Geschichtliches: Die aggressive Zuspitzung der Politik der BRD gegenüber der DDR und der 13. August 1961

BRDDa ja nun immer wieder in den braungefärbten bürgerlichen Massenmedien Schmähartikel über die DDR erscheinen, geschichtsfälschende Ausstellungen über die „zweite deutsche Diktatur“ aufgebaut werden und Memoiren und andere Machwerke irgendwelcher  opportunistischer Auftragsschreiberlinge gedruckt werden, kommen wir nicht umhin, ab und zu auch einmal aus der Geschichte der BRD zu berichten, die ja alles andere als friedlich und demokratisch verlief. Hier nun einige Anmerkungen zu den Ereignissen im Jahre 1960.

Erich Nickel

Die aggressive Politik der BRD gegen die DDR (1960)

Ab Anfang 1960 intensivierten die Regierung und die Massenmedien der BRD ihre Angriffe auf die DDR, indem sie auf aggressive Weise das revanchistische „Wiedervereinigungsprogramm“ der Bonner Koalition in den Mittelpunkt öffentlicher Erörterungen rückten.

Umrüstung, Aufrüstung, Rüstungserweiterung

Vom 11. bis 13. Juli 1960 fand in Kiel eine Besprechung von Kommandeuren der Bundeswehr statt, die inhaltlich durch das Auftreten von Verteidigungsrninister Strauß und des Generalinspekteurs der Bundeswehr Heusinger bestimmt wurde. In dieser Versammlung wurde die nunmehr abgeschlossene erste Aufbauphase der Bundeswehr analysiert und die AufgabensteIlung für die zweite, die Phase ihrer erweiterten Ausrüstung, umrissen. Wenige Wochen später, in der zweiten Augusthälfte 1960, veröffentlichte der Führungsstab der Bundeswehr im Einverständnis mit dem Verteidigungsminister unter dem Titel „Voraussetzungen einer wirksamen Verteidigung“ eine Denkschrift, die keineswegs nur „als Information für die Truppe, sondern auch als ein Appell an die Politiker der verschiedensten Parteien gedacht“ [1] war. Sie sollte Parteipolitiker und Parlamentarier von CDU/CSU, SPD und FDP auf die in vollem Gange befindliche kosten aufwendige Umrüstung der Armee und auf eine Rüstungserweiterung einstellen.

Der „Starfighter“ und die Atomraketen der BRD

Schwerpunkte auf dem Gebiet der konventionellen Rüstung waren die Anschaffung neuer Düsenjäger, der in den USA produzierten „Starfighter“, für die Luftwaffe, die Einführung neuer Panzertypen für das Heer und der Aufbau eines neuen Raketen-Luftabwehrsystems. Das eigentliche Anliegen der „Generalsdenkschrift“ war jedoch die wiederaufgenommene Forderung nach „taktischen Atomwaffen“ für die Bundeswehr.

„Schild-und-Schwert“-Theorie der NATO

Um diese Forderung zu begründen, bedienten sich die Generale der „Schild-und-Schwert“-Theorie der NATO. Sie gingen davon aus, daß die Bundeswehr als Bestandteil der sogenannten „Schildstreitmacht“ der NATO in deren strategischem Bereich Europa-Mitte unbedingt mit Atomwaffen ausgerüstet werden müsse: „Bei einem … Verzicht auf atomare Bewaffnung kann die Bundesrepublik nicht verteidigt werden.“ [2] Infolge der Schwäche des „Schildes“ bliebe ihr – und darauf spekuliere die Sowjetunion – nur noch die Kapitulation oder die Zuflucht zum „Schwert“ , d.h. zum unbegrenzten Atomkrieg. Die „Verantwortung“ zwinge „in der heutigen Situation“ die Truppenführer , „die für Schildstreitkräfte unentbehrliche atomare Bewaffnung zu fordern“. [3]

Anheizung des Antikommunismus

Fünf Jahre nach dem NATO-Beitritt der BRD sahen sich deren Verbündete durch diese Forderung zunehmend unter Druck gesetzt. Die SPD hatte gegen den wesentlichen Inhalt der „Generalsdenkschrift“ ebensowenig Einwände wie der Bundeskanzler. Die Forderung der BRD-Generalität war Bestandteil der massiven, auf eine außerordentliche Anheizung der antikommunistischen Atmosphäre gerichteten Kampagne, deren politische Zielrichtung die DDR war.

NATO-Manöver für einen erneuten „Blitzkrieg“

In den Jahren 1960/61 konzentrierte sich die Manövertätigkeit von NATO-Truppen in auffälliger Weise auf dem Gebiet der BRD. In den Stabs- und Truppenübungen der Bundeswehr – meist in Grenznähe der DDR – wurden vor allem verschiedene Varianten des „Blitzkrieges“ und des „begrenzten Krieges“ gegen die DDR geprobt. Die den Übungen zugrunde liegenden Überlegungen gingen von der Annahme aus, daß die UdSSR im Ernstfalle nicht eingreifen werde, weil derartige Aktionen ja unter dem Nuklearschild der USA stattfinden würden.

Der Handelsboycott gegen die DDR

Im September 1960 kündigte die Regierung der BRD das mit der DDR seit 1951 bestehende Handelsabkommen. Gleichzeitig rief sie zu einem umfassenden Handelsboykott gegenüber der DDR auf. Obwohl die Adenauer-Regierung ihre Maßnahme wegen der sich abzeichnenden Erfolglosigkeit drei Monate später zurücknehmen mußte, ergaben sich für die DDR durch den Ausfall von Lieferungen zunächst beträchtliche Schwierigkeiten, die nur durch außerordentliche wirtschaftliche Hilfsaktionen der Sowjetunion und anderer RGW-Länder sowie durch zusätzliche ökonomische Anstrengungen und Umstellungen im eigenen Wirtschaftsgefüge bewältigt werden konnten.

Die Pläne der alten Nazis für den „Tag X“

Im Juli 1961 legte der „Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands“ in Bonn einen Plan vor, der detaillierte Maßnahmen zur Beseitigung der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung der DDR für den „Tag X“, den Tag der Einverleibung der DDR in die BRD, enthielt. Der Wahlkampf zum Bundestag im Jahre 1961 gab den konservativ-reaktionären Kräften in ihren aggressiven Bestrebungen gegenüber der DDR multiplizierende Wirkungsmöglichkeiten.

Medienterror gegen die DDR

Die Massenmedien nahmen sich der zugespitzten Kampagne gegenüber der DDR im Sommer 1961 in immer stärkerem Maße an. Zudem forderte die offene Grenze zwischen der DDR und Westberlin die zahlreichen Gegner des Sozialismus – in Westberlin betrieben zu diesem Zeitpunkt über 80 antikommunistische Organisationen ihr gegen den Sozialismus gerichtetes Handwerk geradezu heraus, in den verschiedensten Formen auf die Verhältnisse in der DDR einzuwirken.

Die Sicherung der Staatsgrenze durch die DDR

Die militärisch gesicherte Schließung der Grenze zu Westberlin durch die DDR in der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 auf der Grundlage ei­nes Beschlusses der Staaten des Warschauer Vertrages übte eine schockartige Wirkung auf die konservativ-reaktionären Kräfte in der BRD aus. Die von der Regierung Adenauer betriebene revanchistische Politik wurde in ihren Grundlagen erschüttert. In ihren ohnmächtigen politischen Reaktionen fand die BRD-Regierung nicht einmal bei den eigenen Verbündeten die erhoffte Unterstützung, schätzten diese doch das veränderte Kräfteverhältnis zwischen NATO und Warschauer Vertrag seit Jahren realistischer ein.

Konsequenzen

Die wichtigste Folge des 13. August 1961 war jedoch, daß für die breite Öffentlichkeit in der BRD mit einem Schlage grundlegende Widersprüche in Politik und Gesellschaft sichtbar wurden, die vorher durch die weiterwirkende restaurative und revanchistische Politik überdeckt worden waren. Dadurch wurde in der nunmehr beginnenden Schlußphase der „Ära Adenauer“ das große Umdenken auf vielen innen- und außenpolitischen Gebieten, insbesondere aber gegenüber der DDR und den anderen sozialistischen Ländern, eingeleitet.

Anmerkungen:
[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. August 1960.
[2] Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung (Bonn), 20. August 1960.
[3] ebd.

Quelle:
Erich Nickel: Die BRD – ein historischer Überblick. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1988, S.187-189. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G. – übrigens: VEB heißt Volkseigener Betrieb)

Siehe auch:
13. August 1966 – Fluchtwelle aus Westdeutschland in die DDR
Walter Ulbricht: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen…
Erfahrungen an der DDR-Grenze
Unser Weg hat sich bewährt

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19 Antworten zu Geschichtliches: Die aggressive Zuspitzung der Politik der BRD gegenüber der DDR und der 13. August 1961

  1. artigo schreibt:

    A ideia é bastante interessante, achei esse web site sem querer ao pesquisar sobre isso o tema pela internet. Afinal que agradável que achei, Grato! 🙂 https://www.wikipedia.org/

  2. Pingback: Die aggressive Zuspitzung der Politik der BRD gegenüber der DDR — Sascha’s Welt | Schramme Journal

  3. Weber schreibt:

    Einer von vielen „dunklen Punkten“ der Alt-BRD:
    Strauß verlangte Todesflug
    „Starfighter“ bei Atombomben-Abwurfsübung kollidiert
    Bonn(ADN/ND). In den Bonner Dienststellen der Bundeswehr brachten die erregten Diskussionen über den Absturz der vier „Starfighter“ sensationelle Einzelheiten zutage: Es wird als unzweifelhaft angesehen, daß die abgestürzten Jagdbomberpiloten bei einer Atombomben-Abwurfsübung den Tod fanden.
    Die vier Piloten — ein amerikanischer und drei westdeutsche Offiziere — sind bei einem sogenannten Schulterwurfmanöver abgestürzt, das westdeutsche Maschinen schon seit längerer Zeit auf einem sardinischen NATO-Stützpunkt üben. Die Maschinen flogen mit großer Geschwindigkeit das Ziel an und stiegen dann steil in die Höhe. Nachdem sie den Kulminationspunkt erreichten, an dem der Regel die Atombombe ausgeklinkt wird, folgte eine Kehrtkurve, wobei sie aber kollidierten und abstürzten.
    Kriegsminister Strauß hatte verlangt, dieses Manöver, dargestellt von vier Maschinen, am Mittwoch vorzuführen. An diesem Tage wurde ein „Starfighter“-Geschwader auf dem Flugplatz Nörvenich als Grundstock einer westdeutschen Atombomberflotte in Dienst gestellt.
     Der Sprecher des Bonner Kriegsministeriums, Oberst Schmückle, bestätigte in einer Presseerklärung die Atomkriegs-Übungen der „Starfighter“. Schmückle teilte mit, daß die vier Maschinen bei einer geschlossenen Formationsübung abstürzten, wie sie „für den taktischen Einsatz notwendig“ sei. Es habe sich bei dem Manöver der vier abgestürzten „Starfighter“ nicht um einen Kunstflug, sondern um einen Flug gehandelt, der „in seiner Präzision den höchsten Ausbildungsstand der Piloten vorausgesetzt“ habe, betonte der Oberst. Derartige Flüge müssen von allen Piloten geflogen werden.
    Dabei wird das Bonner Kriegsministerium, wie sich aus der Erklärung von Schmückle weiter ergab, keinerlei Rücksicht auf die dadurch aufs äußerste gefährdete Zivilbevölkerung nehmen.
    Neues Deutschland, Fr. 22. Juni 1962
    http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/ddr-presse/ergebnisanzeige/?purl=SNP2532889X-19620622-0-2-23-0

    Tödliche Starfighter-Bilanz: 269 Abstürze, 116 tote Piloten
    https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/631467/todliche-starfighter-bilanz-269-absturze-116-tote-piloten#gallery&0&0&631467
    Werden die Auftragsschreiberlinge dazu gebraucht, damit solche „dunklen Punkte“ der Alt-BRD-Regierungen nicht ans Tageslicht kommen?

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  10. Thomas Artesa schreibt:

    Wie so oft in der Geschichte beeinträchtigen oder beeinflussen Klassengegensätze oder auch Systemunterschiede gerade im täglichen Leben den arbeitenden Menschen umso intensiver, wenn es zu einschneidenden Krisen kommt. Das politische Verständnis beweist sich dann leider erst später mit der Zeit und den Jahren. Der momentane Schock gipfelt erst einmal in bodenlosem Unverständnis. Der 13. August musste ja gerade auch von den Genossen im Westen des geteilten Landes erst einmal verstanden werden. Ähnlich war es 1939 mit dem Hitler-Stalin-Pakt (besser Molotow- Ribbentrop-Vertrag) bestellt. Also die Einsicht in die Notwendigkeit kam oftmals erst später im Volk an.

    Am Abend des 12. August 1961 rauschte noch die letzte S-Bahn über Spandau-West nach Staaken bzw. Falkensee, ehe dann die Grenze für Jahre dichtgemacht wurde. Im Berliner Umland waren die Mieten noch billiger als in Berlin-West und so arbeiteten oder studierten eben auch viele Menschen hüben wie drüben. Der Pendelverkehr war noch möglich von Ost nach West und anders herum. Leichte Kontrollen in Bus und Bahn wurden in Kauf genommen. Keine große Sache also! Wenn dann aber 1961 die eigene Familie auf Monate oder gar Jahre getrennt wird, verlangt das von einem schon mehr als nur theoretische Standhaftigkeit ab. Heute fragt man sich oftmals, wo sind sie denn nun diese überzeugten progressiven und ideologisch gestählten Menschen, die allen Krisen widerstehen, Kriege aber nur aus Hollywood-Filmen her kennen und sich dann doch impfen lassen, um auch einmal am bürgerlichen Schweinetrog sitzen zu dürfen! Heute wird immer klarer, was für ein Jahrtausendgeschenk dank der Roten Armee mit der DDR der Menschheit verloren gegangen ist – trotz persönlicher Entbehrungen oder gar Nachteile – Sic!

  11. Erfurt schreibt:

    Bei der Gelegenheit sei mal wieder daran erinnert, daß es die westlichen Alliierten waren die Deutschland und Berlin geteilt haben und zwar bereits im Jahr 1949 entgegen der Beschlüsse von Jalta und Potsdam!

    • Thomas Artesa schreibt:

      Lieber Freund und interessierter Weggefährte. Im Grunde genommen fing die Teilung Deutschlands schon 1948 an mit der Einführung der westlichen D-Mark. Wie immer steht die finanz-ökonomische Bankenabzocke im Vordergrund aller Sanktionen, Kriege und Boykottmaßnahmen…bis heute!
      Am Rande bemerkt – auch Israel wurde 1948 gegründet und durfte somit gleich in den schnöden Dauergenuss (Dauererpressung) der D-Mark-Geschenke kommen!

      • Erfurt schreibt:

        Richtig Thomas, die Westalliierten haben niemals nicht im Entferntesten daran gedacht sich an die auf der Krim und in Potsdam gefassten Beschlüsse (*) zu halten. Von daher missbrauchten sie ihr in Potsdam bereits 1945 verbrieftes Besatzungsrecht zur Errichtung eines eigenständigen Wirtschaftsgebietes. Und zwar unverzüglich.

        *Beschlüsse die sie im Übrigen selbst unterschrieben hatten.

  12. Harry56 schreibt:

    Leider falsch, Gen. Erfurt! Die endgültige Spaltung Deutschlands wurde bereits im Juni 1948 eingeleitet, mit der Einführung der DM (eine neue Währung) in den 3 Westzonen und den drei Westsektoren von Berlin.
    Die so gennante „Berlin-Blockade“ der „bösen Russen“ war der Versuch einer Abschirmung der ökonomischen Folgen diieser im Grunde illegalen Maßnahme für die SBZ und den sowj. Sektor von Berlin.

    Soz.Gruß!

  13. Pingback: Mord mit Beifall. Über die von westdeutschen Agenten ermordeten Grenzsoldaten und -polizisten der DDR | Sascha's Welt

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