Stalin: Einige Fragen der Theorie

374558_458271587578132_257935609_nIn seiner Rede auf dem XVIII. Partei der Allunions-KP (B) im Jahre 1939 wies Stalin darauf hin, daß es nach dem Sieg der Sowjetmacht im Jahre 1917 (und das gilt auch für die Zeit nach dem historischen Sieg über den Hitlerfaschismus) zu einer Unterschätzung des Klassengegners kommen kann, nämlich dann, wenn „die Parteipropaganda aus irgendwelchen Gründen zu hinken beginnt“. Stalin machte deutlich, „je niedriger das politische Niveau und je weniger bewußt die marxistisch-leninistsche Einstellung der Funktionäre, um so wahrscheinlicher sind Versagen und Fehlschläge in der Arbeit, um so wahrscheinlicher ist es, daß die Funktionäre selber verflachen und zu kleinlichen Wichtigtuern werden, um so wahrscheinlicher ist es, daß sie entarten.“

Theoretische Klarheit im Marxismus-Leninismus

Zu den Mängeln unserer propagandistischen und ideologischen Arbeit ist auch der Umstand zu zählen, daß es unter unseren Genossen an voller Klarheit über einige Fragen der Theorie fehlt, die von großer praktischer Bedeutung sind, daß in diesen Fragen eine gewisse Verwirrung herrscht. Ich meine die Frage des Staates im allgemeinen, die Frage unseres sozialistischen Staates im besonderen und die Frage unserer Sowjetintelligenz.

Wozu braucht man im Sozialismus noch einen Staat?

Manchmal wird gefragt: „Die Ausbeuterklassen sind bei uns aufgehoben, feindliche Klassen gibt es im Lande nicht mehr, es gibt niemanden mehr, der zu unterdrücken wäre, also braucht man den Staat nicht mehr, er muß absterben — warum tragen wir denn nicht zum Absterben unseres sozialistischen Staates bei, warum bemühen wir uns nicht, mit ihm Schluß zu machen, ist es nicht an der Zeit, diesen ganzen Plunder der Staatlichkeit über Bord zu werfen?“ Oder auch: „Die Ausbeuterklassen sind bei uns bereits aufgehoben, der Sozialismus ist im wesentlichen errichtet, wir marschieren zum Kommunismus, die marxistische Lehre vom Staat aber besagt, daß es unter dem Kommunismus keinerlei Staat geben soll — warum tragen wir nicht zum Absterben unseres sozialistischen Staates bei, ist es nicht an der Zeit, den Staat in ein Museum für Altertümer abzuschieben?“

Auswendig gelernt, aber nicht begriffen

Diese Fragen zeugen davon, daß die Fragesteller einzelne Sätze der Lehre von Marx und Engels vom Staat gewissenhaft auswendig gelernt haben. Sie zeugen aber auch davon, daß diese Genossen das Wesen dieser Lehre nicht begriffen haben, daß sie nicht darüber Bescheid wissen, unter welchen geschichtlichen Bedingungen die einzelnen Sätze dieser Lehre ausgearbeitet wurden und daß sie insbesondere die gegenwärtige internationale Situation nicht verstanden haben, daß sie die Tatsache, daß eine kapitalistische Umwelt besteht, und die sich daraus ergebenden Gefahren für das Land des Sozialismus übersehen haben. In diesen Fragen kommt nicht nur die Unterschätzung des Bestehens der kapitalistischen Umwelt zum Ausdruck. In ihnen offenbart sich ebensowohl die Unterschätzung der Rolle und Bedeutung der bürgerlichen Staaten und ihrer Organe, die in unser Land Spione, Mörder und Schädlinge entsenden und nur auf den Moment lauern, um einen militärischen Überfall auf unser Land zu unternehmen; ebenso offenbart sich in ihnen die Unterschätzung der Rolle und Bedeutung unseres sozialistischen Staates und seiner Militär-, Straf- und Abwehrdienstorgane, die zum Schütze des Landes des Sozialismus gegen Überfälle von außen notwendig sind.

Revolutionäre Wachsamkeit

Man muß feststellen, daß sich nicht nur die eben erwähnten Genossen diese Unterschätzung zuschulden kommen lassen. In gewissem Maße lassen wir Bolschewiki alle ohne Ausnahme uns diese Unterschätzung zuschulden kommen. Ist es denn nicht verwunderlich, daß wir von der Spionage- und Verschwörertätigkeit der Anführer der Trotzkisten und Bucharinleute erst in der letzten Zeit, in den Jahren 1937 und 1938, erfahren haben, obwohl diese Herren, wie das aus den Materialien ersichtlich ist, schon in den ersten Tagen der Oktoberrevolution als Spione bei den ausländischen Spionageapparaten in Dienst standen und ihre Verschwörertätigkeit ausübten? Wie konnten wir diese ernste Tatsache übersehen? Wodurch ist dieses Versagen zu erklären?

Eine gefährliche Unterschätzung des Klassenfeindes

Gewöhnlich antwortet man auf diese Frage folgendermaßen: Wir konnten nicht annehmen, daß diese Leute so tief sinken können. Das ist aber keine Erklärung und noch viel weniger eine Rechtfertigung, denn die Tatsache des Versagens bleibt eben eine Tatsache. Womit ist dieses Versagen zu erklären? Dieses Versagen erklärt sich aus der Unterschätzung der Kraft und Bedeutung des Mechanismus der uns umgebenden bürgerlichen Staaten und ihrer Spionageorgane, die bestrebt sind, die Schwächen der Menschen, ihre Eitelkeit, ihre Charakterlosigkeit auszunutzen, um sie in ihre Spionagenetze zu verstricken und diese Netze um die Organe des Sowjetstaates zu ziehen. Es erklärt sich aus der Unterschätzung der Rolle und Bedeutung des Mechanismus unseres sozialistischen Staates und seines Abwehrdienstes, aus der Unterschätzung dieses Abwehrdienstes, aus dem Geschwätz, daß der Abwehrdienst im Sowjetstaate nebensächlich und bedeutungslos sei, daß man den sowjetischen Abwehrdienst, ebenso wie den Sowjetstaat selber, bald in ein Museum für Altertümer abschieben müsse.

Quelle:
J.W. Stalin, Rechenschaftsbericht an den XVIII. Parteitag über die Arbeit des ZK der Allunions-KP (B), am 10.März 1939. In: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1951, S.718-723. (Zwischenüberschriften von mir — N.G.)

siehe auch:
Eine verbrecherische Rede
Die Lüge von den Stalinschen Massenmorden

Chruschtschow der Mörder Stalins und der UdSSR
Der Bruch in der kommunistischen Bewegung

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14 Antworten zu Stalin: Einige Fragen der Theorie

  1. hjkessel schreibt:

    Folgendes Zitat erklärt/ beweist, den Antikommunismus einigen Vertretern der Linkspartei;
    “ Gleichwohl ist es unbestreitbar, dass auch unter Linken antisemitisches Gedankengut anzutreffen ist. Dass auch Linke für antisemitische Sündenbocktheorien anfällig sein können, haben dabei besonders drastisch die antijüdischen Kampagnen etwa im Stalinismus gezeigt, als viele Revolutionäre aus ihren Parteien ausgeschlossen, verhaftet und gefoltert wurden, weil man ihnen als Jüdinnen und Juden generell nicht getraut hat. In den Stalinschen Schauprozessen der 30er und dann wieder der frühen fünfziger Jahre wurde nicht zuletzt der Vorwurf des „Zionismus“ erhoben und gegen jüdische Parteimitglieder gewendet.“

    hier wird ganz eindeutig die Sichtweise antikommunistischer, bürgerlicher Historiker und die von rechten Sozialdemokraten,Opportunisten und Revisionisten kolportiert.
    Ich wäre dankbar für ein paar Fakten, die diesen Vorwurf nicht nur entkräften sonder als Lüge entlarven.

  2. hjkessel schreibt:

    … Danke für den Link.
    Wenn man Kurt Goossweiler gelesen hat, bekommt ein Gedanke Valentin Falin’s eine andere Bedeutung. “ Was war eigentlich der Stalinismus ? Totalitarismus, Despotismus, Tyrannei. Es findet sich sicher noch ein halbes Duzend Epithea, mit denen man Methoden und Zustände unter der Herrschaft des des Diktators beschreiben könnte. Dagegen ist nichts zu sagen. Eüithea werden jedoch häufig gebraucht, wenn man zur Substanz nicht Stellung beziehen will.“ Für mich ist der letzte Satz entscheidend, wenn man nicht Stellung beziehen will. Oder es eben nicht kann.

  3. hjkessel schreibt:

    Epithea, erweitert ,schmückend, mein Schreibprogramm spielt mir manchmal einen Streich wenn man nicht blind schreiben kann und das Geschriebene nicht noch einmal liest um eventuell zu korrigieren.

    Das Zitat stammt aus; Valentin Falin, Konflikte im Kreml- Der Untergang der Sowjetunion.

    • sascha313 schreibt:

      Danke. Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinauswollen. Aus dem o.g. Stalin-Zitat ist nirgendwo eine „antijüdischen Kampagne“ herauszulesen. Wann und wo wurden denn „viele Revolutionäre aus ihren Parteien ausgeschlossen, verhaftet und gefoltert, weil man ihnen „als Jüdinnen und Juden generell nicht getraut hat“ (wie dieser Gehrke behauptet)? Wo und gegen wen wurde denn der „Vorwurf des ‚Zionismus‘ erhoben“? Also bitte konkret! Alles andere wäre verleumderisch! Und wer so jemanden wie Solzhenizyn oder Leonhard als „Zeugen“ anführt, der kann auch gleich Goebbels zitieren. Bei alledem ist immer wieder herauszulesen, daß hier gegen Stalin die alten Chruschtschowsche Lügen ins Feld geführt werden. Kurz gesagt: die Haltung zu Stalin erweist sich als Prüfstein, ob jemand ein Kommunist ist oder nicht!

  4. rheinlaender schreibt:

    Hallo Sascha,
    hjkessel benutzt zwar westliches Propaganda Vokabular, aber ich denke, dass es nicht mal ein Dutzend „Haupt“ Lügen über Stalin gibt. Hier ein gutes Video aus einem wiederbelebten Kanal.
    https:/ /www.youtube.com/watch?v=p0zAdS4Ll7g&list=UUsg8tsCLB450ef129HycVbQ&index=5
    Ich selber trage ebenfalls dazu bei Lügen über Stalin zu widerlegen. Trotzdem interessiert es mich schon, ob Stalin dafür verantwortlich war, dass Homosexuelle und Juden verfolgt worden sind.

    • sascha313 schreibt:

      Hallo rheinlaender – zum letzten Satz: Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Oder, um es noch deutlicher zu sagen: Wer das behauptet der lügt! Stalin war selber kein Russe, und er hat sich vehement für eine fortschrittliche Nationalitätenpolitik und für die Gleichberechtigung aller Menschen in der Sowjetunion eingesetzt. In der Sowjetunion hat niemand danach gefragt, ob da jemand jüdische oder turkmenische Verwandschaft hat. Es gab weder Prostitution, noch Aids, noch irgendwelche obszönen Auftritte. Das kam erst mit der „westlichen Freiheit“ ins Land. Vielleicht ist das für westliche Vorstellungen etwas seltsam – aber Frauen mußten nicht ihren Sex verkaufen, um etwas „wert“ zu sein. Anerkennung kam durch den Beruf, das Studium usw. – denn Arbeitslosigkeit gab es nicht. Die Sowjetunion war ein Kulturland! (und kein Sextempel).

      Die Menschen waren absolut gleichberechtigt. Ohne Ausnahme. Alte Menschen, Lehrer, Wissenschaftler und Künstler waren hoch geachtet, und es zählte nur das, was sie für das Volk geleistet hatten. Dadurch konnte man zwar nicht „reich“ werden, denn das war absolut nicht wichtig, wurde aber hoch geehrt. Persönliche Neigungen, Präferenzen, die Religion usw. waren Privatsache eines jeden einzelnen. Nur was die Partei betrifft, gab es, zumindestens solange Stalin noch lebte, klare Regeln. Denn es war eine Ehre, Kommunist sein zu dürfen. Später unter Chruschtschow bis zuletzt galt es als ein „Privileg“. (Das Video ist schon nicht verkehrt, nur m.E. in Teilen etwas unlogisch bzw. schwer nachvollziehbar – zum Anschauen / / wieder zusammenfügen!)

    • hjkessel schreibt:

      Guten Morgen,
      lieber rheinlaender, man kann nur lernen, deshalb bitte ich darum, wo ich, außer in Zitaten, westliches Propaganda Vokabular benutzt habe. Nochmal, Gehrke kolportiert wiederholt die Feststellung bürgerlicher Historiker. Hier nochmal seine Aussage aus dem o.g. Zitat;
      “ Dass auch Linke für antisemitische Sündenbocktheorien anfällig sein können, haben dabei besonders drastisch die antijüdischen Kampagnen etwa im Stalinismus gezeigt, als viele Revolutionäre aus ihren Parteien ausgeschlossen, verhaftet und gefoltert wurden, weil man ihnen als Jüdinnen und Juden generell nicht getraut hat “
      Inzwischen habe ich Kurt Gossweiler gelesen. Meine Beurteilung dieses Gehrke Zitats lautet; es ist eine typische Vermischung von Fakten um letztendlich ein anderes Bild zu erzeugen. Nicht Stalin allein sondern die Organe der Partei, die damit beauftragt waren haben natürlich unter seiner Führung gewirkt. Es ging also vordergründig um Trotzkistische Bewegungen, um die Tätigkeit Intellektueller in diesem Zusammenhang und nicht vordergründig um Juden. Um diesen, wiederholt von bürgerlichen Historikern kolportierten Vorwurf Gehrkes geht es.
      Noch einmal die Fakten;

      … er meint Linke sind für antisemitische Sündenbocktheorien anfällig
      und bringt das mit besonders drastischen antijüdischen Kampagnen
      im Stalinimus in Verbindung.

      Um es gerade heraus zu sagen, ich erwarte auf meine Fragen Antworten die sich eben von der heutigen antikommunistischen Propaganda abheben und nicht Belehrungen über den gebrauch von Vokabeln.

      Viele Grüße Achim

  5. sascha313 schreibt:

    Danke, Achim, für die Erklärung. Ich denke, wir haben alle etwas zu lernen. Manche – auch berechtigte – Fragen machen einen mitunter schon etwas ratlos, zumal die Bourgeoisie mit immer neuen „Tatsachen“ daherkommt. Und da ist es immer wieder lehrreich zu lesen, wie z.B. Genosse Gossweiler an die Dinge herangeht. Daraus können wir viel lernen!

    Unter Stalin gab es keine „antijüdischen Kampagnen“ – gleichwohl aber gab es auch damals immer noch Karrierismus, Heuchelei, Egoismus und andere schlechte menschliche Eigenschaften. Als Beispiel dafür kann man Trotzki nennen. Chruschtschow und Ejsche bspw. waren für unzählige Morde verantwortlich. Aber sogar Shukow und Timoschenko hatten sich schuldig gemacht und besaßen ihre dunklen Seiten (trotz ihrer heldenhaften Leistungen als Heerführer).

    Und Kampagnen gab es vor allem gegen solche Erscheinungen, dazu zählten auch die „Säuberungen“ innerhalb der kommunistischen Partei. Der sowjetische Pädagoge Makárenko war bspw. ein verdienstvoller Erzieher von Kindern, den Opfern des Bürgerkrieges. Suchomlinski, Kalinin und Hunderttausende hochangesehener Lehrer bemühten sich um die Heranbildung einer sozialistischen Jugend usw. (Das ist u.a. auch Stalin zu verdanken!)

  6. rheinlaender schreibt:

    Danke, lieber hjkessel. Die Begriffe Stalinismus, Totalitarismus, Despotismus, Tyrannei sind Kampfbegriffe und VERBALE Kriegsvorbereitung der aggressivsten kapitalistischen Staaten. Die werden immer dann benutzt, wenn man Krieg oder mit bezahlten „Unruhen“ einen Regime Change durchführen will. Das kleine Heftchen von Lenin „Über den Staat“ erklärt indirekt auch, dass der Staat immer von der herrschenden Klasse (Sklavenhalter, Feudale, Kapitalisten, Arbeiter) beherrscht und damit „totalitär“ ist.

    Warum sind unsere 13 Hauptmedien plus die öffentlich, rechtlichen so auf brutale „neokapitalistische“ Linie und so USA / NATO hörig ? Wie Sascha schon öfter schrieb, sind Freiheiten im individuellen Bereich (FKK, Promiskuität, Drogenkonsum, Religion, Abtreibung, Schwulsein, Ausländertoleranz … ) von der jeweiligen Kultur – und weniger von der herrschenden Klasse abhängig. Übrigens war in der braunen Konrad-Adenauer-Zeit ja alles verboten, was Spaß macht und zur Zeit des Faschisten Kurt Georg Kiesinger wurden Ausländer mit Haustieren gleichgesetzt.

    Hallo Sascha die Links :
    https://www.youtube.com/user/KIDeutschland
    https://www.youtube.com/user/11erGoff
    möchte ich Dir nur deshalb schicken, weil ich einige Videos für sehr gut halte, was die Aufklärung über die Ökonomie, aber auch über Stalin (besonders der Vorwurf: Einverleibung Polens) angeht. Vielleicht sind es ja einige wert, hier geposted zu werden ?

  7. Pingback: Hi, I am a communist… | Sascha's Welt

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