Kay Strathus: Ein Staat, in dem 40 Jahre lang Mangel herrschte

DDRDeutsche Demokratische Republik (DDR). Die DDR ist ein sozialistischer Staat in Mitteleuropa. Sie umfaßt eine Fläche von 108.178 km², auf der fast 17 Millionen Menschen leben. Im Norden grenzt die DDR an die Ostsee. lhre Nachbarländer sind im Osten die Volksrepublik Polen, im Süden die Tschechoslowakische Soziali­stische Republik (ČSSR), im Westen und Süden die Bundesrepublik Deutschland (BRD). Nach der Zerschlagung des Fa­schismus im zweiten Weltkrieg war Deutschland von den Truppen der UdSSR, der USA, Großbritanniens und Frankreichs besetzt und in vier Besatzungszonen ein­geteilt. Auf Betreiben der Kapitalisten in Westdeutschland und mit Unterstützung der westlichen Besatzungsmächte wurde das Land 1949 gespalten. Aus den west­lichen Besatzungszonen wurde die Bun­desrepublik Deutschland (BRD) gebildet. Die Arbeiter und Bauern in der sowjeti­schen Besatzungszone waren dagegen entschlossen, die antifaschistisch-de­mokratische Entwicklung, die im östlichen Teil Deutschlands seit 1945 eingesetzt hatte, weiterzuführen. Sie gründeten am 7. Oktober 1949 den ersten sozialistischen Staat in der deutschen Geschichte, die Deutsche Demokratische Republik. – Die DDR ist ein hochentwickelter Industrie­staat mit einer leistungsfähigen Landwirt­schaft. Sie verfügt über ein dichtes Ver­kehrsnetz. Eisenbahn- und Luftlinien, Autobahnen, Fernverkehrsstraßen und Wasserwege verbinden alle Teile des Lan­des und die DDR mit anderen Ländern und Erdteilen. – Die DDR zählt zu den zehn be­deutendsten Industriestaaten der Erde….“ (Das schrieb 1981 der Kinderbuchverlag in seinem Lexikon für Kinder.)

Und das folgende schrieb Kay Strathus im „RotFuchs“ (Heft 252, Januar 2019, S.32)

Es gab in der DDR

  • keine Ausbeutung
  • keine Arbeitslosigkeit
  • keinen Mietwucher
  • keine Obdachlosigkeit
  • keine Kinderarmut
  • keine Altersarmut
  • keine Geschäfte mit der Angst
  • keine Abzocker und Kredithaie
  • keine Schuldenfallen und Schuldeneintreiber
  • keine Diskriminierung der Frau
  • keine Amokläufe in Schulen
  • keine Naziparteien
  • keine Revanchistenverbände
  • keine Wehrmachtstraditionsvereine
  • keine „Pressefreiheit“, denn es gab
  • keinen Sensations-, Gossen- und Hysterie-Journalismus
  • keine Klatsch-und-Tratsch-Presse
  • keine Kriegspropaganda
  • keine Waffenlobbyisten
  • keine Kriegsbeteiligung
  • keine Rassenhetze
  • keine Monopolkapitalisten.

Aus einer Diskussion im Internet, die sich an diesem Text entzündete, der die übliche Schnappatmung bei DDR-Hassern und anderen Antikommunisten auslöste: „Totale Überwachung!“ und „Keine individuelle Freiheit“ waren noch die harmloseren Kommentare.

Meine Meinung dazu: Für Antikommunisten ist es egal, welche Errungenschaften die DDR vorzuweisen hatte (neben ihren Fehlern und Fehlentwicklungen, die es – wie in jedem Staatswesen – auch gab).

Die DDR-Hasser sind in ihrer Dämonisierung dieses kleinen wackeren Landes (das in so kurzer Zeit, trotz aller feindseligen Umstände, so viel erreichte) Argumenten nicht zugänglich, weil ihr Urteil schon feststeht: Verdammungswürdig, weil kommunistisch! Und was „Kommunismus“ ist, wissen die Antikommunisten besser als Marx, nämlich das, was in den bürgerlichen Geschichts- und Philosophielehrbüchern steht: ein Gesellschaftssystem, das „dem Menschen“ die Freiheit raubt und für lauter Mangel überall sorgt:

Ende der Debatte.

Interessant übrigens: Selbst wenn man etwas zur Verteidigung des ersten Anlaufs zum Sozialismus auf deutschem Boden zu sagen hat, hat sich die Unsitte eingeschlichen, dieses Positive zunächst mit einer Distanzierung von den negativen Seiten des Arbeiter-und-Bauern-Staates zu beginnen, um der ideologischen Inquisition der bürgerlichen Meinungsdiktatoren zu entgehen. Ich für meinen Teil mache diese servile Unterwerfungsgeste nicht mit, obwohl ich am Realsozialismus auch einiges zu kritisieren habe; ich halte es aber mit Peter Hacks, der einmal meinte, daß ein schlechter Sozialismus immer noch besser ist als der beste Kapitalismus.

Warum man die DDR verteidigen muß…

Die DDR gehört verteidigt, mit all ihren Irrtümern, all ihren unschönen Aspekten, all ihrer menschlich-allzumenschlich einengenden Spießigkeit, weil sie eines nicht war: ein kriegführender aggressiver imperialistischer Staat, der nach innen Arbeiterinnen und Arbeiter als verfügbare Lohnsklavenmasse für den Dienst am Kapital rannimmt (und nach Belieben bzw. Konjunktur in die Armut entläßt) und nach außen andere Völkerschaften und Landstriche ausplündert bis aufs Blut und nach Bedarf auch mit Bomben und Soldaten beglückt.

Was dieser kleine Staat im Herzen Europas 40 Jahre lang gezeigt hat, ist, daß es auch anders geht, daß man ohne Kapitalisten, ohne Ausbeuterei und ohne permanente Angst vor Arbeitsplatz- und Wohnungsverlust ein produktives und kreatives Leben führen kann.

…und darum wird die DDR so gehaßt!

Dafür wird die DDR so gehaßt, dafür sind Medien, Politiker, Historiker und die ganze Hofnarrentruppe des bürgerlichen Theaters damit beschäftigt, diesen Staat täglich in den düstersten Farben zu malen und so gut wie jeden Aspekt seines gesellschaftlichen Lebens zu dämonisieren und zu delegitimieren – und das auch noch 30 Jahre nach der Konterrevolution.

Kay Strathus, Düsseldorf

(Mit Dank übernommen vom RotFuchs, Januar 2019, S.32, Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Siehe: ein Kommentar dazu

Dieser Beitrag wurde unter Freiheit der Andersdenkenden, Geschichte, Meine Heimat DDR, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Kay Strathus: Ein Staat, in dem 40 Jahre lang Mangel herrschte

  1. grfinx schreibt:

    Schöner kann man es kaum zusammen fassen. Und wenn man dann noch bedenkt, dass das Recht auf Arbeit verfassungsmäßig verbrieftes Grundrecht eines Jeden war, dass eben diese Verfassung eine echte Verfassung, weil vom Volk entschieden war, dann wird einmal mehr deutlich, in welchem Teil Deutschlands dem Willen des Volkes mehr Rechnung getragen worden ist.

  2. Pingback: Walter Ulbricht: DIE TUGENDEN DES SOZIALISTISCHEN MENSCHEN | Sascha's Welt

  3. Johann Weber schreibt:

    Im der „Rotfuchs-Ausgabe“ vom Mai 2019 ist folgender wunderbarer Leserbrief:
    „Zu Kay Strathus: Die DDR, ein Staat, in dem 40 Jahre lang Mangel herrschte, RF 252, S. 32

    „Ja, es stimmt wirklich:
    Wir hatten in der DDR tatsächlich vierzig Jahre lang weniger angehimmelte Leistungsträger, angepaßte Kirchen, angewiesenen Teamgeist, Apotheken, Arbeitsplatzangst, Ärztemangel, Automobilklubs, Bankenskandale, Banküberfälle, Baumärkte, Biersorten, Bordelle, bunte Zeitschriften und Bild-Zeitungen,
    weniger Einkaufscenter, erschossene Schüler, exklusive Hotels, fahrbare Verkaufstellen, Falschgeld, Falschheit unter Kollegen, freie Außendienstmitarbeiter, freiwillig unbezahlte Überstunden, zugedröhnte und kiffende Discobesucher, geschlossene Bahnhöfe, Glasfassaden, Golfplätze, hohe Benzinpreise,
    weniger hohe Krankenversicherungsbeiträge, Industriebrachen, Karrieregeilheit, Keuchhusten-erkrankungen, Kinderarmut, Kinderbetreuungskosten, kommerzielle Werbung, Küchenstudios, leere Gaststätten, leere Kultursäle, leere Neubauwohnungen, Mode-Labels,
    weniger Münzsorten, Nachtangst, Notare, öffentlich dargestellte Kriminalität, Preisstreß, Privatfernsehsender, Raubüberfälle, Rechtsanwälte, Reiche, Reiseunternehmen, Reiseverkaufsveranstaltungen, Reiterhöfe, Scheindemokratie, schlechte Bildungsnoten, Schnapsvielfalt, Schulabbrecher, Sicherheitsdienste, Singles, Sozialneid, Spielhöllen, Steuerbetrüger, Tankstellen mit Brötchenverkauf,
    weniger Teilzeitarbeit, teure Medikamente, teure Tageszeitungen, Tuberkulosekranke, überdimensionierte Großprojekte, unbezahlbare Reisefreiheit, unverbindliche Freundlichkeit, Verkehrstote, Versandhandel, Versicherungen, Waffenrechte, Währungsspekulation, Waschmittelmarken, Wirtschaftsprüfer, Zukunftsnot und so weiter…
    Ronald Dietrich Wandel, Oberlungwitz“

    Und solche Menschen aus der DDR werden seit nun schon 30 Jahren von den Politikern aller Parteien, in der Partei die Linke mit einigen Ausnahmen, von den mit über 4 Milliarden an Steuergeldern finanzierten DDR-Aufarbeitern als „Betonköpfe“ bezeichnet. Geht es noch menschenverachtender?

  4. Pingback: Die westdeutschen Diebe und Räuber… | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s