Die schleichende Konterrevolution in der ČSSR

Czechoslovakia_1956–1990Keiner kann sagen, er habe es nicht gewußt. Sehr deutlich waren nach 1956 auch in der ČSSR die Spuren der Konterrevolution zu erkennen. Wie dies geschah, darüber sprach der slowakische Pädagoge Rudolf Pravdik 1971 auf dem Pädagogischen Kongreß der DDR. Dort wurde vor allem darüber beraten, wie man die Jugend in den sozialistischen Ländern noch besser auf den Aufbau des Sozialismus vorbreiten kann. Margot Honecker sagte: „Es ist ein wichtiges Erfordernis unserer Zeit, unsere ganze Kraft einzusetzen für die Erziehung bewußter Kämpfer für die Sache des Kommunismus, für die Sache des Friedens, gegen den Mißbrauch der Schule und der Pädagogik durch die Monopolbourgeoisie, die mit dem Antikommunismus die Herzen und Hirne der Jugend vergiften will.“ (S.19)

Rudolf Pravdik (Bratislava)
Antimarxistische Ideen während der politischen Krise in der ČSSR 1968-69

Das Auftreten antisozialistischer Kräfte auf ideologischem Gebiet begann schon lange vor dem Jahre 1968, und ganz deutlich kann man das in verschiedener Gestalt unmittelbar nach dem XX. Parteitag der KPdSU feststellen. Schon zu der Zeit, als in den sozialistischen Ländern und in allen kommunistischen Parteien Schritt für Schritt einige aufgetretene Fehler beseitigt wurden und die Wege der weiteren Entwicklung konzipiert wurden, arbeiteten die imperialistischen Diversionszentralen Pläne aus, wie sie im Bereich der Ideologie ins Innere der kommunistischen Parteien und der sozialistischen Länder eindringen könnten.

Vermittels scheinbar fortschrittlicher philosophischer und ideologischer Theorien wollten sie einen Prozeß der „Renaissance“ in den kommunistischen Parteien entfachen. Unter Vorspiegelung einer Beseitigung von Mängeln des Marxismus verfolgten sie in Wirklichkeit seine Revision und seine Destruktion. Dabei wurden Lenins Worte völlig bestätigt, wonach es zur Dialektik der Geschichte gehört, daß der theoretische Sieg des Marxismus seine Feinde zwingt, sich als Marxisten zu verkleiden.

Die Revisionisten

Die Erosion der sozialistischen Ideologie, zu der es bei uns nach und nach kam und die in der Entwicklung nach dem Januar 1968 den Höhepunkt erreichte, hätte sich selbstverständlich allein durch Einwirkung äußerer Kräfte nicht in einem solchen Ausmaße entwickeln können, wenn nicht dem Marxismus fremde Ideen auch im Inneren unserer Gesellschaft und selbst im Inneren unserer kommunistischen Partei Anhänger, Propagandisten und sogar aktive Vertreter und Verfechter gefunden hätten. Das Eindringen fremder, nichtmarxistischer Ideen und Konzeptionen in unser sozialistisches System spiegelte sich sowohl in der pädagogischen Theorie als auch in der Desorientierung eines Teiles der Lehrer wider. Sie beeinflußten auch den Inhalt der Schulerziehung negativ und folglich auch die Schüler.

Desorganisation in der Schule

Eben auf dem Gebiet des Schulwesens kann man es begreiflich machen, wie die „schleichende Konterrevolution“ schrittweise – oft unbemerkt – grundlegende ideologische Ausgangspunkte und Prinzipien des Systems der kommunistischen Erziehung in Frage stellte, wie sie sich auf diesem Gebiet nicht nur bemühte, das ganze System der sozialistischen Erziehung der Jugend und Werktätigen zu desorganisieren, sondern in. vieler Hinsicht bis zur Ankunft der verbündeten Armeen im Jahre 1968 auch tatsächlich dabei Erfolge hatte.

Angriffe auf den Marxismus-Leninismus

Die Gesetzmäßigkeit, daß jede soziale Revolution immer auch mit einem Kampf um die Herrschaft im weltanschaulichen Bereich verknüpft ist, wurde auch völlig durch unsere Entwicklung nach dem Januar 1968 bestätigt. Als verschiedene Anhänger der Rechten, als die revisionistischen und antisozialistischen Kräfte offen zum Angriff übergingen, richteten diese große Anstrengungen gerade auch darauf, das ideologische System des Sozialismus zu deformieren und besonders sein Fundament, die marxistisch-leninistische Weltanschauung, zu zersetzen. Auf diese Art sollten die Bedingungen und Voraussetzungen auch für die Änderung des bestehenden sozialistischen politischen Systems vorbereitet werden.

Auf dem weltanschaulichen Gebiet verliefen die Versuche einer anfänglichen Infragestellung und dann einer Revision und Zerstörung des Marxismus-Leninismus im Bewußtsein der Menschen auf zwei Ebenen:

  • Auf dem Gebiet der Philosophie ging es um einen systematischen Versuch, die marxistische Philosophie zu revidieren, und zwar unter dem Vorwand ihrer Weiterentwicklung, Vervollkommnung und Befreiung von den Einflüssen des Dogmatismus. Dieser Stoß der ideologischen Diversion wurde vor allem auf die intellektuellen Schichten gerichtet. Er drang in die Gesellschaftswissenschaften ein, in die Pädagogik, in die Kultur und die Kunst, in die Bevölkerung der Städte, die sich schon von religiösen Vorurteilen befreit hatte, und er drang sichtbar auch in die Jugend, besonders an den Hochschulen, ein.
  • Die zweite Stoßrichtung der nichtmarxistischen und antimarxistischen ideologischen Einflüsse im Bereich der weltanschaulichen Erziehung der Jugend und der Erwachsenen stellte eine an Intensität zunehmende Verbreitung und Intensivierung verschiedener religiöser Anschauungen dar. Diese Beeinflussung war besonders auf die ländliche Bevölkerung, aber auch auf die Kinder und Jugend gerichtet.

Quelle:
R. Pravdik, Ursachen und Erscheinungen des Eindringens antimarxistischer Ideen in die weltanschauliche Erziehung während der politischen Krise in der ČSSR 1968-69 und ihre Überwindung. In: Die marxistisch-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe im Kampf gegen den Antikommunismus, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1972, S.210f. (Der Dozent Dipl.-Ing. Rudolf Pravdik CSc. war zu dieser Zeit Stellvertretender Direktor des pädagogischen Forschungsinstituts Bratislava.)

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