärfe gegen die Werktätigen und die Demokratie.

Schopenhauer

Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Auf Schopenhauers Philosophie griffen später die Hitlerschen Dunkelmänner zurück. Die Begründer des Marxismus haben den Voluntarismus Schopenhauers und all ihm gleichgesinnten Reaktionäre vernichtend kritisiert.

Vulgärmaterialisten: Denken ist eine »Absonderung des Gehirns«

In den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts suchten einige bürgerliche Philosophen und Naturforscher der marxistischen Philosophie einen Vulgärmaterialismus entgegenzustellen (Ludwig Büchner, Karl Vogt, Jacob Moleschott u.a.). Die Vertreter des Vulgärmaterialismus gaben eine gröblich vereinfachte Darstellung vom Verhältnis des Seins zum Bewußtsein und behaupteten, das Denken sei nichts weiter als eine Absonderung des Gehirns, analog der Absonderung der Galle durch die Leber. In Ausnutzung der menschenfeindlichen Theorie von Malthus und der malthusianischen Fehler Charles Darwins biologisierten die Vulgärmaterialisten die gesellschaftlichen Erscheinungen und bezeichneten die Klassenunterdrückung als eine natürliche und unabwendbare Erscheinung, als Resultat des Kampfes ums Dasein. Davon ausgehend, erklärten sie den Kapitalismus für eine natürliche und in alle Ewigkeit bestehende Erscheinung. Die Begründer des Marxismus deckten die reaktionäre Klassennatur des Vulgärmaterialismus auf und bewiesen mit aller Gründlichkeit, daß er philosophisch unhaltbar ist.

Ein Agent Napoleons und der reaktionäre Schwachkopf Dührung …

Marx entlarvte Vogt, diesen schlimmsten Feind des deutschen Proletariats und der internationalen kommunistischen Bewegung, als einen bezahlten Agenten Napoleons III. Engels hat im »Anti-Dühring« (1877/78) die kümmerliche, reaktionäre Philosophie Eugen Dührings (1833-1921), eines Feindes der revolutionären proletarischen Bewegung, entlarvt, der unter radikalen Phrasen dem dialektischen und historischen Materialismus einen eklektischen Mischmasch aus Mechanismus, Vulgärmaterialismus und idealistischen Schemata entgegenstellte. Dühring war einer der Propagandisten des deutschen Rassismus und wurde dafür später von den deutschen Faschisten verherrlicht. Engels‘ »Anti-Dühring«, in dem alle Grundfragen der Philosophie, der Naturwissenschaft und der Gesellschaftswissenschaften vom Standpunkt des dialektischen und historischen Materialismus betrachtet werden, ist zum Handbuch des deutschen und des Weltproletariats geworden.

Wilhelm Liebknecht, Bebel, Dietzgen und Mehring …

Von großer Bedeutung im Kampf gegen die bürgerliche Ideologie in Deutschland waren die Schriften von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. In seinem Werk »Die Frau und der Sozialismus« (1879) übte Bebel scharfe Kritik an der bürgerlichen Moral und den religiösen Traditionen. Der proletarische Autodidakt Joseph Dietzgen verfaßte gehaltvolle philosophische Arbeiten, die dem dialektischen Materialismus nahekamen, dennoch aber wesentliche Mängel und Fehler zeigen.

Dietzgen

Joseph Dietzgen (1828-1888)

Die klassische Charakteristik der philosophischen Verdienste Dietzgens und eine wissenschaftliche Kritik seiner Fehler enthält Lenins Werk »Materialismus und Empiriokritizismus«. Franz Mehring propagierte, wenn auch nicht ohne grobe Irrtümer, die marxistische Philosophie und verfaßte überdies Schriften zur Geschichte und Literaturkritik (»Die Lessing-Legende«, »Deutsche Geschichte vom Ausgange des Mittelalters« u.a.). Mehring erwarb sich große Verdienste im Kampf gegen die reaktionären Anschauungen Schopenhauers, der Neukantianer, Somarts und anderer Feinde der materialistischen Philosophie sowie gegen die idealistische Ästhetik. Lenin bezeichnete Mehring als einen Mann, »… der nicht nur Marxist sein möchte, sondern es auch zu sein versteht.« [5]

Der Niedergang der Philosophie im faschistischen Deutschland

Nach dem faschistischen Umsturz, der die Hitlerpartei, eine Partei »… mittelalterlicher Reaktion und finsterster Pogrome« [6] ans Ruder brachte, galt die Propagierung des dialektischen und historischen Materialism als ein Staatsverbrechen und wurde mit dem Tode bestraft. Das fortschrittliche Denken des deutschen Proletariats entwickelte sich nunmehr in der Illegalität und in der Emigration. Die deutschen Kommunisten – Wilhelm Pieck u.a. – entlarvten in ihren Schriften und Reden die faschistischen Dunkelmänner, die als philosophische Weisheiten getarnte menschenfeindliche Theorien zur Rechtfertigung der brutalen Politik des Faschismus verbreiteten. Anknüpfend an Gobineau, Lapouge, Nietzsche, Dühring, Chamberlain u.a. ernannten die faschistischen Banditen – Hitler, Rosenberg, Günther, Ley, Darre u. a. – die Deutschen zu einer »höheren Rasse«, die vom Schicksal dazu ausersehen sei, die ganze Welt zu beherrschen.

Blütezeit der Pseudowissenschaften im Faschismus

Man rief eine spezielle Pseudowissenschaft, die Geopolitik, ins Leben, der zufolge die ganz Welt deutscher »Lebensraum« war. Ferner bedienten sich die Faschisten der Wahnideen Spenglers vom Kampf gegen den Intellektualismus, von der Aufhebung jeglicher Moralnormen, von der Ablösung der Wissenschaft durch die Theologie und von der Verwirklichung der unbegrenzten Macht imperialistischer »Führer« vom Typ Hitlers und Mussolinis über die Volksmassen, denen nur noch das »Recht« zuerkannt wurde, sich widerspruchslos den Bankiers und Plutokraten zu unterwerfen. Mit Unterstützung der offen ins Lager des Faschismus übergetretenen Neuhegelianer und unter Benutzung der reaktionären Ideen Schopenhauers und Kants konnte die nazistische »Philosophie« den Hitlerstaat als einen »Idealbund« »irrationalen« Ursprungs bezeichnen.

Die Wiedergeburt der Philosophie in der DDR

Erst mit Hilfe der Sowjetunion, die das deutsche Volk vom Joch des Faschismus befreit hat, sind nunmehr in einem Teil Deutschlands, in der DDR, günstige Bedingungen für die weitere Verbreitung und Propagierung der wirklich wissenschaftlichen Philosophie des Marxismus-Leninismus geschaffen worden. Geführt von der SED und der KPD, kämpfen die werktätigen Massen in ganz Deutschland gegen die Überreste der faschistischen Ideologie. Entscheidende Kampfmittel zur Entlarvung des faschistischen Obskurantismus sind die Werke Stalins, in denen die reaktionäre Klassennatur der hitlerfaschistischen Ideologie und deren direkter Zusammenhang mit dem amerikanisch-englischen Imperialismus restlos aufgedeckt wird. Stalins Schrift »Über dialektischen und historischen Materialismus« ist zum Handbuch der fortschrittlichen Menschen Deutschlands geworden.

Jaspers, Heidegger und andere reaktionäre Ideologen

Die faschistischen Elemente in Westdeutschland genießen den Schutz der amerikanischen, englischen und französischen Besatzungsmächte und suchen die faschistischen Pseudotheorien wieder zum Leben zu erwecken. Außer der überlieferten Philosophie der imperialistischen Reaktion (Neuhegelianismus, Neukantianismus, Nietzscheanertum usw.) und unverhülltem faschistischem Obskurantismus verbreiten die reaktionären Philosophen recht eifrig auch die Philosophie des Existentialismus (Jaspers, Heidegger u.a.), die die schändlichen Ideen des Kosmopolitismus und des bürgerlichen Nationalismus sowie das Primat der Theologie vor der Wissenschaft predigt. Die Existentialisten wollen beweisen, daß das Dasein des Menschen sinnlos ist; sie propagieren Amoralismus und entwickeln die Idee eines besonderen »westlichen Geistes«, worunter eine Union der bürgerlichen Staaten des »marshallisierten« Europa einschließlich Westdeutschlands unter der Oberherrschaft des amerikanischen Imperialismus zu verstehen ist. Reaktionäre idealistische Propaganda betreiben auch die deutschen rechtssozialdemokratischen Führer (Schumacher u. a.), die schlimmsten Feinde des Marxismus und direkten Agenten der amerikanisch-englischen Anstifter eines neuen Krieges und ihrer westdeutschen Kreaturen. An den westdeutschen Universitäten wird die marxistische Philosophie unterdrückt und entstellt. Dort werden Idealismus und Theologie propagiert.

Die marxistisch-leninistische Philosophie in der DDR

Konsequente Kämpfer gegen die reaktionäre Philosophie sind im heutigen Deutschland Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Max Reimann und andere fortschrittliche Politiker. Sie entlarven vom Standpunkt des dialektischen Materialismus aus die idealistischen, wissenschaftsfeindlichen Anschauungen der deutschen rechten Sozialdemokraten und der unverhohlen bürgerlichen Philosophen. Eine Beurteilung des philosophischen Revisionismus gab Fred Oelßner in seiner Schrift »Der Marxismus der Gegenwart und seine Kritiker« (1948).
Oelßner Marxismus
In der Deutschen Demokratischen Republik wird die marxistische Philosophie an den Hochschulen gelehrt; die Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin erscheinen in Massenauflagen. Das Marx-Engels-Lenin-Institut zu Berlin leistet wissenschaftliche und propagandistische Arbeit auf dem Gebiet des dialektischer und historischen Materialismus. Die breiten Massen der deutschen Werktätigen überzeugen sich mehr und mehr von der historischen Wahrheit des Marxismus-Leninismus.

Quelle:
J.Kuczynski/W.Steinitz(Hrsg.), Deutschland, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1953, S.287-296 (Auszug; Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Zitate:
[1] J.W. Stalin, Werke, Bd.1, Dietz Verlag Berlin, 1951, S.304.
[2] Karl Marx, Thesen über Feuerbach, in: K. Marx und F. Engels, Ausgew. Schriften, Bd.II, Berlin 1952, S. 378.
[3] ebd. S.374
[5] W.I. Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Berlin, 1949, S.347.
[6] J.W. Stalin, Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, Dietz Verlag Berlin, 1951, S.29.

Siehe:
Fred Oelßner: Der Marxismus und seine Kritiker in der Gegenwart

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