Was ist eigentlich „Bolschewismus“?

Sowjetstern
Sucht man im Internet nach dem Begriff des „Bolschewismus“, so findet man unendlich viele Verleumdungen und Lügen über die angeblichen „Opfer des Bolschewismus“,  über „Opfer des Stalinismus“, vom Hungerholocaust in der Ukraine und andere schreckliche Gruselgeschichten und Bilder, die dem unbedarften Leser die Haare zu Berge stehen lassen. Nur selten findet man die Wahrheit. Sehr oft werden Begriffe falsch verwendet, nicht immer nur aus Unkenntnis, wie das bei einem geschichtlich ungebildeten Leser der Fall sein mag, sondern zumeist mit bewußt fälschender, in betrügerischer Absicht. Dabei offenbart sich dem sachkundigen Leser sehr schnell der Klassenstandpunkt desjenigen, der solches tut. Die Bourgeoisie, d.h. die herrschende Ausbeuterklasse, verwendet diese Fälschungen, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Vor allem während des Hitlerfaschismus diente der Begriff des „Bolschewismus“ dazu, in der Bevölkerung Horrorvisionen über die Sowjetunion zu verbreiten und die Soldaten der Wehrmacht zum Krieg gegen die Sowjetunion aufzuhetzen. Deshalb sei hier noch einmal klar erläutert, was unter „Bolschewismus“ zu verstehen ist.

Bolschewismus: Strategie und Taktik der KPdSU, die sich in ihrer ganzen Tätigkeit vom Leninismus leiten läßt. »Bolschewismus und Leninismus sind ein und dasselbe. Es sind zwei Bezeichnungen für ein und denselben Begriff« (Stalin). [1]

Woher kommt der Begriff des Bolschewismus?

Unter Bolschewismus verstehen wir die konsequent marxistische Strömung in der internationalen Arbeiterbewegung, die zu Beginn des 20. Jh. in Rußland entstand und ihre erste Verkörperung und Verwirklichung in der von W.I. Lenin geschaffenen Partei neuen Typs (⇒ marxistisch-leninistische Partei), der Partei der Bolschewiki, gefunden hat. »Als Strömung des politischen Denkens und als politische Partei besteht der Bolschewismus seit dem Jahre 1903.« (Lenin) [2] Zu dieser Zeit verlagerte sich das Zentrum der revolutionären Bewegung im Weltmaßstab nach Rußland. Der Begriff Bolschewismus entstand auf dem II. Parteitag der SDAPR 1903, als die Anhänger Lenins und der Zeitung »Iskra«, die Iskristen, bei der Wahl der leitenden Parteiorgane die Mehrheit (russ.: bolschinstwo) erhielten und die opportunistischen Kräfte, die Menschewiki (russ.: menschinstwo,Menschewismus), in der Minderheit blieben.

Die Grundlage ist der Marxismus-Leninismus

Der Bolschewismus basiert auf dem ⇒ Marxismus-Leninismus, verkörpert die Einheit der revolutionären Theorie und Praxis und vereinigt die von Lenin ausgearbeiteten ideologischen, organisatorischen, strategischen und taktischen Prinzipien. Er hat im Sinne des ständig schöpferisch weiterzuentwickelnden Marxismus-Leninismus auch volle Gültigkeit für die künftige Epoche des weltweiten Übergangs zum Sozialismus. Der Bolschewismus verallgemeinerte die Erfahrungen der revolutionären Bewegung in Rußland und der ganzen Welt, er ist der wichtigste Beitrag der russischen Arbeiterklasse in der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung.

Eine Partei neuen Typs

Der Bolschewismus entstand und stählte sich in harter, ständiger Auseinandersetzung mit bürgerlichen und kleinbürgerlichen Ideologien und Feinden der Arbeiterbewegung Rußlands und im Weltmallstab. Im Ringen um die Schaffung und Entwicklung einer Partei neuen Typs, für den Sturz der zaristischen Selbstherrschaft und des Kapitalismus in Rußland hatte der Bolschewismus den politisch-ideologischen Kampf in der Arbeiterbewegung vor allem mit den Menschewiki (⇒ Liquidatoren), mit den Trotzkisten (⇒ Trotzkismus) und mit den Otsowisten zu führen, die unter dem Deckmantel der revolutionären Phrase für die Abberufung (russ.: otzyw) der Arbeiterabgeordneten aus der Duma eintraten, also auf die Ausnutzung der verbliebenen legalen Möglichkeiten des Kampfes in den Jahren der Reaktion (1907-1910) verziehen wollten.

Merkmale des Bolschewismus: Theoretische Klarheit, Prinzipienfestigkeit und taktische Beweglichkeit

Seit der Aprilkonferenz 1917 führte die SDAPR, seit 1918 die Kommunistische Partei Rußlands, von 1925 bis 1952 die KPdSU in Klammern die Bezeichnung »B« (Bolschewiki). Ein charakteristisches Merkmal des Bolschewismus ist der ⇒ proletarische Internationalismus. Auf seiner Basis war der Bolschewismus eng mit den linken, revolutionären Kräften in den westeuropäischen sozialdemokratischen Parteien verbunden. Er war für viele von ihnen durch seine theoretische Klarheit, Prinzipienfestigkeit und taktische Beweglichkeit Vorbild in der Auseinandersetzung mit dem Imperialismus und ⇒ Opportunismus.

Die Erfahrungen der Bolschewiki aus drei Revolutionen

Die Vertreter der revolutionären, proletarischen Klassenlinie in der Arbeiterbewegung erhielten von den Bolschewiki theoretische und praktische Hilfe beim besseren Erkennen der neuen Kampfbedingungen und Aufgaben des Proletariats im Imperialismus und ihrer eigenen theoretischen und politischen Schwächen. Dies hatte für die Herausbildung der kommunistischen Parteien und der III. ⇒ Kommunistischen Internationale große Bedeutung. Dabei kam dem Bolschewismus zugute, daß er auf die Erfahrungen aus drei Revolutionen zurückgreifen konnte. In richtiger Anwendung des Bolschewismus vereinte die Leninsche Partei in Rußland den Kampf der Arbeiterklasse für den Sozialismus, die allgemeine Volksbewegung für den Frieden, den Kampf der Bauern um Boden und der nationalen Befreiungsbewegung der unterdrückten Völker zu einem einheitlichen revolutionären Strom für den Sturz der Gesellschaftsordnung.

Der Bolschewismus als taktisches Vorbild für alle

Durch die Ausnutzung der objektiven Bedingungen und der besonderen gesellschaftlichen Widersprüche des ehemaligen zaristischen Rußlands sowie richtige Strategie und Taktik des Bolschewismus siegte die Arbeiterklasse Rußlands in der ⇒ Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, wurde die ⇒ Diktatur des Proletariats errichtet, entstand der erste Arbeiter- und Bauernstaat der Welt. Lenin schrieb schon 1918, daß der Bolschewismus die Entwicklung der proletarischen Revolution in Europa und Amerika so stark gefördert hat, wie das bisher keiner anderen Partei gelungen ist. Den Werktätigen aller Länder werde mit jedem Tage klarer, daß der Bolschewismus den richtigen Weg zur Rettung vor den Schrecken des Krieges und des Imperialismus wies und er sich »als Vorbild der Taktik für alle eignet« [4].

Quelle:
Wörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag Berlin 1983, S.119f. (m.Korr., N.G.)

Anmerkungen: Die KPdSU und die Kommunistische Internationale leisteten in den Jahren und Jahrzehnten nach der Oktoberrevolution bis zur Ermordung Stalins im Jahre 1953 eine große Arbeit zur Verbreitung der Ideen und Erfahrungen des Bolschewismus, zur Bolschewisierung der kommunistischen Parteien, wie die Aneignung des Leninismus durch diese Parteien genannt wurde. Die KPdSU und insbesondere Lenin und Stalin halfen den jungen kommunistischen Parteien, die bolschewistischen Prinzipien und Erfahrungen schöpferisch auf die historischen und nationalen Bedingungen ihrer Länder anzuwenden.

Mit der nach 1956 einsetzenden Phase des Revisionismus verlor die KPdSU bis zu ihrem Verbot durch den Volksverräter Jelzin im Jahre 1990 zunehmend ihre führende Rolle in der Welt, was zur Spaltung der kommunistischen Bewegung, zum Sieg der Konterrevolution und zur Zerschlagung des sozialistischen Weltsystems führte. Doch nach und nach setzte sich die Wahrheit durch, und es entstanden in vielen Ländern erneut bolschewistische Parteien.

„Es sollte nicht verwundern,“ sagte der englische Kommunist Bill Bland 1999 auf einer Rede vor der Sarat-Akademie in London, „wenn wir heute in einer russischen Nachrichtensendung Demonstranten zu Gesicht bekommen, die wieder Portraits von Stalin tragen! Denn für solche Demonstranten ist das Portrait Stalins ein Symbol des Sozialismus, den man ihnen zeitweilig genommen hat.“ [3] Und das nicht nur in Rußland, sondern schon bald in aller Welt!

Zitate:
[1] Lexikon A-Z in einem Band, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1953, S.123.
[2] W.I Lenin: Werke, Bd.31, S.9.
[3] Bill Bland: Über den demagogischen Begriff des „Stalinismus“
[4] W.I. Lenin, Werke, Bd.28, S.294.

Begriffserklärungen:
Marxistisch-leninistische Partei: kommunistische Partei, die die Ideen von Marx, Engels, Lenin und Stalin vertritt.
Menschewismus: Anhängerschaft der opportunistischen Minderheit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, die 1912 ausgeschlossen wurde.
Marxismus-Leninismus: Gesamtheit der Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin, die der von der marxistisch-leninistischen Partei geführten Arbeiterklasse Richtschnur beim Sturz  des Kapitalismus und Aufbau des Sozialismus und Kommunismus sind.
Liquidatoren: Die Menschewiki hielten die Revolution in Rußland für beendet. Der Opportunismus der Menschewiki, der Verrat der Ziele der Revolution schlug sich dann im Liquidatorentum nieder. Auf den Seiten der Zeitung („Stimme des Sozialdemokraten“) traten sie mit der Forderung auf, die illegale revolutionäre Partei zu liquidieren. Das war zugleich die Absage der Liquidatoren an die programmatischen, organisatorischen und taktischen Grundlagen der SDAPR. Sie riefen die Arbeiter zur Versöhnung mit dem Zarismus auf und zum Verzicht auf den revolutionären Kampf gegen die Selbstherrschaft und gegen die Bourgeoisie. Die Führer dieser Liquidatoren waren Potressow, Axelrod, Dan, Martow, Martynow und andere. (mehr…)
Trotzkismus: sowjetfeindliche und antikommunistische politische Gruppierung
Proletarischer Internationalismus: Ausdruck der Solidarität zwischen den Arbeitern aller Länder
Kommunistische Internationale (KI): Organisation der internationalen kommunistischen Bewegung, gegründet 1919 in Moskau. Die KI war nach dem Prinzip des demokratischen Zentralismus aufgebaut, die kommunistischen Parteien bildeten ihre Sektionen. Sie unterstützte die kommunistischen Parteien bei der Aneignung des Marxismus-Leninismus und förderte dessen schöpferische Anwendung.
Große Sozialistische Oktoberrevolution: erste siegreiche proletarische Revolution. Nach der Februarrevolution 1917 orientierte Lenin in den Aprilthesen auf die friedliche Überleitung der bürgerliche-demokratischen in die sozialistische Revolution. Am 24./25.10. (6./7.11.) 1917 erhoben sich in Petrograd revolutionäre Arbeiter, Soldaten und Matrosen. Sturz der provisorischen Regierung Kerenski und Sieg der sozialistischen Revolution.
Diktatur des Proletatriats: Begriff zur Bezeichnung des Klasseninhalts der in der sozialistischen Revolution zu errichtenden Staatsmacht, die den breiten Massen ein Maximum an Demokratie sichert.

Siehe auch:
A.Tschernjak: Die Gründung einer Partei neuen Typs durch Lenin
Die Vertreibung der chrakterlosen Scheißkerle aus der Partei

Nur ein Beispiel soll genügen, welches die trüben Quellen dieses Lügenfeldzuges gegen den Kommunismus erhellt. Auf einem Flugblatt der Nazis, welches Anfang 1944 über der Sowjetunion abgeworfen wurde, stand: „Mordbilanz des Bolschewismus! (1917-1944)“
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Ist jetzt klar, woher die Zahlen kommen?

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8 Antworten zu Was ist eigentlich „Bolschewismus“?

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