Genosse Kaganowitsch erinnert sich an Stalin

Kaganowitsch

Lasar Kaganówitsch (r.) mit K.Woroschilow beim Besuch eines Flugplatzes (etwa 1930)

Lasar Mojsejewitsch Kaganówitsch (1893-1991) wurde in dem Dorf Kabany (Gebiet Tschernobyl) in einer armen jüdischen Bauernfamilie geboren. Schon im Alter von 13 Jahren mußte er in einer Kiewer Lederfabrik arbeiten, wo er mit seinem älteren Bruder Michail zum Lebensunterhalt der Familie beitrug. Schon sehr frühzeitig beteiligte er sich an der revolutionären Bewegung und wurde deswegen mehrfach inhaftiert. Nach 1922 wurde Lasar Kaganowitsch auf Empfehlung Kuibischews ins Zentralkomittee der Kommunistischen Partei aufgenommen. Er arbeitete eng mit Molotow, Kuibischew und Stalin zusammen und unterstützte die Partei im Kampf gegen die parteifeindlichen Aktivitäten Trotzkis. 1930-35 wurde Kaganowitsch zum Ersten Sekretär des Moskauer Parteikomittees berufen.

Unter seiner Leitung begann 1931 der Bau der Moskauer Metro. Auch während dieser Zeit arbeitete Kaganowisch eng mit Stalin zusammen. Von den Chruschtschowisten wurde Kaganowitsch 1961 aus der Partei ausgeschlossen. Nach Chruschtschows Tod bemühte er sich vergeblich um eine Wiederaufnahme in die KPdSU. Er lebte bis zu seinem Tode im hohen Alter von 97 Jahren in einer Wohnung im Frunse-Stadtbezirk in Moskau. Lasar Kaganowitsch wurde viermal mit dem Leninorden ausgezeichnet; ihm zu Ehren erhielt der erste sowjetische Trolleybus die Bezeichnung „LK“.

Lasar Kaganowitsch

DIE LETZTEN JAHRE IN DER PARTEIFÜHRUNG
Erinnerungen
(Auszug)

Stalins Tod
Stalin starb unerwartet. Obwohl einige von uns in seinem letzten Lebensabschnitt seltener bei ihm zu Hause zu Besuch waren, sahen wir Stalin in den Beratungen, den offiziellen Sitzungen mit Befriedigung, da er ungeachtet seiner Müdigkeit vom Krieg, gut aussah. Er war aktiv und munter, und wie früher führte er die Erörterung der Fragen lebendig und inhaltsreich. Als ich eines Nachts auf das nahegelegene Wochenendgrundstück gerufen wurde, traf ich dort Berija, Chruschtschow und Malenkow an. Sie sagten mir, daß Stalin von einem Schlaganfall betroffen sei, er gelähmt sei und nicht reden könne, und daß man die Ärzte schon herbeigerufen habe. Ich war erschüttert und weinte. Bald trafen auch die übrigen Mitglieder des Politbüros ein: Woroschilow, Molotow, Mikojan und andere. Es kamen die Ärzte mit dem Minister für Gesundheitswesen an der Spitze. Als wir in das Zimmer gingen, wo Stalin mit geschlossenen Augen lag, öffnete er die Augen und blickte uns alle der Reihe nach an. Diesem Blick nach war zu sehen, daß er das Bewußtsein aufgespart hatte, und sich bemühte, uns etwas zu sagen, aber es gelang ihm nicht, und er schloß die Augen wieder. Von tiefer Trauer erfüllt sahen wir auf Stalin, der sich in einem schweren Zustand befand. Einige Tage dauerte der Kampf um die Erhaltung Stalins Lebens, die Ärzte taten alles, was möglich war. Und wir, die Mitglieder des Politbüros, blieben alle fast ununterbrochen die ganze Zeit hier. Als am 5.März der Tod eingetreten war, versammelten wir uns, um allen Mitgliedern der Partei und allen Werktätigen der Sowjetunion davon Mitteilung zu machen. In dieser Mitteilung brachten wir unser tiefes Gefühl der Bitternis, der Trauer und Betroffenheit der ganzen Partei und des Volkes zum Ausdruck. Besonders wichtig für das richtige Verständnis diesen Augenblick, ist es, daß diese Mitteilung des ZK und der Regierungen zum Tode Stalins an die riesigen Mehrheit der Partei und des sowjetischen Volkes, einmütig von allen ZK-Mitgliedern und der Regierung ausgearbeitet und angenommen wurde.

… aufrichtig oder doch hinterlistig?
Dabei erinnere ich mich noch an eine Episode: Zusammen mit Chruschtschow war ich in die Kommission zur Beisetzung Stalins aufgenommen worden, und als wir im Auto mit dem Leichnam Stalins fuhren, berührte Chruschtschow mich am Arm und sagte: „Lasar, wie werden wir nun ohne Stalin leben und arbeiten? Es wird schwer für uns sein.“ Und ich erinnere mich noch an meine Antwort: „Als Lenin im Jahre 1924 starb, war die Lage im Land und in der Partei schwieriger: es gab die NÖP und ihre Verfechter, die zerstörte Wirtschaft war noch nicht wieder aufgebaut, in der Partei agierten Trotzkisten und andere Oppositionelle, doch wir haben überlebt, ja wir kamen sogar voran, weil sich die richtigen Kader des Leninismus um das ZK geschart hatten und die Partei auf dem Leninschen Weg führen. Wenn wir uns fest auf unserem Leninschen Weg halten werden, auf dem uns Stalin führte, dann werden wir überleben und werden uns erfolgreich vorwärts bewegen.“ –
Chruschtschow drückte meine Hand und sagte: „Du sagst es richtig. Wir werden alle zusammen auf diesem Weg gehen, den uns Stalin geführt hat.“ Chruschtschow beteiligte sich, wie wir alle an der Zusammenstellung der gebrachten Mitteilung des ZK. Ich denke nicht so wie einige glauben, daß Chruschtschow damals aufrichtig war, und nicht hinterlistig.

Ogonjok 1953Für die Einheit der Partei nach Stalins Tod
Am 7. März 1953 wurde eine gemeinsame Sitzung des Plenums ZK der KPdSU, des Ministerrates und des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR einberufen, auf dem eine wichtige Verordnung angenommen wurde. Im Vorwort zu dieser Verordnung wurde besonders betont, daß „in dieser für unsere Partei und das Land so schwierigen Zeit besteht die Hauptaufgabe von Partei und Regierung darin, die richtige und kontinuierliche Führung des gesamten Lebens im Land zu sichern, was wiederum die größte Einigkeit in der Führung erfordert, die keinerlei Zersetzung oder Panik erlaubt, um die von unserer Partei und der Regierung ausgearbeitete Strategie sowohl innen- wie auch außenpolitisch erfolgreich zu verwirklichen.“ Unnötig zu sagen, welche große Bedeutung diese Richtlinie für die Geschlossenheit der Partei und der Völker der Sowjetunion hatte. […]  Das ZK nahm eine gewichtige Veränderung zur Struktur der Führungsorgane vor. Anstelle von zwei Zentren der Führung des ZK – des Präsidiums und des Büros – war ein Organ geschaffen worden, nämlich das Präsidium des ZK – das Politbüro. Ebenso wurden im Ministerrat anstelle zweier Organe – des Präsidiums und des Büros – ein Organ, nämlich das Präsidium des Ministerrates geschaffen.

Wichtige Beschlüsse werden gefaßt
Ohne Differenzen und Streit (wie es unter kreativen Menschen üblich ist) wurde die personelle Zusammensetzung der Führung eingerichtet. Ins Präsidium des ZK wurden die Genossen Malenkow, Berija, Woroschilow, Molotow, Kaganowitsch, Chruschtschow, Bulganin, Mikojan, Saburow, Perwuchin gewählt. Und als Kandidaten – die Genossen Schwernik, Ponomarenko, Melnikow und Baginow. Zum Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets wurde Woroschilow gewählt, und Schwernik wurde als Vorsitzender des Zentralrats der Allunions-Gewerkschaften empfohlen. Zum Vorsitzenden des Ministerrates des UIdSSR war Georgi Maximilianowitsch Malenkow ernannt worden. Zu ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates wurden die Genossen Molotow, Berija, Bulganin und Kaganowitsch ernannt. Molotow wurde zum Außenminister ernannt; Mikojan zum Minister für Innen- und Außenhandel; Bulganin zum Verteidigungsminister; Berija zum Innenminister und Minister für Staatssicherheit; Perwuchin zum Minister für Energie und Elektroindustrie und Saburow zum Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission. Chruschtschow wurde als ständiger Sekretär in das Zentralkomitee aufgenommen und zugleich von seiner Arbeit als Erster Sekretär des Moskauer Gebietskomitees entbunden. Die wichtigste Bedeutung hatte der von derselben Verordnung gefaßte Beschluß über die Reduzierung der Ministerien durch ihren Zusammenschluß. […] Im September 1953 fand das Plenum des ZK statt, das den Bericht Chruschtschows „Über Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der Landwirtschaft“ anhörte und diskutierte. Das ZK übernahm die vom Präsidium des ZK entwickelte Verordnung. An der Erarbeitung dieser Verordnung nahm das gesamte Präsidium des ZK teil, insbesondere Chruschtschow, Malenkow, Kaganowitsch, Molotow, Andrejew.

Chruschtschow – Erster Sekretär des ZK
Nach einem halben Jahr, ungefähr im März 1954, besprach das ZK erneut die Frage der Landwirtschaft und faßte einen geschäftlichen Beschluß über die weitere Erhöhung der Getreideproduktion im Land und über die Erschließung von Neuland und Brachlandflächen. In dieser Verordnung wurden noch eine weitaus kritischere Einschätzung getroffen und entsprechende Schlußfolgerungen gefaßt. Das ZK und der Rat der Volkskommissare erarbeiteten Maßnahmen zur Erleichterung der Lage der Kolchosbauern, insbesondere zur Senkung der Steuern, und beauftragte Malenkow, darüber vor dem Obersten Sowjet zu berichten (gegenwärtig wird es Chruschtschow zugeschrieben. Red.). […] Mit einem Wort, man kann sagen, wäre dieser Stil von Chruschtschows ersten Arbeitsjahr als Erster Sekretär des ZK in den Jahren 1955-1956 und späterhin beibehalten worden, so wären andere Ergebnisse dabei herausgekommen. Doch seit seiner Wahl zum Erstem Sekretär des ZK verging nur eine kurze Zeit, als Chruschtschow bereits zu demonstrieren begann, wie man so sagt: „Bildet euch ja nicht ein, daß ich kein ‚richtiger’ Erster Sekretär bin, ich werde euch schon zeigen, wer hier der richtige ist.“ Und neben Erscheinungsformen von guter und positiver Initiative, begann er auch überheblich zu werden.

… immerhin eine seltsame „Wahl“
Passend dazu kann man hier auch erzählen, wie die Wahlen Chruschtschow zum ersten Sekretär vor sich gegangen waren. Von März bis September war Chruschtschow einer der Sekretäre des ZK. Das Sekretariat war sozusagen ein Kollektiv und – ich kann sagen, das war nicht schlecht. Während des Septemberplenums des ZK, in der Pause zwischen den Sitzungen im Erholungszimmer, wo gewöhnlich der Meinungsaustausch unter den Mitglieder des Präsidiums über diese und jene Fragen stattfand, sagte Malenkow plötzlich und unerwartet für alle: „Ich schlage vor, Chruschtschow auf diesem Plenum zum 1.Sekretär des ZK zu wählen.“ Ich sage „unerwartet“, weil das Stellen einer solch wichtigen Frage gewöhnlich vorher besprochen wurde. Als ich Malenkow dann fragte, warum er zu niemandem etwas über diesen Vorschlag gesagt hatte, antwortete er mir, vor der Eröffnung des ZK-Plenums sei Bulganin zu ihm gekommen und habe ihn gedrängt, auf dem Plenum den Vorschlag über die Wahl Chruschtschows als 1.Sekretär des ZK vorzutragen. „Es ist anders“, sagte Bulganin, „ich werde diesen Vorschlag selbst vortragen.“ Daraufhin erwiderte Malenkow: „Als ich darüber nachdachte, daß Bulganin hier nicht als Einzelner handelt, habe ich mich entschieden, diesen Vorschlag vorzutragen.“ Dann rief Bulganin in der Beratung als erster voller Begeisterung: „Laßt uns das entscheiden!“ Die übrig haben zurückhaltend zugestimmt, und natürlich nicht, weil sie, wie man heute vielleicht sagen würde, sich fürchteten zu widersprechen, sondern einfach deswegen, weil bei der Wahl des Ersten Sekretärs keine andere Kandidatur vorgesehen war – und so geschah es.

Wir stimmten für diesen Kandidaten
Ich muß an dieser Stelle sagen, daß ich Chruschtschow länger und besser kannte, und mehr als alle anderen über ihn wußte, über seine positiven und negativen Seiten. Ich kann sagen, daß ich auf dem Gebiet der führenden Parteiarbeit seit 1925 eine direkte Beziehung zu Chruschtschows Entwicklung und Beförderung hatte (über diesen ganzen Prozeß werde ich noch gesondert berichten). Ich hielt und ich halte ihn für seinen wachsenden und aufsteigenden Parteiarbeiter, der hervorgegangen war aus einem Arbeiter, eine begabte Führungspersönlichkeit im Gebiets-, Landes- und Republikmaßstab, und – was die kollektive Führung betrifft – auch Unionsmaßstab. Aber ich war nicht von seinen Fähigkeiten überzeugt, die Rolle eines Ersten Sekretärs des ZK der KPdSU zu erfüllen, insbesondere, was sein unzureichendes kulturell-theoretisches Niveau betraf, obwohl angespannte Arbeit, wie man ja sagt, eine prägende Angelegenheit ist. Die praktische Erfahrung bei ihm war solide. In jedem Beruf, um so mehr bei den sich entwickelnden Arbeitern, ist jeder im Verlaufe seiner Größe und Entwicklung Prüfungen unterworfen. Doch der Kern der Sache war, daß sich hier solche Bedingungen ergeben hatten, daß es bei uns im Sekretariat eine andere Kandidatur nicht gab. Deshalb stimmten wir alle für diesen Vorschlag, mit der festen Absicht Chruschtschow auf jede Weise bei der Beherrschung der für ihn neuen Rolle zu helfen.

War es Zufall oder nicht?
So hat sich am Beispiel der Wahl Chruschtschows zum Ersten Sekretär des ZK Zufälliges mit Notwendigem verbunden. Auch wenn man hier nicht in die Tiefen der Philosophie vordringen kann, so muß man doch sagen, daß der marxistisch-leninistische dialektische Materialismus daraus hervorging, daß die gesetzmäßige historische Notwendigkeit auch den Zufall nicht ausschließt, der eine Ergänzung und Erscheinungsform der Notwendigkeit ist. Ein Zufall kann sein oder nicht, er folgt nicht unbedingt aus der historischen Notwendigkeit, aus den Entwicklungsgesetzen, aber in der Regel sind Zufall und Notwendigkeit miteinander verbunden. In der Geschichten kam es vor, daß „zufällig“ hervorgebrachte Persönlichkeiten emporstiegen und sich im Laufe ihrer Tätigkeit entwickelten, indem sie sich auf die objektive, historische und gesetzmäßige Notwendigkeit stützten und ihr folgten, und als führende Persönlichkeit dabei reiften. Doch wenn diese zufällig hervorgebrachten Persönlichkeiten objektive Gesetzmäßigkeiten und die Bedürfnisse der Gesellschaft ignorierten, wenn subjektive Willensäußerung – Voluntarismus – die Oberhand über die objektive Notwendigkeit und das wissenschaftliche Bewußtsein gewann, und den Wildwuchs von Unkraut im Gehirn zuließ, dann reifte auch die Pflanze nicht, dann war ein Scheitern dieser zufällig hervorgebrachten Persönlichkeit unvermeidlich. Leider geschah genau das mit Chruschtschow – und es geht hier nicht um die Funktion, sondern um die Eigenarten seines Verhaltens in der parteipolitischen Führung. Und obwohl es auch positive Momente in seiner Tätigkeit gab, sowohl Fähigkeiten, Naturverstand, als auch von früher ausgeprägte Bescheidenheit, wurden diese in der Folgezeit getilgt durch Überheblichkeit und Voluntarismus.

Chruschtschow übte Druck aus
Das Präsidium des ZK in der Zusammensetzung Woroschilow, Molotow, Kaganowitsch, Mikojan, Malenkow, Chruschtschow, Bulganin, Saburow, Perwuchin arbeitete kollektiv und aktiv, hatte regelmäßig Sitzungen und beachtete die Fragen nicht nur, sondern die Mitglieder des Präsidiums nahmen an der Vorbereitung der Beschlüsse teil, und beteiligten sich auch an den Kommissionen für die endgültige Erarbeitung der Beschlüsse des ZK, als es bei der Erörterung wichtige Korrekturen gab. Man muß natürlich sagen, daß Chruschtschow als 1. Sekretär bei der Bearbeitung der Fragen und bei ihrer Vorbereitung, besonders in den Fragen des Bauwesens und der Landwirtschaft eine aktive Position einnahm. Ebenso muß man sagen, daß Chruschtschow bei der Entwicklung des Bauwesens im großen Maßstab, besonders bei der Einführung der Plattenbauweise, keine geringe Rolle spielte. Es wurde Druck auf die Bauarbeiter ausgeübt – und Chruschtschow übte häufig Druck auf sie aus und wählte den nicht-demokratischen Weg, und das Präsidium des ZK unterstützte ihn darin. Freilich ließ das Präsidium im Interesse der Einheitlichkeit die Schwächen Chruschtschows im Reagieren und hinsichtlich seiner Fehler zu, beispielsweise als er zum Schaden der Architektur unter der Losung „Verschönerungen verhindern und billiger bauen“, übermäßig die Rolle der Bauarbeiter hervorhob, ohne zu bedenken, daß die Rolle der Architektur nicht darin besteht, Verschönerungen herbeizuführen. Es wurde sogar die Akademie für Architektur abgeschafft und die architektonische Bauüberwachung geschwächt, was eine Verschlechterung der Bauqualität mit sich brachte.

Zur Entwicklung der Landwirtschaft
Große Aktivität zeigte Chruschtschow auf dem Gebiet der Landwirtschaft, natürlich nicht deswegen, weil er man ihn später darstellte, ein angeblich vom großer „Fachmann“ der Landwirtschaft war. Ich kann bezeugen, daß er sich bis zu seiner Arbeit als Sekretär des Moskauer Gebietskomitees in der Landwirtschaft wenig zurechtfand, einfach deswegen, weil er lange in industriellen und städtischen Bezirken gearbeitet hatte. Bei seiner Wahl zum Sekretär des Moskauer Gebietskomitees riet ich ihm, sich auf das Studium der Landwirtschaft zu konzentrieren und brachte ihn eng mit dem Landwirtschaftssekretär des Gebietskomitees Michajlow zusammen, der ein guter und qualifizierter Kenner der Landwirtschaft war. Man muß sagen, daß Chruschtschow meinen Ratschlag ungekränkt angenommen, und sich eifrig mit dem Studium der Landwirtschaft beschäftigt hat. Dabei half ihm auch der künftige Landwirtschaftskommissar Benediktow, und auch ich unterstützte ihn mit Hinweisen, obwohl ich nur als Verbindungsmann in das Volkskommissariat kam. Als er Erster Sekretär des ZK wurde, sagte ich zu ihm, daß das es das oberste Gebot des ZK sei, der Landwirtschaft, dem Dorf und dem Bündnis des Proletariats mit der Bauernschaft erstrangige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Und man muß sagen, daß Chruschtschow sich verstärkt und eifrig mit der Landwirtschaft beschäftigte, aktiv und initiativreich in die Fragen der Entwicklung der Landwirtschaft eindrang und sie auf die Beschlüsse ZK einstellte. Leider begann er hier zuerst und am meisten seine exzentrischen Charakterzüge eines Alleswissers zu zeigen. Das führte beispielweise dazu, daß er zum Schlag gegen die Lehren des großen Wissenschaftlers Wassili Robertowitsch Willjam über die Saatfolgen ausholte, was Schaden verursachte. Gut war jedoch, daß in der Praxis diesem anti-williaministischen „Neuerertum“ nicht nachgegeben wurde, und daß auch das Präsidium des ZK es offiziell nicht unterstützte, obwohl es das leider nicht aufhob. Chruschtschow unterstützte aktiv und eifrig die falschen und unbegründeten Ansprüche Lyssenkos in der Herrschaft der Wissenschaft über die Landwirtschaft, wobei Chruschtschow sich selbst in dieser Wissenschaft nicht zurechtfand.

Chuschtschow_Maisanbau

Chruschtschow und der Maisanbau

Die Kolchosen und der Maisanbau
Die Frage über den Maisanbau war richtig gestellt, doch das war insbesondere für die Ukraine nichts Neues. Ich erinnere mich noch, als Rakowski noch kein Trotzkist war, daß er, der große Erfahrungen in Rumänien hatte, in der Presse und auf Versammlungen für eine größtmögliche Entwicklung der Maisansaat eintrat. Richtigerweise plädierte Chruschtschow für den Mais, doch er beachtete dabei nicht die wissenschaftlichen Bedingungen über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit seiner Anpflanzung in den jeweiligen Gebieten, dagegen forderte er die allgemeine Entwicklung der Maisansaat, unabhängig von den lokalen Bedingungen und sprengte damit diese an sich gute Idee. Leider haben diese Fehler Chruschtschows der ganzen Idee des Maisanbaus geschadet, so auch in den dafür brauchbaren Bezirken wie in der Ukraine, im Kaukasus, in Moldawien usw.

Die bekannten, vom Zentralkomitee der Partei und der Regierung festgelegten organisatorischen Maßnahmen zur Dezentralisierung bei der Führung der Kolchosen, die ihnen größerer Rechte übertrug, waren ein positiver und zeitgemäßer Akt. Doch die Abschaffung der Maschinen- und Traktorenstationen (MTS) hat, ohne Ersatz durch irgendwelche anderen Formen der Verbindung und der technischen Unterstützung, brachte den Kolchosen negative Ergebnisse. Selbst die Dezentralisierung, die den Kolchosen größerer Rechte einräumte, brachte ohne ökonomische Maßgaben nicht das nötige Ergebnis. Chruschtschow bemühte sich natürlich, eine Reihe von Vorschlägen (einschließlich falscher) vorzubringen, die auch vom Präsidium übernommen wurden. Aber alle diese Maßnahmen, die vorrangig organisatorisch-administrativen Charakter trugen, brachten nicht den gehörigen und nötigen Effekt. Zu einem gegenteiliges Ergebnis führten die Anrufe Chruschtschow, bei denen er sich selbst als Demokraten rühmte.

… die Pferde waren mit ihm durchgegangen
Man muß sagen, daß sich Chruschtschow aktiv in die Arbeit nach der Landwirtschaft einbrache. Er bewahrte und verteidigte die Kolchosbewegung und die Sowchosen und ergriff die Maßnahmen zur Verwirklichung der gefaßten Beschlüsse des Plenums des ZK und anderer. Aber leider monopolisierte er bald seine Führung der Landwirtschaft und ließ politische Fehler zu, die die Ausführung der Beschlüsse des ZK behinderten. Ein solcher Fehler war die Linie der Abschaffung kleiner Kolchosen und, dementsprechend, kleiner Dörfer und Siedlungen, und die Errichtung großer Ansiedlungen. Diese Ansiedlungen sollten, nach Absicht Chruschtschows, wie Ansiedlungen städtischen Typs gebaut werden, mit den mehrstöckigen Häusern, ohne Gartengrundstücke, ohne Kühe und Geflügelzucht, was aber dem Landwirtschaftsstatut widersprach, das 1935 unter persönlicher Teilnahme Stalins angenommen worden war. Das führte in der Folge dazu, daß Tausende kleiner Dörfer und Siedlungen in den Ruin getrieben wurden, und die Errichtung großer Kolchosansiedlungen nicht erfüllt werden konnte. Von da an begann unter Chruschtschow die massenhafte Abwanderung von Bauern aus den Dörfern in die Städte, und das setzte sich unter Breshnew fort. Ich wies Chruschtschow persönlich darauf hin, daß man das nicht machen darf, daß man um die Kolchosen zu vergrößern, aus kleinen Kolchosen Kolchosbrigaden machen kann, und nicht einfach alteingesessene Dörfer und Siedlungen abschaffen, aber die Pferde waren schon mit ihm durchgegangen und er nahm keinen Ratschlag an. Doch auch das Präsidium des ZK hielt diesen Prozeß nicht auf. Das war dessen Fehler.

Malenkow_Chruschtschow

Malenkow und Chruschtschow

Die Entlassung Malenkows
Wenn die Erfolge Chruschtschows und seiner Umgebung zuerst Chruschtschow angerechnet wurden, so auch, weil er es vorzog, bei Mißerfolgen die Schuldigen an seiner Seite zu suchen. Während Chruschtschow noch bis zum Ende der ersten Hälfte des Jahres 1955 die Normen der kollektiven Führung beachtete, so fing er in der zweiten Hälfte von 1955 an, diese Normen grob zu verletzen. Exzentrik in diesem Sinne besteht darin, wie das Wörterbuch dieses Wort erklärt, „aus der Reihe zu fallen“, oder das Bestreben, wie man in Odessa sagt, „sein ICH zu zeigen“ begann bei ihm mehr und mehr anzuwachsen. Der Erste, bei dem Chruschtschow begann, sich als „selbstherrlicher“ Führer und Leiter zu demonstrieren, war der Ministerrat und sein Vorsitzender Malenkow – dieser begabte, bescheidene, fleißige, nicht streitsüchtige, aber prinzipienfeste Staats- und Parteiaktivist.

Man kann bei jedem Mängel in der Arbeit finden, sogar beim unermüdlichsten Leiter, besonders wenn sich es sich um einen Parteifunktionäre handelt. Kurz gesagt: nach einigen Ausfällen gegenüber Malenkow schlug Chruschtschow vor, ihn von seine Pflichten als Vorsitzender des Ministerrates zu entbinden. Man muß sagen, daß die Mitglieder des Präsidiums, natürlich einschließlich mich, die ihn von der Arbeit in Moskauer Gebietskomitee und aus dem ZK von der besten Seite her kannten, zunächst mit diesem Vorschlag Chruschtschow nicht einverstanden waren, aber später, bei seinem nochmaligen beharrlichen Vorschlag, um nicht eine Krise in der Führung des ZK heraufzubeschwören, der Entlassung Malenkows zugestimmt haben, der jedoch als Mitglied des Präsidiums des ZK und als führende Persönlichkeit der Partei erhalten bleiben sollte.

Bulganin

Nikolai A. Bulganin

Der Vorsitzende des Ministerrats wird bloßgestellt
Als Vorsitzenden des Ministerrates schlug Chruschtschow Bulganin vor, obwohl Molotow der natürlichere Folgekandidat gewesen wäre. Einige Genossen nahmen in Kauf, daß Chruschtschow hier Bulganin auf diesem Posten keine lange Verweildauer beimaß. Und bald nach der Einsetzung Bulganins, als beispielsweise wir, die Mitglieder des Präsidiums, eine Ausstellung der Leichtindustrie besuchten, griff nach irgendeiner Bemerkung Bulganins über Kunstseide, Chruschtschow ihn öffentlich an, indem er sagte: „Hier sehen Sie, daß der Vorsitzende des Ministerrates nichts von der Wirtschaft versteht und nur Unsinn schwatzt“ und so weiter.

Wir waren alle erschüttert über eine derartige Ausfälligkeit Chruschtschows, um so mehr als Bulganin, noch bis zu seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Moskauers Sowjets, Direktor des größten Moskauer Elektrobetriebs war, das heißt, er war ein erfahrener Wirtschaftsfunktionär, als Chruschtschow noch nicht einmal die Wirtschaft kannte. Doch auch diesen Angriff haben wir um der Einheit willen nicht verschärft.

Molotow

Wjatscheslaw M. Molotow

Chruschtschows Intrigen gegen Molotow
Auf den Sitzungen des Präsidiums des ZK wurden regelmäßig Fragen der Außenpolitik besprochen. Molotow, der als Außenminister seine Vorschläge beitrug, wurden größtenteils gebilligt. Doch während Chruschtschow die Aufmerksamkeit den Vorschlägen Molotows zugehört hatte, übertrug er die Angelegenheit weniger Kompetenten, was zu dem Vorschlag führte, Molotows von der Funktion des Außenministers zu entbinden. Ich bin persönlich dagegen aufgetreten, indem ich bewies, daß Molotow nicht nur schon über große Erfahrung) in der Außenpolitik verfügt, sondern sich auch politisch-ideologisch fest für die Verteidigung der Interessen unserer Heimat einsetzt.

Aber da Molotow selbst seine Bereitschaft erklärte, eine andere Arbeit zu übernehmen, entband das Präsidium des ZK ihn von den Pflichten des Außenministers und ernannte ihn zum Minister der Staatlichen Kontrolle. Ich kann hier noch eine Episode wiedergeben. Noch im Jahre 1954, während der Erholung auf Krim, trafen wir d.h. Chruschtschow, Molotow, Woroschilow, Kaganowisch, uns natürlich, und einmal während des Spazierganges im Park sagte Chruschtschow auf meine Frage, was die Arbeit macht, zu mir: „Nicht schlecht, aber Molotow respektiert mich nicht, deshalb habe ich ein gespanntes Verhältnis zu ihm.“ Ich sagte ihm, daß er sich irrt und Molotow ein anständiger Mensch ist, ein hingebungsvoller Parteiarbeiter, der sich nicht mit Intrigen befassen kann. „Prüfe du dich selbstkritisch,“ erwiderte er, „ob du nicht allzu oft und leicht gegen ihn und seine Vorschläge angerannt bist. Wenn du die Beziehung zu ihm änderst, ist alles erschöpft.“ Aber leider ist er diesem meinem Rat nicht gefolgt.

Die Vorbereitungen zum XX. Parteitages
Es versteht sich, daß die Arbeit des ZK zwischen dem XIX. und dem XX. Parteitag alle Seiten des Lebens der Partei und des Landes umfaßte, die Industrie, die Kultur und das Parteileben. Es wurde eine umfangreiche Arbeit geleistet, worüber der Erste Sekretär des ZK, Chruschtschow, im Auftrag des Präsidiums des ZK den Rechenschaftsbericht des ZK an den XX. Parteitag zu erstatten hatte. Wir kamen und gingen einheitlich zum XX. Parteitag. Der Bericht des ZK widerspiegelte die Arbeit des gesamten ZK und seines Präsidiums und seine prinzipielle Linie. An der Ausarbeitung des Berichtes des ZK arbeiteten alle Mitglieder des Präsidiums sorgfältig mit, das wurde mehrmals besprochen. Bei der Erörterung der Ausarbeitungen des ZK wurden viele Korrekturen vorgenommen. Ich werde hier den Charakter dieser Korrekturen nicht darlegen, wobei es auch Korrekturen zu grundsätzlichen Fragen gab. Bei mir gab es bei einer Reihe von Korrekturen zum Beispiel solche: An einer Stelle des Berichtes, wo die Erfindungen der Imperialisten, daß die Sowjetunion den Kommunismus durch einen Exportes der Revolution zu errichten, wiederlegt werden, habe ich vorgeschlagen zu ergänzen: „Der Kampf um den Sozialismus und Kommunismus begann in den kapitalistischen Ländern lange vor der Entstehung der Sowjetunion statt. Der Kampf des Proletariats für Sozialismus und Kommunismus entspringt aus dem Klassenwiderspruch des kapitalistischen Systems. Lange vor der sozialistischen Oktoberrevolution in Rußland gab der Marxismus-Leninismus eine wissenschaftliche Begründung für die Unvermeidlichkeit des Sieges des Sozialismus und Kommunismus. Darauf gründet sich unsere Überzeugung, daß dieser Sieg auch ohne Export der Revolution eintreten wird. Wir lehnen den ‚Export der Revolution’ ab, weil wir aus der Geschichte wissen, daß die Revolution objektiv nur aufgrund heftiger, innerer Klassenwidersprüche siegt, welche innerhalb jedes Landes auftreten.“

Korrekturen zum Bericht des ZK
Hinsichtlich des Krieges muß man unterstreichen, daß die Kommunisten – als führende Kraft in der Sowjetunion – 40 Jahre lang die Leninsche Friedenspolitik durchführen und entschieden gegen die Entfesselung eines Krieges auftreten, und auch dann für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern sind, wenn die imperialistischen Mächte einen Krieg vorbereiten. Ich schlug vor, der Polemik gegen die marxistisch-leninistische Theorie über Imperialismus und Krieg nicht zu betreten, um so mehr, als die folgende Formulierung über das Fehlen einer fatalen Unvermeidlichkeit des Krieges keinen Anlaß gibt, zu erläutern, ob Marx und Lenin je über eine fatale Unvermeidlichkeit von Kriegen gesprochen haben. Im Gegenteil, zum Beispiel kämpfte Lenin mit Hilfe des aktiven, revolutionären Weltproletariats und der werktätigen Volksmassen und der übrigen Friedensanhänger für die Verhinderung des Krieges. Es gab natürlich auch andere ähnliche Korrekturen. Alle Veränderungen wurden beigetragen und besprochen ohne irgendwelche Verschärfung und ohne polemischen Eifer. Unser Hauptziel bestand darin, einheitlich zum XX. Parteitag zu kommen und zu gehen. Und im Bericht des ZK wurde betont: „Heute ist unsere Partei einheitlich wie niemals zuvor, sie ist eng geschart um das Zentralkomitee und führt das Land sicher auf dem Weg, der vom großen Lenin gewiesen wurde. Die Einheit der Partei hat sich über Jahre und Jahrzehnte herausgebildet, sie wuchs und festigte sich stets im Kampf gegen die zahlreichen Feinde.“ (Das widerlegt die spätere Behauptung vom Juli 1957, daß die Gruppe Malenkow, Kaganowitsch, Molotow und der sich ihnen anschließende Schepilow die Einheit der Partei vom Moment der Bestimmung Chruschtschows zum Ersten Sekretär des ZK gesprengt habe. Red.)

XX_Parteitag

Der XX.Parteitag der KPdSU 1956

Der Parteitag wird plötzlich unterbrochen …
Der XX. Parteitag ging dem Ende zu. Aber plötzlich wurde eine Pause angeordnet. Die Mitglieder des Präsidiums wurden im hinteren Zimmer zusammengerufen, das für die Erholung bestimmt ist. Chruschtschow stellte die Frage über Anhörung seines Berichts über den Personenkult Stalins und dessen Folgen* auf dem Parteitag. Hier wurde uns ein kleines maschinenschriftlich verfaßtes rotes Büchlein ausgehändigt – der Textentwurf eines Berichts. Die Sitzung fand nicht unter normalen Bedingungen statt – es war beengt, einige saßen, einige standen. Und es war schwierig in der kurzen Zeit dieses umfangreiche Heft zu lesen und seinen Inhalt zu durchdenken, um entsprechend den Normen der innerparteilichen Demokratie einen Beschluß fassen zu können. Und das alles während einer halben Stunde, während die Delegierten im Saal saßen und auf etwas für sie Unbekanntes warteten, war doch die Tagesordnung des Parteitags erschöpft.
Gossweiler_Taubenfusschronik
Die Sitzung zog sich in die Länge, die Delegierten (im Saal, Red.) regten sich auf, und deshalb wurde die Sitzung ohne irgendeine Abstimmung beendet und wir gingen wieder auf den Parteitag. Dort wurde als Ergänzung zur Tagesordnung mitgeteilt, den Bericht Chruschtschows über den Personenkult Stalins anzuhören. Nach dem Bericht fand keine Diskussion mehr statt, und der Parteitag beendete seine Arbeit.

Auswertungen und Erläuterungen
Nach dem XX. Parteitag führte die Partei organisiert Parteiversammlungen durch; mit den Berichten und den Reden waren alle Mitglieder des Präsidiums des ZK und die Mitglieder des ZK aufgetreten. In den Berichten wurden alle Fragen der Tagesordnung des Parteitags und die letzte außerordentliche Frage über den Personenkult beleuchtet. Es ist wichtig zu betonen, daß die Mitglieder des Präsidiums Kaganowitsch, Molotow, Woroschilow und andere in den Berichten über den XX. Parteitag ehrlich und diszipliniert entsprechend dem Beschluß des XX. Parteitags die Frage über den Personenkult beleuchteten. Auf den Versammlungen billigten sie die Beschlüsse des Parteitags. Es wäre jedoch falsch, nicht zu erwähnen, daß es unter den Parteimitgliedern verschiedene Stimmungen gab. Es gab auch Menschen waren fassungslos, verhielten sich schwankend in der Billigung solcher einseitigen Fragestellungen. Die Feinde unserer Partei nutzten das alles zur Verstärkung ihres Antikommunismus, besonders gerieten darüber die ausländischen Apologeten des Imperialismus und die Weißemigranten außer Rand und Band.

Wie reagierten die kommunistischen Bruderparteien?
Unsere kommunistischen Bruderparteien befanden sich in einer schwierigen Lage; die Unklarheiten und Schwankungen in ihrer Umgebung erwiesen sich sogar als stärker, als innerhalb unserer eigenen Partei. Beim Studium der auftretenden Informationen erkannte das Präsidium des ZK, daß eine breitere, objektivere Darlegung der Frage über den Personenkult Stalins erforderlich ist, als das auf dem XX. Parteitag geschehen war. Deshalb wurde eine Beratung auch mit der Teilnahme der Genossen der kommunistischen Bruderparteien für die Erarbeitung eines gemeinsamen Beschlusses über den Personenkult einberufen. Nach einer ernsthaften und der tiefen Erörterung mit der Teilnahme nicht nur der Mitglieder unseres Präsidiums des ZK, sondern auch der Genossen Thorez, Ulbricht, Rákosi und anderer wurde am 30. Juni 1956 ein ernsthafter großer Beschluß des Zentralkomitees „Über die Überwindung des Personenkults und seiner Folgen“ gefaßt. Dieser Beschluß hatte und hat große Bedeutung. Nach der Annahme dieses Beschlusses wurde auf den Parteiversammlungen innerhalb unserer Partei und in den Bruderparteien darüber berichtet. Es traten wieder die Mitglieder des Präsidiums des ZK auf. Dementsprechend haben die Parteiorganisation eine große aufklärende Arbeit unter den Massen geleistet.

Chruschtschow_Macht

Chruschtschow

Arroganz der Macht
Sowohl die Partei, als auch das Volk bewerteten die Tatsache hoch, daß die Partei selbst, und das ZK selbstkritisch die vorhandenen Fehler und zugelassenen Ungesetzlichkeiten offengelegt hatten, unter denen neben offenkundigen Feinden des Volkes auch unschuldige Menschen gelitten hatten. Die sowjetischen Menschen nahmen die Maßnahmen der Partei und der Regierung positiv auf, um derartiges künftig zu vermeiden. Doch in der praktischen Arbeit, besonders auf dem Gebiet der Landwirtschaft, waren die Maßnahmen ungenügend. Darüber war das Präsidium des ZK beunruhigt. Auf dieser Grundlage, wie auch in einer Reihe anderer Fragen, gab es im Präsidium des ZK Streitigkeiten, insbesondere mit Chruschtschow, der nach dem XX.Parteitag völlig außer Rand und Band geriet und die kollektiven Methoden der Führung verletzte. Er begann, sich so aufzuführen, wie in einem ukrainischen Lied gesungen wird: „Ich singe allein, ich spaziere allein, ich breite mich alleine aus, und ich lüge allein. Nur ICH allein…“ Das konnte nur Unzufriedenheit hervorrufen.

Quelle:
L.M.Kaganowitsch. Erinnerungen. – Moskau, Wagrius Verlag, 2003, S.559-572.
Übersetzung und Zwischenüberschriften: Kommunisten-online

http://cccp-2.ru/teory/260-2011-11-09-22-01-28

*Anmerkung:
Das Merkwürdige an der Sache war, daß dieser verleumderische Bericht, noch bevor ihn die Delegierten des Parteitags lesen konnten, in einer USA-Zeitung erschien. Die Chrutschschow-Clique bestritt zwar dessen Echtheit, offiziell wurde er jedoch erst 1991 gedruckt.

images Kaganowitsch ueber Stalin

Siehe auch:
Dr. Kurt Gossweiler: Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
Ljubow Pribytkowa: …und wieder mal über Stalin
Franz Köhler: Das war die Sowjetunion

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12 Antworten zu Genosse Kaganowitsch erinnert sich an Stalin

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  2. Tobi schreibt:

    Wäre Genosse Kaganowitsch ein geeigneter Nachfolger Stalins? Würde mich mal gerne interessieren. Man hätte doch irgendwie den Amtsantritt des Antikommunisten Chruschtschow verhindern können?

    • sascha313 schreibt:

      Schwer zu sagen… da waren viele Faktoren.. L.K. starb 97jährig im Jahre 1991 in Moskau. Zeitlebens verteidigte er die Politik Stalins.

      • Tobi schreibt:

        Wie war das eigentlich noch mal mit Beria?

        Euch auch frohe Ostern an allen hier!

      • sascha313 schreibt:

        Berija wurde von den antikommunistischen Putschisten, der Chruschtschow-Clique, verteufelt und hingerichtet (ermordet!). Da gäbe es sicher noch einiges zu sagen. Seine Biografie ist beeindruckend! In Rußland ist ein Buch erschienen von Prudnikowa: „Berija – Der letzte Ritter Stalins“. (Leider nicht auf Deutsch: http://royallib.com/book/prudnikova_elena/beriya_posledniy_ritsar_stalina.html)

      • Tobi schreibt:

        Danke für den Link Norbert und mal noch eine Frage. Benutzt Jemand von euch Facebook? Habe bis jetzt noch kein Kommunist in meiner Freundesliste und würde gerne einen haben.

        Bester soz. Gruß Tobias Radtke

  3. Harry 56 schreibt:

    Kaganowitsch war ganz zweifellos ein herausragender Bolschewik, Kommunist, und wir sollten uns alle für ihn freuen, dass er zur Belohnung ein sehr langes Leben – vielleicht gar von Gott? – geschenkt bekam. Ja, richtig gelesen: von Gott?

    Er (Gott) scheint es überhaupt gut zu meinen mit Kommunisten, Marxisten, Linken, scheint besonders diese immer wieder mit göttlichen Geist zu inspirieren, etwa einen Herrn Ramelow, derzeit MP von Thüringen und eine der Führungsköpfe der Partei „Die Linke“!
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/1006474.ramelow-marx-konnte-das-goettliche-auch-nicht-erklaeren.html
    Wir wollen nun zum Wohle der Zukunft des Proletariats, des Weltfriedens etc. alle inbrünstig hoffen, dass auch noch viele weitere führende Leute der Linkspartei an dieser spirituellen göttliche Gabe teilhaben können.

    Der gesamte Parteivorstand der Linkspartei morgen zum Ostergottesdienst im Berliner Dom aufwartend, wäre das nicht ein mächtiges Zeichen ?

    Bis dahin schon mal heute beste österlich-soz. Grüße an alle Gläubigen und Ungläubigen hier!

    • sascha313 schreibt:

      Na, mal ehrlich, Harry, soll das ein Witz sein? Der Ramelow ist nun wirklich kein gutes Beispiel. Er hat mit dem Kommunismus etwa soviel gemeinsam, wie der Esel mit einer Koloratursopranistin. Zur Abwechslung mal eine paar deutliche Worte über Thüringen:
      Ein Parteibuch schreibt über Ramelow u.Co.: „Neues aus dem radikalzionistisch regierten Wirtschaftswunderland Thüringen“

      • Tobi schreibt:

        Habe mir den Link durchgelesen. Diese zionistisch unterwanderte „Linkspartei“ ist vermutlich ein parlamentarischer Arm der ebenfalls vom Zionismus unterwanderten „Antifa“. Aber mal bitte, wer hat denn von euch auf diesem Blog Facebook? Ihr könnt mir vertrauen, ich bin KEIN V-Mann oder sowas Ähnliches. Habe seit über einem halben Jahr nichts anderes machen können als mein Führerschein und bin gerade mal 20 Jahre alt. Gut habe vor paar Wochen einen Anruf und somit doch eine Stelle als Kaufmann für Büromanagement in meiner Nähe bekommen. Bleibe dennoch dem wahren Antifaschismus treu und wer weiß vielleicht werde ich doch noch Kommunist?

      • sascha313 schreibt:

        Tobi, persönliche Kontakte sind hundertmal besser als diese Spionageseite. Mach dich schlau und sieh zu, daß du mit Freunden, also mit wirklichen Menschen ins Gespräch kommst. Diese virtuellen „friends“ sind keine Freunde! Rede mit Arbeitern über ihre Lage, hilf ihnen, die Ursachen ihrer Ausbeutung zu verstehen. Das ist mehr wert als jeder beliebige Internetkram…

  4. Gerhard schreibt:

    Es sind viele gute Genossen bei FB und auch G+, es wäre schade wenn wir nicht die uns gebotenen Möglichkeiten ausnutzen würden.

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