Klaus Hesse: Zur Geschichte der UdSSR

lenin-zu-ehrenWer mit ‚fertigen’ Antworten auf die Suche nach der Wahrheit geht, wird nichts finden, was des Nachdenkens wert ist. Wer sich an belegbare Tatsachen hält, stößt auf immer neue Fragen. Vielleicht kann so etwas besser verstanden werden, warum die Vergangenheit anders war, als die Gegenwart zu sein scheint, warum Menschen damals etwas taten, was heute als unverständlich dargestellt wird. Vielleicht reifen so Fragen nach der eigenen Verantwortung. (Klaus Hesse)

…es liest sich spannend und ernüchternd, es ist faktenreich, es werden keine unbegründeten Behauptungen aufgestellt, sondern nachprüfbare Beweise geliefert – und es regt an zum Nachdenken, Vergleichen und Schlußfolgern – auf 374 Seiten, mit 83 Tabellen und einem umfangreichen Quellenverzeichnis. Ohne Kenntnis dieser Zusammenhänge und Hintergründe ist eine gerechte Bewertung der Rolle der Kommunistischen Partei unter der Führung Stalins nicht möglich. Wer sich bei der Geschichte der UdSSR in den schweren Aufbaujahren bis zum Großen Vaterländischen Krieg lediglich an ‚Gulags‘ und angebliche ‚Stalinsche Massenmorde‘ erinnert, der kann nicht anders als ein Verleumder und Fälscher der Geschichte des Sozialismus bezeichnet werden. Es war, wie der große deutsche Dichter Thomas Mann schon sagte, eine eine Zeit bedeutender historischer Veränderungen. „Ich möchte keine Zweifel lassen“, sagte er in einem Referat, „an meiner Ehrerbietung vor dem meiner Zeit angehörigen historischen Ereignis der Russischen Revolution. Sie hat in ihrem Lande längst unmöglich gewordene, anachronistische Zustände beendet, ein zu 90 Prozent analphabetisches Volk intellektuell gehoben, das Lebensniveau seiner Massen unendlich menschlicher gestaltet.“ Aus: MEINE ZEIT (1950). Ganz ausdrücklich bezog sich Thomas Mann damit zugleich auch auf die Zeit der Sowjetunion unter der Führung Stalins.


Dr. Klaus Hesse:
Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU – Über erste praktische Erfahrungen mit dem Sozialismus, Fragen zur historischen Wahrheit, zu den Quellen, zu Hintergründen der Siege, der Niederlage und des Scheitern…
(Leipzig 2012; Teil 1.1 – 1.3)

Aus dem Inhalt:

I. Revolution und Konterrevolution in Rußland
II. Bürger- und Interventionskriege, Die NÖP und die Partei
III. Von der NÖP zur Kollektivierung und zur sozialistischen Industrialisierung
IV. Zwischen sozialistischer Industrialisierung und Großem Vaterländischen Krieg

V. Der Große Vaterländische Krieg

A. Vor dem 22. Juni 1941
B. Der Beginn des Großen Vaterländischen Krieges – Sommer und Herbst 1941:
Von den Grenzschlachten über Smolensk und Kiew bis vor Moskau
C. Der Kriegswinter 1941-42, Die Schlacht um Moskau und ihre Folgen
D. Charkow, Stalingrad, der Kaukasus – Der lange Weg zur Strategischen Wende
E. 1943: Stalingrad – Der Durchbruch,
Die Schlacht im Kursker Bogen und die Befreiung Kiews
F. 1944 – Das Jahr der entscheidenden Siege
G. Das Jahr 1945: Der Sieg über Hitlerdeutschland
H. Der militärisch-industrielle Komplex 1941-45
I. Im Kampf gegen Spione, Diverasanten und Verräter
J. Die KPdSU(B) im Großen Vaterländischen Krieg

VI. Wiederaufbau und kalter Krieg

A. Der Wiederaufbau der Volkswirtschaft
B. Militärische Dimensionen und sozialökonomische Konsequenzen des kalten Krieges
C. Richtungs- und Machtkämpfe – Revolution und/oder Konterrevolution?
D. Die KPdSU(B) in den Nachkriegsjahren – Der XIX.Parteitag

Ein Ausschnitt aus dem ersten Buch:
„Die Oktoberrevolution wäre ohne die Tscheka nicht über die ersten Anfänge der revolutionären Umwälzungen hinausgekommen. Der Kampf gegen weißgardistische Organisationen unterschiedlichsten Couleurs, Spekulanten, die organisierte Kriminalität und die Häufung von Erscheinungen der Korruption war eine unabdingbare Voraussetzung des Sieges der neuen Ordnung. Die Enteignung der Großgrundbesitzer, der Banken, der Bergwerke und Betriebe, die Kontrolle des Handels und die Überführung des Reichtums der enteigneten Klassen in Volkseigentum – alles das bot so viele Möglichkeiten illegaler Bereicherung wie die Versorgung der Armee und der Städte mit Nahrungsmitteln. Nicht weniger wichtig war die Aufdeckung der konterrevolutionären Aktivitäten von Vertretern ausländischer Missionen und der von ihnen finanzierten Agenten. In dieser Phase war die Tätigkeit der Tscheka in jeder Hinsicht eine unabdingbare Voraussetzung für den Erhalt und die Stabilisierung der neuen Sowjetmacht. Nach Uritzkis Ermordung und dem Attentat auf Lenin lag die Organisation des roten Terrors gegen alle konterrevolutionären Aktivitäten in ihren Händen.“ (S.310)

Eine Ausschnitt aus dem dritten Buch:
„In einem kaum noch überschaubaren Bündel einschlägiger Publikationen mit dem Anschein der ‚Wissenschaftlichkeit’ flankiert, wurde und wird von Historikern, Politologen, Kreml-Astrologen und Journalisten das Ziel verfolgt, die Geschichte in der Lesart ‚umzuschreiben’, die als jeweils günstigste Voraussetzung für die Durchsetzung der Interessen der herrschenden Monopole geeignet scheint. Das Ausmaß der ideologischen Vergiftung wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass schon die Erwähnung der Absicht, sich mit der historischen Leistung Stalins vorurteilslos auseinander zu setzen, selbst in der ‚linken’ Szene kaum noch kontrollierbare Gemütsregungen auslöst. Dabei ist immer wieder zu hören und zu lesen, dass die Entwicklung in der Sowjetunion eben nicht so demokratisch verlaufen sei, wie dies nach den Vorstellungen der darüber Rechtenden, Redenden und Schreibenden richtig und notwendig gewesen wäre.

Aber bei kritischer Analyse all dieser klugscheinenden Argumente stellt sich nicht nur heraus, dass die Autoren solcher Texte von den tatsächlichen Verhältnissen im zaristischen Russland, von den konkret-historischen Hintergründen und den dramatischen Ereignissen, die mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, den Bürger- und Interventionskriegen, den innerparteilichen Auseinandersetzungen in der KPdSU, der Kollektivierung der Landwirtschaft, der sozialistischen Industrialisierung und dem Großen Vaterländischen Krieg nicht nur sehr wenig wissen, sondern recht eigentlich gar nichts anderes wissen wollen.

Da wird nicht nur mit der Untauglichkeit der Elle deutscher Vorstellungen von Geschichte gemessen. Da wird auch nicht hinterfragt, was es denn mit dieser Sorte von Demokratie und Freiheit auf sich hat, wie es hierzulande mit Menschenrechten aussieht. Die Vertreter dieser Zunft des Besserwissens sind gar nicht daran interessiert, wie es denn die historische Entwicklung anderswo verlaufen ist, warum wo anders andere Formen des Zusammenlebens entstanden, ihnen genügt ihr missionarischer Eifer und die Selbstverständlichkeit, mit der SIE selbst mal irgend etwas von ‚dem und denen da’ gehört hatten. Schon aus diesem Grunde ist es für jeden, dem es mit der Suche nach Antworten auf die Frage nach den Ursachen und Hintergründen dieser Entwicklung ernst ist, unerlässlich, sich mit dieser Phase unserer Geschichte äußerst kritisch auseinander zu setzen.“ (S.346)

Nachlesen (pdf-Datei):

Teil 1.1: 6798519_250fc0d4ea_d
Teil 1.2: 6798520_a0cea4bb5c_d
Teil 1.3: 6798521_3ad5b25d83_d

Teil 2: Hesse Geschichte der UdSSR Teil 2

Der Autor hat hier auf der Grundlage eigener Erlebnisse während der sogenannten „Perestrojka“ bis zum bitteren Ende der UdSSR, und anhand eigener Nachforschungen in russischen Quellen und in Originalliteratur ein wissenschaftliches Standardwerk über die Geschichte der UdSSR und über die Kommunistische Partei der Sowjetunion geschaffen, welches unbedingt gelesen werden sollte und in den Bücherschrank eines jeden gehört, der sich ernsthaft Gedanken über die Zukunft der Menschheit macht. Ohne Kenntnis der Geschichte ist sind bewußte Veränderungen in der Gegenwart, und ist eine verbesserte Zukunft nicht möglich.

Siehe auch:
Das geheime Tagebuch des Mr.Grow
Thomas Mann (1875-1955): Die Grundtorheit unserer Epoche
…ein paar Bilder aus der Sowjetunion gefunden in nevsedoma.com.ua
Klaus Hesse: Zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges  (pdf-Datei):

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14 Antworten zu Klaus Hesse: Zur Geschichte der UdSSR

  1. Pingback: Stalin: Der Kapitalismus befindet sich in der Sackgasse | Sascha's Welt

  2. bluecrystal7 schreibt:

    Hat dies auf meinesichtweise rebloggt und kommentierte:
    „Wer mit ‚fertigen’ Antworten auf die Suche nach der Wahrheit geht, wird nichts finden, was des Nachdenkens wert ist. Wer sich an belegbare Tatsachen hält, stößt auf immer neue Fragen. Vielleicht kann so etwas besser verstanden werden, warum die Vergangenheit anders war, als die Gegenwart zu sein scheint, warum Menschen damals etwas taten, was heute als unverständlich dargestellt wird. Vielleicht reifen so Fragen nach der eigenen Verantwortung. (Klaus Hesse)

    …es liest sich spannend und ernüchternd, es ist faktenreich, es werden keine unbegründeten Behauptungen aufgestellt, sondern nachprüfbare Beweise geliefert – und es regt an zum Nachdenken, Vergleichen und Schlußfolgern – auf 374 Seiten, mit 83 Tabellen und einem umfangreichen Quellenverzeichnis. Ohne Kenntnis dieser Zusammenhänge und Hintergründe ist eine gerechte Bewertung der Rolle der Kommunistischen Partei unter der Führung Stalins nicht möglich. Wer sich bei der Geschichte der UdSSR in den schweren Aufbaujahren bis zum Großen Vaterländischen Krieg lediglich an ‘Gulags’ und angebliche ‘Stalinsche Massenmorde’ erinnert, der kann nicht anders als ein Verleumder und Fälscher der Geschichte des Sozialismus bezeichnet werden. Es war, wie der große deutsche Dichter Thomas Mann schon sagte, eine eine Zeit bedeutender historischer Veränderungen. „Ich möchte keine Zweifel lassen“, sagte er in einem Referat, „an meiner Ehrerbietung vor dem meiner Zeit angehörigen historischen Ereignis der Russischen Revolution. Sie hat in ihrem Lande längst unmöglich gewordene, anachronistische Zustände beendet, ein zu 90 Prozent analphabetisches Volk intellektuell gehoben, das Lebensniveau seiner Massen unendlich menschlicher gestaltet.“ Aus: MEINE ZEIT (1950). Ganz ausdrücklich bezog sich Thomas Mann damit zugleich auch auf die Zeit der Sowjetunion unter der Führung Stalins.“

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  6. Patrick Büttner schreibt:

    Hallo Sascha,

    hast Du den vierten Teil (also Teil 2, 1953 -1964) auch als pdf bzw. wenn ja, als download?

    Patrick

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