Auf den Spuren Hitlers

Fulton

Die Fulton-Rede Churchills

Nach Roosevelts Tod war im Jahre 1945 die Regierung der USA vor die für Deutschlands Zukunft grundlegende Entscheidung gestellt: eine antifaschistische Ordnung und eine wirkliche Demokratisierung in einem einheitlichen deutschen Staat zu unterstützen, oder sich die deutschen Trustherren (nach Abhalfterung einzelner, zu belasteter Leute) als künftige Juniorpartner zu bewahren. Sie hatte sich für das zweite entschieden: für die Restauration der „überlieferten“ und „natürlichen“, unantastbar geheiligten „Ordnung“ des Kapitalismus.

Der Beginn des kalten Krieges gegen die Sowjetunion

Ein Rückblick über vier Jahre läßt, einzelnes im großen Zusammenhang gesehen, die Konturen des internationalen Hintergrundes für diese Entscheidung in der deutschen Frage schärfer hervortreten. Deutschland wurde in einer weltweiten Auseinandersetzung zum Schlachtfeld des „kalten Krieges“. Die Tinte der Unterschrift des nordamerikanischen Präsidenten Truman unter dem Potsdamer Abkommen war noch nicht getrocknet, als die erste Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 abgeworfen wurde. Natiirlich war es im Krieg auf Leben und Tod gegen Hitler unvermeidlich gewesen, daß die alliierten Physiker alles taten, um einer Bedrohung der Welt durch die Atombombe in Hitlers Hand zuvorzukommen – doch der Bombenwurf auf Hiroshima galt kaum noch dem ziemlich kapitulationsreifen Japan, dem eine Woche später die längst vereinbarte Offensive der Sowjetarmee zu Lande den sicheren letzten Schlag geben sollte.

Der Atombomben-Terror der USA

Der Bombenwurf war bereits als eine demonstrative Drohung gegen die Sowjetunion gedacht. Die extrem-imperialistischen Kreise Nordamerikas, .die seine Politik nach. Roosevelts Tod unbeschränkter beherrschten, wollten sich auf diese Weise „stark zeigen“. Der grausige Erfolg der Atombombe, die erbarmungslos Zehntausende von Kindern und Frauen vernichtete, zeugte in diesen herrschenden Kreisen der Vereinigten Staaten jäh die Atompsychose: ein Fieber der Überheblichkeit, eine Hysterie der Verteidigung ihres angeblichen Atommonopols, eine Politik der Herausforderung. Der schwarze Tag von Hiroshima, der aus seinem Schrecken die neue Weltherrschaftsphantasie des „amerikanischen Jahrhunderts“ nährte, wurde auch zu einem schwarzen Tag für die innerdeutsche Entwicklung.

Weltherrschaftspläne des USA-Imperialismus

Die rückschauende Betrachtung bis i945 offenbart die Deutschlandpolitik der ausschlaggebenden großkapitalistischen Kreise der Vereinigten Staaten als einen Teil ihres Strebens, das Ergebnis des antifaschistisch-demokratischen Krieges gegen die Achse Berlin-Rom-Tokio abzuändern in einen Triumph des amerikanischen Imperialismus. Die Nachkriegsentwicklung bestätigt Lenins These über den Imperialismus als der „Epoche des Finanzkapitals und der Monopole, die überall hin den Drang nach Herrschaft, aber nicht nach Freiheit tragen“. Die amerikanischen Bankiers und Trustherren wollten und wollen mit Hilfe ihrer Dollarmacht und ihres im Kriege überdimensional aufgeblähten Produktionsapparates, aber seinetwegen auch getrieben von der Furcht vor der herannahenden Krise der eigenen Wirtschaft sich alle fünf Kontinente untertan machen: als Rohstoff- und Kapitalsanlagegebiete und Absatzmärkte, als Zonen ihrer wirtschaftlichen und politischen Domination.

Die Umzingelung der Sowjetunion

Die Truman-Doktrin, welche die „Verteidigung der westlichen Hemisphäre“ aggressiv bis an die südlichen und nördlichen Grenzen der Sowjetunion vorschob, wiederholte in einer veränderten Weltlage die alte imperialistische Politik des cordon sanitaire gegen die Sowjetunion. In dieser Doktrin, und später im Marshall-Plan und im Nordatlantikpakt, gewann der neue imperialistische Anspruch auf Weltherrschaft Gestalt. Er beschwor die Spaltung der Welt herauf, deren Schnittlinie, doppelt schmerzhaft, mitten durch das kriegswunde Deutschland zu klaffen begann.

Die Kolonialisierung Westdeutschland durch die USA

Nach den verkündeten Kriegszielen sollte die Besetzung Deutschlands erfolgen, um in ihm die materiellen und geistigen Grundlagen des Nazismus, Militarismus und Imperialismus zu zerstören, die Demokratisierung zu vollenden und die Nachbarvölker vor der Gefahr neuer deutscher Aggressionen dauerhaft zu sichern. Die drei Westmächte unter amerikanischer Führung verliehen jedoch der Besetzung Deutschlands willkürlich einen anderen Sinn. Die Politik des Marshall-Planes und des Atlantikpaktes brauchte um jeden Preis ein abgespaltenes Westdeutschland, das wirtschaftlich kolonisiert und politisch bevor. mundet ist, und das gerade dadurch dem wirtschaftlichen und militärischen Westblock als vorgelagerte Position gegen die Sowjetunion, die volksdemokratischen Länder und die deutsche Ostzone dienen kann. Vergoldet wird diese Politik durch glanzvolle Versprechungen: Dieses Westdeutschland würde bald eingereiht. in jene „europäische Union“, deren brandstifterischer Prophet Churchill ist, die aber ihre Kommandos aus den Büros .der Wallstreet empfängt.

Ein reaktionäres Bündnis – die „Vereinigten Staaten von Europa“

Lenin zeigte schon 1915, daß solche „Vereinigte Staaten von Europa“ auf dem Boden des lmperialismus nur reaktionär sein könnten und ein Übereinkommen bedeuten, „mit vereinten Kräften den Sozialismus in Europa zu unterdrücken“, Die heutige Wirklichkeit bestätigt die Genialität .dieser Voraussage. So benützt die neue internationale Heilige Allianz Westdeutschland als Randgebiet ihres Kriegsblockes und das Ruhrgebiet als sein Arsenal. Für ihre eigenen Machtinteressen forcierte sie, nach einer besonderen Währungsreform im Juni 1948, dort die Gründung eines eigenen Bundesstaates. Die Verfassung dieses separaten Staates wird faktisch zur Durchführungsverordnung eines diktierten Besatzungsstatutes, das an die Stelle eines Frie4ensvertrages mit ganz Deutschland tritt.

Die amerikanischen Besatzer richten sich auf ewig ein…

Die Besetzung Deutschlands wird verewigt, aber eine Besetzung in einem ganz anderen Geist und zu anderen Zielen, als in den alliierten Verträgen von Jalta und Potsdam beabsichtigt war.Diese aggressive imperialistische Politik verwandelt den westdeutschen Bundesstaat in doppelter Hinsicht in ihr Objekt:

  • Seine Friedensindustrie wird zerstört oder überfremdet und aufgekauft;
  • neue, von Wallstreet beherrschte Konzerne entstehen;
  • Ausfuhr und Einfuhr werden nach amerikanischem Interesse reguliert.
  • Westdeutschland gerät unter diesem Besatzungsregime in immer tiefere finanzielle Verschuldung und koloniale Abhängigkeit.

Westdeutschland als Aufmarschgebiet für den dritten Weltkrieg

Kaum ein Jahr nach seiner separaten. Währungsreform zeigt sich: Es wurde so jäh in den Mechanismus der heranreifenden amerikanischen Wirtschaftskrise und der allgemeinen Marshallisierungskrise hineingerissen, daß sich in ihm sprungartig der Übergang von der Mangelkrise des Nachkrieges zu Absatzkrise und Arbeitslosigkeit vollzog. Dem westdeutschen Bundesstaat ist gleichzeitig in der militärischen Strategie der Herren von Washington und ihrer europäischen Trabanten das Los zugeschoben das erste Aufmarschgebiet in einem dritten Weltkrieg zu sein, falls dieser nicht durch die Friedenskräfte der Völker rechtzeitig verhindert wird.

Wer hatte die Absicht eine Mauer zu errichten?

Durch diese Politik wurde auch der lebendige Körper der deutschen Hauptstadt politisch, wirtschaftlich und kulturell brutal zerschnitten. Das vollendete Attentat auf die Einheit Deutschlands wurde durch das vollendete Attentat auf die Einheit Berlins ergänzt. Die amerikanische Politik versuchte, sich die Westberliner Sektoren mit ihrer fremden Währung als eine Vorpostenstellung inmitten der Ostzone auszubauen: zur politischen und geistigen Zersetzung, zur finanziellen Unterminierung und wirtschaftlichen Sabotage ihres planvollen demokratischen Aufbaues.

Die BRD bewegt sich in den Fußtapfen Hitlers

Gerade diejenigen traten, und treten, bei diesem Tun als Rufer gegen den „Totalitarismus“ der sowjetischen Besatzungszone auf, die – unter den veränderten internationalen und nationalen Umständen – selbst in die Fußtapfen Hitlers zu treten begonnen haben.

Quelle:
Alexander Abusch: Der Irrweg einer Nation, Aufbau Verlag Berlin, 1950, S.281-285.(Zwischenüberschriften eingefügt)


Siehe auch:
Walter Ulbricht sagte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen…“
Geschichtsfälscher: Die Lüge von der angeblichen „verdienstvollen Befreiung“ Europas durch die USA

DOWNLOAD: Auf den Spuren Hitlers

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2 Antworten zu Auf den Spuren Hitlers

  1. prkreuznach schreibt:

    Hat dies auf Kalter Krieg und "Entspannungspolitik" rebloggt und kommentierte:
    Hier noch ein wichtiger Beitrag zum Thema „Kalter Krieg“ von Sascha.

  2. prkreuznach schreibt:

    Für den guten Beitrag danke ich Dir, Sascha. Ich habe ihn in meinem Blog „Kalter Krieg und Entspannungspolitik“ https://kalterkriegundentspannungspolitik.wordpress.com rebloggt.

    https://kalterkriegundentspannungspolitik.wordpress.com/2016/02/15/auf-den-spuren-hitlers/

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