…sadistische „Pädagogen“ damals wie heute

ThHosemannDie körperliche Züchtigung, Mißhandlung und Folterung von Kindern an deutschen Schulen hat Tradition. Erst im Jahre 2000 (!) wurde in der BRD die Prügelstrafe an Schulen offiziell abgeschafft (genauer gesagt: erst am 2. November 2000: lt. BGBl. I, S. 1479) Zwei Beispiele aus der Geschichte des Unterrichtswesens in der BRD zeigen, daß der faschistische Ungeist der Hitlerbarbarei auch nach 1945 im Westen Deutschland vorherrschte. Die gleichen Lehrer, die auch unter den Nazis für „Zucht und Ordnung“ sorgten, konnten ihre brualen Erziehungsmethoden auch weiterhin fortsetzen ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Brutalität einer solchen Vorgehensweise löste bereits 1956 die Empörung der betroffenen Eltern aus. Heute sind die Methoden subtiler. Man spricht in den Schulen nicht mehr von „Zucht und Ordnung“, sondern züchtigt und unterdrückt die Kinder mit anderen, mit noch hinterhältigeren, psychologischen Methoden, um sie zur Unterwürfigkeit und schließlich zum Denunziantentum zu erziehen. (Bild: Theodor Hosemann – 1842)

Prügelstrafe als Erziehungsmittel

Das krasseste Beispiel in der Reihe der schweren Körperverletzungen durch Lehrer war der Fall des Konrektors der Rüsselsheimer Waldstraß-Schule Johannes Schwanke, der die mittelalterlichen Erziehungsmethoden bis zum Totschlag prak­tizierte. Schwanke, der vorwiegend Religionsunterricht erteilte, hatte den acht­jährigen Erwin Schulmayer so mit Ohrfeigen traktiert, daß der Junge nach zwei Tagen Sehstörungen bekam, ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte und wenige Wochen darauf starb…

Freispruch für einen Kindermörder

Der Angeklagte wurde am 17. März 1956 vom Landgericht Darmstadt frei­gesprochen, da er „nicht gegen ein Gesetz verstoßen habe“. Unter dem Druck der empörten Eltern und Lehrer über den Freispruch sah sich die Staatsanwaltschaft gezwungen, ein Revisionsverfahren mit der Begründung ein­zuleiten, daß ein solches Urteil den Bestimmungen des Grundgesetzes über den Schutz der Menschenwürde und über die körperliche Unversehrtheit widerspreche. Ende Oktober 1957 wurde dieser Fall dann von dem Zweiten Strafsenat des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe behandelt. Am 23. Oktober beschlossen die Richter, das Revisionsverfahren zu verwerfen; der Freispruch des Darmstädter Landgerichts wurde bestätigt.

Die „Allgemeine Deutsche Lehrer-Zeitung“ Nr. 21 vom 1. Dezember 1957 gibt die mündlich vorgetragene Begründung wie folgt wieder:

„Die körperliche Züch­tigung der Schüler ist ein 150 bis 200 Jahre altes Gewohnheitsrecht der Lehrer. Es ist in keinem Lande der Bundesrepublik durch ein Gesetz oder durch ein entgegen­wirkendes Gewohnheitsrecht aufgehoben worden. Die seit 1945 von vielen Länder­regierungen ergangenen Erlasse, durch welche die körperliche Züchtigung aus­nahmslos verboten wurde, haben keine Gesetzeswirkung und können das Gewohn­heitsrecht nicht aufhehen. Sie sind zwar von disziplinarrechtlicher, dagegen nicht von strafrechtlicher Bedeutung.
Die Züchtigungsbefugnis des Lehrers verstößt weder gegen das Grundgesetz noch gegen die Verfassungen der Länder. Erziehungsaufgabe und Erziehungsrecht des Lehrers schließen die Befugnis ein, in angemessenen Grenzen körperliche Zucht­mittel anzuwenden, und da eine pädagogisch gebotene Züchügnng dem Wohle des Betroffenen dient, kann auch das Grundrecht der menschlichen Würde nicht ver­letzt sein. Außerdem geht das unbestrittene Züchtigungsrecht der Eltern heim Besuch der Schule zum Teil auf den Lehrer über.“

Auf welches Gewohnheitsrecht bezieht sich der Bundesgerichtshof?

Jenes 150 bis 200 Jahre alte Gewohnheitsrecht ist nichts anderes als die brutale Anwendung von Einschüchterung, Terror und Gewalt zur Dressur willenloser Unter­tanen. Es sind die reaktionären Traditionen des deutschen Militarismus vom fride­rizianischen Preußen bis zum Hitlerstaat. Das Bonner Regime hat sie übernommen und zum Gesetz seines Handelns gemacht.

Aus „Berichte über die kulturpolitische Entwicklung der Bundesrepublik“, 1957/Heft IV, S. 20

Rückständigkeit des Schulwesens in der BRD

Professor Heinrich Rodenstein, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Er­ziehung und Wissenschaft, auf dem IV. DGB-Kongreß in Hamburg:

Wir müssen endlich unsere Schulorganisation überprüfen! Ist es nicht ein tolles Unterfangen, Kinder im Alter von zehn und elf Jahren endgültig und unwiderruflich für ihr ganzes Leben in Oberschüler – das heißt für künftige Führungsberufe be­stimmt –, vielleicht noch Mittelschüler für eine mittlere Führungsschicht vor­geschen und in die „Unter-ferner-liefen“-Volksschüler zu sortieren? Die letzte Gruppe – wie schon erwähnt, mehr als 80 Prozent unseres Volkes – verbleibt dann in einer ausgepowerten und wenig angesehenen Oberstufe der Volksschule, um noch im Kindesalter, mit vierzehn oder fünfzehn Jahren, in das rauhe Erwerbsleben in Büro oder Fabrik hinausgestoßen zu werden. Diese Organisation stammt noch aus der Zeit des kaiserlichen Deutschland. In der Zwischenzeit haben die nordischen Länder, England, die USA, Sowjetunion und sogar das sprichwörtlich konservative Frankreich neue Organisationsformen des Schulwesens gefunden, Nur wir in der Bundesrepublik fahren stupide fort, so zu tun, als oh sich die Welt nicht geändert hätte. Und in dieser Schulorganisation des Jahres 1900 soll die kommende Generation in Stand gesetzt werden, im Jahre 2000 in Familie, Gesellschaft, Staat und Beruf zu bestehen. Es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, daß die Schul­organisation der Bundesrepublik zu den rückständigsten in der Welt gehört.
Aus „Berichte über die kulturpolitische Entwicklung der Bundesrepublik“, 1956/Heft III, S. 29.

Aus der Abhängigkeit der Erziehung von der gesellschaftlichen Struktur ergibt sich, daß in den antagonistischen Klassengesellschaften der Sklaverei, des Feudalismus und des Kapitalismus die offiziell herrschende Erziehungstheorie und -praxisden Interessen der jweils herrschenden Ausbeuterklasse dient. Sie vermittelt deren Nachwuchs das Wissen und Können sowie die Anschauungen, die zur Aufrechterhaltung der bestehenden Machtverhältnisse notwendig sind. Den Kindern der ausgebeuteten werktätigen Klassen werdenb nur Kenntnisse, Fähigkeiten und Verhaltensweisen anerzogen, die sie als nutzbringende willfährige  Arbeitskräfte und Untertanenhaben müssen. Im Kapitalismus gab es jedoch neben der offiziell herrschenden Erziehung vor allem in den revolutionären Organisationen der Arbeiterklasse noch eine inoffizielle Erziehung im Geiste des Klassenkampfes für den Sieg des Sozialismus.


Kinderschändung an BRD-Schulen heute: Maskenterror extrem

Eine Autorin berichtete, daß sie seit längerem diverse Briefe über Beispiele von Hausaufgabeneinträgen und schulische Benachrichtigungen an Eltern erreichten, die zeigen, in welchem Maß sich die sektenartige Psychose an den Schulen mittlerweile verfestigt hat. Da werden ungehorsame Schüler, die die Maske nicht oder nicht richtig getragen haben, zur tätigen Reue genötigt und über Tadel und Schuldzuweisungen gebrochen. Unter den „geleakten“, viral gegangenen Originalfällen finden sich schockierende Beispiel im Stil von Gesinnungsaufsätzen – wie etwa dieser „Denkzettel“ bzw. ein solches „Geständnis“:

Denkzettel Geständnis

Quelle: https://ansage.org/kinderschaendung-an-schulen-maskenterror-extrem/

Erschreckend ist, daß vor allem in Westdeutschland auch jüngere Lehrerinnen und Lehrer diesen faschistischen Terror unterstützen und damit den Behörden extreme und totalitäre Strafmaßnahmen ermöglichen. (Übrigens: bei der Polizei in der BRD ist die Prügelstrafe offenbar erlaubt.)


Die sozialistische Erziehung in der DDR

In der DDR gab es solche terroristischen Erziehungsmethoden wie die oben genannten nicht. Zu keinem Zeitpunkt durften Kinder in der DDR geschlagen werden. (Ein solcher Lehrer wäre sofort bestraft und entlassen worden!) Für die sozialistische Erziehung ist u.a. charakteristisch, daß sie auf die Zukunft gerichtet ist. Die allseitige Entwicklung aller Menschen war in der DDR das oberste allgemeine Erziehungsziel. Dabei war die Arbeit ein wesentliches Mittel der Erziehung. Da in den antagonistischen Klassengsellschaften der Arbeitsprozeß immer zugleich Ausbeutungsprozeß ist, und die Arbeitsteilung, besonders der Gegensatz zwischen geistiger und körperlicher Arbeit, die Menschen vereinseitigen und verkümmern lassen, kann erst die von Ausbeutung befreite Arbeit ihre ursprünglichen menschenbildenden Kräfte wiedererlangen. Das Kollektiv als Gemeinschaft der Menschen, die durch gleiche Ziele und Bedürfnisse, Achtung, Solidarität und Kameradschaft verbunden sind, ist eine große erzieherische Kraft.

Siehe:
Der sowjetische Pädagoge Wasslili Suchomlinski
Meine Heimat DDR: allseitige und umfassende Bildung im Interesse des Volke

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15 Antworten zu …sadistische „Pädagogen“ damals wie heute

  1. dersaisonkoch schreibt:

    Lieber Sascha, ich muss das bei Dir für den .com-Blog stehlen. Ich nehme mal den ganzen Artikel und korrigiere mal die kleinen Tipfehler. Aber nur, um meine eigenen Tipfehler einzubauen. Die blöden Tastaturen – ein Werkzeug des Teufels:-))

    • sascha313 schreibt:

      Lieber saisonkoch, Du darf alles „stehlen“, was Du hier findest. Nein – stehlen ist das nicht. Im Gegenteil: ich bin Dir sogar dankbar dafür. (Lade Dir die Bilder mit screenshot herunter und füge sie bei Dir ein.)

      • dersaisonkoch schreibt:

        Du weißt ja, ich arbeite mit Serendipity. Ich müßte mir für jeden neuen Vorgang erst eine mehrtägige Schulung verpassen. Ich schätze ganz trocken, mit der einfachen Kopie wird das gelingen.

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Als ich in die 1. Klasse ging, lebten wir noch in Westberlin, ich ging auch dort zur Schule. Unsere Klassenlehrerin war ein ältliches adliges Fräulein preußischen Stils (Lehrerinnen durften bis in die Weimarer Zeit nicht heiraten), was sie in der Nazizeit getan hatte, weiß ich nicht. Sie sagte nur einmal, dass sie an einem Lyzeum gearbeitet hatte, vermutlich in der Weimarer Zeit. Übrigens hatten wir neben Schreiben und Lesen sowie Rechnen ein Hauptfach, und das hieß Religion. Sie galt also als „unbelastet“ und durfte deshalb unmittelbar nach dem Krieg unterrichten, die Lehrer waren ja zumeist nazistisch verseucht, und es „schickte sich 1948 (noch) nicht“, ihnen die Kinder wieder auszuliefern. Das änderte sich mit der Zeit allerdings, und die alten Nazilehrer wurden wieder auf die Kinder losgelassen.

    Ich kann nicht sagen, dass die Lehrerin die Kinder verprügelt hätte, aber einen Katzenkopf gab es hin und wieder schon mal. Ist mir auch passiert, das war so entwürdigend für mich, dass ich es bis heute nicht vergessen habe und in mir dieselbe alte Wut wieder aufsteigt, wenn ich daran denke. Ich hatte das damals meinen Eltern erzählt, und es gab mit der Schuldirektorin ziemlichen Ärger, der dann von der Lehrerin an mir ausgelassen wurde.

    Zum Glück nahmen mich meine Eltern nach der 1. Klasse aus der Westberliner Schule raus, und da wir unmittelbar an der Grenze zum sowjetischen Sektor gewohnt hatten, ging ich in der zweiten Klasse in eine Ostberliner Schule. Die Atmosphäre, die dort herrschte, war ein Unterschied zu der in der Westberliner Schule, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Wir hatten einen Neulehrer, er hatte uns erzählt, dass er Soldat gewesen war, humpelte etwas und erzog uns Kinder zu glühenden Kriegsgegnern.

    Er nahm uns Kinder als Persönlichkeiten ernst, was ich in der Westberliner Schule nie festgestellt hatte. Abends ging er dann zur Humboldt-Universität und studierte, damit er uns nichts Falsches beibringen würde, wie er sagte. Es war in meiner Erinnerung ein richtig kameradschaftliches Verhältnis zwischen uns Schülern und unserem Lehrer, was an der Westberliner Schule völlig ausgeschlossen war. Diese Schule war mein erster Schritt in das „andere“ Leben.

  3. Erfurt schreibt:

    Eines der Ziele der Coronapolitik besteht darin, das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern zu zerstören. Das passiert allein schon duch die Maßnahmen die den Kindern in der Schule aufgezwungen werden, wie Quarantäne u.a. Isolationsmaßnahmen, Abstandhalterei, Masketragen und diese unsäglichen Tests. Kein Elternteil der Spezie Mensch würde sowas seinen Kindern zumuten!
    „Der Kleine hat uns alle angesteckt“ hieß es neulich in einer WhatsApp….

  4. Weber Johann schreibt:

    Wer die heutigen Zustände verstehen will, muss sich der Worte von Maxim Gorki besinnen. Maxim Gorki: „Schaut fleißig in die Vergangenheit, dort findet Ihr alle Rätsel erklärt.“

    Einige Zitate aus der Alt-BRD aus dem Jahre 1976:

    „Selbst“mord. Selbstmordwelle unter Schülern
    „ …..Und selbst ein so konservativer Pädagoge wie Prof. Dr. Anton Neuhäusler von der Münchner Universität, der noch 1972 im katholischen Don Bosco-Verlag vorsichtig umschrieben die Prügelstrafe verteidigte….
    Der 15-jährige Schüler Jörg Bender hatte nach einer Grippeerkrankung eine Englischarbeit verpatzt. Er bekam eine Frist, in der er sein Wissen aufholen sollte. Am Abend vor dem Ablauf dieses Ultimatums lernte Jörg bis Mitternacht. Am nächsten Morgen saß er schon wieder um 6 Uhr über seinen Vokabeln. In der Schule aber versagte er erneut, so dass er das Klassenzimmer verließ und nach Hause lief. Dort stürzte er sich aus einem der oberen Stockwerke aus dem Fenster und blieb zerschmettert auf der Straße liegen. Bei seiner Beerdigung hielt Pfarrer Walter Leopold eine ungewöhnliche Grabrede: „Der Tod dieses gesunden, liebenswürdigen und feinfühligen Jungen ist ein unüberhörbarer, furchtbarer Aufschrei gegen unser heutiges Schul- und Bildungssystem. Das kann nicht mit frommen Worten zugedeckt werden.“

    Der Tod des Jörg Bender ist kein Einzelfall.
    * Am 10. Oktober 1975 warf sich die 13-jährige Carin B. vor die S-Bahn. In ein Schulheft schrieb sie vor ihrem Selbstmord: „Ich hatte zu viele Sorgen mit der Schule.“
    * Am 11. Oktober 1975 nahm der 14-jährige Siegfried B. aus Wolfratshausen einen Strick und erhängte sich auf dem Dachboden des Elternhauses.
    * Am 9. Dezember 1975 machte der 14-jährige Helmut K. aus Neuaubing mit seinem Leben Schluss. Grund: eine 5 in Mathematik.
    * Am 10. Dezember 1975 erhängte sich der 14-jährige Michael W. aus Schwabing. Grund: Schwierigkeiten in der Schule.
    * Am 19. Dezember 1975 beging der 13-jährige Peter S. aus der Lerchenau Selbstmord. Er hatte einen Leistungstest für die Realschule nicht bestanden.
    * Am 27. Dezember 1975 sprang die 16-jährige Schülerin Diana S. aus dem 8. Stock eines Hauses in Pasing.
    * Am 9. Januar 1976 erhängte sich in Wolfratshausen der 14-jährige Schüler Karl-Heinz A. In seinem Abschiedsbrief stand der Satz: „Das Leben kotzt mich an!“

    Rund zwei Drittel der Schulkinder in der Bundesrepublik sind psychisch gefährdet. Sie weisen entweder Konzentrations- und Leistungsschwächen auf oder sie sind nervös, kontaktarm, aggressiv, kauen Nägel, lutschen am Daumen, haben Asthma oder leiden an Sprach- und Schlafstörungen. Die Anzahl der Kinder, die wegen schulischer Schwierigkeiten Selbstmord begehen, steigt ständig. 1959 haben sich in der BRD zweiundvierzig Kinder umgebracht, 1972 waren es bereits vierhundertfünfunddreissig (!)…..

    Die Auswirkungen des Numerus Clausus machen sich bereits schon in der Grundschule bemerkbar. Selbst Wilhelm Ebert vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband klagt: „Er werde gegen seinen Willen in die Rolle eines Menschensortierers und Handlangers einer gnadenlosen Notenmaschine hineingezwungen.“ ..

    Ein System, das Menschen wie Labor-Ratten, denen man Elektroden in die Ärsche gerammt hat, in einem hochmechanisierten Labyrinth laufen lässt, einem Labyrinth von Klassenunterschieden, Stufungen, Karrieren., Neonsupermärkten, militärisch-industriellen Komplexen, Vorstädten, unterdrückter Sexualität, Heuchelei, Geschwüren und Psychoanalytikern.“

    Aber die Warnung war umsonst. Das System reagierte mit Polizeistaatsmethoden. Anstatt die Ursachen der Flucht zu bekämpfen, bekämpfte man die Auswirkungen, und zwar mit Gummiknüppeln und Paragraphen. Die Gefängnisse füllten sich, die Gummizellen der psychiatrischen Anstalten hallten wieder von den Schreien der Gequälten, viele blieben auf der Strecke und verreckten an harten Drogen.
    Peter Schult, Stadtzeitung für München 62 vom 23. Januar 1976, 8 f.
    _ _ _

    „Selbst“mord, Fortsetzung
    Am Mittwoch, den 21. Januar 1976, erschien das BLATT Nr. 62 mit dem Artikel „Selbstmordwelle unter Schülern“. Schon einen Tag später, am Donnerstag den 22. Januar 1976, berichtete die „tz“ unter der Überschrift „Selbstmordwelle hält an“ von einem neuen Todesfall.
    In einem Heustadel des elterlichen Anwesens in Erding erhängte sich der 16-jährige Schüler Paul W. Noch kurz vor seinem Tode hatte er seinem Vater geklagt: „Immer nur Fünfer und Sechser. Ich komm’ einfach nicht mehr mit, und wenn ich was Falsches sage, dann lachen die anderen auch noch!……“
    http://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/2153

    Ein Artikel aus der DDR:
    Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 16. Februar 1951
    „Prügelstrafe ist Entlassungsgrund

    In Köpenick wurden vier Lehrer entlassen, weil sie Kinder geschlagen haften
     Nachdem in einer demokratischen Tageszeitung ein Bericht aus der 7. Schule in Köpenick veröffentlicht worden war, wo man Kinder geschlagen hatte, lud das Hauptschulamt die vier in Frage kommenden Lehrer vor und erörterte die Angelegenheit in einer Verhandlung mit dem zuständigen Fachreferenten. Die vier Lehrkräfte gaben zu, daß der veröffentlichte Tatbestand richtig war, und sahen ein, daß sie falsch gehandelt hatten, erklärten jedoch, sie seien überladet und hatten die Prügelstrafe im Affekt angewendet.

    Das Hauptschulamt stellte sich jedoch auf den Standpunkt, daß sich ein Lehrer unter keinen Umständen darauf berufen kann, seine Nerven hatten versagt. Nach dem dargelegten Tatbestand und dem Gang der Verhandlung sprach das Hauptschulamt an Ort und Stelle die fristlose Entlassung für die vier Lehrkräfte aus. Den vier Lehrern wurde anheimgestellt, sich um eine Einstellung in den Schuldienst neu zu bewerben, wobei sie allerdings vorläufig nur als Hilfslehrer eingestellt würden und dann die Möglichkeit hätten, durch entsprechendes Verhalten und in einer neuerlichen Prüfung zu beweisen, daß ihre zu Protokoll gegebene Einsicht der Unrichtigkeit ihres Verhaltens mehr ist als ein Lippenbekenntnis.“

  5. Juergen Wehrse schreibt:

    „Ich habe nicht immer meine Maske aufgesetzt“, schreibt ein Schüler. Ich hoffe inständig, dass Lehrer, Initiatoren und Befürworter faschistischer Maßnahmen wie oben angeführte, VERBEAMTET werden. Lehrer haben mich schon so oft zur Weißglut gebracht, deshalb – Fine. . .

  6. Weber Johann schreibt:

    Sascha313 vielen Dank für diesen Hinweis.

    Einige wichtige Stellen aus dem Artikel vom 23.1.2004 im Kölner-Stadtanzeiger zu dem Buch (Für heute reicht‘s), dass Frau Geipel zum Amoklaufs von Erfurt schrieb. In der Kaufmann-Kirche in Erfurt veranstaltete Frau Geipel eine Buchlesung:

    • „Eine Mutter hat gerade gesprochen. Die Mutter eines Kindes, das zu den 16 Menschen am Gutenberg-Gymnasium zählte, die der Schüler Robert Steinhäuser am 26. April vor zwei Jahren umbrachte. „Sie haben so viel kaputt gemacht“, sagte die Frau und meinte die Schriftstellerin. Danach geht eine andere Erfurterin ans Mikrofon im Mittelgang: „Ihr Buch beantwortet nichts. Wie sie den Tod schildern, ist pietätlos.“
    • Das Buch, ein seltsames Buch, ein Buch, das sich aufplustert und ohne Feingefühl daherkommt, es regt die Leute maßlos auf. Fiktion und Fakten vermischt, wie soll das gut gehen? Das Buch wirkt wie eine neuerliche Verletzung
    • Nach der Lesung drängt ein Mädchen ans Mikro. Sie bittet Ines Geipel, Seite 46 vorzulesen. Die Schriftstellerin weigert sich. Eine Raunen geht durch die Kirche. Das Mädchen liest Seite 46, eine Schilderung des Schulalltags vor: „Es ging nur noch darum, den Unterricht zu schmeißen, bewusst zu stören: kloppen, schwatzen, Zettel schmeißen, mit Handys spielen, die täglichen Essensschlachten, krude Cliquenkämpfe, Zigaretten, Drogen. An Unterricht war kaum zu denken.“ Eine Passage, welche die Schüler zutiefst getroffen hat. Das habe mit ihrem Gymnasium nichts zu tun, sagen sie.
    • Vor der Kirche hatten Gymnasiasten Handzettel verteilt und gegen das Geipel-Buch protestiert. Nichts sei wahr, jede Seite entsetzlich, schimpft ein Schüler.„Ich kann das so nicht hinnehmen“, sagt eine Lehrerin in der Kirche.
    • Ein Mädchen in der Kirche wirft ihr vor, sie rechne mit der DDR ab und nutze dafür das Geschehen am Gutenberg-Gymnasium.“

    Besonders macht mich der letzte Satz „Ein Mädchen in der Kirche wirft ihr vor, sie rechne mit der DDR ab und nutze dafür das Geschehen am Gutenberg-Gymnasium“ nachdenklich.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, lieber Johann… und diese Geipel ist nicht die einzige, die ihre Charakterlosigkeit und ihre Verbitterung über die eigenen Mißerfolge auf andere abzuschieben versucht. Wer auf dem Scherbenhaufen seines eigenen Lebens sitzt, sollte wenigsten in sich gehen und Buße tun. In der DDR gab es Dutzende Millionen Menschen, die haben nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus ein neues Leben begonnen. Dieses neue Leben war im Sozialismus möglich. Doch der Kapitalismus hat für solche schwachen Gestalten offenbar nur noch den Weg in den eigenen Untergang. Wer ein totes Pferd…

    • Erfurt schreibt:

      Danke Johann, das kann ich alles bestätigen. Die Gutenbergschule, als Gebäude um 1900 gebaut, war bis 1945 eine Bildungsstätte für die Wänster des gehobenen Bürgertums. Erfurt, zur Zeit des Kaiserreiches zum Bistum Mainz gehörig, stand ab 1919 unter Preußischer Herrschaft bis 1945. Aus der Brutstätte des Bürgertums, was in Erfurt besonders reichlich vertreten war (Staatskanzlei, Schwermaschienenbau, Waffenfabrik, Handelsbetriebe usw.), wurde in der DDR eine Polytechnische Oberschule (POS) und stand für alle Kinder offen, egal welcher gesellschaflichen Klasse sie angehörten. Erst nach 1990 wurde die Gutenbergschule in den Status eines Gymnasiums erhoben. Lehrer wurden entlassen oder gingen in den Ruhestand. Einzig der Lehrer Heise, der schon in der DDR am Gutenberg im Schuldienst war (Zeichnen, Kunst und Kulturgeschichte) ist mir im Gedächtnis geblieben. Heise war schwer in Ordnung um das mal so auszudrücken.

      Wie in Verlauf der jüngsten Geschichte insbesondere die Kinder der Arbeiterklasse dort gemobbt wurden, können wir uns alle wohl kaum so richtig vorstellen. Extrem wurden die Kinder unter Druck gesetzt und auch der erfolgreiche Abschluß einer Reifeprüfung war bzw. ist keineswegs die Garantie für eine berufliche Zukunft. Vieles weiß ich von Pia (Name geändert) deren Töchter auf das Gutenberggymnasium gingen und dort Zeugen des Amoklaufes wurden. Pia war eine sehr gute Bekannte von uns und hatte mit der Geipel zusammen Pädagogik studiert in der DDR. Pia über die Geipel: Die labert nur Scheiße. Ansonsten har die nicht viel drauf.

      Pia ist mittlerweile an Krebs gestorben, ob Lehrer Heise noch lebt weiß ich nicht. Pias Töchtern geht es gut, für sie war der Tag des Amoklaufes ein Erlebnis des völlig im Stich gelassen seins.

      Viele Grüße, EF

  7. Stockmann schreibt:

    Dumme Menschen greifen zu solchen primitiven Mitteln weil sie es nicht ertragen können anderen zu gewähren was ihnen verwehrt wurde. Das trifft zu für Staat und Spießertum.

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