Der „mystische Nebelschleier“ über dem gesellschaftlichen Lebensprozeß, oder: Warum schweigen die Lämmer?

Schafherde.pngDie Bourgeoisie hat schon immer die Volksmassen betrachtet und behandelt wie eine Herde Schafe, die einen Führer brauchen und denen man zeigen muß, wo’s langgeht. Und wenn da ein paar ungehorsame Schafe auszubrechen versuchen, nicht geschoren oder geschlachtet werden wollen, dann kommt der treue Hütehund und beißt sie ins Bein. Wobei das Bild nicht stimmt, denn ganz so dumm sind die Massen nun auch nicht. Das beweisen die jüngsten Massenstreiks in Indien, an denen 180.000.000 Lohnarbeiter und deren Familien teilnahmen. Man muß sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen! Es ist der größte Streik in der Weltgeschichte! Stand darüber etwas in der Zeitung? Nein. Man stelle sich einmal vor in ganz Eurpa würde gestreikt… Warum gibt es nun in Indien solche großen Streiks und in Europa nicht? Ganz einfach! Weil Europa auf Kosten dieser Länder lebt, wo billig produziert wird und die Ausbeutung weitaus höher ist als bei uns. Doch nun zurück zur Frage: Warum schweigen die Lämmer?

Ist das Volk zu verblödet oder geht es uns zu gut?

Bei aller Wirksamkeit vermögen jedoch weder das Ausmaß der in großbourgeoisem Dienst stehenden Massenmedien noch die Perfektion in der Anwendung psychologischer Erkenntnisse und technischer Errungenschaften als Propagandamittel der antikommunistischen Staatsidee die Frage nach der Massenrezeption der bürgerlichen Ideologie vollends zu beantworten. Sie können den trotz wachsender antiimperialistischer Bewegung und vielfältiger Kämpfe noch relativ hohen Grad gesellschaftlicher Unbewußtheit derer nicht erklären, gegen die sich die Macht der herrschenden Klasse richtet.

Sind es nur die Lügen?

Der Hinweis auf die Lüge, und mag sie auch noch so geschickt vorgetragen werden, gibt darauf allein keine hinreichende Antwort. Entscheidend ist vielmehr, daß sich die politische Macht der Finanzoligarchie, daß sich die auf die Ohnmacht des werktätigen Volkes gegenüber den gesellschaftlichen Mächten und Gesetzen orientierte Manipulation des Denkens auf der Grundlage eines ganz spezifischen Charakters der ökonomischen Macht des Kapitals vollzieht, der das wahre Herrschaftsverhältnis, das antagonistische Klassenverhältnis, spontan verschleiert und die kapitalistische Produktionsweise mystifiziert. Es ist eine „verzauberte, verkehrte und auf den Kopf gestellte Welt, wo Monsieur le Capital und Madame la Terre als soziale Charaktere, und zugleich unmittelbar als bloße Dinge ihren Spuk treiben“. [1]

Wo liegt das „Geheimnis“ des praktischen Verhaltens?

Wir betonen die spontane Mystifikation der gesellschaftlichen Lebensprozesse im Kapitalismus deshalb, weil in den bisher vorliegenden marxistisch-leninistischen Analysen der imperialistischen Herrschaft dem Gesamtkomplex spontaner Mystifikation und bewußter Manipulation zu wenig Beachtung geschenkt wurde bzw. der „mystische Nebelschleier“ über den gesellschaftlichen Lebensprozeß überhaupt negiert wurde. In der Tat stellt er jedoch eine wesentliche objektive Grundlage für die Massenrezeption der bürgerlichen Ideologie dar. Ohne seine Berücksichtigung in der theoretischen Verallgemeinerung der in der Praxis gewonnenen Erfahrungen ist es unseres Erachtens jedoch nicht möglich, das „Geheimnis“ des praktischen Verhaltens von Millionen Betrogener und Verführter zu enthüllen.

Haben die „Lämmer“ schon immer geschwiegen?

In den vorkapitalistischen Klassengesellschaften war die Macht der herrschenden Minderheit über die ausgebeutete und unterdrückte Mehrheit neben dem privaten Eigentum an den Produktionsmitteln durch außerökonomischen Zwang, durch Formen der persönlichen Abhängigkeit des Sklaven vom Sklavenhalter bzw. des Bauern vom Feudalherrn charakterisiert und als solche augenscheinlich. Eben „weil persönliche Abhängigkeitsverhältnisse die gegebne gesellschaftliche Grundlage bilden, brauchen Arbeiten und Produkte nicht eine von ihrer Realität verschiedne phantastische Gestalt anzunehmen“, schrieb Karl Marx. Jeder „Leibeigene weiß, daß es ein bestimmtes Quantum seiner persönlichen Arbeitskraft ist, die er im Dienst seines Herrn verausgabt. Der dem Pfaffen zu leistende Zehnten ist – klarer als der Segen des Pfaffen … die gesellschaftlichen Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten erscheinen jedenfalls als ihre eignen persönlichen Verhältnisse.“ [2] Anders im Kapitalismus.

Und wie ist das nun heute im Kapitalismus?

Er beruht überwiegend auf ökonomischem Zwang und ist als Ausbeutungs- und Unterdrückungsgesellschaft nicht so. durchsichtig wie jene alten gesellschaftlichen Produktionsorganismen, die auf unmittelbaren Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnissen beruhten. Hier ist die Macht unter der Hülle der Herrschaft der Dinge, der Waren, über die Menschen verborgen, obwohl natürlich auch unter diesen Bedingungen die sachlichen Abhängigkeitsverhältnisse durch die Unterwerfung des Lohnarbeiters und aller anderen Werktätigen unter das Kommando des Kapitals persönliche Abhängigkeitsverhältnisse mit sich bringen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Klassenbeziehungen, treten jedoch zunächst in dinglicher Verkleidung an die Oberfläche des Alltagslebens.

Warum gibt es diesen „mystischen Nebelschleier“?

Auf Grund der Tatsache, daß der geselchaftliche Charakter der unmittelbar als private Arbeit geleisteten warenproduzierenden Arbeit erst beim Austausch auf dem Markt in Erscheinung tritt, entsteht z. B. oberflächlich der Eindruck, als treten nicht Menschen, die ihre Produktionstätigkeit gegeneinander austauschen, sondern Waren miteinander in Beziehung. Und da Bereicherung oder Ruin der Warenproduzenten vom Schicksal der von ihnen erzeugten Produkte auf dem Markt abhängt, erscheint die Ware als geheimnisvolles Etwas, als eine den Menschen gleichsam beherrschende Macht.

Dieser Fetischcharakter entfaltet sich im Kapitalfetischismus, der den Anschein erweckt, als besäße das Kapital selbst die wundersame Eigenheit, seinem Eigner ein größeres Einkommen ohne Arbeit zu sichern. Die Ausbeutung löst sich dadurch auf in ein Geheimnis von der Selbstverwertung des Kapitals. Analog trägt der gesamte gesellschaftliche Lebensprozeß einen ausgeprägt „mystischen Nebelschleier“ (Marx), der das Wesen der sozialen Beziehungen verzerrt, verkehrt und spontan, also bereits ohne äußeres Einwirken, Illusionen erzeugt.

[1] Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 25, Berlin 1964, S. 838
[2] Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 23, Berlin 1962, S. 91-92

Quelle: Manfred Banaschak/Jörg Vorholzer „Mensch und Macht“, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1969, S.86-88. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)


Die Mechanik des Betrugs

Und wer nun noch Lust hat auf ein wenig Gedankengymnastik, dem sei der Vortrag von Prof. Mausfeld empfohlen, in dem er die Mechanik des Betrugs erklärt. Daß Professor Mausfeld  sich nicht die Mühe macht, die Ursachen dieser Bewußtseinsmanipulation zu erklären, mag seine Gründe haben. (Es ist zu bezweifeln, daß er sie nicht kennt.) Sein Vortrag  ist damit jedoch für die Aufklärung der proletarischen Massen wertlos und für den späteren Aufbau des Sozialismus ohne jede Bedeutung.

Liest man in den Werken der Klassiker des Marxismus-Leninismus nach, so wird man zahllose Beispiele dafür finden, wie Manipulation und Betrug bereits nach 1848 dem damaligen Kenntnisstand entsprechend  von der herrschenden Kapitalistenklasse und deren ideologischen Meinungsmachern genutzt wurden, um das Volk von Klassenkampf abzuhalten. Hört man nun Mausfeld so reden, so möchte man mit Goethe antworten:
„Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehn!“

deception-ciaSchon interessant, wie die CIA ihre Kenntnisse über die Mechanik des Betrugs zur Wissenschaft erhebt. Aber wir waren noch nie verwundert ob solchen „kranken“ Denkens. Das finden wir bei den Nazis ebenso wie bei heutigen Kriegsverbrechern und imperialistischen Massenmördern. Und natürlich ist das keine „Krankheit“, sondern unvorstellbare Grausamkeit und Skrupellosigkeit…

Siehe:
a) Antikommunistische Manipulierung in der BRD
b) Warum sind wir manipulierbar?
c) Manipulation (Teil 1)  (Teil 2)  (Teil 3)


„Um das Wesen der sogenannten westlichen ‚Wertegemeinschaft‘ zu erkennen, muß man bloß hinschauen, ohne sich von den unzähligen Manipulationstechniken der westlichen ‚Wertegemeinschaft‘ das Gehirn vernebeln zu lassen, und schon wird die die Jahrhunderte durchziehende und bis heute fortdauernde, autobahnbreite globale Blutspur der global agierenden Verbrecherstruktur der gegenwärtig von Wall Street, Hollywood, Israel-Lobby und ihren skupellosen Kumpanen und gehirngewaschenen Lakaien geführten westlichen ‚Wertegemeinschaft‘ unübersehbar.“ (Quelle: Ein Parteibuch)


Warum sind wir manipulierbar?

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Quelle: Manipulation. Die staatsmonopolistische Bewußtseinsindustrie. Dietz Verlag Berlin, 1968, S.75

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