Ach, diese westdeutschen Diebe und Räuber…

ddr-logo…sie haben uns alles gestohlen – diese verfluchten, westdeutschen Halunken! – alles, bis auf das nackte Leben! Sie nannten sich „Treuhandanstalt“ – waren „treu“ bis auf die Knochen! Sie kamen als „Investoren“ und „Aufbauhelfer“, sitzen noch heute in Schlüsselpositionen. Und zum Hohn wollten sie uns auch noch einreden, wir hätten „mit den Füßen abgestimmt“. Ja, wer eigentlich, und worüber? Nun läßt es sich ja nicht leugnen, daß es 1989-90 Demonstrationen gab – zuerst unter der Losung „Wir sind das Volk!“ und später unter dem Einfluß westdeutscher Demagogen und einer Handvoll triumphierender „Bürgerrechtler“ (die eigentlich „Unrechtler“ heißen müßten), hieß es dann: „Wir sind ein Volk!“. Sind wir denn ein Volk? Wir waren und blieben ein anderes Volk, die meisten jedenfalls: Das Volk der DDR. Und das sind gut 16 Millionen Menschen. Denn die DDR, unser sozialistisches Vaterland, war der erste und bisher einzige Staat des Volkes, die erste und bisher einzige deutsche Demokratie.

Die DDR war ein Arbeiter-und Bauern-Staat, ein Staat, in dem die Produktionsmittel dem Volke gehörten. [1] Bei uns gab es keine Ausbeutung, keine Arbeitslosigkeit, keine Obdachlosigkeit. Bei uns gab es gerechte Wahlen, bei denen echte Volksvertreter gewählt wurden. Wir, unsere Väter und Großväter haben diesen Staat mitaufgebaut. Ja, wir hatten noch viele Baustellen, viele Wünsche blieben offen. Doch eines haben die Bauleute der DDR 1989 mit Bravour erfüllt – unser Wohnungsbauprogramm. Was uns nach 1990 blieb, waren leergeräumte und verlassene Großbetriebe, Kombinate, landwirtschaftliche Genossenschaften. Hunderttausende kleine und mittlere Betriebe wurden privatisiert. Es entstand wieder Kapitalismus – wie schon vor 100 Jahren. „Blühende Landschaften“? – ein Witz, ein Kohl hat uns verkohlt, und die Landschaften gehören nicht mehr uns. Über die Gründe [2] wurde of genug gesprochen. Diese Bilder klagen an:

01 Rüdersdorf 02 Leipzig 03 Leipzig2 04 Chemnitz 05 Eilenburg 07 Magdeburg 08 Aschersleben 10 MuldensteinSA 09 Halle 11 Hennickendorf

Das sind 10 sozialistische Großbetriebe aus allen Teilen unserer Republik, die „plattgemacht“ wurden. Bilder aus dem russischen Internet. Millionen Arbeiter und Angestellte verloren ihren Arbeitsplatz. Es herrscht nur noch das Kapital, es lebe der Profit! Und es ist so, wie schon der englische Philosoph T.J. Dunning sagte, den Karl Marx zitierte: „Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“ [3] Produziert wird nicht mehr nach dem Bedarf, sondern nur noch danach, was profitabel ist. Planlosigkeit und Raffgier bestimmt die Produktion. … Doch das Leben geht weiter. Der Kapitalismus ist noch nicht das „Ende der Geschichte“. Dazu nun folgender Kommentar:


Hans Bauer

Die Kraft des Ostens

„Bild“ hetzt. Billiges Boulevardblatt. Sein Markenzeichen. Dieses Mal geht´s gegen Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949. In Neuenhagen und in Berlin-Marzahn. Im Visier das Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden (OKV), die „junge Welt“, das „DDR-Kabinett Bochum“. Und natürlich die Redner. Die „Bild-Experten“ können sich auf Weiteres vorbereiten. In allen Teilen des Landes werden solche Treffen stattfinden. Gemeinsam mit unseren westdeutschen Freundinnen und Freunden. Und sogar im Westen Deutschlands wird die DDR geehrt werden. Offenbar hat „Bild“ verschlafen.

Nach Besetzung und Machtergreifung, Raub des Volkseigentums, Kriminalisierung und Demütigung ist Ostdeutschland aufgewacht. Besinnt sich zunehmend seiner Kraft. Nicht nur Ältere erinnern sich, auch junge Leute „entdecken“ inzwischen den Wert dieses untergegangenen Landes. Etliche Politiker haben den Unmut im Osten erkannt, versuchen das für sich zu nutzen. Manche mißbrauchen dies für Populismus und rechte Parolen. Die Wahlen stehen bevor.

Wer im Leben steht, spürt, der Osten tickt anders. „Gemeinschaftsgefühl, kollektives Selbstbewußtsein und solidarischer Zusammenhalt“, war jüngst der Befund einer Schweizer Soziologin. Und viele Menschen vermissen Sicherheit und Geborgenheit. Und noch mehr unterscheidet sie: die Sehnsucht nach Frieden und Freundschaft mit Rußland. Dankbarkeit und Verbundenheit mit der Sowjetunion und die imperialistische Bedrohung des heutigen Rußlands sind im Osten eine Barriere für den deutschen Imperialismus, eine Art Mauer.

Unser Widerstand hat vielleicht schon mehr bewirkt als uns bewußt ist. Die Umerziehung der Ostdeutschen ist mißlungen, wie neulich zu lesen war. Das müssen auch die ewigen Krieger zur Kenntnis nehmen, auch die neue Kriegsministerin Annegret Kramp-K(n)arrenbauer. Stärken wir unser Selbstbewußtsein und unseren Widerstand. Gemeinsam. Und schöpfen wir unsere Kraft auch aus den Erfahrungen der DDR. Deren wir mit Stolz gedenken.


Anmerkungen:

[1] Der Historiker Dr. Kurt Gossweiler äußert sich über die DDR,  oder: „Mangelwirtschaft“ oder: Der Sozialismus war und ist lebensfähig
[2] Siehe: Emil Collett „Die DDR mußte weg.“ oder: Wie die KPdSU die Sowjetunion zerstörte, oder: Kurt Gossweiler: War der Untergang des Sozialismus unvermeidlich?
[3] Karl Marx „Das Kapital“ Bd.I. In: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1962, Bd.23, S.788, Fußnote 250.


Das war die DDR:

tag-der-ddr

Siehe auch:
Ein Tag im Leben der DDR
Die DDR – ein sozialistisches Meisterwerk
Was war die DDR aus historischer Sicht?

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3 Antworten zu Ach, diese westdeutschen Diebe und Räuber…

  1. Ines Eisler schreibt:

    Ich verstehe auch nicht wie das positive und konstruktive der DDR gegen die destruktive westdeutsche Scheindemokratie eingetauscht wurde und ich war nicht einmal in der Partei, denn ich kann direkt vergleichen was gut und schlecht ist und wenn ich die unmenschliche Art und Weise betrachte, wie man hier im sogenannten freiheitlichen Westen durchzieht, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Deutschland wird gerade wieder als Kanonenfutter für die Konzerne gegen Russland und andere Nationen aufgerüstet. Diese Politik wird nicht von mir getragen, sondern den Lobbyisten der Konzerne, die uns in eine nukleare Katastrophe schicken. Ines

    • sascha313 schreibt:

      Ines, ich hatte in der DDR schon zu Anfang der 80er meine Bedenken, und mußte mir noch Vorhaltungen anhören, weil ich die polnische Solidarność sofort für feindlich hielt. Erst nach 1990 bestätigte sich restlos, daß ich recht gehabt hatte. Die Erkenntnis, daß Modrow, Krenz, Schabowski, Krolikowski und dgl. Lumpen und Verräter waren, die dafür gesorgt hatten, daß die DDR derart schamlos ausgeplündert werden konnte, kam auch mir viel später – und diese Leute reisen z.T. jetzt noch umher und halten Vorträge…

  2. olivia2010kroth schreibt:

    Die Menschen in der DDR wurden im Lauf der sogenannten „Wiedervereinigung“ belogen, betrogen und bestohlen. Ich kann ihren Unmut verstehen. Wenn ich an all die abscheulichen „Ossi“-Witze denke, die damals in der BRD kursierten, wird mir ganz anders …

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