Zygmunt Białas: Drei Gründe, die für Rußland sprechen

RussiaEs gibt viele vernünftige Gründe, die für Rußland sprechen und dafür, daß sich auch zwischen Polen und Rußland wieder freundschaftliche, oder doch zumindest partnerschaftliche Beziehungen entwickeln. In seinem Beitrag hat Zygmunt Białas einige Argumente aufgeführt, die nicht nur für die Menschen in Polen, sondern auch weltweit für friedliche und gutnachbarliche Beziehungen entscheidend sind. Und dabei geht es nicht nur um die Entnazifizierung der Ukraine, sondern vor allem um die Zurückdrängung des USA-Imperialismus, der sich schon seit 1945 wie ein „Weltgendarm“ aufführt und anmaßend darüber befindet, welche Staaten für die dort herrschenden „Eliten“ gerade noch als Vasallen akzeptiert werden und welche als „Schurkenstaat“ von den USA bis aufs Äußerste bekämpft werden.

Es ist das Bestreben vieler Völker der Welt, sich vom unheilvollen Einfluß den USA zu befreien, um endlich Frieden auf der Welt zu haben und  über das eigene Schicksal frei von Einmischung selbst verfügen zu können. Der Kapitalismus befindet sich in einer tiefen Krise. Wer vor zwei Jahren noch an eine „Pandemie“ geglaubt hat, der folgt auch heute den Lügen aus der Giftküche US-amerikanischer Think tanks, privater Massenmedien und Geheimorganisationen und hält Putin für einen Aggressor. Doch wer die Wahrheit wissen will, der muß sich schon darum bemühen. Es gibt immer einen Weg!


Ein paar Worte noch vorab zu Polen…

Polen mit seinen heute 37,8 Millionen Einwohnern ist der unmittelbare Nachbar zu Weißrußland im Osten und der Ukraine im Süden des Landes. Das Vorkriegspolen (vor 1939) war ein ökonomisch schwach entwickeltes Land. Industriell entwickelt waren lediglich die Region Górny Śląsk (Oberschlesien). Enorme Verluste und Schäden erlitt Polen durch die Okkupation Hitlerdeutschlands und im Verlauf der Kriegshandlungen im zweiten Weltkrieg. Über 6 Millionen Polen und polnische Bürger kamen dabei ums Leben (22% der Gesamtbevölkerung). 5.384.000 allein durch den Terror und die Völkermordpolitik der faschistischen Besatzung. 644.000 Polen fielen im bewaffnetetn Kampf oder wurden Opfer unmittelbarer Kriegseinwirkung. Die Zerstörungen an materiellen Werten je Kopf der Bevölkerung gehören zu den höchsten im zweiten Weltkrieg. Vernichtet und geplündert durch die Nazis wurden 38% des Volksvermögens.
Nach Kriegsende gab es in Polern 1,6 Millionen Invaliden. Erst durch die demokratischen Umgestaltungen nach seiner Befreiung durch die Sowjetarmee und Verbände der in der UdSSR entstandenen Polnischen Armee waren die Voraussetzungen für einen entschiedenen Neubeginn und planvollen Wiederaufbau geschaffen worden. Voraussetzungen dafür bildeten die Bodenreform (Dekret vom 6. September 1944) und das Gesetz über die Nationalisierung der großen und mittleren Industriebetriebe, des Post- und Fernmeldewesen und der Banken. Eingeleitet wurden damit sozialökonomische Umgestaltungen die in Formen des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus hinüberwuchsen.
Doch schon während der Zeit des Sozialismus waren im Tempo und Umfang der Industrialisierung Dispropartionen in der Volkswirtscvhaft entstanden. Ein verspätetes und inkonsequentes Reagieren der politischen Führung des Landes auf diese Probleme ließ 1979 erstmals das Nationaleinkommen um 2% absinken. Enorme Schäden wurden Polen auch durch die von den USA und anderen NATO-Staaten verhängte Boykott- und Restriktionspolitik zugefügt (bis 1984 rund 134 Milliarden US-Dollar). Die industrielle Warenproduktion sank 1982 gegenüber 1979 um 16% und ging damit auf das Niveau des Jahre 1975 zurück. Im Zuge des  aggressiven NATO-Osterweiterung wurde Polen 1999 Mitgleid der NATO; eine erzreaktionäre Regierung sorgte dafür, daß gegenüber  Rußland eine feindselige Politik betrieben wurde und der einstige Bruderbund zwischen der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion immer mehr in Vergessenheit geriet.

Drei Gründe, die für Rußland sprechen

von Zygmunt Białas

Es gibt natürlich noch viele andere Gründe. Der Titel dieser Notiz bezieht sich auf den Titel des in Deutschland erschienenen Buches „111 Gründe, die Ukraine zu lieben“. Wir sehen, daß sich die Ukrophilie nicht nur in Polen, sondern in ganz Europa verbreitet hat. Ich werde hier viel bescheidener sein. Ich will den Leser nicht dazu drängen, eine plötzliche Liebe für Rußland zu entwickeln. Es genügt, es ein wenig zu verstehen und ihm den Vorzug zu geben, da es dies zumindest aus mehreren Gründen verdient:

  1. Rußland als Großmacht scheint die letzte Chance für die Völker Europas, einschließlich Polens, und auch anderer Teile der Welt zu sein, sich von dem amerikanischen Diktat zu befreien, das uns Willkür, Ausplünderung und immer größere und stärkere Abhängigkeit bringt. Die bipolare Welt zwischen 1945 und 1990 bot allen Ländern, auch den armen, weitaus mehr Möglichkeiten. Die von den USA gegen Rußland verhängten Wirtschaftssanktionen sind in Wirklichkeit Sanktionen gegen Europa. Es soll geschwächt und noch mehr vom amerikanischen Kapital abhängig gemacht werden. Und Rußland? – Es hat bereits mehrfach bewiesen, daß es nicht nur überleben, sondern gestärkt aus der Unterdrückung hervorgehen wird.
  2. Bereits vor 92 Jahren gab Roman Dmowski eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob es besser sei, Rußland (die damalige Sowjetunion) oder die Ukraine als Nachbarn zu haben (wenn sie denn zustande käme): „Es ist besser, zumindest einen unfreundlichen Staat als Nachbarn zu haben als ein Unternehmen, das von allerlei schlauen Leuten aus der ganzen Welt geführt wird, ein Unternehmen namens Ukraine“ (aus dem Gedächtnis). Und heute, nach dem ukrainischen Völkermord in Wolhynien in den Jahren 1943-1947, nach dem Aufkommen von Nazi-Gruppen nach 2014 und ihren „Heldentaten“ im Donbass, muß die Antwort ebenso klar sein. Das russische Volk hat erneut die Ausrottung des Nazismus auf sich genommen, der von der „freien Welt“ hervorgebracht wurde. Das Land hat enorme Verluste an Menschenleben und Wirtschaft erlitten und wird dies auch weiterhin tun.
  3. Rußland ist ein mehr als tausend Jahre altes Land, das zahlreiche Errungenschaften in Technik, Wissenschaft und Kultur vorzuweisen hat. Die russische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts ist eine unvergleichliche Leistung, die mit keiner anderen in unserem Kulturkreis vergleichbar ist. Diese Errungenschaften zu unterdrücken, Arbeiten von Tolstoi, Dostojewski oder Scholochow wegzulassen, bedeutete eine enorme Verarmung der Errungenschaften der Welt. Und Rußland hat Entwicklungsperspektiven. In einer Welt, in der Mauern errichtet werden, die uns von den Russen trennen, und gleichzeitig die Grenzen für ihre Widersacher geöffnet werden, ziehe ich es vor, Putins „Onuka“* zu sein, anstatt ein Unterstützer der „freien Welt“.
*Der Begriff  „Onuka“ (lit. Enkeltochter) ist abgeleitet von der 2013 gegründeten ukrainischen Electro-Folk-Band gleichen Namens.

Quelle: https://zygmuntbialas.wordpress.com/2022/06/08/trzy-powody-dla-ktorych-warto-sprzyjac-rosji-08-06-2022/

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9 Antworten zu Zygmunt Białas: Drei Gründe, die für Rußland sprechen

  1. Erfurt schreibt:

    Danke Sascha. Gib mal bitte ein bisschen mehr Input zum Autor Zygmunt Białas.
    Schönes Wochenende, Grüße an Alle.

    • sascha313 schreibt:

      Zygmunt Białas ist ein polnischer Blogger. (https://zygmuntbialas.wordpress.com/) In vielen seiner Ansichten stimmen wir überein. Er verfolgt aufmerksam die Berichte in den alternativen deutschsprachigen Medien, übersetzt und kommentiert für seine polnischen Leser. Ich bin überzeugrt, daß viele Polen genauso denken, und (wie auch wir) bei weitem nicht einverstanden sind mit der Regierung. Gerade dieser Gedankenaustausch über Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinweg ist eine wertvolle Basis für gegenseitiges Verständnis und für die Freundschaft zwischen den Völkern – wie wir das ja in der DDR auch kannten. Es gab viele freundschaftliche Beziehungen zwischen den Bürgern der sozialistischen Länder untereinander, und nicht selten wurden sogar internationale Ehen geschlossen. Grundlage dafür war der proletarische Internationalismus, die sozialistische Nationalitätenpolitik – eine Denkweise, der Chauvinismus oder nationale Überheblichkeit völlig fremd waren. …Näheres über Zymunt kann ich allerdings nicht sagen.

  2. Hans-Joachim Klose schreibt:

    Dieser Einschätzung stimme ich vollkommen zu! Russland, seine Menschen, die Verantwortlichen, die Führung haben erneut bewiesen, dass sie die richtigen Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit ziehen können, Fehler erkennen, eingestehen und den richtigen Weg für eine friedliche Welt finden können.

  3. Pingback: Polska w oczach Saschy – 12.06.2022. | Zygmunt Białas

  4. zygmuntbialas schreibt:

    Sehr geehrter Herr Sascha,
    Ich freue mich sehr, dass Sie meinen Text auf Ihrem Blog veröffentlicht haben. Ich habe ins Polnische übersetzt, was zu übersetzen war, und es veröffentlicht, Links:

    https://zygumntbialas.nowyekran24.com/post/168224,trzy-powody-dla-ktorych-warto-sprzyjac-rosji-08-06-2022
    https://zygmuntbialas.wordpress.com/2022/06/08/trzy-powody-dla-ktorych-warto-sprzyjac-rosji-08-06-2022/

    Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen, dass ‚onuca‘ ein quadratisches oder rechteckiges Stück Stoff ist, das zum Umwickeln des Beins vor dem Anziehen eines Schuhs verwendet wurde, als es noch keine Socken gab. Jemanden als „Putins Onuca“ zu bezeichnen, zeugt von Verachtung.

    Mit freundlichen Grüßen 🙂
    Zygmunt Białas

  5. sascha313 schreibt:

    Danke lieber Zygmunt! Sie haben mir sehr geholfen, die Feinheiten der Übersetzung besser zu verstehen. Das wußte ich nicht, was „onuca“ bedeutet. Man könnte es mit „Fußlappen“ übersetzen (im Russischen heißt es „портянка“). 🙂

  6. Pingback: Zygmunt Białas: Drei Gründe, die für Rußland sprechen — Sascha’s Welt – karovier blog

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