Das Wissen reicht für einen Idiotentest…

Wer noch das Glück hatte, in einem sozialistischen Land eine allgemeinbildende polytechnische Oberschule besuchen zu dürfen, und wer heute selbst schulpflichtige Kinder oder Enkel hat, der kann beide Schulsysteme schon sehr gut miteinander vergleichen. Schule muß ja nicht immer solchen „Spaß“ machen, wie es beispielsweise an dieser Schule ist, irgendwo in Rußland. Aber die Schüler sollten wenigstens Lesen und Schreiben lernen – vielleicht auch etwas mehr…

Schüler

Daß es unter solchen Bedingungen unmöglich ist, zu unterrichten, dürfte jedem klar sein. Gut, das ist Rußland. Doch reden wir von der Bundesrepublik Deutschland. Auch an deutschen Schulen gibt es solche oder ähnliche Erscheinungen. Natürlich soll hier nichts gegen die Lehrer generell gesagt sein, denn Tausende Lehrer bemühen sich, bei all den zusätzlichen Anforderungen, die an sie gestellt werden (durch Inklusion behinderter Schüler, durch Kompetenztests, durch zusätzliche Protokolle und Leistungsbewertungen, durch Berichte, unsinnige Lehrplanforderungen usw.), redlich um einen ausgewogenen und niveauvollen Unterricht – wohl aber gegen das reaktionäre Schulsystem.

Die Prüfung – ein „Idiotentest“?

Wenn man sich einmal die folgenden Prüfungsaufgaben für die 10.Klasse einer Schule im Bundesland Brandenburg anschaut, so hat man den Eindruck, es handelt sich hier um einen „Idiotentest“ und nicht um Prüfungsaufgaben für Schulabgänger der 10. Klasse:
Prüfungsaufgaben
Hier nun die erste Aufgabe dieser Prüfungsarbeit im Fach Deutsch:
Aufgabe 1
Die Antworten sollen nun in folgende Tabelle eingetragen werden:
Antwort 1
Aus einer gegebenen Abbildung sind die richtigen Antworten herauszusuchen und in folgender Tabelle anzukreuzen (wie beim Lotteriespiel!):
Aufgabe 2
In dieser Aufgabe ist ebenfalls nur die passende Antwort anzukreuzen:
Aufgabe 3

Die Prüfungszeit für sechs derartige Aufgaben, einschließlich einer kleinen Schreibübung, beträgt insgesamt 180 Minuten. Ziel dieser „Prüfung“ ist es (wie in dem 35seitigen Fragebogen hochtrabend formuliert wird), die Schreib- und Lesekompetenz  der Schulabgänger zu überprüfen und das vorhandene Sprachwissen und Sprachbewußtsein der 17jährigen festzustellen.  Und um diesem Wisch nun auch noch den Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu geben, werden für die Auswertung vornehmlich lateinische Begriffe verwendet wie  „Fundamentum“ und „Additum“.  (Also dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein.)

Siehe:
Das einheitliche sozialistische Bildungssystem in der DDR
Bildung im russischen Kapitalismus

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10 Antworten zu Das Wissen reicht für einen Idiotentest…

  1. prkreuznach schreibt:

    Das ist ja furchtbar. Warum eine SMS, wo wenig Text reinpasst? Die ist doch durch den Stand der Technik(Smartphones) ohnehin vom Aussterben bedroht. Denn auf Samtphones kann man E-Mails, „Facebook“-Nachrichten u.a. erhalten. Da braucht man doch nicht so ein Kauderwelsch. Es muss gelehrt werden richtiges Deutsch zu schreiben, da durch das Internet immer mehr schriftliche Mitteilungen verbreitet werden. Schließlich lernte man früher, wie man Privatbriefe richtig schreibt.

  2. monopoli schreibt:

    Gut geschrieben, Titel hätte ruhig noch knackiger sein können, aber man fällt ja nicht als Meister vom Himmel. Ich hab mir erlaubt deine ausgiebige Analyse über Schulbildung in meine Reihe Mythen und Märchen mit aufzunehmen, da steht noch eine Menge mehr zu dem Thema. Damit die nachfolgenden Generationen möglichst viele Orte finden, wo sie nachlesen können wie es wirklich war..

  3. Nadja schreibt:

    Hallo Genosse Norbert,
    Stimmt ja alles, aber es gab in den letzten DDR-Jahren zunehmend auch Jugendliche, die entweder die 8-Klasse nicht schafften, oder nicht schaffen wollten. Sie waren den Schulen und den VEB ein Ballast, mussten aber im Namen des sozialistischen Humanismus mitgeschleppt werden. Erwähnen wir da auch den Jugendwerkhof! Da nutzte der gediegene Unterricht auch nichts. Wer es nicht wahr haben will, der lese nach in den Gerichtsberichten von Rudolf Hirsch (ursprünglich erschienen in der „Wochenpost“). Mit sozialistischen Grüßen, Nadja

    • prkreuznach schreibt:

      Hallo Nadja,
      Danke für den wichtigen Hinweis. Denn gerade was die Jugendwerkhöfe betrifft werden viele Hetzkampagnen gefahren. Schlimm ist, dass für viele Jugendliche der Jugendwerkhof nötig war.
      Zum Schulabgang von der 8. Klasse bemerke ich, dass es nicht immer dumme Jugendliche waren, die diesen Schritt gingen. Mein Mann ist auch von der 8. Klasse abgegangen. Er war nicht dumm. Er wollte nicht länger in der Schule sitzen. Er wollte arbeiten. Er lernte den Beruf des Gleisbauers. Später hatte mein Mann einen Abendkurs begonnen. Diesen musste er aber abbrechen, weil er zum Wehrdienst einberufen wurde. Es gab keine Zurückstellung, um den Abendkurs zu beenden. Da hätte mein Mann sich drei Jahre zur Armee verpflichten müssen. Das wollte er nicht. Also Abbruch des Abendkurses.
      Gruß Petra

    • redtux schreibt:

      Danke für den Ballast, 8 Klassen, Schlosserlehre abgebrochen, Werkhof TFA Straßenbauer, FA Betonbauer, IT-Systemelektroniker.
      Menschen als Ballast zu bezeichnen ist unterste Schublade.
      Vom Sozialismus erwarte ich auch das sie „mitgeschleppt“ werden, vom Kapitalismus nicht.

      • prkreuznach schreibt:

        redtux, ich gebe Dir recht. Du hattest die Chance mehrere Berufe zu lernen. Diese Chance hat man im Kapitalismus nicht. Den Asozialen-Paragraphen kritisiere ich. Es steht dem Sozialismus nicht an, Menschen auszugrenzen. Auch in der Bevölkerung war stets von den „Assis“ die Rede, wenn es um Menschen ging, die anders waren. Diese Vorurteile wurden auch auf Arbeitslose aus kapitalistischen Ländern übertragen.
        Erich Buchholz blickt in seinem Buch: „Unrechtsstaat DDR? Rechtsstaat BRD?“ kritisch auf § 249 STGB/DDR zurück. Diese Vorschrift ging auf Chruschtschows Versuche zurück des „Parasitentums“ und der „Arbeitsscheu“ mit administrativen Mitteln Herr zu werden. Zu lange hielten maßgebliche Stellen an dem Irrglauben fest. Besonders bedenklich war, dass § 249 STGB/DDR auch gegen Jugendliche angewandt wurde. In diesem Zusammenhang gehören auch die §§ 51,52 STGB/DDR. Das war die Vorschrift über die Aufenthaltsbeschränkung. Eigentlich sollten diese §§ die Bildung von kriminellen Millieus in Großstädten verhindern, bzw. eindämmen. Daraus ist dann eine Freiheitsbeschränkung geworden, als dann zulässig wurde den Aufenthalt in einem bestimmten Gebiet auszuweisen. Aufgrund wissenschaftlicher Arbeiten und der Rechtssprechung des obersten Gerichts gelang es den Anteil der aufgrund dieser Vorschrift verfolgten Jugendlichen auf Null zu senken. Erst in den achtziger Jahren setzte ein Umdenken ein. Es wurden auch erfolgversprechende Ansätze sozialer und sozialpsychologischer Arbeit, wie „geschütztes Wohnen“ und „besondere Brigaden“ in Angriff genommen.

        Während man „Asozialen“ nachjagte, waren es gut angesehene Bürgerinnen und Bürger, die die DDR zu Fall brachten. Am Untergang der DDR hatten die „Asozialen“ keinen Anteil.

  4. sascha313 schreibt:

    Danke für den Hinweis, Nadja. Es gab auch Jugendliche, die wollten möglichst schnell Geld verdienen und gingen wunschgemäß nach der 8.Klasse ab.
    (VEB = volkseigener Betrieb)

  5. Nadja schreibt:

    Hallo Petra,
    In unserer Republik ist so manches falsch gelaufen, nicht nur in Sache mit den „Assis“, und das darf und soll kritisch ausgewertet werden. Ich halte aber die Kritik am Strafgesetzbuch als unzutreffend. Ich erfuhr mal von so einem Aussteiger die Behauptung: „Bei uns gibt es Gummiparagraphen“ (sic). Zum Glück habe ich hier ein Exemplar des DDR-Strafgesetzbuches (in der Fassung von 1979) und werde in „Politiek en Cultuur“ die von Dir beanstandeten Paragraphen abbilden. Zum starken Sozialismus („Diktatur des Proletariats“) gehört auch ein straffes Strafgesetzbuch als Waffe im Klassenkampf und gegen asoziale Erscheinungen und Vorkommnisse.
    Freundschaft,
    Nadja

    • prkreuznach schreibt:

      Der Begriff „Asozial“, bzw. „asoziales“ Verhalten, „Asozialität“, „Asoziale“, „Assi/s“ u.a. ist problematisch. Diesen Begriff benutzten bereits die Nazis, um Leute in die KZs zu stecken, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprachen. Unseren Gegnern, die Sozialismus mit Faschismus gleichsetzen, kommt dies gerade recht, um in diese Kerbe zu hauen. „Parasitentum“ könnte ein Ausdruck der Nazis sein, stammt aber von Chruschtschow. Also ist schon die Begrifflichkeit ein Problem, das kritisch hinterfragt werden muss.
      Warum ein „Asozialen“-§ ? Wer in der DDR nicht arbeiten wollte, lebte ohnehin von (Klein-) Kriminalität. Für diese Taten mussten diese Leute bestraft werden. Aber doch nicht diejenigen bestrafen, die z.B. jemanden aus der Familie gefunden hatten, wo ihren Lebensunterhalt finanzierte( wird ohnehin kaum vorgekommen sein)?
      Jemanden bestrafen, nur weil er einer bestimmten Gruppe angehört, welche nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, darf nicht sein.
      Wenn vom Klassenkampf die Rede ist, dann muss konsequent gegen Klassenfeinde vorgegangen werden. Aber das waren nicht die Leute, die man gemeinhin als „Assis“ bezeichntete.

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