Benjamin fragt: Was denkst Du eigentlich über die DDR, und was sagst Du zu Stalin?

Ein junger Leser wandte sich mit diesen Fragen an die Redaktion. Hier nun die Antwort von einem, der in der DDR geboren wurde und diese Zeit bewußt miterlebt hat:

Hallo Benjamin,
was denke ich eigentlich über die DDR? Nun, ich bin in der DDR geboren. Dieses Land war mein Vaterland. Ich habe hier gelebt, gelacht, gelernt, studiert, gearbeitet – kurzum: ich habe dieses Land mit allen seinen Mängeln und Fehlern geliebt. Ich war nie arbeitslos, denn bei uns gab es das nicht. Es gab auch keine Zukunftsangst, wie das heute bei vielen Menschen der Fall ist. Ich konnte zum Zahnarzt gehen, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen. Die Frauen hatten jeden Monat einen freien Haushaltstag, um ihre Kinder zu betreuen. Und jeder größere Betrieb hatte eine Kinderkrippe, wo ausgebildete Erzieherinnen den ganzen Tag für die Kleinen da waren, mit ihnen spielten, und das kostete keinen Pfennig. Selbstverständlich bekamen die Frauen den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen, und viele Frauen haben sich sogar neben dem Beruf noch qualifiziert, studiert oder ihren Meister gemacht. Das Bildungssystem in der DDR war einheitlich und hervorragend organisiert. Auch das Studium war hervorragend. Studiengebühren waren uns fremd. Es gab viel Kollektivität, die Menschen haben einander geholfen, im Kleinen wie im Großen. Es gab Hausgemeinschaften und Betriebskollektive, wo viel gemeinsam miteinander unternommen wurde, gearbeitet und gefeiert wurde. Und man konnte abends auf die Straße gehen, ohne Angst haben zu müssen, daß man man überfallen oder ausgeraubt wird. Ja, das waren nur einige der Vorzüge unseres sozialistischen Vaterlandes. Sicher, es gab bei uns auch die Polizei und das MfS, aber davon habe ich nicht allzuviel gemerkt. Sie waren einfach da. Und das war auch gut so. Denn man darf nicht vergessen, die Betriebe und die Produktionsmittel waren Volkseigentum. Und seit der Gründung der DDR gab es eine Menge Leute, denen diese Richtung nicht paßte: ehemalige Großgrundbesitzer, Adlige, Fabrikbesitzer, Spekulanten, Schieber, ehemalige Nazis. Die meisten von denen haben anfangs ihr Geld und ihren Schmuck geschnappt und sind in den Westen abgehauen. Einige haben sogar noch in der DDR studiert und sind danach geflüchtet. Bis 1961 wurden viele Fachkräfte in den Westen ausgeschleust. Es wurde geklaut und dann im Westen verhökert. Geld wurde zu horrenden Preisen umgetauscht, um die DDR zu schädigen, was oft auch gelang. Doch dann wurde die Grenze endlich dichtgemacht. Ich muß sagen, mich hat das nicht gestört. Im Gegenteil. Es hat sich beruhigend auf unser Leben ausgewirkt. Wir hatten als Kinder unsere Ferien, konnten mit Jugendtourist günstig ins Ausland verreisen und gingen ungestört unserer Arbeit nach. Den westlichen Plünderungen war ein Riegel vorgeschoben.

Und zu Stalin? Die Sowjetunion war das erste sozialistische Land auf dieser Erde. Die Arbeiter und Bauern haben 1917 die Kulaken, die Ausbeuter und andere Parasiten davongejagt, sie haben die Macht übernommen. Das war nicht leicht. Es gab fast immer feindliche Überfälle, Sabotage in den Betrieben, und es gab Bürgerkrieg. Dabei standen die Kommunisten an der Spitze der revolutionären Arbeiterklasse und Bauern. Viele ehrliche Arbeiter, viele Kommunisten mußten damals ihr Leben lassen. Lenin hatte sich zuvor über den Kommunismus ausführliche Gedanken gemacht. Und Stalin setzte dieses Werk fort. An der Spitze der Kommunistischen Partei führte er dieses Riesenland aus bitterster Armut zu kosmischen Erfolgen. Du kannst Dir sicher vorstellen, welch eine gewaltige Leistung das war. Es wurden riesige Staudämme gebaut, Wasserkraftwerke, Traktorenfabriken usw. Dann kam 1941 der faschistische Überfall. Heldenhaft verteidigten die Völker der Sowjetunion ihr Land. Unter riesigen Verlusten befreiten sie schließlich ganz Europa vom Faschismus. Und Stalin war nicht nur ein bedeutender Staatsmann, sondern auch ein kluger Heerführer. Wenn heute von Millionen Toten des „Terrors unter Stalin“ gesprochen wird, so muß man sagen, daß denen die davon reden, keine Lüge groß genug ist, wenn es nur gegen den Sozialismus geht. (Das haben wir ja sehr anschaulich auch an der DDR gemerkt, die heute als „Unrechtsstaat“ beschimpft wird.) Nach Stalins Tod kam Chruschtschow an die Macht, und er verleumdete seinen Vorgänger wo immer er nur konnte. 1956 beschuldigte er Stalin des Personenkults und gab vor, den Sozialismus „wieder herstellen“ zu müssen. Man muß wissen, daß gerade er sich stets hervorgetan hatte, wenn es darum ging, Verräter oder angebliche Volksfeinde „umzulegen“. Mit seinen oft widersinnigen wirtschaftlichen Kampagnen wie „Rinderoffenställe“ oder „Wurst am Stengel“ (Mais) und mit seiner hinterhältigen Außenpolitik säte Chrustschow Zwietracht unter die sozialistischen Länder, und er verriet die Ideale seines ganzen Volkes. Das brauchte der russische Gangster „Gorbi“ nur noch zu vollenden, um den Untergang des ersten sozialistischen Landes der Welt zu besiegeln. Heute haben dort die Oligarchen wieder die Macht. Sie schmeißen die Gläser an die Wand und freuen sich ihres Erfolges. So war das, und so ist es heute!

Das ist nun doch ein bißchen länger geworden als ich dachte, aber ich hoffe, daß Du verstehst, warum wir die DDR als die größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterklasse betrachten und warum wir auch Stalin als einen hervorragenden Staatsmann ehren.

Mit den besten Wünschen!
Sascha

Kulturpalast Dresden

Einst ein sozialistisches Kulturzentrum der DDR: Der Kulturpalast in Dresden

Lies auch:
Gab es eigentlich einen Sozialismus in der DDR? (+ ein paar Bilder)
Ljubow Pribytkowa – Und wieder mal über Stalin
…sie werden es nicht verstehen, diese bürgerlichen „Historiker“
Gab es einen Sozialisdmus in der DDR?

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8 Antworten zu Benjamin fragt: Was denkst Du eigentlich über die DDR, und was sagst Du zu Stalin?

  1. Günter Hering schreibt:

    Hat dies auf versprengte Linke rebloggt und kommentierte:
    Wenn sich die Kreise schließen, ist noch Hoffnung… Selbst habe ich Sascha schon seit längerem lesen und schätzen gelernt (wenngleich ich zu Stalin etwas differenzierter formulieren würde). Nun also auch Benjamin. Danke, Sasche, dass Du Dir inmitten des Blog-Umzugsstresses die Zeit zum Antworten genommen hast! Da muss man doch einfach rebloggen.

  2. Stas schreibt:

    Sascha spricht vielen aus dem herzen und seelen! Danke.

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