Über die Sklaverei

Ilja Repin (1844-1930) - Wolgatreidler

Ilja Repin (1844-1930) – Wolgatreidler

Wir leben in einer Welt extremer Gegensätze. Noch nie zuvor erlebte die internationale Wirtschaft einen derartigen Boom wie heute. Die Extreme stehen dicht beieinander. Unermeßlicher Reichtum und Zufriedenheit auf der einen, und bitterste Armut auf der anderen Seite. Niemals zuvor wurden solche gigantischen Bauwerke geschaffen wir heute, niemals gab es so viele Informationsmöglichkeiten wie heute, und noch nie zuvor war die Versklavung und Verarmung ganzer Völker so extrem wie in unserer heutigen Zeit. Der Imperialismus vollzog eine rasante Entwicklung. Dem Kapital gelang es, die Republik der Sowjets zu zerschlagen. (Der Sozialismus ist nicht gescheitert, sondern er wurde zerschlagen!) Und die Folge: Eine Epoche der schwärzesten Reaktion brach über alle kapitalistischen und kolonialen Länder herein. Die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker wurden vollends geknebelt und die Positionen des internationalen Kommunismus wurden liquidiert. [1] Die Gier nach Profit brachte massenhaft kriminelle Energie hervor. Immer unverhohlener, ohne jede Scham und fast ohne Gegenwehr nutzen die multinationalen Konzerne, und mit ihnen die kleinen Ganoven, die Beamten und Politiker; ihre Macht, um die Daumenschrauben noch stärker anzuziehen: die Preise steigen, Gebühren werden erhöht und Sozialausgaben gekürzt. Und die Profite, die Dividenten und Diäten wachsen unaufhörlich. Mit einem Wort: Unbeschränkte FREIHEIT für das Kapital.

Die Sklavenhaltergesellschaft

SklavenSie ist die älteste Form einer auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln und damit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhenden ökonomischen Gesellschaftsformation. Sie entstand im Schoße der zerfallenden Urgesellschaft. Grundlage der Produktionsverhältnisse der Sklavenhalter-gesellschaft war das Privateigentum der Sklavenhalter an den Produktionsmitteln und an den unmittelbaren Produzenten, den Sklaven. Das von den Sklaven erarbeitete Mehrprodukt eigneten sich die Eigentümer der Produktionsmittel, die Sklavenhalter, an.

Der Klassengegensatz

Die Sklavenhaltergesellschaft ist gekennzeichnet durch den Gegensatz zweier antagonistischer Hauptklassen, der herrschenden Klasse der Sklavenhalter, die die ausbeutende Minderheit, und der unterdrückten Klasse der Sklaven, die die ausgebeutete Mehrheit bilden. Neben diesen Hauptklassen gab es Zwischenschichten, kleine Bauern und Handwerker, die mit von eigener Arbeit lebten. Die Zwischenschichten zersetzten sich mit der Entwicklung der Sklavenhaltergesellschaft Ihre Blüte und klassische Form erreichte die Sklavenhaltergesellschaft im Mittelmeerraum, z.B. im antiken Griechenland und im Römischen Imperium.

Die Produktivkräfte

Da die Sklaven am Ergebnis ihrer Arbeit nicht interessiert waren, vollzog sich die Entwicklung der Produktivkräfte in der Sklavenhaltergesellschaft sehr langsam. Obwohl die Arbeitsproduktivität des einzelnen Sklaven gering war, war die Gesamtmenge des Mehrprodukts durch rücksichtslose Ausbeutung der Sklaven, auch bis zur physischen Vernichtung, verhältnismäßig groß. Das erforderte aber gleichzeitig, daß die herrschende Klasse der Sklavenhalter mit Hilfe ihres Staates in Raubkriegen benachbarte Völker unterwarf und stets neue Sklaven erbeutete.

Der Klassenkampf

Die Geschichte der Sklavenhaltergesellschaft ist daher auch die Geschichte eines sich ständig verschärfenden Klassenkampfes der ausgebeuteten Mehrheit gegen die ausbeutende Minderheit, der bis zu Massenaufständen der Sklaven ging, dessen bedeutendster der Spartakusaufstand war.

Kreuzigung

…und so endete der Aufstand der Unterdrückten. 6000 Sklaven wurden gekreuzigt. (Übrigens: Wer war eigentlich Jesus?)

Mit der Verschärfung ihrer Widersprüche wurde die Sklavenhaltergesellschaft zur Fessel für Entwicklung der Produktivkräfte. Der Zerfall der Sklavenhaltergesellschaft zum Beispiel im Römischen Reich wurde durch innere und äußere Kräfte (Klassenkämpfe und Einfälle vor allem der Germanen) bewirkt. Die Sklavenhaltergesellschaft wurde durch den im historischen Sinne fortschrittlicheren Feudalismus abgelöst. [2]

Parallelen zur Gegenwart

  • Ausbeutung: Auch die heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung beruht auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Die Kapitalisten eignen sich den in der Produktion von den Lohnarbeitern erzeugten Mehrwert unentgeltlich an.
  • Privateigentum: Grundlage der Produktionsverhältnisse im Kapitalismus ist das Privateigentum der Kapitalisten an den Produktionsmitteln; es besteht zwar nicht unmittelbar ein Besitzverhältnis der Kapitalisten gegenüber den Produzenten, oft aber ein direktes Abhängigkeitsverhältnis.
  • Klassengegensatz: Es existieren auch im Kapitalismus zwei sich antagonistisch gegenüberstehende Klassen: das Proletariat (Mehrheit des Volkes) und die Bourgeoisie (die herrschende Minderheit der Ausbeuterklasse). Die Zwischenschichten (wie z.B. die Intelligenz, das Kleinbürgertum und die kleinen Handwerker) tendieren je nach politischer Lage zur einen wie zur anderen Seite.
  • Produktivkräfte: Hier gibt es einen Unterschied. Aufgrund der fortgeschrittenen Industrialisierung und der hohen Vergesellschaftung der Arbeit haben die Produktivkräfte (man versteht darunter die Hauptproduktivkraft Mensch, sowie die Produktionsmittel, d.h. Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand) ein sehr hohes Niveau erreicht. Und es besteht durchaus ein Interesse der Produzenten an einer Weiterentwicklung und der Erhöhung der Arbeitsproduktivität.
  • Raubkriege: Aufgrund der ungleichmäßigen Verteilung der Ressourcen, aufgrund der unterschiedlichen, krisenhaften Entwicklung der kapitalistischen und imperialistischen Länder und aufgrund der sich verschärfenden Konkurrenz zwischen den internationalen Monopolen gibt es zwangsläufig auch heute Raubkriege und strategische Eroberungs-feldzüge, die aber als „internationale Hilfe“, als „Sicherheitseinsätze“ und „Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors“ getarnt werden. Außerdem erhalten reaktionäre Regime und sogenannte „Oppositionelle“ Waffenlieferungen und Unterstützung durch Agenten und angeworbene Söldner, wenn es darum geht, bestimmte Regionen zu destabilisieren und imperialistische Einflußbereiche zu erweitern.

Die Sklaverei im heutigen Imperialismus

Wenn man heute von Sklaverei spricht, dann sind damit vor allen jene Produktionsverhältnisse gemeint, in denen die Lohnarbeiter rechtlos sind, und ohne Alternative. Es sind diejenigen, die gezwungen sind, unter unzumutbaren Bedingungen zu arbeiten (das sind lange Anfahrtswege, unbezahlte Überstunden, unzureichende oder fehlende Sozialleistungen, kapitalistische Willkür, nichtvorhandener Arbeitsschutz, Mobbing, Freiheitsberaubung u.ä.). Der karge Lohn reicht kaum zum Leben, und wenn Widerspruch aufkommt, gewerkschaftliches Engagement, oder wenn die Arbeitskraft dieser Menschen verbraucht ist, und wenn die Profite sinken, dann werden sie entlassen. Arbeitslosigkeit und Krankheit führen i.d.R. zu Verarmung bis hin zu Obdachlosigkeit, auch wenn eine befristete Arbeitslosenunterstützung bzw. Sozialhilfe vor dem unmittelbaren finanziellen Ruin schützt. Und wer trotz niedriger Löhne (Lohnbetrug) und fehlender Sozialleistungen (Sozialbetrug) noch arbeiten geht, anstatt zu Hause zu bleiben, der wird wie noch zum Hohn dafür gelobt, daß er sich nicht in der „sozialen Hängematte“ ausruht, wo andere arbeiten. Auch der Mädchenhandel und das sogenannte „horizontale Gewerbe“ gehören zur modernen Sklaverei. Eine weitere Form von verdeckter Sklaverei ist die finanzielle Abhängigkeit, die mit der Vergabe von Krediten und ihrer hochverzinsten Rückzahlung verbunden ist. Das betrifft nicht nur private Haushalte, sondern auch Kommunen und sogar Staaten, die auf diese Weise den Banken und Kreditinstituten („Heuschrecken“) ausgeliefert sind und sich ihrem Reglement zu unterwerfen haben. Wir haben es heute mit einem gigantischen, weltweiten System der modernen Finanzsklaverei zu tun.

Bilder der modernen Sklaverei

Sklaven in Atlanta USA  Sklaven in DubaiSklaverei Anfang des 20.Jahrh.in Atlanta (USA) – …in Dubai im 21. Jahrhundert

Sklaven in China Sklaven in Indien
…Arbeitssklave in einem chinesischen Bergwerk – …und in einer indischen Fabrik

Sklaven in Kongo Sklaven in Moskau
…billige Arbeitsklaven in einer Goldmine im Kongo – Sklavenmarkt in Moskau

Auch wenn es hier auch so aussieht, als gäbe es die Sklaverei immer nur in anderen Ländern – es gibt sie auch in der Bundesrepublik Deutschland. Mit all ihren negativen Begleiterscheinungen und Folgen, wozu auch arbeitsbedingte Krankheiten, Frühinvalidität und Burn-Out-Erscheinungen zählen.

Die Verarmung der Lohnsklaven

Regelmäßig warnen die Sozialverbände und Wohlfahrtsorganisationen vor der wachsenden Armut, was sich ja längst bestätigt hat. Anhand der wachsenden Zahl der Privatinsolvenzen ist ersichtlich, wie die Armut in Deutschland zunimmt. Jedes fünfte Kind lebt heute bereits in sozialer Armut. Und jeder vierte deutsche Rentner ist von Altersarmut betroffen. Die Warteschlangen an den „Tafeln“ und in den Suppenküchen werden immer länger. Das ist der „Dank des Sozialstaates“ für seine fleißigen Bürger. „Arm trotz Arbeit“ ist ein bekanntes Schlagwort. Die Armut betrifft also nicht nur diejenigen, die keine Arbeit (mehr) finden. Für individuelle Notlagen ist der Kapitalismus „nicht zuständig“, es ist sozusagen keine „Pflichtaufgabe“ des Staates, für das Wohlergehen seiner Bürger zu sorgen. Es ist klar, daß auch hier gilt: „Es muß sich rechnen!“ Und wer alt ist, hilfsbedürftig oder krank, und wer nicht arbeiten kann, ist meist auf die Sozialleistungen des Staates angewiesen. Doch immer mehr ziehen sich Krankenkassen und Sozialleister aus dem Geschäft zurück, die Renten und die Mittel für die Wohlfahrtsorganisationen werden gekürzt. Man hofft auf Spenden. Armut ist nicht erkennbar an den schönen Fassaden und glänzenden Palästen und den Villen der Bourgeoisie, auch nicht an den gefüllten Einkaufswagen in den Supermärkten, an der Anzahl der kulturellen Veranstaltungen oder der gebuchten Auslandsreisen, sondern allein am Leben der Menschen. Man befrage einmal eine alleinstehende Mutter mit zwei Kindern, wie sie ihren und den Lebensunterhalt ihrer Kinder bestreitet…

Doch wie ist die Perspektive?

Die zunehmende Versklavung der Menschheit durch das weltweite Kapital hat gezeigt: Die Interessen und Aufgaben des Proletariats sind gemeinsam und unteilbar. Mit dem Sieg der Oktoberrevolution vor fast 100 Jahren gelang es den werktätigen Volksmassen erstmals, in einem einzelnen Land das Joch der Ausbeutung durch die Besitzer der Produktionsmittel, durch die Klasse der Kapitalisten, abzuwerfen. „Deshalb ist die Behauptung der Einheit und Unteilbarkeit der Interessen und Aufgaben der Proletarier aller Länder der sicherste Weg zum Sieg der revolutionären Bewegung der Proletarier aller Länder. Gerade deshalb ist der Sieg der proletarischen Revolution in einem Lande nicht Selbstzweck, sondern Mittel und Hilfe für die Entwicklung und den Sieg der Revolution in allen Ländern.“ [3]

Sowjetische Arbeiter

…ein freies, selbstbewußtes Proletariat – frei von Ausbeutung und Unterdrückung!

Die Internationale

… Heer der Sklaven, wache auf!
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger,
alles zu werden, strömt zuhauf. [4]

Internationale

L’Internationale

Quellen:
[1] J.W.Stalin, VII. erweitertes Plenum des EKKI, in: Stalin, Werke, Bd.9, S.24.
[2] Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin, 1973, S.743f.
[3] J.W.Stalin, ebd. S.25.
[4] Die Internationale: Lied der sozialistischen Arbeiterbewegung. Sie gilt als Hymne des Sozialismus. In der Sowjetunion war sie bis 1943 offizielle Nationalhymne. Die Original-fassung stammt von Eugène Pottier, die Musik von Pierre Degeyter. Pottier verfasste den Text kurz nach der Niederschlagung der Pariser Kommune 1871, der ersten proletarischen Revolution.

Siehe auch:
Über Perspektiven im gesellschaftlichen Leben
J.W.Stalin: Über die Schwierigkeiten der Perspektive
Das Gerede von der schwindenden Arbeitslosigkeit

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3 Antworten zu Über die Sklaverei

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