Die schwierige Finanzkrise

KriseDie ökonomischen Probleme in der heutigen monopolkapitalistischen Wirtschaft sind nicht leicht zu verstehen. Die Zusammenhänge zwischen Realwirtschaft und Finanzökonomie sind derart kompliziert geworden und miteinander verflochten, so daß der „Otto-Normal-Verbraucher“ heute kaum noch in der Lage ist, Ursachen und deren Wirkungen voneinander zu unterscheiden, geschweige denn die ihnen zugrunde liegenden ökonomischen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft zu erkennen. So folgt er zwangsläufig den zumeist irreführenden oder verlogenen Erklärungen der Politiker. Über die Rolle des Geldes im gegenwärtigen Kapitalismus findet man im Lehrheft Politische Ökonomie folgendes:

Die weltweite Expansion des Finanzkapitals

Die strategisch orientierte Organisation und Koordinierung aller kreditschöpfenden und -verteilenden Institutionen ermöglichte eine bedeutende Weiterentwicklung der Vergesellschaftung des Geldkapitals. Das staatsmonopolistische Finanzkapital baute seine Herrschaft über komplexe Reproduktionsprozesse der Gesellschaft aus. Der Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen, seine internationale Dimension wächst, und die Anpassung der Organisationsstrukturen an die Erfordernisse zunehmender Vergesellschaftung geht weiter. In ihn sind die Industriekonzerne genauso eingeschlossen wie die Banken, Versicherungen und Börsen, die Zentralbanken und die Staatshaushalte sowie jene Institutionen, die internationale Leihkapital- und Wertpapiermärkte regulieren.

Die Banken beherrschen den Markt

Unter dem Druck der Umstände hat das Finanzkapital seine Verteilungs- und Umverteilungsmechanismen in der Zirkulation den neuen Reproduktionsbedingungen angepaßt. Marx hob noch hervor, daß der Kredit in der Krise (wenn er am dringendsten gebraucht wird) verschwindet und die Massenzusammenbrüche der Kapitale sich gegenseitig forcieren. Das Finanzkapital dagegen konnte ihn zu Beginn der achtziger Jahre aufgrund seiner entwickelten Mechanismen sprunghaft ausdehnen und damit negative Wirkungen der Krise auf die Kapitalreproduktion über Liquiditätskrisen und Kapitalmangel in Grenzen halten. Bei aller Irrationalität dieses Prozesses – mit der Liquidität der Konzerne und Banken, der Beherrschung der erforderlichen Kapitalwanderungsprozesse und der Verteilung der massenhaften Kapitalentwertung auf die ganze Gesellschaft konnte sich ein hohes Maß an Rationalität in bezug auf die technische und ökonomische Beherrschung der wissenschaftlich-technischen Revolution durch das Kapital durchsetzen. (Das war einmal! Heute überwiegt, unter dem Einfluß von „Bankenrettung“ und drohendem Staatsbankrott, die Irrationalität dieser Prozesse! Die ganze Sinnlosigkeit „regulierender Maßnahmen“ ist schon nicht mehr zu übersehen!)

Eine gewisse Stabilisierung gab es Ende der 80er Jahre

Der Mechanismus der Kreditmobilisierung und seines zentralisierten und strategisch gelenkten Einsatzes als Kapitalkredit ist außerordentlich flexibel und weltweit mittels modernster Technik organisiert. Zum Beispiel dürften die »Finanzinnovationen« der letzten Jahre (unter anderem die Verwandlung langfristig garantierter Kredite in handelbare Wertpapiere) die »Poren« der Kreditzirkulation verdichtet und analog dem Geldumlaufgesetz einen Teil der notwendigen Ausdehnung des Kredits durch Beschleunigung seines Umlaufs abgedeckt haben.

Konsequenzen für die Arbeiterklasse

Der Vergesellschaftungsgrad des Geldkapitals hat mit seiner internationalen Verflechtung eine neue Stufe erreicht. Der Form nach (aber nur der Form nach) verwandelt sich der Kredit als Kapitalkredit heute in einen international organisierten gesellschaftlichen Vorschuß. Er bedeutet einerseits eine Forderung der Gesellschaft an die produzierenden Subjekte und andererseits eine Verpflichtung dieser nicht mehr nur auf gegenseitige Lieferung von Waren, sondern darauf, ihre eigene Entwicklung der der Gesellschaft als Ganzes einzuordnen.

Das Finanzkapital unterwirft ganze Staaten seiner Kontrolle

Diese Entwicklung brachte für das Finanzkapital einen bedeutenden Zuwachs an Herrschaft über internationale gesellschaftliche Reproduktionsprozesse und ermöglicht ihre Unterwerfung unter die Mehrwertproduktion. Es wächst daher die Gefahr der Ausnutzung dieser Herrschaft zur Durchsetzung sozialreaktionärer und friedensgefährdender Strategien des Kapitals, in deren Gefolge die globalen Probleme der Menschheitsentwicklung und die Konflikte weltweit eskalieren würden.

Die Chancen für revolutionäre Veränderungen nehmen zu!

Auf der anderen Seite aber wachsen unter dem Druck der inneren Logik der Produktivkraftentwicklung die Chancen für die internationale Arbeiterklasse und die Menschheit, das staatsmonopolistische Kapital zu zwingen, die Lösung der globalen Probleme gemeinsam mit dem Sozialismus in Angriff zu nehmen. In der Durchsetzung dieser Chance liegt der Inhalt des revolutionären Kampfes in der Gegenwart.  (Die Lösung der globalen Probleme liegt freilich im Interesse der gesamten Menschheit. Doch Tatsache ist auch, das sozialistische Lager existiert nicht mehr. Anmerkung N.G.)

Quelle:
Autorenkollektiv unter Leitung von Hannelore Riedel, Das Geld im gegenwärtigen Kapitalismus, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1989, S.186f.

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