Klaus Hesse: Der revolutionäre Vortrupp der Arbeiterklasse

AvantgardeMit diesem Thema greifen wir einmal einige Gedanken und Anregungen heraus, die sich Dr.Klaus Hesse zum Thema der Strategie und Taktik der kommunistischen Bewegung im 21. Jahrhundert gemacht hat. Der erweiterte Text befindet sich im Anhang. Es handelt sich dabei keinesfalls um ein fertiges Konzept – im Gegenteil: der Autor möchte, daß darüber diskutiert wird. Gerade angesichts der Uneinigkeit der Kommunisten ist es wichtig, hier einen Konsens zu finden. Darüber schrieb auch schon ausführlich die Genossin Pribytkowa in ihrem Beitrag „Brauchen wir einen ideologischen Kampf?“ Vereinigen geht aber eben nur, wenn man sich von Revisionisten und Opportunisten abgrenzt. Klaus Hesse schreibt:

Wer kann die Arbeiterklasse befreien?

Der Ausgangspunkt für das Verständnis der historischen Bedeutung einer Partei der Arbeiterklasse wurde bei der Gründung der Internationale formuliert: „Die Befreiung der Arbeiterklasse muß das Werk der Arbeiterklasse selbst sein. Wir können also nicht zusammengehn mit Leuten, die es offen aussprechen, daß die Arbeiter zu ungebildet sind, sich selbst zu befreien, und erst von oben herab befreit werden müssen, durch philanthropische Groß- und Kleinbürger.“ [1]

Warum ist dazu eine Partei notwendig?

Dabei folgten sie der Erkenntnis, „daß die Arbeiterklasse gegen diese Gesamtgewalt der besitzenden Klassen nur als Klasse handeln kann, indem sie sich selbst als besondere politische Partei konstituiert…“ [2] Für Marx und Engels war „die Arbeiterpartei, … derjenige Teil der arbeitenden Klasse, welcher zum Bewußtsein der gemeinsamen Interessen der Klasse gekommen ist…“ [3] Die Bildung zur Partei war kein Selbstzweck, vielmehr ging es darum, „daß diese Konstituierung der Arbeiterklasse als politische Partei unerläßlich ist für den Triumph der sozialen Revolution und ihres Endziels – Abschaffung der Klassen.“ [4]

Was sind die Aufgaben der Partei?

Das war der Ausgangspunkt der Erfahrungen, die Lenin auf der Grundlage der Marxschen Theorie in folgender Formulierung der Aufgaben der Sozialdemokratie zusammenfaßte: Die Sozialdemokratie als die Vereinigung von Arbeiterbewegung und Sozialismus habe der Arbeiterbewegung nicht passiv zu dienen, sondern „die Interessen der Gesamtbewegung als Ganzes zu vertreten, dieser Bewegung ihr Endziel, ihre politischen Aufgaben zu weisen, ihre politische und ihre ideologische Selbständigkeit zu wahren. Von der Sozialdemokratie losgerissen, verflacht die Arbeiterbewegung und verfällt unweigerlich in Bürgerlichkeit: führt die Arbeiterklasse nur den ökonomischen Kampf, so verliert sie ihre politische Selbständigkeit, wird sie zum Anhängsel anderer Parteien und übt Verrat an dem großen Vermächtnis.“ [5]

Warum muß man den Revisionismus bekämpfen?

Angesichts des zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Arbeiterbewegung stärker werdenden und in den sozialdemokratischen Parteien immer mehr Einfluß gewinnenden Revisionismus sah er sich veranlaßt, diese Probleme in das Zentrum seiner Anstrengungen um die Bildung einer revolutionären Vorhut der Arbeiterklasse zu stellen. In seiner Arbeit ‚Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung’ setzte er sich in aller gebotenen Klarheit mit diesen Erscheinungen auseinander: „’Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.’ Diese Worte in einer Zeit der theoretischen Zerfahrenheit wiederholen ist dasselbe, als wolle man beim Anblick eines Leichenbegängnisses ausrufen: ‚Mögen euch immer so glückliche Tage beschieden sein!’

Warum keine theoretischen Zugeständnisse?

Zudem sind die Worte von Marx seinem Brief über das Gothaer Programm entnommen, in dem er den bei der Formulierung der Prinzipien zugelassenen Eklektizismus scharf verurteilt: Wenn man sich schon vereinigen mußte, schrieb Marx an die Parteiführer, so hätte man einfach eine Übereinkunft abschließen sollen, um praktische Ziele der Bewegung zu befriedigen, sich aber auf keinen Prinzipienschacher einlassen, keine theoretischen ‚Zugeständnisse’ machen dürfen. Das war Marx‘ Gedanke, bei uns aber finden sich Leute, die in seinem Namen die Bedeutung der Theorie herabzusetzen suchen!“ Und er faßt die Konsequenzen aus dieser Erfahrung in einem Satz zusammen, dessen Konsequenzen auch und insbesondere in unserer Zeit von unübertroffener Aktualität sind: „Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.“ [5]

Warum darf es keinen Chauvinismus geben?

An diese Erkenntnis schloß Lenin nicht weniger aktuelle Folgerungen: „Zweitens ist die sozialdemokratische Bewegung ihrem ureigensten Wesen nach international. Das bedeutet nicht nur, daß wir den nationalen Chauvinismus zu bekämpfen haben. Das bedeutet auch, daß die in einem jungen Lande einsetzende Bewegung nur erfolgreich sein kann, wenn sie die Erfahrungen der anderen Länder verarbeitet. Für ein solches Verarbeiten aber genügt die einfache Kenntnis dieser Erfahrungen oder das einfache Abschreiben der jüngsten Resolutionen nicht. Dazu ist notwendig, daß man es versteht, diesen Erfahrungen kritisch gegenüberzutreten und sie selbständig zu überprüfen. Wer sich vergegenwärtigt, wie gewaltig die moderne Arbeiterbewegung gewachsen ist und sich verzweigt hat, der wird begreifen, welche Fülle an theoretischen Kräften und politischen (und auch revolutionären) Erfahrungen zur Bewältigung dieser Aufgabe erforderlich ist.“ [6]

Auf fortschrittliche Traditionen besinnen…

„Drittens hat die russische Sozialdemokratie nationale Aufgaben, vor denen noch keine sozialistische Partei der Welt gestanden hat. Wir werden weiter unten auf die politischen und organisatorischen Pflichten zu sprechen kommen, die uns durch die Aufgabe, das ganze Volk vom Joch der Selbstherrschaft zu befreien, auferlegt werden. Jetzt möchten wir nur darauf hinweisen, daß die Rolle des Vorkämpfers nur eine Partei erfüllen kann, die von einer fortgeschrittenen Theorie geleitet wird. Um sich auch nur einigermaßen konkret vorzustellen, was das bedeutet, möge sich der Leser an solche Vorläufer der russischen Sozialdemokratie erinnern wie Herzen, Belinski, Tschernyschewski und die glanzvolle Plejade der Revolutionäre der siebziger Jahre, – möge er an die Weltbedeutung denken, die gegenwärtig die russische Literatur gewinnt, möge er … aber auch das genügt schon!“ [7]

Alles das und die ganze Breite der Erfahrungen, die in der Entstehungsgeschichte der Parteien der Arbeiterklasse gemacht wurden und werden, sind zu durchdenken, wenn hier und heute die Frage nach dem Vortrupp der Arbeiterklasse zu beantworten ist. Dabei sind auch die Erfahrungen zu berücksichtigen, die der Klassengegner in der Auseinandersetzung mit den sozialistischen, sozialdemokratischen, linken und kommunistischen Parteien gemacht hat. Dabei geht es nicht nur um die Formen der offenen Konfrontation (Verbot, Verfolgung und das ganze System restriktiver Maß­nahmen), sondern auch um die Art und Weise, in der diese Parteien, vor allem aber deren Repräsentanten durch die Parteienfinanzierung, Diäten, Aufsichtsratsposten etc. korrumpiert wurden und werden.

1.Wie soll eine politische Organisation aussehen?

Lenin befaßte sich in seinem Werk ‚Was tun?’ im Abschnitt IV. ‚Die Handwerklerei der Ökonomisten und die Organisation’ mit den Organisationsformen der Arbeiterklasse. Seine damaligen Erfahrungen verdienen angesichts des derzeitigen Zustandes unserer Organisationen besondere Aufmerksamkeit. Lenin konstatierte, „daß die Ökonomisten sowohl bei den organisatorischen als auch bei den politischen Aufgaben ständig vom Sozialdemokratismus zum Trade-Unionismus abgleiten. Der politische Kampf der Sozialdemokratie ist viel umfassender und komplizierter als der ökonomische Kampf der Arbeiter gegen die Unternehmer und die Regierung. Genauso (und infolgedessen) muß die Organisation der revolutionären sozialdemokratischen Partei unvermeidlich anderer Art sein als die Organisation der Arbeiter für diesen Kampf.

Die Organisation der Arbeiter muß erstens eine gewerkschaftliche sein; zweitens muß sie möglichst umfassend sein; drittens muß sie möglichst wenig konspirativ sein (ich spreche natürlich hier und weiter unten nur vom autokratischen Rußland). Die Organisation der Revolutionäre dagegen muß vor allem und hauptsächlich Leute erfassen, deren Beruf die revolutionäre Tätigkeit ist (darum spreche ich auch von der Organisation der Revolutionäre, wobei ich die revolutionären Sozialdemokraten im Auge habe). Hinter dieses allgemeine Merkmal der Mitglieder einer solchen Organisation muß jeder Unterschied zwischen Arbeitern und Intellektuellen, von den beruflichen Unterschieden der einen wie der anderen ganz zu schweigen, völlig zurücktreten. Diese Organisation muß notwendigerweise nicht sehr umfas­send und möglichst konspirativ sein.“ [8]

2.Was sind Kommunisten?

In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, was Marx und Engels im Manifest der Kommunistischen Partei zur Beziehung von Proletariern und Kommunisten notierten:

„Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, daß sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen, andrerseits dadurch, daß sie in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie durchläuft, stets das Interesse der Gesamtbewegung vertreten. Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus. ….
Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unsern Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung. Die Abschaffung bisheriger Eigentumsverhältnisse ist nichts den Kommunismus eigentümlich Bezeichnendes. Alle Eigentumsverhältnisse waren einem beständigen geschichtlichen Wechsel, einer beständigen geschichtlichen Veränderung unterworfen. Die Französische Revolution z.B. schaffte das Feudaleigentum zugunsten des bürgerlichen ab.
Was den Kommunismus auszeichnet, ist nicht die Abschaffung des Eigentums überhaupt, sondern die Abschaffung des bürgerlichen Eigentums. Aber das moderne bürgerliche Privateigentum ist der letzte und vollendetste Ausdruck der Erzeugung und Aneignung der Produkte, die auf Klassengegensätzen, auf der Ausbeutung der einen durch die andern beruht. In diesem Sinn können die Kommunisten ihre Theorie in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums, zusammenfassen.“ [9]

3.Wie ist der Zustand der Linken?

Der derzeitige Zustand der sich selbst als kommunistisch bezeichnenden Parteien ist noch immer durch die Folgen der strategischen Niederlage geprägt, die mit der als ‚friedliche Revolution’ kaschierten Konterrevolution ausgelöst wurden. Im Zentrum der Auseinandersetzungen um die von verschiedenen Parteien beanspruchte Deutungshoheit der Nachfolgeparteien standen und stehen in erster Linie Fragen nach den Ursachen dieser historischen Katastrophe.

Zwischen hochgradig widersprüchlichen ideologischen Positionen wurden und werden im Spannungsfeld reformistisch-, opportunistischer ‚Realpolitik’, der Weiterführung einer marxistisch-leninistischen Analyse der entstandenen Lage oder orthodoxer Berufung auf die Texte der Klassiker Antworten auf die Frage nach der Neuorientierung gesucht. Diese Zerrissenheit zwischen einer Annäherung an sozial-demokratische, ‚linken’, eurokommunistische oder bolschewistische Positionen prägt auch die organisatorische Verfassung dieser Parteien.

4.Welche Herausforderungen gibt es?

Angesichts der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, des sich beschleunigenden Tempos der Entwicklung moderner Produktiv- und Destruktivkräfte, der globalisierten Umverteilung von Reichtum und Armut, den sich vertiefenden Überproduktions-, Finanz- und Systemkrisen, der Interessenkonflikte zwischen den um Vormachtpositionen kämpfenden transnationalen und nationalen Monopolverbände und Finanzkonsortien, der Zerstörung natürlicher Reproduktionszyklen und des Ausmaßes der chancenlosen Verelendung vieler Schwellen- und fast aller Entwicklungsländer zeichnet sich eine Katastrophe ab, zu der es in der bisherigen Geschichte der Menschheit keine Parallelen gibt.

Mit dem Übergang des Monopolkapitals in die Daseinsweise einer Dauerkrise eingeleitet, durch die – untrennbar mit der Funktion des US-$ als Weltwährung verbundene – Krise des Weltwährungssystems forciert und mit dem – zwischen militärstrategischer Übermacht, finanz- sowie realwirtschaftlichem und infrastrukturellem Zusammenbruch zerrissenen Ambitionen der USA steht die menschliche Gesellschaft an einem Scheidepunkt, der nicht anders als Konfrontation zwischen der Selbst­vernichtung und dem Übergang in eine klassenlose Gesellschaft zu qualifizieren ist. Diesen Herausforderungen sind Kommunisten objektiv konfrontiert, diesem Anspruch müssen sie programmatisch wie organisatorisch gerecht werden, wenn sie ihrem Anspruch gerecht werden wollen, revolutionärer Vortrupp der Arbeiterklasse zu sein.

5.Wie sollen leitende Funktionäre sein?

Enge Verbundenheit mit der Arbeiterklasse, bedingungsloses Eintreten für das Programm der Partei und engagierte Mitarbeit in den Organisationen der Partei sind unabdingbare Voraussetzungen der Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei. Jedes Mitglied ist gefordert, bei der Ausarbeitung und Weiterentwicklung der strategischen Orientierung der Partei und bei der Umsetzung dieser Zielstellungen mitzuwirken. Nur wer in der Lage ist, dazu wesentliche Beiträge zu leisten, kann für Leitungsfunktionen vorgeschlagen und in geheimer Wahl gewählt werden. Für alle gilt, daß Erscheinungen bürokratischer Deformation, erste Ansätzen von Korruption, arrogantem Auftreten, Erscheinungen von Eitelkeit und Tendenzen eines Personenkultes Voraussetzung nicht nur mit der Ausübung leitender Funktionen, sondern auch mit der Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei unvereinbar sind.

Verwendete Zitate:
[1] K. Marx, F. Engels: [Zirkularbrief an Bebel, Liebknecht, Bracke u.a.], MEW Bd. 19, Berlin 1987, S. 165
[2] K. Marx, F. Engels: Die angeblichen Spaltungen in der Internationale, MEW 18, Berlin 1976, S. 33 FN
[3] F. Engels: Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei, MEW Bd. 16, Berlin 1962, S. 67
[4] K. Marx, F. Engels: Beschlüsse der Delegiertenkonferenz der Internationalen Arbeiterassoziation abgehalten zu London vom
17. bis 23. September 1871, MEW Bd. 17, Berlin 1962, S. 422
[5] W.I. Lenin: Die dringendsten Aufgaben unserer Bewegung, LW Bd. 4, Berlin 1955, S. 367
[6] ebenda S. 380
[7] ebenda S. 380
[8] ebenda S. 468
[9] K. Marx, F. Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW Bd. 4, a.a.O., S. 474

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Acrobat Reader  Hesse: Über die Zukunft der KP

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6 Antworten zu Klaus Hesse: Der revolutionäre Vortrupp der Arbeiterklasse

  1. ropri schreibt:

    Wir leben im 21. Jahrhundert, in einer Zeit, wo der gesamte Erdball zu verbrennen droht, wo es in riesigen Produktionsstätten keine Arbeiterklasse mehr gibt, wo trotz steigender Aggressivität des Imperialismus keinerlei revolutionäre Situation entsteht. Wir leben in einer Zeit, wo sich Menschen abwenden, wenn sie die Worte Marx, Engels, Lenin, Revolution und Kommunismus hören. Damit erreicht man heute niemanden.

    Man muß anfangen, auf all die durch Arbeitslosigkeit ins Abseits gestellten Menschen zuzugehen – das ist allein unsere potentielle revolutionäre Masse – keineswegs die in Arbeit stehenden Menschen, die lieber die Klappe halten, um ja nicht ihr „Privileg“ Arbeit zu haben auf’s Spiel zu setzen. Man muß die Verbitterten unserer Gesellschaft erreichen, ihnen Mut machen und deren Unzufriedenheit, Resignation in eine grenzenlose Wut umwandeln, ihnen praktisch vorleben, daß sie nicht allein sind, Solidarität leben! Das sind die Verdammten unserer Zeit, die man wachrütteln muß.

    Denn es sind keineswegs ungebildete Menschen, die in der Arbeitslosigkeit wie nutzlose Gegenstände vom Staat verwaltet werden; nein, es sind oft solche Menschen, die durch ihr Wissen und ihre Geradlinigkeit diesem Staat gefährlich werden könnten und die man verächtlich als Parasiten abstempelt, damit sich auch ja der Letzte von ihnen abwendet.

    1989 landeten doch viele von uns trotz hoher Qualifikation im Papierkorb dieses Staates. Gäbe es einen Reißwolf für nicht mehr gebrauchte Menschen, hätte man uns alle dort entsorgt. Die Theoretiker Marx, Engels, Lenin, Stalin, auch Mao sind unser Handwerkszeug, geben uns Hilfe in der Herangehensweise; wir müssen die Theorie umsetzen. Mit Zitaten erreicht man niemanden; wir müssen eigene Worte finden, die der Realität entspringen und von allen Menschen verstanden werden.

    • Doed schreibt:

      Hallo ropri,
      sicherlich keine Absicht, aber nur um eventuelle Verwirrung herauszunehmen: Die Arbeiterklasse gibt es noch. Nur das Bewusstsein zu dieser zu gehören nicht mehr.

      • ropri schreibt:

        Natürlich gibt es die Arbeiterklasse, ich denke an diejenigen, die für einen Lohn, der nicht zum Leben reicht, oft 10 Stunden tgl. arbeiten müssen und trotz aller Repressalien nicht erkennen, wer ihr ärgster Feind ist. Jedoch wollen sie nicht drüber nachdenken, der Sozialismus, sagen sie, sei endgültig gescheitert und nicht machbar. Mit Politik wollen sie nichts zu schaffen haben. Die KKE war / ist eine hervorragende Partei mit einer Masse Mitgliedern, sehr klugen Gedanken. Leider wird es seit Tsipras immer ruhiger um sie.
        Was fehlt? : Proletarischer Internationalismus! Das ist eine ganz übler Erkrankung.

  2. Der Rückgrat schreibt:

    Der Beitrag von Klaus Hesse ist gut geschrieben, einige Aspekte sind trotzdem zu kurz gekommen. Die in die Fähigkeiten der Arbeiterklasse gesetzten Hoffnungen sind aktuell nicht einlösbar – gerade auch dann, wenn die überwältigenden Fähigkeiten der herrschenden Klasse berücksichtigt werden. Die herrschende Klasse ist derzeit erfolgreich bei Ausbeutung und Manipulation – notfalls bis zum globalen Untergang im nuklearen Feuer oder ökologischen Armageddon. Lichtblicke der Formierung einer Arbeiterklasse für sich sind derzeit kaum erkennbar.

    Die Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ zeigt das Verhalten von Menschen im Armutsmodus klar auf, es ist im Wesentlichen geprägt durch Apathie und Resignation. Die Parallele zum abgehängten Subproletariat in der BRD liegt klar vor uns. Geknechtete und erniedrigte Menschen werden nicht zwangsläufig widerständig. Es gehört wenig Phantasie dazu, infolge weiterer Technologiesprünge erwartbare massiv erhöhte Arbeitslosen- und damit Armutsquoten des Proletariats, die soziopolitischen Auswirkungen zu prognostizieren.

    Die herrschende Klasse hat seit der russischen Oktoberrevolution 1917 viel dazugelernt, beherrscht ihre Instrumente und setzt sie rücksichtslos und geschickt ein. Die revolutionären Vortruppen der Arbeiterklasse sind vergleichsweise weniger erfolgreich, die Avantgarderolle nehmen die K-Parteien trotz sich ständig zuspitzender Lage nicht ein. Die Diskussion um die Zukunft der kommunistischen Bewegung sollte dazu beitragen, die Hegemonie in Wissenschaft, Kultur und allen anderen relevanten Feldern erneut zu gewinnen. Große Vorbilder hat die kommunistische Bewegung zur Genüge.

  3. Rolf, der Waldschrat schreibt:

    @Doed:
    Das Bewusstsein der Arbeiterklasse ist schon noch vorhanden. Nur ist es wie bei dem heutigen „Jugendwahn“. Es will KEINER mehr zu den ALTEN gehören und auch KEINER zur Arbeiterklasse. Auch wenn sie es innerlich wissen und dazu stehen, öffentlich wird es keiner zugeben.
    Rolf, der Waldschrat

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