Kurt Gossweiler: Ist der Kommunismus erledigt?

Gossweiler 1Um es gleich vorwegzunehmen – natürlich ist der Kommunismus nicht erledigt! Auch wenn mit der Beseitigung des sozialistischen Weltsystems auf einem Drittel des Erdballs die Menschheit in die bisher größte Katastrophe ihrer Geschichte gestürzt wurde. Der Imperialismus erstarkte und warf die fortschrittliche Welt um gut mindestens ein Jahrhundert in ihrer Entwicklung zurück. Wie konnte das geschehen? Im ersten Band der soeben erschienen dreibändigen Ausgabe seiner gesammelten Analysen, Referate, Kritiken, Reden und Schriften antwortet der Historiker Dr. sc. Kurt Gossweiler  auf Fragen, die uns alle angehen und von deren Beantwortung die Existenz des Lebens auf der Erde abhängen wird. Das sind nun wahrlich keine großen Worte – es ist das Ergebnis wissenschaftlicher Erkenntnisse, deren Grundlagen von Marx, Engels, Lenin und Stalin bereits bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gelegt wurden. Lesen wir nun, was uns Genosse Kurt Gossweiler dazu zu sagen hat…

Hier ein Ausschnitt aus einem Interview, das Gertrud Bongaerts mit Kurt Gossweiler am 5. April 200 in Berlin führte:

Kommunisten und antifaschistischer Kampf heute

Wer aufmerksam zur Kenntnis nimmt, was seit zehn Jahren auch und gerade in Mittel- und Westeuropa vor sich geht, der kommt nicht umhin, festzustellen: Die Herrschenden haben offenbar keine größere Sorge als die, die Hemmnisse möglichst rasch aus dem Wege zu räumen, die sie daran hindern, die demokratische Fassade, besser gesagt, die politischen und sozialen Rechte, die sich die Werktätigen in den Jahrzehnten davor erkämpft haben, noch schneller und gründlicher aus der Welt zu schaffen, als das bisher schon geschehen ist.

Wenn nach dem Sieg über den Faschismus in den meisten westlichen Ländern – keineswegs in allen, man denke an Spanien und Portugal! – für vierzig Jahre relativ stabile bürgerlich-demokratische Verhältnisse herrschten, dann hat das überhaupt nichts damit zu tun, daß die Monopolbourgoisie die Lehre gezogen hätte, nunmehr für immer die Demokratie hochzuhalten. Nein, dazu war sie gezwungen durch die Existenz des Sozialismus auf einem Drittel der Erde und der guten Hälfte Europas.

Da sie den Kalten Krieg gegen die sozialistischen Staaten unter der Fahne „Demokratie statt Diktatur“ führte, mußte sie den Werktätigen soziale und politische Zugeständnisse machen, die ihrer ausbeuterischen Räubernatur zutiefst widerstrebten.

Braucht die Monopolbourgeoisie noch den Faschismus?

Die Bedingungen, die den Faschismus als neue politische Waffe der imperialistischen Bourgeoisie hervorbrachten, bestehen weiter:

Erstens: der dem Imperialismus innewohnende Drang nach Reaktion und Gewalt ist nicht schwächer geworden, sondern hatte nur dank der Existenz des sozialistischen Weltsystems jahrzehntelang weniger Möglichkeiten, sich voll auszuleben.

  • Seit dem Wegfall des Sozialismus als gleichgewichtiger Gegenmacht vollzieht der Imperialismus vor unseren Augen einen systematischen Ausbau seines Repressionsapparates.
  • Schon fordern bundesdeutsche CDU-Politiker ein Gesetz, das den Einsatz der Bun­deswehr auch nach innen, gegen die eigene Bevölkerung, erlaubt.
  • Das kündigt an, worauf sich die Herrschenden selbst in den scheinbar gefestigten bürgerlichen Demokratien vorbereiten. Sie möchten gerne, daß die Massen ihrer immer wiederholten Behauptung Glauben schenken: „Der Kommunismus ist tot!“ Aber sie wissen nur zu gut, wie wenig diese Behauptung mit der Wirklichkeit zu tun hat.
  • Sie wissen durchaus, daß die Abwälzung der wachsenden ökonomischen Schwierigkeiten auf die Massen in der Zukunft wachsenden Widerstand breiter Bevölkerungskreise hervorrufen wird.

Es ist unvermeidlich: die Völker werden sich erneut und stärker gegen den Imperialismus erheben, weil sie anders nicht überleben können!

Zweitens: Das Zeitalter der imperialistischen Kriege und der proletarischen Revolutionen ist keineswegs vorbei – wir sind noch mitten darin. Die neue Umverteilung der Welt unter die imperialistischen Hauptmächte geht vor unseren Augen vor sich.

  • Was im Überfall der NATO auf Jugoslawien ablief und was sich jetzt in Tschetschenien abspielt, sind eine Art Stellvertreter-Kriege: der NATO-Überfall auf Jugoslawien, zielte in Wirklichkeit auf Rußland, und die Tschetschenen, weit entfernt davon, für ihre eigenen Interessen zu kämpfen, wie ihre militärischen Führer vorgeben, spielen – genau wie vorher die Kosovo-Albaner –, nur die Rolle von Hilfswilligen, die dem USA- und dem deutschen Imperialismus den Weg zu den Ölquellen des Kaukasus und zu den Reichtümern Mittelasiens und Sibiriens freikämpfen sollen.
  • Hitler und Goebbels haben noch unumwunden ausgesprochen, daß ihr Krieg gegen die Sowjetunion um Öl und die Weizenfelder der Ukraine gefiihrt würde. Die NATO-Aggressoren geben heuchlerisch vor, Kriege zu fuhren, um Blutvergießen zu beenden und die Menschenrechte zu verteidigen.
  • Heute lancieren sie über die Medien die Forderung, man müsse in Tschetschenien gegen Rußland eingreifen, um die Menschenrechtsverletzungen zu beenden.
  • Und morgen? Müssen morgen oder übermorgen die Menschenrechte durch Truppen der bis nach Asien erweiterten NATO gegen das kommunistische Volks-China in Tibet verteidigt werden? Nichts ist heute mehr unmöglich!

Wer 1998, bei der Bildung der Sehröder-Fischer-Regierung vorhergesagt hätte, daß diese Regierung ein halbes Jahr später deutsche Soldaten in den Krieg schicken würde, der wäre für verrückt erklärt worden!

Sind Krieg und Faschismus heute vermeidbar?

Heute ist selbst in bürgerlichen Gazetten zu lesen, daß sogar ein großer Krieg zwischen den Großmächten in der Zukunft nicht mehr auszuschließen sei! Fast jeder Tag bringt neue Beispiele und Beweise für die Zuspitzung der imperialistischen Gegensätze auch zwischen den USA und der von Deutschland dominierten Europäischen Union. Dies alles zusammengenommen bedeutet aber: In der Zukunft werden imperialistische Staaten oder Staatengruppierungen mit Sicherheit sich auch wieder vor Situationen gestellt sehen, die ihnen für geraten erscheinen lassen können, sich erneut der Waffe des Faschismus zu bedienen. …

Wer begünstigt eigentlich den Neofaschismus?

Wie uns die Entwicklungen in Österreich, in Italien und auch in der Bundesrepublik Deutschland zeigen, ist die Gefahr, daß die Massenunzufriedenheit mit der Politik der Regierenden vor allem den neofaschistischen Parteien zugute kommt, sehr groß. Dazu tragen auch solche „Linken“ bei, die die Niederlage des Sozialismus nicht auf das zurückfuhren, was sie wirklich verursacht hat, – nämlich das jahrzehntelange Zusammenwirken äußerer und innerer Feinde des Sozialismus – sondern, die sie ausgeben als das unvermeidliche Ergebnis von angeblichen Geburtsfehlern des auf Marx und Lenin zurückgehenden Sozialismus-„Modells“, zu dessen schlimmstem Fehler der „Stalinismus“ gehöre.

Die Verteufelung Stalins und des unter seiner Führung errichteten sozialistischen Staates war ein Hauptfaktor bei der Unterminierung und schließlichen Zerstörung der Sowjetunion, und sie ist ein fortwirkender Hauptfaktor der anhaltenden Schwäche und Zersplitterung der linken und antifaschistischen Kräfte.

Warum sind die Kommunisten unentbehrlich?

Die aktivste, stärkste und konsequenteste antifaschistische Kraft waren in der Vergangenheit die Sowjetunion und die kommunistischen Parteien. Auch heute sind die sozialistischen Staaten und die Kommunisten der stärkste, aktivste und konsequentestc Bestandteil des Kampfes gegen den Faschismus. Je stärker die Kommunisten in einem Land, desto stärker und wirkungsvoller die antifaschistische Bewegung. Deshalb ist Antikommunismus heute wie eh und je Begünstigung des Faschismus. …

Über welche Machtmittel verfügt die Bourgoeisie?

Die imperialistische Bourgeoisie verfügt heute über ein ungleich größeres Reservoir von Mitteln sowohl der Manipulierung der Massen als auch der Überwachung jede Bürgers, als zu Zeiten Mussolinis und Hitlers. Orwell, erlebte er die heutigen Möglichkeiten der Oberen zur Überwachung der Untertanen, z.B. die Einführung der elcktronischen Überwachung der Bürger auf den Straßen und Plätzen unserer Städte, müßte wohl feststellen, daß die Wirklichkeit seine Vorausschau des Überwachungsstaates in seinem Buch „1984“ schon weit übertroffen hat. …

Ist der Faschismus heute noch möglich?

Wer erlebt hat, mit welch bestialischer Wut die „Sicherheitskräfte“ der Berliner Polizei am 9. Januar dieses Jahres auf Männer, Frauen und Jugendliche eindroschen und sie – auch die Frauen! – noch mit Fußtritten weiter traktierten, wenn sie schon am Boden lagen, nur, weil sie sich das Recht zur Demonstration am Tage der Ehrung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts nicht nehmen ließen, der hat einen Vorgeschmack davon bekom­men, was in einer künftigen faschistischen Diktatur des 21. Jahrhunderts an die Stelle der SA und der SS treten würde: sie würden sich kaum unterscheiden.

Was sind aktuell die Aufgaben der Kommunisten?

  1. Wir müssen unsere Kraft und unseren Einfluß dafür einsetzen, daß jeder An­griff der Herrschenden auf die in langen Jahrzehnten errungenen demokratischen und sozialen Rechte auf eine möglichst breite und möglichst entschlossene Abwehr stößt.
  2. Wir müssen immer wieder daran erinnern, was die Faschisten über ihr Volk und die ganze Menschheit gebracht haben. Die faschistischen Verbrechen dürfen nicht vergessen und nicht vergeben werden!
  3. Wir dürfen nicht müde werden, darüber aufzuklären, wessen Instrument der Faschismus war und nach wie vor ist.
  4. Wir müssen unermüdlich Klarheit darüber verbreiten, daß Antikommunis­mus Begünstigung des Faschismus bedeutet.
  5. Wir müssen die Wahrheit zur Massenerkenntnis machen, daß, solange der Imperialismus herrscht, auch die Gefahr des Faschismus bestehen bleibt. Nur der Sozialismus kann der Menschheit eine Welt ohne Kriege und ohne Faschismus brin­gen.
Quelle:
Kurt Gossweiler: Faschismus und antifaschistischer Kampf – gestern und heute. Interview mit Genossen Kurt Gossweiler. In: Kurt Gossweiler: Wie konnte das geschehen? Band I., S.24-28. Herausgeber: KPD, offen-siv, Freidenker-Verband, GRH, Eulenspiegel-Verlag. (Gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)
(Hinweis: Der zweite Band erscheint voraussichtlich im August 2017, der dritte Band voraussichtlich im Oktober 2017.)  
Kontakt und Bestellung: redaktion@offen-siv.com
ISBN für diesen Band: 978-3-9818899-1-8
Preis: 16,- Euro.
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9 Antworten zu Kurt Gossweiler: Ist der Kommunismus erledigt?

  1. ropri schreibt:

    Kurt Gossweiler: „Es ist unvermeidlich: die Völker werden sich erneut und stärker gegen den Imperialismus erheben, weil sie anders nicht überleben können!“ –

    Aus der Taubenfußchronik von Kurt weiß ich, wie sehr er alle Mißstände seit und durch Chrustschow stets mit dem unbrüchlichen Optimismus betrachtete und davon ausging, daß die Vernunft siegen würde, weil der Kommunismus die einzige Gesellschaftsform darstellt, in der alle Menschen der Welt ein würdiges und glückliches Leben haben werden.

    Was die Überlegenheit des Kommunismus anbelangt, so sehe ich das ganz genauso wie Kurt, denn auch ich bin Kommunistin mit Herz und Verstand. Einzig meine Erfahrungen seit der Konterrevolution 1989 sagt mir: mit diesen real existierenden Menschen ist ein Aufbau des Kommunismus nicht möglich! Was bedeutet objektive Überlegenheit, wenn der subjektive Faktor konträr dazu steht?

    Seit 1989 suche ich bewußt politische Gespäche mit unterschiedlichsten Menschen. Das Erschreckende ist: die meisten Menschen sehen nur sich selbst und glauben was sie über die Medien vermittelt bekommen, immer darauf bedacht sich selbst auch auf Kosten Anderer einen Vorteil (Besitz und Macht) zu erstreben. Die wenigsten Menschen besitzen noch so etwas wie Solidarverhalten. Eine erschreckende Anzahl von Menschen erscheint mir auch politisch einfach dumm zu sein. Ja sie haben nicht einmal den Willen, sich mit Politik konkret oder global zu befassen. Als Realist komme ich mehr zu der Überzeugung, daß die Menschheit sich eher in verheerenden atomaren Kriegen selbst vernichtet, als den Kommunismus aufzubauen.

    • Hanna Fleiss schreibt:

      ropri, man muss die Dinge realistisch sehen, das ist völlig klar. Aber verlier nicht den Mut. Es gibt gegenwärtig wenige Wirkungsmöglichkeiten, die meisten von uns gehören schon zur älteren oder alten Generation, und so bleibt uns erst mal nur das Wort. Das Internet ist ein guter Platz dafür. Mach weiter, diskutiere, du hast doch sicher auch Erfahrungen in deinem Leben gesammelt, die es wert sind, sie jüngeren Leuten mitzuteilen. Ich versuche das auch, und ich weiß auch, wie wenig erfolgreich es sein kann, wie abgestumpft die Menschen sind. Aber ich gebe nicht auf. Wer, wenn nicht wir, ropri?

      • ropri schreibt:

        Wärmsten Dank, liebe Hanna. Ich freue mich über diese Antwort und über Dein Verständnis meiner Gedanken. Uns wurde unsere Heimat genommen wir haben wortlos zugesehen und doch wurde uns bewußt, daß das alles von langer Hand vorbereitet war, nicht nur vom Klassenfeind, nein auch von angeblichen Genossen aus den höchsten Funktionen unserer Partei und der DDR-Regierung. Täglich erleben wir, wie Geschichte seitdem neu geschrieben wird und die Mehrzahl der Menschen diese Lügen einfach so hinnehmen als Tatsachen..
        Wir, ja wir bewahren uns unsere Kenntnisse und Überzeugung und werden bis zum letzten Atemzuge jüngeren Menschen erklären, was uns geraubt und zerstört wurde. Auch wenn die Reaktion auf unsere Worte oft schmerzhaft ist, werde ich unermüdlich fortfahren. Es ist schön zu wissen, daß ich dabei nicht allein bin.
        Und doch: wir werden einen allesvernichtenden Krieg erleben, aus dem man vermutlich hinterher keine Lehren mehr ziehen kann.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, man könnte… hierzu drei Beispiele:
      Beispiel 1: Du sagst es selbst – ich weiß: drei Tage vor seinem Tod hob Kurt, schon schwach geworden, beim Abschied die Faust. Rot Front! Seine Tochter hätte ihm das gewiß verboten. Doch nie hätte er das zugelassen. Nie hat Kurt den Mut verloren, nie hat er aufgegeben….
      Beispiel 2: Ich las gerade zum zweiten Mal „Der wahre Mensch“ von Boris Polewoj. Der Flieger Maresjew ist ein Held. Als seine Kräfte ihn zu verlassen drohten, dachte er an sein Heimatstädtchen und die Bewohner. Erst im sozialistischen Staat hatten sie ihre Träume verwirklichen können. „…Auf einmal sieht er die Faschisten in den ihm ans Herz gewachsenen Straßen Kamyschins hausen. Sie machen Scheiterhaufen aus den Bäumen, die die Einwohner mit soviel Liebe aufgezogen haben. Sein Heimatstädtchen ist in Rauch gehüllt, und dort, wo das kleine Haus stand, in dem er aufgewachsen war, in dem seine Mutter gelebt hatte, ragt ein verrußter häßlicher Schornstein empor. Sehnsucht und grimmige Entschlossenheit vereinten sich in ihm zu dem Gedanken. Sie nicht durchlassen, nicht weiterlassen! Kämpfen, kämpfen mit ihnen, solange die Kräfte reichen…“ (S.41f.) „Solange er imstande ist, wird er sich fortbewegen…“ (S.48) Die Rettung kam. Kraftlos und schwach geworden vor Hunger und Schmerzen – Maresjew wurde gerettet….
      Beispiel 3: „Gewöhnlich wird eingewendet“, schreibt Lenin im April 1917, „Das russische Volk sei für die ‚Einführung‘ der Kommune noch nicht reif. Das ist ein Argument der Fronherren, die behauptet hatten, die Bauern seien für die Freiheit noch nicht reif. Keinerlei Umgestal-tungen, die nicht sowohl in der ökonomischen Wirklichkeit als auch im Bewußtsein der erdrückenden Mehrheit des Volkes vollständig herangereift sind, werden von der Kommune … ‚eingeführt‘, sie beabsichtigt nicht, sie ‚einzuführen‘ und soll sie auch nicht einführen. Je größer der ökonomische Zusammenbruch und die durch den Krieg erzeugte Krise ist, desto dringlicher erforderlich ist eine möglichst vollkommene politische Form, die die Heilung der Wunden, welche der Krieg der Menschheit geschlagen hat, erleichtert.“ (S:57) – also kämpfen …und die Apathie im Proletariat überwinden!

    • @ropri: „mit diesen real existierenden Menschen ist ein Aufbau des Kommunismus nicht möglich! Was bedeutet objektive Überlegenheit, wenn der subjektive Faktor konträr dazu steht?“

      Ich lese gerade „Memento Stalingrad“ von Erich Weinert, der gemeinsam mit dem Reichstagsabgeordneten Walter Ulbricht die Soldaten und Offiziere der 6. Hitler-Armee zur Aufgabe und Kapitulation durch abgeworfene Flugblätter, Passierscheine und Lautsprecheransagen zu überzeugen suchte.

      Die objektive Überlegenheit der Streitkräfte der CCCP war offensichtlich: Der „Kessel Stalingrad“ wurde von einem fast undurchdringbaren Ring von 30 km Stärke umschlossen; die Hitler-Entsatz-Armeen wurden zurückgedrängt; die Panzerdivisionen konnte wegen Treibstoffmangels keine Entlastung bringen; die Versorgung aus der Luft blieb aus; links und rechts verhungerten die deutschen Soldaten, erfroren selbst im Stehen oder waren aufgrund von Erfrierungen nicht mehr einsatzfähig; Munition gab es auch fast keine mehr …

      … der eine „subjektive Faktor“ war: „Die Russen machen keine Gefangenen“ (… „warum sollten, die mich auch gefangen nehmen […ich weiß ja selber, welche ungeheuerlichen Verbrechen ich wider das Kriegsrecht begangen habe…] …warum sollten die mich also jetzt verschonen?“)

      … der andere „subjektive Faktor“ war: „Ich werde hier verrecken, … aber eine Chance gibt es noch: Aufgabe, sich ergeben!“

      Und diese Chance propagierten Ulbricht, Weinert u.v.a. Genossen — TROTZ der scheinbaren Aussichtslosigkeit die im Kessel verhungernden und erfrierenden Menschen gedanklich zu erreichen und sie zur Aufgabe zu bewegen.

      Und wenn sich auch von den 330.000 Menschen die große Mehrheit von 250.000 dazu entschieden hatte, „lieber zu sterben, als in Gefangenschaft zu gehen“, wurden dann doch durch diese Arbeit zunächst 80.000 gerettet. — Ja, für viele dennoch zu spät: entkräftet, an den Gliedern erfroren und durch alle möglichen Krankheiten geschwächt, sind viele auf dem Weg in die Gefangenschaft oder schließlich dort umgekommen.

      Aber welche Vorwürfe könnte man heute den Genossen Ulbricht und Weinert doch machen, wenn sie es nicht trotz dieser aussichtslosen Sturheit der Eingeschlossenen, nicht doch versucht hätten!!! (?)

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha – wachsender Widerstand? Die Bundesregierung hat klammheimlich über den Bundesrat den Paragraphen im Grundgesetz verändert, nach dem es strenge Strafen für den gab, wer einen Krieg vorbereitet. Ich habe davon im Internet erfahren. Was ich nicht erfahren habe, war: dass dieser Putsch, und man kann das durchaus so bezeichnen, überhaupt in den Medien war, ganz zu schweigen von Protesten der Bevölkerung. Abgesehen davon ist nur die Vorbereitung eines Krieges strafbar gewesen, nicht aber die Führung eines Krieges, ein halbseidener Freibrief für den Krieg. Es ist schon so, wie Max Reimann sagte: „Wir Kommunisten werden eines Tages dieses Grundgesetz verteidigen.“ Und das sagte er im Adenauer-Bundestag, indem er die Halbheiten des Grundgesetzes grundlegend aufgezeigt hatte.

    • sascha313 schreibt:

      Sicher – das ist nicht der erste Paragraf, der klammheimlich geändert wurde. Und immer mehr zeigen sich nun auch Politiker in ihrer Uniform als Reserveoffiziere…

  3. Pingback: Kommunisten und solche, die keine mehr sind… | Sascha's Welt

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