Auf andere Art so große Hoffnung

Johannes-R-Becher

Aus diesem „ohne Hoffnung“,
oh, was geht Euch
Für große Hoffnung auf!
Hier ohne Hoffnung, ist
Auf andere Art so große Hoffnung …
Shakespeare, „Der Sturm“

Die Klänge ordnen uns: so, das ist klein,
Und das ist groß und ist nicht zu vertauschen.
Die Zeit ist groß. Ein großes Rauschen …
Füg dich in ihre große Fuge ein!
Auf die Fuge in Es-Dur
von Johann Sebastian Bach


Ein „unerhörter“ Satz sollte am Anfang stehen, aber auf der Suche nach solch einem „Unerhörten“ verliert man sich ins Manierierte, und man beginnt wie im Gespräch – ganz und gar nicht „unerhört“, sondern wie hingesagt, selbstredend, schon oft gehört und eben: menschlich.

Wie lange war ich nach dieser Schrift auf der Suche! Wie viele eigenwillige, untaugliche Versuche habe ich unternom­men, mir das Rätsel meines Jahrhunderts zu deuten! Wie vielen unzulänglichen oder gar unsinnigen Lösungsversu­chen bin ich anheimgefallen! Bei aller instinktiven Abnei­gung, die ich gegen Nietzsche hegte, war es mir doch nicht möglich, dieses raffinierte Blendwerk zu durchschauen, und so „spielte ich auch sein Spiel“, indem ich vor nichts so sehr zurückschreckte als vor dem Verdacht, ein „terrible simplificateur“ zu sein, ein Schreckgespenst, in dem Nietzsche das Gespenst des Kommunismus sah.

Nein, ich wollte kein Ver­einfacher sein, und so verkomplizierte ich die einfachsten Dinge, und das, was schon kompliziert war, verwickelte ich so sehr, bis jede Lösung unmöglich wurde. Lenin vor allem verdankte ich es, daß ich allmählich lernte, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, nichts, was ihrem Wesen nicht gemäß ist, in sie hineinzudeuten und nichts wegzulassen, wenn es einem genehm ist. Lenin vor allem verdankte ich es, daß ich mich befreite von den Provokationen eines Nietzsche und verstehen lernte, was auch Gorki immer so wunderbar aus­zudrücken vermochte, daß alle wahre menschliche Größe immer einfach und schlicht ist.

Lenin vor allem verdankte ich es, daß es mich höchst gleichgültig ließ, wenn irgendein literarischer Snob mich einen „schrecklichen Vereinfacher“ schalt, weil ich die Dinge bei ihrem Namen nannte und um den Schrecken nicht herumredete und ihn zurückführte auf die einfache Formel, die dafür Lenin gefunden hatte, eine Formel, die mit der Erkenntnis zugleich auch eine prak­tische Lösung verband.

Erst anfangs der zwanziger Jahre habe ich Lenins Schrift kennengelernt, und von einem klärenden Licht wurde der geschichtliche Raum erhellt, den ich bisher allein mit mei­nem Denken nicht zu durchdringen vermochte. In der Tat: so ist es, wer die Schrift Lenins nicht kennt, dem muß das Rätsel unseres Jahrhunderts verschlossen bleiben. Er kann nichts verstehen von dem Entscheidenden, das sich um die Jahrhundertwende herum vollzogen hat, und er wird nur oberflächliche Vorstellungen gewinnen von dem ersten und dem zweiten Weltkrieg, von der Katastrophe unseres Vol­kes, denn die eigentlichen Triebkräfte, wie sie in Lenins Werk bloßgelegt werden, bleiben ihm verborgen.

Johannes R.Becher

Quelle:
Johannes R. Becher: Bemühungen und Aufsätze. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar. 1971, S.7f.

Biografie Johannes R. Becher

BecherBiografie.jpg


Feindliches…

Der Dichter Johannes R. Becher war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der DDR: Dichter, Schriftsteller und zugleich Kulturminister der DDR. Und hier nun das, was seine Feinde über ihn sagen. Geschrieben und gedruckt in einer Hamburger Zeitung anläßlich der Ehrung des großen deutschen Schriftstellers Thomas Mann in Weimar 1955:

Ostpreußen Thomans Mann Ehrung.jpg

Urteilen Sie selbst!


Siehe auch:

Johannes R. Becher: Es war ein Leuchten in der Welt

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2 Antworten zu Auf andere Art so große Hoffnung

  1. Wie wahr, wie wahr.
    Ich verdanke es Lenin, daß mein Denken klar geworden ist. Selbstverständlich gibt es nach jahrzehntelanger Hirnverschmutzung noch einiges zu reinigen. Und dir lieber Genosse Sascha, danke ich, daß du mir einige Werke von Lenin hast zukommen lassen. Was für eine „Geistes“-Größe der Lenin doch gewesen ist. Ich habe viele tausend Bücher in meine Leben gelesen: „Von bedeutenden“ Männern und Frauen, aber keiner dieser Menschen in den letzten 5.000 Jahren reicht auch nur annähernd an ihn heran. Von den „Logikern“ ist Lenin der, der Gauß für die Mathematik oder Bach und Händel für die Musik waren.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für Deine anerkennenden Worte. Auch Johannes R. Becher (und viele andere) lernten mit und von Lenin, daß die Gesellschaft veränderbar ist, und daß ein Leben ohne Oligarchen und Kapitalisten ein besseres Leben für die Menschheit mit sich bringt. Dem Kommunismus gehört die Zukunft! Und nicht der AfD nicht den Faschisten!

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